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Mit anderen auskommen

Aus der Februar 1976-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Bist du schon einmal Leuten begegnet, die glauben, daß man sie als Erwachsene tun lassen müßte, was ihnen paßt, und wenn sich dann herausstellt, daß etwas daneben ging, nun, dann wird es einfach als eine weitere Erfahrung im Leben hingestellt? Als ich das Hochschulalter erreicht hatte, glaubte ich, nicht mehr dem elterlichen Rat folgen zu müssen. Als Christliche Wissenschafterin wußte ich, daß mein Vater-Mutter Gott mich jederzeit leiten würde. So dachte ich mir, daß daraus ganz natürlich folgte, daß der Rat meiner eigenen Eltern etwas überflüssig sei. Sie hatten schließlich auch Fehler gemacht.

Ich wohnte zu Hause und fuhr täglich zur Hochschule. Ich wollte gern die Vorzüge, zu Hause zu sein, zusammen mit dem Vorrecht genießen, von zu Hause fort an der Hochschule mit wenig elterlicher Führung zu sein. Andere Studentinnen drängten mich, mir eine eigene Wohnung zu suchen, damit ich größere Freiheit hätte, auf eigenen Füßen stehen könnte und schneller erwachsen sein würde. Eine Zeitlang glaubte ich fest, daß dies die Lösung sei. Ich war sowieso nicht sehr glücklich zu Hause, da ich ein großes Maß an Selbstgerechtigkeit empfand und meine Eltern für stur, neugierig und herrisch hielt.

Ich sprach mit einem meiner Hochschullehrer darüber. Er war ein Mensch, dessen Meinung ich respektierte und den ich bewunderte. Nachdem er mir zugehört hatte, erwiderte er: „Hören Sie: Gehen Sie nicht von zu Hause fort, bevor Sie das Problem mit Ihren Eltern gelöst haben. Sie sollten zuerst mit ihnen auskommen.“

Es überraschte mich, das von ihm zu hören. Ich antwortete: „Aber Sie haben doch auch Ihr Elternhaus verlassen und getan, was Ihnen paßte, als Sie die Hochschule besuchten. Dann kann man mit den Eltern leichter auskommen, denn sie freuen sich so, wenn man nach Hause kommt, daß sie nett zu einem sind.“

Darauf erwiderte er: „Ja, aber Sie sollten lernen, mit ihnen auszukommen, ehe Sie weggehen.“

An dem Klang seiner Stimme konnte ich erkennen, daß er sich wünschte, er hätte es so gemacht. Sein Rat regte mich zum Nachdenken an. So ging ich nach Hause und begab mich an die Arbeit — in der Christlichen Wissenschaft. Aufgeschlossen studierte ich die Bibel, Wissenschaft und Gesundheit, andere Werke von Mary Baker Eddy und alles, was gerade an christlich-wissenschaftlicher Literatur herauskam. Ich wußte nicht genau, was ich studieren sollte, aber ich begann, mich mit Personen, die ich sehr bewunderte, über die ich in der Bibel gelesen hatte oder die ich persönlich kannte, näher zu befassen. Ich versuchte, die Eigenschaften in ihnen zu entdecken, die ich mir selbst aneignen könnte. Ich stellte fest, daß unabhängig und erwachsen zu sein nicht bedeutete, nur das zu tun, was mir paßte, sondern das zu tun, was Gott für mich zu tun hatte. Wenn ich mich entscheiden mußte, ob ich etwas auf meine Weise oder die eines anderen tun sollte, war für mich diejenige maßgebend, die im Einklang mit Gottes Gesetz stand, im Einklang mit den Gesetzen, die uns Mose und Christus Jesus gegeben haben.

Meine Weise und die meiner Eltern könnten z. B. unterschiedlich sein, und beide könnten gute Wege sein, das Gleiche zu tun. Wenn ich, indem ich mich für meine Weise entscheide, das Gebot „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“ 2. Mose 20:12; übertrete, sollte ich zu Gott um eine Lösung beten. Durch Seinen Weg würde ich den Respekt für meine Eltern beibehalten, und ich könnte dennoch heranreifen und nicht nur ein Stempel sein.

Als Christus Jesus als Kind den Tempel besuchte, fragte er seine Mutter und Joseph: „Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, das meines Vaters ist?“ Luk. 2:49; Aber es wird weiter berichtet, daß Jesus mit ihnen nach Nazareth zurückkehrte und „ihnen untertan“ V. 51; war. Jesus wurde von Joseph unterrichtet und wurde ein guter Zimmermann, ehe er sich seiner höheren Tätigkeit widmete. Jesus liebte Maria und sorgte für sie als pflichtgetreuer Sohn. Ja sogar am Kreuz ehrte er seine Mutter. Er bat einen seiner Jünger, den Johannes, sich um Maria zu kümmern, als ob sie seine eigene Mutter wäre.

Als Folge dieses Studiums gewann ich einen neuen Standpunkt. Die Situation zu Hause besserte sich beträchtlich, bis schließlich meine Eltern und ich uns gegenseitig respektierten. Ich konnte mit ihnen meine Gedanken über verschiedenartige Themen besprechen, und meine Ansichten wurden jetzt berücksichtigt. Ich lernte, nicht selbstgerecht zu sein. Ich konnte heranreifen, während ich noch zu Hause lebte. Ich brauchte mich nicht von dynamischen, willensstarken Eltern frei zu machen, um meinen eigenen Stil zu entwickeln. Diese Erfahrung half mir, in einem Büro mit zwei Vorgesetzten tätig zu sein, und ich konnte mit beiden auskommen.

Ich studiere weiterhin täglich die Bibel, Wissenschaft und Gesundheit und andere christlich-wissenschaftliche Literatur. Ferner behalte ich im Umgang mit anderen im Gedächtnis, was Mrs. Eddy in ihrem Artikel „Ungerechtigkeit“ in den Vermischten Schriften sagt: „Doch ungeachtet unserer guten Absichten und Bemühungen, einem anderen auf die eine oder andere Weise zu helfen, wird uns in der Regel für alles, was nicht richtig ist, die Verantwortung zugeschoben; indessen darf uns das nicht davon abhalten, unsere Pflicht zu tun, was auch daraus folgen und was immer es kosten möge.“ Verm., S. 236. In Übereinstimmung mit dieser Erklärung wache ich über meine Gedanken, um sicher zu sein, daß ich die Beweggründe anderer nicht falsch beurteile, sondern alle Absichten und Äußerungen in der Waagschale der Liebe und des Verständnisses wiege.

Durch mein fortgesetztes Studium habe ich gelernt, daß wir nur durch das Befolgen aller Gebote (nicht nur derjenigen, die uns zusagen), einschließlich des Gebots, unsere Eltern zu ehren, die Segnungen der Seligpreisungen gewinnen und das Himmerlreich auf Erden erlangen können.

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