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Gnade — „Gottes Gabe“

Aus der Dezember 1983-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Heutzutage findet in der Diskussion von religiösen Fragen ein Aspekt der Theologie des Apostels Paulus besondere Beachtung. Er wird durch die Aussage veranschaulicht: „ ... aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme.“ Eph. 2:8, 9. Der Begriff „Gabe“ wird in diesem Zusammenhang unterschiedlich interpretiert. Einige verstehen darunter ein Geschenk, das ohne jede Bedingung gegeben wird, während andere sich bewußt sein mögen, daß mit einer Gabe gewisse Forderungen verbunden sind.

Zum Beispiel glaubt man vielleicht, ein Musiker habe eine „Gabe“, ein Talent. Doch jeder, der von künstlerischen Leistungen etwas versteht, weiß, welch intensive Ausbildung und Disziplin nötig sind, um diese Gabe praktisch zu nutzen. Für Selbstzufriedenheit, Faulheit oder Verantwortungslosigkeit ist da kein Platz. Die Gabe stellt Forderungen.

Oft wird angenommen, Paulus’ Erklärung besage, daß man sich die Gabe oder Gnade nicht zu verdienen brauche. „Gnade“ wird häufig als „unverdiente Gunst Gottes“ definiert; und dies erscheint jenen, die sich der Gnade Gottes nicht würdig fühlen, wie ein heilender Balsam. Die Erfahrung aber lehrt, daß man diese Gnade nur empfängt oder widerspiegelt, wenn man in gewissem Maße darauf vorbereitet ist, sie zu empfangen. Und dadurch, daß wir unser Denken und unsere Lebensweise vergeistigen, finden wir die Gnade Gottes. Mrs. Eddy sagt: „Gott wartet nur darauf, daß der Mensch würdig werde, damit Er die Mittel und das Ausmaß Seiner Gnade steigern kann.“ Vermischte Schriften, S. 154.

Die Idee der „Gabe“ mag im Zusammenhang mit der Tatsache gesehen werden, daß alle Macht von Gott kommt. Gnade strömt von der göttlichen Quelle genauso natürlich aus wie Licht von der Sonne. Heilende Kraft kommt von Gott. Er ist die einzige schöpferische Macht, die Ursache von allem, was wirklich ist. Wenn wir erkennen, daß es nur ein Gemüt gibt und daß dieses Gemüt das Gemüt des Menschen ist, wissen wir, daß wir nichts aus uns selbst heraus tun — unser Handeln ist die Gabe Gottes. Es spiegelt Macht wider. Es ist das Kundwerden der Gnade Gottes im Menschen, der Gottes Ebenbild und Widerspiegelung ist. Diese geistige Tatsache enthebt niemanden der Verantwortung; sie fordert von uns den Beweis, daß der Mensch Gott zum Ausdruck bringt und mit seinem göttlichen Ursprung eins ist.

Mrs. Eddy verweist auf die Macht der Christlichen Wissenschaft, die sich im Heilen von Krankheit und Sünde zeigt, und erklärt: „Dies alles wird durch die Gnade Gottes vollbracht — ist das Resultat, wenn Gott verstanden wird.“ Die Christliche Wissenschaft im Gegensatz zum Pantheismus, S. 10. Als Paulus sagte: „ ... aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben“, bezog er sich ganz bestimmt nicht auf einen blinden Glauben. Glaube beruht auf Verständnis. Wir verlassen und beispielsweise auf das Einmaleins, weil wir es verstehen; unser Vertrauen hat eine sichere Grundlage. In gleicher Weise basiert unser Vertrauen in Gottes Güte und Gegenwart auf unserem Verständnis von Gott; es ist kein blinder Glaube. Wir dürfen uns nicht mit irgendeiner abstrakten, vagen Vorstellung von Gnade und Glauben zufriedengeben. Heilung beruht auf einem praktischen Verständnis vom Wesen Gottes und von der Beziehung, die der Mensch als Ausdruck Gottes zu Ihm hat.

Ein junger Mann fragte mich einmal: „Glauben Sie, daß die Erlösung durch den Glauben erreicht wird? Das sagt doch die Bibel.“ Ich erwiderte, daß mehr als ein blinder Glaube erforderlich sei, da in der Bibel ja auch zu lesen stehe, daß der „Glaube ohne Werke tot“ Jak. 2:26. ist. Dann fragte er: „Wie erklären Sie Paulus’ Worte:, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme’?“ Mir schien ganz klar zu sein, daß Paulus hier auf eigenwillige menschliche Anstrengungen Bezug nahm. Er lehnte in diesen Worten nicht die guten Werke ab, die von der im Menschen widergespiegelten Gnade Gottes bewiesen werden. Vielmehr bestätigte er die Tatsache, daß der Mensch keine eigene Macht hat, keinen Grund für selbstgefälliges Rühmen. Die bedeutenden Heilungswerke beruhen auf widergespiegelter Kraft. Das wurde in Paulus’ eigener Erfahrung — in seinen Heilungswerken — deutlich. Und Christus Jesus sagte: „Ich kann nichts von mir selber tun.“ Joh. 5:30. Das Leben unseres Meisters war von guten Werken erfüllt. Er ist unser Wegweiser, unser Vorbild.

Die Gnade Gottes, die durch geistiges Verständnis wirksam wird, und unser tägliches Widerspiegeln des göttlichen Wesens beweisen diese göttliche Kraft in unserer Erfahrung. Wir entwickeln diese Gabe durch Gebet, durch das Nutzen des geistigen Sinnes, durch widergespiegelte Liebe. Auf diese Weise wird die Menschheit von der Göttlichkeit berührt und Gottes Liebe im Heilen praktisch verwirklicht.

Mrs. Eddys Erfahrungen vor ihrer Entdeckung der Christlichen Wissenschaft zeigen, daß sie von Gott vorbereitet wurde, die Offenbarung dieser Wissenschaft zu empfangen. Durch zahlreiche Prüfungen und Enttäuschungen lernte sie, sich beständig von der Materie abzuwenden und auf den Geist zu schauen, nicht mehr im Menschlichen, sondern im Göttlichen das Heilmittel für alle Schwierigkeiten zu sehen. Das hielt an, bis jede materielle Abhängigkeit als fruchtlos bewiesen worden war und keine Hoffnung mehr in der Materie bestand. Dann begann das vollere Licht des geistigen Verständnisses, „die Gnade Gottes“, ihr Denken zu erhellen, und die eigentliche Entdeckung der Christlichen Wissenschaft vollzog sich. Wie praktisch Gottes Gnade ist, wurde durch das Heilen bewiesen.

Mrs. Eddy hielt die Christliche Wissenschaft für die Gabe Gottes. In ihrer Beschreibung der Entdeckung der Christlichen Wissenschaft bezieht sie sich auf Paulus’ Worte über die „Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben ist“ Eph. 3:7; siehe Wissenschaft und Gesundheit, S. 107–108.. Und doch mühte sie sich lange um die Gründung dieser Wissenschaft. Unermeßliche Disziplin und viel Gebet ermöglichten die Entwicklung dieser Gabe. Sie sagt: „Die Entdeckung und Gründung der Christlichen Wissenschaft hat mich mehr als dreißig Jahre unablässiger Arbeit und Rastlosigkeit gekostet; aber gemessen an der Freude, zu wissen, daß den Sündern und Kranken durch sie geholfen wird, daß Zeit und Ewigkeit Zeugnis ablegen für diese Gabe Gottes an die Menschheit, bin ich der Schuldner.“ Verm., S. 382.

Die göttliche Wohltätigkeit stellt auch Forderungen. Obwohl sie wie der Sonnenschein reichlich gegeben wird, muß man doch bereit sein, sie zu empfangen; man muß sich der Gabe würdig erweisen und ihre großen Möglichkeiten fleißig nutzen. Sie ist ein teures Geschenk, denn sie fordert das Aufgeben der Materialität. Wenn wir uns aber von weltlichen Standpunkten lösen, wird dieses Widerspiegeln von reiner Freude erfüllt sein. Dann können wir die Gabe voll und ganz schätzen und erkennen, daß wir nichts aus uns selbst heraus tun, sondern daß alles Gute durch das Widerspiegeln der göttlichen Macht vollbracht wird.

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