„Wir sind wieder genau da, wo wir angefangen haben.“ Mit diesem niederdrückenden Gedanken erwachte ich eines Morgens. Die Umstände schienen gewiß denen zu Beginn unserer Ehe ähnlich zu sein. Dem Anschein nach hatten wir während unserer sechzehnjährigen Ehe wenig Fortschritte gemacht. Obwohl ich mich gegen einen solchen Gedanken wehrte, wich das Gefühl der Niedergeschlagenheit nicht.
Später am Morgen erregte eine Aussage, die ich im Christian Science Journal in einem der Heilungszeugnisse las, meine Aufmerksamkeit. Die Verfasserin berichtete, daß sie jeden Tag mit Dankbarkeit über die vielen Heilungen nachdachte, die ihr die Wissenschaft des geistigen Heilens gebracht hatte. Dieser Ausdruck der Dankbarkeit veranlaßte mich, über die vielen Heilungen nachzudenken, die unsere Familie durch die Ausübung der Lehren der Christlichen WissenschaftChristian Science (kr’istjən s’aiəns) erlebt hatte. Ich beschloß, diese Heilungen von der ersten, an die ich mich erinnern konnte, bis zur letzten niederzuschreiben. Nachdem ich ein paar Stunden getippt hatte, hatte ich sie immer noch nicht alle aufgezählt. Da wußte ich, daß wir uns bestimmt nicht dort befanden, wo wir begonnen hatten! In jedem Fall konnte ich sehen, wie wir bis zu einem gewissen Grade geistig gewachsen waren. Meine Niedergeschlagenheit wich bald, und die Angst verflog.
Ich bin überzeugt, daß die göttliche Liebe immer gegenwärtig ist und den Fortschritt vorantreibt, daß sie uns führt und beschützt. Mary Baker Eddy schreibt in unserem Lehrbuch, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 454): „Liebe inspiriert, erleuchtet, bestimmt und führt den Weg.“ Diese Erklärung ist für mich eine selbstbewiesene Wahrheit.
Kurz nachdem wir geheiratet hatten, erlitt ich nach einer Schleimbeutelentzündung in der Schulter einen schweren Rückfall — und zwar zu einer Zeit, als unsere Familie (einschließlich meiner zwei kleinen Stiefkinder) eine Autoreise quer durch das Land plante. Wir ließen uns nicht davon abhalten, und ich machte mir ein Kissen, auf das ich meinen Arm während der Fahrt stützen konnte. An einem späten Nachmittag, als wir durch den Westen der Vereinigten Staaten fuhren, begann ich, die wöchentliche Bibellektion im Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft zu studieren. Die folgende Stelle aus dem Buch des Propheten Jesaja sprang mir ins Auge (9:5): „Und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.“ Ich sah aus dem Autofenster und dachte über den Vers nach. Wir befanden uns auf einer Autobahn durch die Rockies. Die Berge mit all ihrer Schönheit und Erhabenheit waren mir ein Symbol der Macht, Weisheit und Majestät Gottes. Ich erkannte, daß das göttliche Prinzip, das das gesamte Universum schuf und erhielt, derselbe liebende Vater-Mutter Gott war, der meine zwei neuen Stiefkinder erschaffen hatte und für sie sorgte, ja für sie verantwortlich war. Ich fühlte, wie eine gewaltige Last von mir fiel. Gleichzeitig ließen die Schmerzen nach, und ich konnte meinen Arm ungehindert bewegen. Der Zustand war vollständig geheilt.
Weder mein Mann noch dessen Kinder waren vor unserer Heirat mit der Christlichen Wissenschaft vertraut gewesen. Ich werde immer dankbar sein, daß er sie in die christlich-wissenschaftliche Sonntagsschule gehen ließ und später so bereitwillig einer Einladung seiner Tochter zum Gottesdienst folgte. „Warum kommst du nicht auch, Vati?“ sagte sie. Und er kam. (Später trat mein Mann unserer Zweigkirche bei und war dann gern als Lehrer in der Sonntagsschule tätig.) Bald darauf ergab sich eine Gelegenheit, die ihm den endgültigen Beweis von der Wirksamkeit des geistigen Heilens erbrachte.
Unsere kleine Tochter fiel von einem Skateboard und brach sich den Arm. Mein Mann war zu der Zeit nicht zu Hause, so nahm ich sie in den Arm, rief einen Ausüber der Christlichen Wissenschaft an und bat ihn um Hilfe durch Gebet. Ich beschloß jedoch, den Knochen von einem Arzt einrichten zu lassen, falls mein Mann es wünschte. Das ließen wir auch machen, und ich werde nie vergessen, wie unser achtjähriger Sohn seiner Schwester auf der Fahrt ins Krankenhaus aus der Bibel vorlas. Selbst als wir dort angekommen waren, las er noch weiter, überzeugt, daß Gott sie heilen werde.
Wegen der Kompliziertheit des Bruches mußte unsere Tochter über Nacht im Krankenhaus bleiben. Der Arzt sagte beträchtliche Schmerzen voraus und ließ sogar eine Öffnung im Gipsverband, damit der Arm anschwellen konnte. Während der Nacht rief unsere Tochter den Ausüber um Hilfe an. Er beschwichtigte ihre Furcht und versicherte ihr, daß Gott gegenwärtig war. Am nächsten Tag brachten wir sie nach Hause. Mit der Hilfe des Ausübers sahen wir alle immer klarer, was es bedeutet, mit Gott eins und Sein geliebtes Kind zu sein. Wir erkannten etwas von der wahren Identität des Menschen, die vollkommen geistig ist und nicht von Ihm abfallen kann. Und wir wurden uns der Tatsache bewußt, daß das Gesetz der Liebe, das den Menschen mit seinem Schöpfer verbunden hält, niemals gebrochen werden und Gott Sein Kind auch nicht aus Versehen loslassen kann. Sein Gesetz des vollkommenen, harmonischen Seins ist immer tätig und macht jedes vermeintliche Gesetz des Schmerzes, des Anschwellens oder der Genesung zunichte.
Der Arm schwoll niemals an. Unserer Tochter wurde keine Arznei gegeben, noch klagte sie jemals über Schmerzen, nachdem sie das Krankenhaus verlassen hatte. In der ihr eigenen zuversichtlichen Art wußte sie, daß Gott sie heilen werde, und Er tat es auch. Etwas mehr als zwei Wochen nachdem man den Arm eingerichtet hatte, war unsere Tochter so sehr von der Heilung überzeugt, daß man ihr den Gipsverband abnahm. (Ursprünglich hatte der behandelnde Arzt mit mindestens acht bis zehn Wochen gerechnet, bevor man den Gips entfernen könne.) Unmittelbar darauf unternahm die ganze Familie eine Campingtour. Unsere Tochter konnte den Arm so vollständig frei benutzen, daß sie mit ihrem Bruder schwimmen ging.
Waren wir also wieder da, wo wir angefangen hatten? Bestimmt nicht!
Obwohl mir an jenem Tag viele Fälle physischer Heilung in den Sinn kamen, erinnerte ich mich auch an andere Beweise geistigen Wachstums.
Unsere Ehe hatte sich durch größere Liebe und gegenseitige Wertschätzung beträchtlich gefestigt. Meines Erachtens war dies u. a. auf mein Studium der Bergpredigt Christi Jesu (Matth. 5–7) zurückzuführen, das ich ein Jahr lang betrieben hatte. Jeden Sonntagmorgen las ich die ganze Bergpredigt und setzte dann die durch das Studium entdeckten Wahrheiten die Woche über in die Tat um.
Als uns der Gedanke, einer Zweigkirche beizutreten, mehr als alles andere beschäftigte, verschwand ganz einfach jegliches Verlangen nach Tabak und alkoholischen Getränken. Wir brauchten auf gar nichts zu verzichten. Aber durch die Christliche Wissenschaft, den wahren Tröster, gewannen wir echte Freiheit und ein Verständnis von Gott und Seinem Christus.
„Waren wir wieder genau da, wo wir angefangen hatten?“ Nun, wenn dieser Ausgangspunkt folgender ist: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde... Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“, wie es im ersten Kapitel des ersten Buches Mose heißt (V. 1, 27), dann ist das genau dort, wo wir sind, und genau das, was wir sind. Und ich freue mich, dort zu sein!
Toronto, Ontario, Kanada
