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Weihnachten und Empfängnis

Aus der Dezember 1983-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Die Geschichte von der Geburt Jesu — der Jungfrauengeburt — ist wunderbar, und sie wird jedes Jahr zur Weihnachtszeit aufs neue erzählt. Aber hat sie für uns heutzutage wirklich eine Bedeutung? Wir können viel von dem Verhalten Marias, der Mutter Jesu, lernen.

Als Maria erfuhr, daß sie die Mutter des verheißenen Messias sein würde, konnte sie das einfach nicht glauben. Wie war das möglich? Sie war eine Jungfrau. Aber dann wurde ihr Denken plötzlich von der geistigen Erkenntnis erleuchtet, daß Gott der Vater des Menschen ist. Der Engel sprach zu ihrem forschenden Denken: „Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“ Luk. 1:35.

Ihre Antwort enthält einen äußerst wichtigen Punkt, den wir erfassen müssen, wenn wir von der praktischen Bedeutung, die die Weihnachtsbotschaft für unser Leben hat, mehr erkennen möchten. Der Bibelvers lautet: „Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast...“ Luk. 1:38.

Maria war bereit, die Tatsache zu akzeptieren, daß Gott der Vater des Menschen ist. Sie war in hohem Maße bereit, eine geistige Tatsache zu akzeptieren, die über das sterbliche Wahrnehmungsvermögen hinausgeht. Diese Anerkennung des geistigen Ursprungs des Menschen bereitete den Weg für Christi Jesu Erscheinen auf Erden. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen WissenschaftChristian Science (kr´istjən s´aiəns), schreibt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Jesus war der Sprößling von Marias bewußter Gemeinschaft mit Gott. Daher konnte er eine geistigere Idee vom Leben geben als andere Menschen und konnte die Wissenschaft der Liebe demonstrieren — seinen Vater oder das göttliche Prinzip.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 29.

Wir alle brauchen eine „bewußte Gemeinschaft mit Gott“, um in unserem Leben einen höheren und heiligeren Begriff vom Menschen zu entwickeln. Das bedeutet nicht, daß eine andere Jungfrauengeburt stattfinden wird. Es gibt nur einen Christus und eine Fleischwerdung. Aber die einzigartigen Bedingungen der Geburt Jesu veranschaulichen eine grundlegende Wahrheit, die wir bereitwillig akzeptieren müssen — nämlich daß Gott der einzige Schöpfer des Menschen ist. Diese geistige Tatsache ist die Wahrheit, die Mrs. Eddy in der tiefen Bedeutung der Jungfrauengeburt Christi Jesu entdeckte. Und die Christliche Wissenschaft zeigt uns, daß der Christus, obgleich er nicht mehr als menschliche Person sichtbar ist, immer noch als die geistige Idee des Seins bei uns weilt und die unkörperliche Identität Ihres und meines wirklichen Selbst offenbart.

Was die Welt nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr hindurch am meisten braucht, ist, daß Menschen wie Sie und ich das, was Jesu Geburt veranschaulicht, vollständiger begreifen und erkennen, daß das wahre Leben des Menschen im Geist und nicht in der Materie zu finden ist. Auf diese Weise kommt der Christus in unser Leben.

Das englische Wort für „empfangen“ oder „konzipieren“ wird in einem Wörterbuch u. a. mit „in sein Bewußtsein aufnehmen“ definiert. Eine Konzeption muß der Geburt vorausgehen. Und wir können die Tatsachen der Christlichen Wissenschaft nicht in unserem Leben hervorbringen, es sei denn, wir nehmen unsere wirkliche Identität als den unkörperlichen, geistigen Ausdruck Gottes zuerst in unser Bewußtsein auf. Das erfordert jene wahre Demut und Sanftmut, die Maria besaß.

Bei der geistigen Empfängnis geht es nicht darum, daß wir eine Idee hervorbringen, sondern daß wir eine Idee — Gottes Idee — annehmen. Da der Mensch die Widerspiegelung Gottes ist, bringt er aus sich selbst nichts hervor; als die vollständige Offenbarwerdung des Gemüts spiegelt er jedoch die Ideen wider, die das Gemüt bereits in sich schließt, d. h., er bringt sie zum Ausdruck. Gott gibt uns ständig herrliche geistige Ideen, die in unserem Leben Großartiges bewirken können, wenn wir demütig bereit sind, sie zu akzeptieren.

Die geistige Tatsache ist, daß wir jede rechte Idee als ein zu unserer wahren Identität gehörendes Element einschließen, weil der Mensch, das geistige Selbst eines jeden von uns, Gott voll und ganz widerspiegelt. Das bedeutet, daß wir die geistigen Eigenschaften wie Intelligenz, Schönheit, Nützlichkeit, Leben, Zweck, Herrschaft, Gesundheit, Zufriedenheit und unendlich viel mehr in Wahrheit tatsächlich schon besitzen. Um das beweisen zu können, müssen wir die Demut, die Hoffnung und den Glauben entwickeln, die es uns ermöglichen, diese Tatsache zu akzeptieren.

Ich erinnere mich, wie ich vor etlichen Jahren der öffentlichen Ansprache einer jungen Frau zuhörte. Ohne irgendeinen ersichtlichen Anlaß kam mir plötzlich der Gedanke, auch ich könnte auf diese Weise einen Beitrag leisten. Ich empfing die Idee der mir von Gott verliehenen Gelassenheit und Herrschaft, obwohl ich das zu der Zeit nicht erkannte. Ich dachte nie wieder bewußt darüber nach. Aber es faßte Fuß in meinem Denken, denn acht Jahre später hatte ich unerwartet Gelegenheit, viele Reden zu halten.

Oftmals geben wir den besten Vorstellungen, die wir gegenwärtig vom Guten haben, nicht den Platz und die Freiheit, sich in unserem Leben zu entfalten. Statt dessen lassen wir sie durch die ständig opponierenden materiellen Sinne verkümmern. Zum Beispiel könnte uns der Gedanke kommen: „Ich wäre eines Tages gern ein öffentlicher Ausüber der Christlichen Wissenschaft.“ Wenn wir nicht wachsam sind, akzeptieren wir möglicherweise die vernichtende oder hemmende Suggestion: „Du könntest nie Ausüber werden. Du bist nicht gut genug. Du weißt nicht genug. In deiner Vergangenheit gibt es einen Schandfleck. Deine Familie wäre dagegen.“ Die materiellen Sinne können eine eindrucksvolle Liste von Gründen anführen, warum wir die Entfaltung einer höheren Vorstellung vom Guten nicht akzeptieren sollten. Und wenn wir es zulassen, daß diese Sinne die rechte Konzeption abtöten, verhindern wir die Geburt oder die Erfüllung der Verheißung in unserem Leben.

Aber in Wahrheit kann eine rechte Idee von Gott, die sich als höhere Vorstellung vom Dienen zeigt, wie etwa die Aufnahme der Ausübertätigkeit, weder getötet noch verhindert werden. Die materiellen Sinne haben keine Machtbefugnis über geistige Tatsachen. Die geistige Idee ist immer bei uns, klopft sanft an die Tür unseres Bewußtseins und bittet darum, ganz, in unser Leben eingelassen zu werden. Wir mögen uns zwar eine Zeitlang weigern, ihre Möglichkeiten in unser Denken aufzunehmen, aber die immergegenwärtige Idee, die von Gott — dem großen Ich bin — kommt, verläßt uns in Wirklichkeit nicht. Im Gegenteil, wir mögen sie mit der Zeit als einen mentalen oder vielleicht sogar physischen Druck empfinden, als eine Forderung, unsere geistigen Fähigkeiten und unser geistiges Verständnis anzuerkennen und uns zu bemühen, sie in unserem Leben zu nutzen.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Weihnachten manchmal für die Menschen eine Herausforderung ist. Durch die Botschaft, die Jesu Geburt uns brachte, verlangt die göttliche Idee von der wahrhaft geistigen Natur und Identität des Menschen, der das Kind Gottes ist, in höherem Maße in unser Leben aufgenommen zu werden. Und da wir zur Weihnachtszeit so unablässig an Christi Jesu Leben erinnert werden, fühlen wir die heilige Forderung zu dieser Zeit noch stärker. Wenn wir der geistigen Idee Widerstand leisten, indem wir uns von der Jagd nach dem materiellen Begriff von Weihnachten so sehr in Anspruch nehmen lassen, daß wir keine Gelegenheit haben, mehr über die geistige Bedeutung der Geburt Jesu zu entdecken, dann wird Weihnachten eher zu einer Prüfung als zu einer Freude. Wir verpassen die Gelegenheit, die wahren Segnungen zu erkennen, die der Menschheit durch Christi Jesu Geburt zuteil wurden.

Ein Segen, den das Entdecken der geistigen Identität des Menschen mit sich bringt, liegt in der Erkenntnis, daß dies die Grundlage ist, auf der wahres Heilen beruht. Den Menschen als eine körperliche Person mit einer physischen Krankheit zu betrachten und dann zu versuchen, ihn geistig zu heilen, ist zwecklos. Der Mensch ist keine körperliche Person. Er ist der geistige Ausdruck des göttlichen Lebens, der göttlichen Wahrheit und Liebe. Und wenn wir uns und andere als diesen Ausdruck Gottes, des Geistes, richtig identifizieren, entdecken oder erkennen wir unsere Identität, die von Krankheit frei ist. Das ist die Erkenntnis, die uns unsere Heilung und Freiheit gibt.

Es erfordert große Demut, zu akzeptieren, was wir wahrhaftig sind — die Söhne und Töchter Gottes, des göttlichen Geistes, und nicht das Fleisch und Blut menschlicher Eltern. Demut ist vonnöten, weil diese Wahrheit den fünf körperlichen Sinnen keineswegs einleuchtet. Die geistige Identität befindet sich außerhalb des Bereichs der fünf körperlichen Sinne; sie können sie überhaupt nicht wahrnehmen. Wenn jedoch unsere demütige Bereitschaft zunimmt, das Wahre zu akzeptieren — ganz gleich, was die materiellen Sinne auch sagen mögen —, dann verstehen wir immer deutlicher die Wahrheit, bis sie in einer greifbaren, äußerlichen Form sichtbar wird. In Wissenschaft und Gesundheit heißt es: „Die menschlichen Fähigkeiten erweitern und vervollkommnen sich in dem Verhältnis, wie die Menschheit den wahren Begriff vom Menschen und von Gott erlangt.“ Ebd., S. 258.

Engelsgedanken, die wir als göttliche Eingebungen annehmen können, sind immer vorhanden. Ja, wenn wir nicht fortwährend geistige Ideen empfangen — akzeptieren —, können wir die Demonstration dieser Ideen nicht verwirklichen. Wenn wir die christlich-wissenschaftlichen Gottesdienste besuchen und die Bibellektionen Im Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft. lesen, ohne täglich unsere Vorstellung von Gott, Seinem Christus und dem Menschen als der Widerspiegelung Gottes zu erweitern, erleben wir die Dürre ungenutzter Möglichkeiten. Jedoch ist niemand jemals zu alt — oder zu jung —, um diesen Zustand zu berichtigen. Das Gegenmittel ist immer eine tiefere Liebe zur Wahrheit selbst, zur geistigen Entdekkung — und die Bereitschaft, die falsche menschliche Ansicht aufzugeben, daß das Zeugnis der materiellen Sinne wirklich sei.

Je geistiger unsere Vorstellungen von der Wirklichkeit werden, um so mehr nützen sie auch der Welt, weil sie das sogenannte materielle Gesetz durch geistige Mittel zerstören können. Es ist kein Wunder, daß der Materialismus mit seinem mörderischen Treiben versuchen möchte, jede christliche Idee zu zerstören, sobald sie im Bewußtsein erscheint. Aber genauso wie der Engel Maria und ihr Kind vor Herodes' Haß in Sicherheit brachte, werden auch die schützenden Engel unseres Vater-Mutter Gottes für eine mentale und physische Umgebung sorgen, so daß sich die Ideen des Gemüts in unserem Leben ungehindert entfalten können.

Wenn wir es nicht zulassen, daß Entmutigung, Furcht, Apathie, Eigenwille die Entfaltung der heiligen Ideen, die uns kommen, vereiteln, kann die Erfüllung der göttlichen Absicht in unserem Leben durch nichts aufgehalten werden. Wir müssen unbedingt die Demut und das geistige Wahrnehmungsvermögen entwickeln, die uns befähigen, die geburtlose, sündlose und todlose Identität aufrichtig zu akzeptieren, die uns selbst und anderen Menschen als Gottes eigenen Kindern zu eigen ist, und dann dieser geistigen Auffassung gemäß leben.

Mrs. Eddys klare Vorstellung von der Christus-Idee fand in der unpersönlichen, praktischen und liebevollen Methode des Heilens und der Erlösung Ausdruck, die wir Christliche Wissenschaft nennen. Diese Wissenschaft erleuchtet die Bedeutung der Jungfrauengeburt Jesu und gibt der Welt eine umfassendere Vision von der wahren geistigen Identität des Menschen. Und wenn wir diese wunderbare Engelsbotschaft in unser Denken aufnehmen, entdecken wir, wie praktisch und zeitgemäß die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu für uns heute ist.

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