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Die Conditio sine qua non des wissenschaftlichen Christentums

Aus der Januar 1988-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Voller Überraschungen. So hätten wir vielleicht das Leben Christi Jesu beschrieben, wenn wir zu seiner Zeit in Galiläa oder Jerusalem gewesen wären. Gerade wenn man meinte, alles schon einmal gesehen zu haben, ereignete sich wieder etwas Neues. Als eine aufgebrachte Menschenmenge Jesus vom „Abhang [eines] Berges“ hinabstürzen wollte, ging er mitten durch sie hinweg. Als er bei einem hochangesehenen Bürger zu Gast war, lobte er eine Frau aus niederem Stand. Männer und Frauen, die schon jahrelang krank waren, forderte er auf, zu gehen, zu sehen oder ihre verkrüppelte Hand auszustrecken — und sie taten es!

Wenn man keine derartigen Veränderungen erwartete und keinen blassen Schimmer von der geistigen Macht und dem geistigen Gesetz hatte, die in solchen Fällen und Erfahrungen demonstriert wurden, hätte schon allein Jesu Anwesenheit Aufsehen erregt. Ja, mindestens einmal wurde er aufgefordert, die Gegend zu verlassen, weil er dort einen Mann geheilt hatte. Diese Ereignisse schienen jeder konventionellen Logik zu spotten.

Vernunft und Logik spielen im menschlichen Denken eine große Rolle. Gewohnheitsmäßig ordnen wir unsere Erfahrungen nach dem ein, was wir bereits gesehen haben und kennen. Wenn uns dann etwas begegnet, was von unserer Erfahrung drastisch abweicht, sind wir verwirrt und meinen instinktiv, es berichtigen zu müssen. Vernunft und Logik des menschlichen Gemüts — die materiellen Sinne — können unter solchen Umständen dem metaphysischen Heilen einen starken Widerstand entgegensetzen.

Ich erinnere mich, wie ich zum erstenmal von einer Heilung durch die Christliche Wissenschaft hörte. Ich hatte die Heilung nicht selbst miterlebt. Die Angehörigen einer Schulfreundin glaubten, daß sich die Symptome von Mumps bei ihr zeigten, und rieten deshalb ganz natürlich von Besuchen ab. Ich erfuhr von der Heilung durch einen Anruf. So blieb für mich die Frage, ob meine Schulfreundin wirklich Mumps gehabt hatte. Einem Freund, an dessen Ehrlichkeit ich nicht zweifelte, fiel ein Motorblock auf die Hand, die aber innerhalb einer halben Stunde wieder ganz normal aussah. Und auch in diesem Fall schlich sich die Suggestion ein, daß die Verletzung vielleicht doch nicht so schwer gewesen sei, wie man ursprünglich angenommen hatte. Selbst als ich zum erstenmal durch das Studium der Christlichen Wissenschaft von einer ernsten Krankheit geheilt wurde, fragte ich mich anfangs, ob ich wirklich eine Heilung erlebt hatte wie die, von denen im Neuen Testament berichtet wird.

Es kann einige Zeit dauern und ein gründliches Studium der Christlichen Wissenschaft erfordern — sowohl der biblischen Berichte wie auch des Buches Wissenschaft und Gesundheit von Mary Baker Eddy —, ehe man beginnt, das göttliche Gesetz zu verstehen, das dem Leben zugrunde liegt und jedem verfügbar ist, um Disharmonie zu überwinden. Mrs. Eddy rang mit dem gleichen Problem. Sie schrieb ausführlich über die Herausforderung, das ursprüngliche christliche Heilen wiedereinzuführen — eine Herausforderung, die sich aus der Tatsache ergibt, daß diese Heilmethode der generellen materiellen Vernunft und dem Glauben an die Festigkeit oder Zuverlässigkeit der Materie widerspricht.

An einer Stelle erklärt sie: „Jesus demonstrierte die Kraft der Christlichen Wissenschaft, sterbliche Gemüter und Körper zu heilen. Doch man verlor diese Kraft aus den Augen, und sie muß wiederum geistig erkannt, gelehrt und Christi Gebot gemäß durch, die mitfolgenden Zeichen' demonstriert werden.“ Und im nächsten Absatz schreibt sie: „ ... ich sehe, daß der Wille oder die sinnliche Vernunft des menschlichen Gemüts dem göttlichen Gemüt, wie es durch die göttliche Wissenschaft zum Ausdruck kommt, widerstreitet.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 110, 111.

Hier haben wir den Gebrauch der Begriffe Christliche Wissenschaft und göttliche Wissenschaft in ihrer ursprünglichen Bedeutung. Sie beziehen sich nicht auf eine religiöse Konfession, sondern auf das tiefe, allem zugrundeliegende Gesetz des göttlichen Prinzips, das Jesus beim Heilen der Kranken demonstrierte. Die Frage ist nun, wie wir den Riesensprung von der „sinnlichen Vernunft des menschlichen Gemüts“ zum geistigen Verständnis des göttlichen Gesetzes vollführen, das tatsächlich die Macht Gottes auf unser tägliches menschliches Leben einwirken läßt. Dieser Sprung vom materiellen Folgern zur geistigen Erkenntnis ist die Conditio sine qua non — die absolut unerläßliche Bedingung —, um die es sich bei jeder wahren Heilung dreht.

Hier müssen wir schließlich die Gegenwart und Wirklichkeit Gottes in größerem Maße bewußt anerkennen. Diese Frage des Anerkennens — lassen Sie es uns geistige Empfänglichkeit nennen — ist die Schwelle, auf der wir heute in einem Zeitalter stehen, das die Entdekkung der Christlichen Wissenschaft gesehen hat. Das Heilen im Sinne der Christlichen Wissenschaft, bei dem der Augenschein der materiellen Sinne durch die moralische und geistige Umwandlung des einzelnen klar und deutlich umgekehrt wird, ist tatsächlich das Aufdämmern einer neuen Hoffnung für die Zukunft der Menschheit.

Das heißt nicht, daß das menschliche Dasein heute oder morgen aufgelöst oder weggewischt werden muß, doch ist eine neue Grundlage für unser Folgern unbedingt erforderlich. In bezug auf das geistige Folgern, das das Denken aus dem Bösen und aus Krankheit zu Gesundheit und Heiligkeit führt, lesen wir in Wissenschaft und Gesundheit: „Um richtig folgern zu können, sollten wir nur eine Tatsache vor Augen haben, nämlich das geistige Dasein. In Wirklichkeit gibt es kein anderes Dasein, denn Leben kann nicht mit seinem Ungleichnis, der Sterblichkeit, vereinigt werden.“  Ebd., S. 492. Die ganze Frage des richtigen Folgerns wäre umstritten, und geistig wissenschaftliches Heilen wäre unmöglich, wenn nicht die Tatsache bestünde, daß Gott wahrhaftig das unendliche Gemüt ist, die wahre Quelle der Intelligenz des Menschen. Wenn wir bereit sind, von der Allheit und Vollkommenheit Gottes und der Vollkommenheit Seiner Idee, des Menschen, aus zu folgern, werden wir in dem geistigen Verständnis, das Disharmonie jeder Art heilt, ständig Fortschritte machen. Diese Bereitschaft bedingt jedoch die Vorbereitung unseres Herzens — manchmal, so scheint es, ebensooft durch Not und Enttäuschung wie durch die uns eigene Unschuld und eine geistige Liebe für alles, was gut und ewig ist.

Wenn man bedenkt, wie wertvoll und wünschenswert christliches Heilen ist, dann ist es wahrhaft unbegreiflich, daß das Heilen durch geistiges Verständnis oder Gebet nach den ersten Jahrhunderten des Christentums verlorengegangen ist. In Wirklichkeit ist metaphysisches Heilen für jeden von uns etwas ganz Natürliches. In diesem Zeitalter zu leben, wo die Macht des christlichen Heilens durch die Entdeckung der Christlichen Wissenschaft wiedereingeführt wurde, bedeutet, bei der Geburt eines neuen Zeitalters zugegen zu sein. Es ist eine Zeit von überaus wichtiger Bedeutung — so bedeutungsvoll wie wenn man in der Provinz Judäa gelebt hätte, als Christus Jesus sein öffentliches Wirken aufnahm und Menschen wie Simon und Andreas, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes sowie all die anderen zu seinen Jüngern berief. Die entscheidende Frage ist: „Haben wir — Sie und ich — die geistige Einsicht und den geistigen Mut, der heutigen Aufforderung zu folgen und an diesem Neubeginn für die Menschheit teilzuhaben?“

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