Wir leben in einer Zeit der Freimütigkeit. Wir scheinen über jeden alles zu wissen, angefangen bei unseren Nachbarn bis zu unseren Filmstars. Aber irgendwo in diesem Wust von Informationen (und allzu häufig falscher Informationen) geht vielleicht das Wichtigste von allem verloren: was wir im Grunde unseres Herzens über die tieferen Fragen des Lebens empfinden.
Wir meinen, daß es unsere Leser interessieren wird, einige Antworten zu Fragen über diese tieferen Anliegen zu hören — Fragen, die bei den verschiedensten Gelegenheiten von Christlichen Wissenschaftern beantwortet wurden.
Diese Fragen und Antworten sind keine Grundsatzerklärungen der Kirche. Auch sind die Antworten in sich selbst nicht immer vollständig oder die einzig möglichen Antworten, die auf eine Frage gegeben werden könnten. Vielmehr sollen sie Einblick in die religiösen Überzeugungen der Christlichen Wissenschafter und das Wesen unserer Kirche geben.
Aus einem Brief an eine populäre christliche Zeitschrift in Südamerika
Frage: Werden bei der christlich-wissenschaftlichen Einstellung zum Heilen Schmerzen einfach ignoriert?
Antwort: Auf keinen Fall! Die meisten von uns können sich an Augenblicke erinnern, wo das Licht der Gegenwart Gottes — vielleicht durch eine Bibelstelle, vielleicht durch Gebet — durchbrach und Frieden oder Heilung oder die geistige und körperliche Kraft weiterzumachen mit sich brachte. Der körperliche oder seelische Schmerz wurde nicht ignoriert! Vielmehr löste er sich auf durch ein sich vertiefendes Bewußtsein von Gottes Gegenwart und Macht.
Aber wie geschieht das? Die Christlichen Wissenschafter würden sagen, daß es mit Gebet beginnt und mit einem volleren Bekenntnis zu dem, was die Bibel über die vollkommene Güte Gottes und des zu Seinem Ebenbild geschaffenen Menschen offenbart. Selbst wenn man nur einen Schimmer von dieser mächtigen Wahrheit erhascht hat und danach lebt, durchdringt sie Schmerz, Krankheit oder Sünde durch einen tiefen, konkreten Begriff von Gottes immergegenwärtiger Liebe.
Aus einer Ansprache an einer medizinischen Fakultät
Frage: Warum können christlich-wissenschaftliche und ärztliche Behandlung nicht gleichzeitig angewandt werden?
Antwort: Der Ausüber der Christlichen Wissenschaft hilft dem Patienten, von der Abhängigkeit von der Materie loszukommen und sich in größerem Maße auf Geist zu verlassen. Es wirkt sich nachteilig für den patienten aus, wenn sein Denken in zwei verschiedene Richtungen gelenkt wird. Jesus drückte es so aus: „Niemand kann zwei Herren dienen” (Mt 6:24). Wir haben in unserer Heilarbeit festgestellt, daß das einfach nicht geht.
Frage: Zieht sich ein Ausüber von einem Patienten zurück, der sich für ärztliche Behandlung entschieden hat?
Antwort: Ja, er zieht sich von dem Fall zurück, aber er hört keineswegs auf, den Patienten zu lieben! Der Grund, warum Ausüber überhaupt Patienten helfen, ist ihre tiefe Liebe zu anderen. Diese Liebe hört nicht auf, weil der Patient eine andere Behandlungsmethode wählt. Ich erinnere mich an einen Fall, den ich hatte, wo der Patient sich für die Medizin entschied und ich ihn im Krankenhaus besuchte und ihn ermutigte. Wir respektieren den einzelnen und seine Wahl, und wir nehmen großen Anteil an den Menschen, ganz gleich, welche Behandlungsmethode sie wählen.
Aus einer Ansprache in einer Oberschulklasse, die sich mit vergleichender Religionswissenschaft befaßte
Frage: Müssen Sie sich nicht von den Menschen um sich herum und von der heutigen Welt zurückziehen, um zu heilen?
Antwort: Es erfordert große Hingabe und, wenn möglich, Ruhe zum Beten, um heilen zu können. Aber man stellt auch fest, daß man den Menschen um sich herum näherkommt, daß man mehr liebt und mehr Grund zum Lieben findet, daß man in praktischen Angelegenheiten erfolgreicher ist und tiefe Befriedigung findet durch seinen Beitrag zur Verbesserung der Welt. Jesus betete nicht für seine Jünger, damit sie aus der Welt herausgenommen würden, sondern damit sie durch Gottes Gnade vor dem Bösen in der Welt bewahrt blieben (siehe Joh 17:15). Und das trifft ganz gewiß auch auf die zu, die das christlich-wissenschaftliche Heilen ausüben.
Aus einer für ein Lexikon vorgesehenen Erklärung
Frage: Was lehrt die Christliche Wissenschaft über Evolution?
Antwort: Die Christlichen Wissenschafter sehen die Kontroverse um Schöpfung oder Evolution aus einer einzigartigen Perspektive. Sie sind der Ansicht, daß keine der beiden Seiten in der gegenwärtigen Debatte das Problem tiefgehend genug behandelt.
Die Christlichen Wissenschafter sehen die Geschichte von Adam und Eva im ersten Buch Mose als eine Allegorie an. Sie sind der Ansicht, daß die biblischen Berichte über die Schöpfung eine tiefe geistige Bedeutung haben, daß sie aber nicht buchstäblich als historische Ereignisse ausgelegt werden dürfen. Daher sehen sich die Christlichen Wissenschafter, obwohl sie Gott als Schöpfer verehren, nicht genötigt, die Beobachtungen der Naturwissenschaften in ein wortgetreues biblisches Schema zu zwängen.
Auf der anderen Seite kann die Evolutionstheorie, die von Darwin und seinen Nachfolgern entwickelt worden ist — obwohl sie wahrscheinlich vom streng biologischen Standpunkt aus folgerichtiger ist als die meisten anderen Theorien —, unmöglich eine zufriedenstellende Erklärung über das wahre geistige Wesen des Menschen geben. Paulus schreibt davon, daß die Menschheit „den alten Menschen“ ablegen und „den neuen Menschen“ anziehen muß, „der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4:22, 24).
Die Christliche Wissenschaft vertritt den Standpunkt, daß der Mensch in seinem wahren Sein geistig und nicht biologisch ist und daß christlicher Fortschritt und christliche Jüngerschaft zu dieser Erkenntnis führen. „Die wahre Theorie vom Universum, einschließlich des Menschen, liegt nicht in materieller Geschichte, sondern in geistiger Entwicklung“, schreibt Mrs. Eddy (Wissenschaft und Gesundheit, S. 547).
Aus einem Antwortschreiben an jemanden, der im öffentlichen Leben steht
Frage: Warum stehen Ihre Kirchen nicht als Wahllokale, Versammlungsorte usw. zur Verfügung?
Antwort: Bei Katastrophen sind unsere Kirchen vorübergehend zu allen möglichen Zwecken benutzt worden. Ich erinnere mich an einen Sonntagmorgen, als die Verletzten und Sterbenden aus der noch brennenden Ruine eines benachbarten Gebäudes, das wenige Stunden vorher eingestürzt war, in einen Raum in einer unserer Zweigkirchen getragen wurden. Ärzte, Priester, Helfer der Heilsarmee und Christliche Wissenschafter halfen jeder auf seine Art aus der Fülle ihres Herzens. Unsere Katastrophenhilfe für Menschen aller Glaubensrichtungen, die in Not sind, ist beträchtlich, obwohl wir nicht viel darüber sprechen.
Bitte seien Sie versichert, daß es nicht herzlose Gleichgültigkeit ist, die unsere Kirchen in weniger dringenden Umständen veranlaßt, ihre Räumlichkeiten nicht für die Vielzahl lobenswerter, weltlicher Zwecke zur Verfügung zu stellen. Vielen Menschen fällt es schwer, die feste geistige Überzeugung zu verstehen, die einer solchen Haltung zugrunde liegt, aber das bedeutet nicht, daß wir nicht tiefen Anteil nehmen an dem Wohlergehen unserer Mitmenschen — selbst wenn wir in der Regel nicht zum Arzt gehen oder unsere Kirchen nicht als Wahllokale benutzen!
Allein das Vorhandensein des Christian Science Monitors und seine jahrelangen Bestrebungen, auf alle möglichen sozialen Probleme hinzuweisen — einschließlich der Bedürfnisse älterer und benachteiligter Menschen —, unterstreichen diese Anteilnahme.
Es sind „viele Wohnungen“ in unseres Vaters Hause, wie wir im Johannesevangelium (Joh 14:2) lesen, und in unserer pluralistischen Gesellschaft können die christlichen Kirchen auf viele verschiedene Art und Weise die mitfühlende, heilende Kraft des Christus auf die Probleme der Allgemeinheit anwenden. Vielleicht werden wir alle toleranter werden und unsere gegenseitigen Bemühungen mehr wertschätzen, wenn wir besser erkennen, was das bedeutet — und dabei nicht die Worte des Paulus vergessen (siehe 1. Kor 12:4, 6); er weist darauf hin, daß es verschieden Gaben und Kräfte gibt, aber daß es „ein Gott [ist], der da wirkt alles in allen“.
Bei Gott ist mein Heil und meine Ehre,
der Fels meiner Stärke, meine Zuversicht ist bei Gott.
Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute,
schüttet euer Herz vor ihm aus;
Gott ist unsre Zuversicht.
Und du, Herr, bist gnädig;
denn du vergiltst einem jeden, wie er's verdient hat.
Psalm 62:8, 9, 13
