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Erwache zu dem, was Kirche ist!

Aus der März 1989-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Selbst wenn uns die Augen nicht zufallen und unser Kopf nicht nach vorne sinkt, kann es sein, daß wir in der Kirche schlafen. Während meiner Studentenzeit fiel es mir eine Zeitlang schwer, im Gottesdienst wachzubleiben; ich träumte mit offenen Augen, und meine Gedanken schweiften ab. Im Vergleich zu den lebhaften Diskussionen in der christlich-wissenschaftlichen Sonntagsschule schien mir der Gottesdienst weniger interessant. Es war mir fast unmöglich, einfach still dazusitzen und aufmerksam einer Bibellektion Die Bibellektionen sind im Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft zu finden. zu lauschen, die ich in der Woche bereits mehrere Male gelesen hatte.

Ich begann, mich zu fragen: „Wie kann ich mehr von der Kirche haben? Wie kann ich wach bleiben?“

Als ich nach Antworten suchte, fand ich folgenden Abschnitt im Handbuch Der Mutterkirche von Mary Baker Eddy, der mich anregte, mir genauer anzuschauen, was denn vor sich ging — und was vor sich gehen sollte —, während ich in der Kirche saß: „Ein Christlicher Wissenschafter wird nicht müde vom Beten und vom Lesen in der Bibel oder im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft. Belustigungen und Müßiggang bedeuten Ermüdung. Wahrheit und Liebe bringen den Mühseligen und Beladenen Ruhe.“ Handb., Art. XVII Abschn. 1.

Wenn mich das Beten und das Lesen in der Bibel und im Lehrbuch, Wissenschaft und Gesundheit von Mary Baker Eddy, oder das Zuhören, wenn daraus vorgelesen wurde, nicht ermüdeten, was ermüdete mich dann? Untätigkeit! Als Kind lernte ich, in der Kirche still zu sitzen, aber meine Gedanken waren stets in Bewegung. Irgendwie lernte ich dann, meine Gedanken auch still sitzen zu lassen — und ich begann einzuschlafen. Dann erkannte ich, daß ich nicht nur mein Denken beruhigen, die Ablenkungen der Außenwelt ausschließen und ein passiver oder auch aufmerksamer Zuhörer werden mußte, sondern daß mehr notwendig war. Ich mußte beim Zuhören aktiv nach geistigen Ideen suchen. Eine Stelle aus der Bibel machte mir die Möglichkeiten klar: „Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“ Eph 5:14.

Von diesem Christus-Licht sprach Jesus zu seinen Nachfolgern auf den Bergen Galiläas. Die Menge fühlte sich durch dieses Christus-Licht zu ihm hingezogen. Und hat nicht zu allen Zeiten eine geistige Schau die Christen aufrechterhalten, wenn sie sich versammelten, um einander die lebendige Wahrheit zu verkünden?

Sich geistig auf die Kirche vorzubereiten ist keine mühsame Sache, aber das Denken muß mit dem Geist in Einklang gebracht werden. Die Christliche Wissenschaft lehrt, daß der Mensch die Widerspiegelung Gottes, des Geistes, ist und von Natur aus die Wahrheit liebt und versteht. Was für Gottes Menschen gilt, ist natürlich die geistige Wahrheit über jeden von uns. Wenn wir das wissen, können wir ausbrechen aus dem hypnotischen Bann der Annahme, daß die geistige Wahrheit langweilig oder schwer zu verstehen sei. Die Bemühungen der materiellen Welt, unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen, können wir außer acht lassen, wenn wir die geistige Nahrung, die uns heilen kann, von ganzem Herzen lieben und suchen.

Mir fiel auf, daß die bereits zitierte Stelle aus dem Kirchenhandbuch sagt, daß Wahrheit und Liebe uns Ruhe bringen. Es heißt dort nicht, daß Wahrheit und Liebe uns einschläfern! Der Ausdruck „Wahrheit und Liebe“ veranlaßte mich, die Definition des Begriffs Kirche im Glossarium von Wissenschaft und Gesundheit genauer zu betrachten: „Der Bau der Wahrheit und Liebe; alles, was auf dem göttlichen Prinzip beruht und von ihm ausgeht.“ Der zweite Absatz definiert die menschliche Einrichtung und gibt folgende kraftvolle Erklärung: „Die Kirche ist diejenige Einrichtung, die den Beweis ihrer Nützlichkeit erbringt und die das Menschengeschlecht hebt, das schlafende Verständnis aus materiellen Annahmen zum Erfassen geistiger Ideen und zur Demonstration der göttlichen Wissenschaft erweckt und dadurch Teufel oder Irrtum austreibt und die Kranken heilt.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 583.

Man schaue sich einmal die Tätigkeitswörter in diesem Satz an: heben, erwecken, austreiben, heilen! Wenn all das tatsächlich in der Kirche passierte — in der Kirche, in der ich sonntags morgens saß —, dann wäre der Gottesdienst bestimmt nicht langweilig oder auch nur ein passives Erlebnis. Gehen solche Dinge sonntags morgens vor sich? Natürlich! Gott, die göttliche Wahrheit und Liebe, der zu den Zuhörern durch die Heilige Schrift und Wissenschaft und Gesundheit spricht, „[hebt] das Menschengeschlecht ... [erweckt] das schlafende Verständnis ... und [treibt] dadurch Teufel oder Irrtum aus ... und [heilt] die Kranken ... “ — in jedem einzelnen aktiven, empfänglichen Bewußtsein in der Gemeinde.

Mrs. Eddy begründete keine Tätigkeit der Kirche Christi, Wissenschafter, ohne gebeterfüllte Überlegungen und göttliche Führung. Die für das individuelle Studium und das Lesen in der Kirche am Sonntag vorgesehenen Bibellektionen sind für den geistigen Fortschritt eines jeden Christlichen Wissenschafters unerläßlich.

Ich lernte, daß es nicht genügt, einfach nur die Ideen zu erfassen, die in der Bibellektion enthalten sind. Die Lektion ist eine Hilfsquelle, auf die wir im Gebet zurückgreifen können. Und ich stellte fest, daß geistiges Wachstum und Heilung erfolgten, wenn ich mit diesen Ideen betete, um mein Denken zu vergeistigen, und sie auf dir Probleme anwandte, mit denen ich konfrontiert war.

Als ich mich entschloß, beim Abhören der Bibellektion sonntags morgens zu beten, kam mir eine weitere Satzung aus dem Kirchenhandbuch in den Sinn. Sie lautet: „Die Gebete in den Kirchen der Christlichen Wissenschaft sollen insgesamt und ausschließlich für die Gemeinden dargebracht werden.“ Handb., Art. VIII Abschn. 5. Ich ließ mich nun von dieser Satzung leiten und verstand dadurch besser, was ich während des Gottesdienstes tun konnte. Ich sah, welch ein bedeutender Unterschied zwischen dem wöchentlichen Studieren der Bibellektion und dem Hören der Lektion am Sonntag in der Kirche besteht. Mir wurde klar, daß mich in gewisser Hinsicht das tägliche Studium auf die kostbare Zeit am Sonntag vorbereitete, wo ich für die Gemeinde beten sollte.

Ich finde den Sonntagsgottesdienst nun erfrischend. Dadurch, daß ich mich mit besonderen Themen auseinandersetze, die die Gemeinde betreffen, entdecke ich wundervolle Ideen, mit denen ich beten kann — vom ersten Lied bis zum letzten Amen. Ich sitze immer noch still da, aber mein Denken läuft auf Hochtouren — ich höre zu, erkenne und wende die Wahrheit liebevoll an, um das geistige Verständnis in mir und anderen zu erwecken, um die Irrtümer aus dem Denken auszutreiben und falsche Vorstellungen zu berichtigen. Dadurch, daß ich mit den Lesungen und Liedern in den Mittwochabendversammlungen bete, sind auch diese für mich bereichernder geworden.

Was können wir als einzelne tun, um die enormen Möglichkeiten der Gottesdienste zu verwirklichen? Es mag ein gründliches Erwachen erfordern, wie in meinem Fall. Ich wurde mir bewußt, daß ich eingeschlafen war, lange bevor mir die Augen zufielen. Aber wenn wir erst einmal geistig wach sind, werden wir alles im Gottesdienst wertschätzen und für alle beten.

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