„[Evelina] de Bruin, [Südafrikanerin und] Mutter von zehn Kindern, war zusammen mit ihrem Ehemann Gideon Madlongwane wegen Totschlags verhaftet worden, an dem sie, wie beide versichern, nicht beteiligt gewesen waren. Sie wurden zum Tode durch den Strang verurteilt.
Evelina de Bruin sitzt zusammen mit ihrem Mann in ihrem kleinen Wohnzimmer., Nein, ich habe meinen Glauben niemals auch nur für einen Moment verloren‘, sagt sie in der Sprache der Xhosa., Tief im Innern war ich überzeugt, daß ich eines Tages wieder freigelassen werden würde — vielleicht noch nicht morgen, aber eines Tages ganz bestimmt —, denn ich wußte, daß ich unschuldig war.‘
Das Ehepaar Madlongwane war wegen Totschlags eines schwarzen Polizisten verurteilt worden...
Frau de Bruin erzählt, daß sie zu der fraglichen Zeit in ihrem Haus gewesen sei, wo ihr Mann einen Türrahmen einbaute. Eine Zeugin der Staatsanwaltschaft hatte beide beschuldigt, zu der Gruppe gehört zu haben, die die Menge zur Tötung des Beamten aufgehetzt hatte... Der weiße Richter ... verurteilte 14 Angeklagte zum Tode; ... sie wurden später als die, Vierzehn von Upington‘ bekannt ...
Evelina de Bruin war die einzige Frau in der Todeszelle. Sie berichtet, daß zwei Gefängniswärterinnen namens Zwane und Maqubela versuchten, ihr Mut zu machen.
,Wir saßen oft zusammen, lasen in der Bibel, sangen und beteten‘, erklärt sie...
Gideon Madlongwane ... befand sich in Einzelhaft im Männerblock des Hinrichtungstraktes. Er erzählt, daß das Leben als Verurteilter eintönig war und die Gedanken ständig um den Galgen nebenan kreisten. Er sagt:, Ich dachte oft: Was passiert mit den Kindern, wenn wir beide gehängt werden?‘
Einmal wöchentlich durfte sich das Ehepaar für zwei Stunden besuchen ... Madlongwane berichtet:, Meistens sprachen wir über den Fall und ermutigten uns gegenseitig zu beten. Es war der einzige Ausweg. Es war uns klar, daß kein Mensch uns aus dieser Situation befreien konnte. Alle unsere Hoffnungen richteten sich auf Gott und unseren Erlöser.‘ ...
Am 22. Mai verwarf ein Berufungsrichter die Verurteilung der, Vierzehn von Upington‘ und sprach Evelina de Bruin, Gideon Madlongwane und acht weitere Angeklagte frei. Die anderen vier erhielten geringere Haftstrafen.
,Es kam völlig unerwartet ... ‘, sagt Frau de Bruin., Ich konnte einfach nur weinen.‘ ...
Ihre Ankläger leben noch immer in Paballelo, einer Township mit rund zehntausend Einwohnern. Doch Frau de Bruin sagt, sie empfinde keine Feindschaft, und sie würde diese Leute grüßen, wenn sie ihr begegneten., Wenn wir auf Rache aus wären, würden wir kein christliches Leben führen‘, sagt sie., Gott wird in ihrem Gewissen wirken, und letztendlich werden sie die Wahrheit sagen.‘
,Warum sollen wir es nicht dem Allmächtigen überlassen? Er wird es schon in Ordnung bringen‘, fügt Madlongwane hinzu.“
Copyright © 1991 The New York Times Company Nachdruck mit Genehmigung
