Die Bibel und Wissenschaft und Gesundheit (WuG) gehören zusammen wie die zwei Seiten einer Münze. Mary Baker Eddy ordinierte diese beiden einzigartigen Bücher zum Pastor der Mutterkirche. (Kirchenhandbuch Der Mutterkirche, S. 58) Wie auch andere Christliche Wissenschaftler wendet sich der Vollzeitpraktiker und Lehrer John M. Tyler aus Pittsburgh, Pennsylvania, ständig an diesen Pastor, um Inspiration, Führung, Frieden, Rettung und Heilung aller Art von Schwierigkeiten zu erfahren. Nicht nur für sich selbst — sondern auch für andere Menschen, die ihn um christlich-wissenschaftliche Behandlung bitten.
John Tyler schrieb seine Doktorarbeit für die Princeton Universität über den Aufbau der Europäischen Union nach dem Zweiten Weltkrieg. Mr. Tyler, der fließend französisch spricht, studierte Internationale Beziehungen an der Sciences Po — dem Institut für Politische Studien in Paris —, um sich darauf vorzubereiten, im Auswärtigen Dienst der USA zu arbeiten.
Heute sind Mr. Tylers Verbindungen zum Französischen noch stärker gewachsen — er hält als Mitglied des Vortragsrates der Christlichen Wissenschaft Vorträge über die Christliche Wissenschaft auf Französisch.
Mr. Tyler, der die Christliche Wissenschaft als Jugendlicher kennenlernte, erzählt, dass sein Interesse an sozialen und politischen Belangen ihn dazu führte, auf verschiedene Arten „zu versuchen, die Probleme der Welt zu lösen“: indem er als Gewerkschaftsvertreter die Rechte und Gehälter ausgebeuteter Arbeiter sicherte; indem er als stellvertretender Direktor eines Instituts für Internationale Beziehungen in Italien die Angelegenheiten des Kalten Krieges in Europa entschärfte; indem er versuchte, zu verstehen und zu lehren, wie man politische Einrichtungen aufbaut, die Fairness und Freiheit unterstützen, ohne den Sinn für die Gemeinschaft zu verlieren; indem er eine Wohneinheit an der Uni gründete, die das Verständnis zwischen verschiedenen Rassen unterstützt und heilt.
Mr. Tyler fühlte den Impuls des Geistes, als er zu all diesen Bemühungen geführt wurde, aber am deutlichsten fühlte er ihn, als er in die vollberufliche Praxis und in das Unterrichten der Christlichen Wissenschaft einstieg.
Mr. Tyler, lassen Sie uns als Erstes über die Bibel sprechen. Gibt es eine bestimmte Passage, eine Geschichte oder eine Heilung, die für Sie sehr viel bedeutete, eine, die besonders hilfreich in Ihrem Leben oder in Ihrer Heilpraxis war?
Die Bibel ist voll von geistigen Schätzen, die mir geholfen haben, mich und andere zu heilen — und die mir geholfen haben, die Natur der Wirklichkeit zu verstehen. Aber eine Begebenheit sticht hervor, eine Begebenheit, die Matthäus in seiner Biographie über Jesus im neuen Testament beschreibt. (Matthäus 14) So wie Matthäus es erzählt, war Jesus auf einen Berg gegangen, um alleine zu beten. In der Zwischenzeit haben seine Jünger ein Boot genommen und sind auf den See hinaus gefahren. In den letzten Stunden der Nacht zieht ein Sturm auf. Und die Jünger sehen, wie Jesus auf dem Wasser auf sie zugeht. Sie machen sich große Sorgen und fürchten sich. Sie glauben, sie sehen ein Gespenst. Aber Jesus beruhigt sie. Der jünger Petrus fragt Jesus, ob er, Petrus, zu ihm kommen könne. Und Jesus sagt, ja, komm. Petrus steigt aus dem Boot und beginnt, Jesus auf dem Wasser entgegen zu gehen. Petrus „sah den starken Wind“. In einer anderen Bibelübersetzung sind es die Wellen, die Besorgnis erregen. (The Living Bible [Wheaton, Illinois, Tyndale House Publishers, 1971]) Auf jeden Fall ist Petrus abgelenkt, ängstlich und beginnt unterzugehen. Er schreit auf und Jesus streckt seine Hand aus und rettet ihn. Sie klettern an Bord und der Sturm hört auf.
Es wird oft als Versagen von Paulus gesehen, weil er es, als er auf dem Wasser ging — was eine beachtliche Leistung ist — nicht bis zu Jesus schaffte. Aber für mich bedeutet es einen wunderbaren Beweis des Vertrauens von Seiten Petrus'. Er war bereit, aus dem Boot auszusteigen. Er sah auf Jesus, der den Christus verkörperte, und war nicht nur bereit, sondern sehr eifrig dabei, auf ihn zuzugehen. Er fing erfolgreich damit an. Und dann war da diese Ablenkung, diese Angst — irgendein hypnotischer Effekt, durch den er etwas anderes als den Christus wahrnahm. Und er sank. Er schrie vor Angst. Aber der Christus war da und der Christus kam zu ihm — Christus Jesus streckte seine Hand aus, zog Petrus herauf und rettete ihn.
Für mich bedeutet diese Begebenheit, dass man bei jedem Ruf nach Heilung diesen gleichen, sicheren Sinn der Gegenwart des Christus, des steten Kommens des Christus, haben kann. Kommen ist ein Verb, das Mary Baker Eddy häufig im Zusammenhang mit dem Christus benutzt. Wir wissen, dass der Christus etwas ist, das immer da ist, und er kommt immer auf uns zu. Aber der Christus tut sogar noch mehr. Er hebt uns aus der Furcht heraus, aus jeder schwierigen Situation und heilt uns — ja, er rettet uns buchstäblich.
Sie unterscheiden zwischen Jesus und dem Christus, zwischen dem Menschen und dem Geist Gottes oder der Göttlichkeit, die Jesus so vollkommen vorgelebt hat. Meinen Sie damit, dass es nicht Jesus ist, sondern der Christus, der zu den Menschen kommt, um sie zu erlösen und zu heilen — und der in unser Bewusstsein dringt? Und wenn dann das Bewusstsein mit dem Göttlichen harmonisiert, wendet sich die menschliche Erfahrung zum Guten. Aber können Sie uns eins kurz genauer erklären: Was ist der Christus?
Der Christus steht für ein Verständnis Gottes. Dieses Verständnis — und es ist ein rein geistiges Verständnis — kommt in unser Denken und erweckt uns aus dem materiellen, fleischlichen, sterblichen Traum. Ich denke, Sie könnten auch sagen, der Christus bezeichnet die Beziehung zwischen dem Menschen und Gott. Dies ist das, was Jesus so vollständig verkörperte — und dadurch wurde er als Christus erkannt. Aber wie Jesus zeigte, ist er etwas Unendliches und er ist sogar ein Teil unserer eigenen Identität. Und wir erkennen einen Schimmer davon, wenn wir unsere Beziehung zu Gott besser verstehen.
Der Christus kommt zu uns in Form der schönen, beständigen Botschaft Gottes, des göttlichen Gemüts, das uns sagt, ja, uns verkündet, dass unsere wahre Natur und unser wahres Sein göttlich ist — das heißt: geistig, unkörperlich, zeitlos, unzerstörbar, gesund, blühend, schöpferisch, intelligent, unversehrt, selbstlos, gut und vollkommen.
Richtig. Und wenn Sie heilen, beginnen — und enden — Sie damit, diese Wahrheit über den Menschen, der Sie um Hilfe bittet, zu erkennen und zu bekräftigen. Ich habe gelernt, dass diese Bekräftigung der Schlüssel zum Erfolg des erfolgreichen, geistigen Heilens ist, so wie Mary Baker Eddy es entdeckt hat.
Lassen Sie uns zu Wissenschaft und Gesundheit übergehen. Dieses Buch bietet uns den Schlüssel zur Heiligen Schrift. Es erschließt die wahre Bedeutung des Christusbegriffs. Gibt es einen bestimmten Abschnitt oder einen bestimmten Begriff, auf den Sie in dem Buch Wissenschaft und Gesundheit immer wieder zurückkehren, weil er besonders hilfreich für Sie als Praktiker und Lehrer der Christlichen Wissenschaft ist?
Auch hier ist es schwierig, einen Abschnitt herauszuheben. Aber es gibt einen, zu dem ich doch immer wieder zurückkehre. Und das ist ein Abschnitt in Wissenschaft und Gesundheit mit der Randüberschrift: „Das wirkliche Menschsein.“ (S. 336) Ich glaube, wenn man nur die Randüberschrift liest, könnte man sich natürlich fragen: „Was sagt denn die Christliche Wissenschaft über das natürliche Menschsein?“ Nun, Mary Baker Eddy macht die verschiedenen Möglichkeiten deutlich — zumindest verstehe ich es so —, wie wir das Wesen der Beziehung des Menschen zu Gott verstehen können. Und hier gibt es eine große Bandbreite an Möglichkeiten.
Da finden wir das Verständnis des Menschen als Bild, des Menschen als Idee, als Ausdruck, als Widerspiegelung und als Auswirkung. Und durch diese fünf Begriffe bekommen wir eine sehr genaue Idee von der völligen Zugehörigkeit des Menschen zu Gott. Wir erkennen Gott als Ursache, Gott als Ursprung, Gott als Erhalter. Und offen gesagt ist es einer der faszinierendsten Aspekte, dieses Schlüsselkonzept zu verstehen: die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Sie ist ganz einfach. Ich meine, es dreht sich einfach um diese Frage: Wie ist der Mensch mit Gott verwandt? Wie ist Gott mit dem Menschen verwandt? Und doch gibt es in unserer menschlichen Sprache — weder im Englischen noch in einer anderen Sprache — eine Möglichkeit, diese grundlegenden, geistigen Begriffe zu beschreiben. Und es gibt nicht nur keine geeignete Ausdrucksweise, es ist sogar beinahe so, als würde sich die Sprache hier gegen uns richten. Wenn Sie auf Seite 349 in Wissenschaft und Gesundheit nachschlagen, werden Sie feststellen, dass Mary Baker Eddy genau dies in einem Abschnitt zum Ausdruck brachte, der die Randüberschrift „Sprache unzulänglich“ hat.
Aus diesem Grund — wegen der Unzulänglichkeit der Sprache — hat Jesus so oft Gleichnisse und Metaphern benutzt. Und deshalb hat auch Mary Baker Eddy dies getan. Und deshalb neigen auch wir dazu, dies zu tun. Wir suchen nach Möglichkeiten, Begrenzungen zu überwinden und unser Denken über die Sprache zu erheben, bis wir an den Punkt gelangen, an dem wir anfangen können, unsere wahre Beziehung zu Gott auf geistige Weise zu sehen.
Die Bibel und Wissenschaft und Gesundheit verbinden auf so wunderbare und respektvolle Weise die beiden Zitate, die Sie erwähnt haben. Ein Verständnis der Macht Christi, wie sie in der Bibel beschrieben wird, steht im Einklang mit einem Verständnis des wirklichen Menschseins, so wie es in Wissenschaft und Gesundheit erklärt wird.
Nun, ich denke, dass man auf verschiedene Weise ausdrücken kann, dass es die Aufgabe von Christus Jesus war, die wirkliche Männlichkeit, die echte Weiblichkeit und das Wesen der wahren Beziehung des Menschen zu Gott zu demonstrieren. Durch seine Taten zeigte Jesus, was ein wahres Verständnis dieser Beziehung vollbringen kann. Er bezeichnete seine eigene Beziehung zu Gott, zu seinem Vater, auf die einfachste Weise: „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10)
Im Alten Testament verdeutlicht die Geschichte von Mose diese Einheit auf sehr einfache Weise. Nachdem erden großartigen Anblick eines brennenden Busches, der nicht verbrannte, gesehen hat, bittet Mose Gott, sich erkennen zu geben, damit er den Kindern Israels Gottes Namen nennen könnte. Und natürlich ging es in seiner Bitte um mehr, als nur um einen Namen. Er wollte in der Lage sein, Gottes Wesen zu erkennen. Er hört Gott sagen: „ICH BIN DER ICH BIN ... So sollst du zu den Israeliten sagen: ICH BIN hat mich zu euch gesandt.“ (2. Mose 3, nach der King-James-Bibel) Gott sprach zu Mose in der ersten Person Einzahl des Verbs sein — ICH BIN. Mose hörte, wie Gott sich selbst zur Definition allen Seins erklärt, als das eine Ego. Wissen Sie, Mose und Jesus waren die demütigsten Menschen in der ganzen Bibel. Und ich glaube, ihre Demut kam gerade durch dieses tiefe Verständnis, dass es kein eigenständiges Ich gibt, kein eigenständiges Ego. Sie verstanden, dass ihre wahre Beziehung zu Gott Einheit war. Aber diese Einheit saugte sie nicht auf und zerstörte ihre Individualität. Sie befähigte sie, bemerkenswerte geistige Macht auszuüben, die andere Menschen segnete und ihnen nutzte.
Mary Baker Eddy erkannte die tiefe ontologische Wirklichkeit, dass sich die Aussage Jesu „Ich und mein Vater sind eins“ nicht nur auf ihn bezog.
Mary Baker Eddy erkannte die tiefe ontologische Wirklichkeit, dass sich die Aussage Jesu „Ich und mein Vater sind eins“ nicht nur auf ihn bezog. Diese Aussage trifft auf alle Menschen zu. Jeder kann sagen: „Ich und mein Vater-Mutter Gott — das göttliche Prinzip allen Seins — sind eins.“ Und was einem Christlichen Wissenschaftler dabei in den Sinn kommt, ist natürlich der Abschnitt in Wissenschaft und Gesundheit, in dem Mary Baker Eddy erklärt: „... das heißt, eins in Qualität, nicht in Quantität. Wie ein Wassertropfen eins ist mit dem Ozean, wie ein Lichtstrahl eins ist mit der Sonne, so sind Gott und der Mensch, Vater und Sohn, eins im Wesen.“
Ja, und es ist interessant, dass sie dann mit dem anderen Bibelzitat weitermacht, das meiner Meinung nach am besten diese Einheit zum Ausdruck bringt: „,Denn in Ihm leben, weben und sind wir.’“ (WuG, S. 361)
Mary Baker Eddy entdeckte, dass die Koexistenz, die jeder von uns mit Gott genießt, wissenschaftlich ist. Oder anders ausgedrückt, ein unveränderliches göttliches Prinzip reguliert unser Sein. Unsere Einheit mit der göttlichen Liebe — die Quelle alles Guten, aller Lebendigkeit und Freude — ist ewiglich festgeschrieben, verlässlich und beweisbar. Ich weiß, dass das Wort Wissenschaft und seine Bedeutung für Sie sehr wichtig war. Sie waren einmal Politikwissenschaftler.
Ich erinnere mich daran, wie ich Politikwissenschaft studierte. Es war zu einer Zeit, in der es im Bereich der Politikwissenschaft eine große Diskussion darüber gab, ob das Studium des Regierens, das Studium, wie man Macht ausübt, wissenschaftlich sein könne oder nicht. Das setzte sich während der Zeit, als ich unterrichtete, fort. Als ich meine Stelle als Dozent an der Universität verließ, um Praktiker der Christlichen Wissenschaft zu werden, erklärte ich den überraschten Kollegen, und nur teilweise aus Spaß, dass ich von einer weichen Wissenschaft zu einer harten Wissenschaft wechseln wollte. Ich schätze die Art sehr, mit der die „harten“ Wissenschaftler, wie Chemiker und Physiker, an ihre Wissenschaft herangehen und ich schätze ihre Einstellung zur Wahrheit. Ich bewundere, dass sie Entdeckungen erwarten. Ihr Ideal — unser Ideal, das so schwer für alle zu erreichen ist — ist es, so aufgeschlossen zu sein, dass sie/wir sogar Ideen akzeptieren können, die völlig außerhalb unserer Erwartungen liegen, außerhalb unseres üblichen Verständnisses. Wahre Wissenschaftler bauen auf Entdeckungen auf, die bereits gemacht wurden, und legen dabei großen Wert auf Ehrlichkeit. Sie/wir erwarten wahren Fortschritt und Durchbrüche beim besseren Verständnis der Wahrheit. Und vor allem bewundere ich ihren wundervollen Respekt für Gesetz. Das ist etwas, was ich im Leben suche — Gesetze des Lebens. Die Christliche Wissenschaft lässt sie mich erkennen. Und unsere Einheit mit Gott ist eines dieser Gesetze des Seins oder des Lebens. Ich hatte die Möglichkeit zu testen, die Tests zu wiederholen und dadurch diese Gesetze besser zu verstehen.
In der Bibel beschreibt Jakobus Gott wissenschaftlich: „Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis.“ (Jakobus 1) Gottes wissenschaftliche Gesetze sind unveränderlich. Und sie sind allgemeingültig. Sie sind wahr, unabhängig davon, wer sie anwendet oder wann oder wo sie angewandt werden. Gesetze sind anwendbar und ihre Anwendung ist übertragbar.
Was haben Sie durch Ihre Erfahrung noch darüber gelernt, wie man ein besserer Heiler wird?
Mr. Hildner, das ist ein Kinderspiel. Ich habe unter der Führung von Jesus und von Mary Baker Eddy gelernt, dass das wichtigste Mittel zum Heilen Liebe ist. Sie wollen ein besserer Heiler sein? Lieben Sie mehr! Christliche Wissenschaft ist die Ehe zwischen der Wissenschaft, von der wir sprachen, und der Christlichkeit des Liebens — Gott zu lieben und unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst.
Eine der überwältigenden Voraussetzungen der wissenschaftlichen Struktur der Wirklichkeit, die Mary Baker Eddy entdeckt und bewiesen hat, ist, dass das Gute und nur das Gute wirklich, gegenwärtig und mächtig ist. Das Gute ist Gott, Gott ist gut und Gott ist Alles; deshalb hat das Böse kein Leben, keine Substanz, keine Macht und kein Sein. Das Böse ist frei erfunden. Wie wichtig ist es, den Anspruch des Bösen in Betracht zu ziehen, wenn man jemandem, der ein körperliches oder ein anderes Problem hat, gebetvolle christlich-wissenschaftliche Behandlung gibt? Wie wichtig ist es, die Illusion oder den falschen Gott anzufechten, der sagt, dass das Böse existiert oder Macht hat? Und welchen effektiven Weg haben Sie hierfür gefunden?
Das ist eine gute Frage! Ich denke wir können sehr viel von einer sehr bekannten Metapher lernen, bei der wir die Beziehung zwischen Gott und dem Bösen mit der zwischen Licht und Dunkelheit vergleichen. Dieses Bild zeigt uns, wie wir die Natur von Gut und Böse besser verstehen können. Es ist interessant, wie Physiker die Frage „Was ist Dunkelheit?“ beantworten. Sie erkennen, dass Dunkelheit kein Ding, kein Sein und keine Gegenwart ist. Dunkelheit hat keine Substanz. Physiker definieren Dunkelheit als Abwesenheit des Lichts. In der Tat ist es so, wenn Sie anfangen die Dunkelheit zu erforschen, werden Sie unvermeidlich auf ein Verständnis der Bedingungen des Lichts zurückgehen. Wie kommt es, dass die Dunkelheit hier schwächer ist? Wie viel davon können wir messen? Wir kommen immer wieder auf die Wahrnehmung des Lichts zurück, zu einem Verständnis dessen, was Licht ist, und darauf, was geschieht, wenn das Licht erscheint. Genauso wie Dunkelheit als Abwesenheit des Lichtes bezeichnet werden kann, kann das Böse meiner Meinung nach als Abwesenheit des Guten, als Abwesenheit Gottes, bezeichnet werden. Und für mich ist der beste Weg, das Böse zu verstehen, ein tieferes Verständnis des Guten zu erlangen — ein tieferes Verständnis Gottes, der die Gesamtheit und die Quelle alles Guten ist.
Wenn die grundlegende Eigenschaft des Bösen die Abwesenheit des Guten ist, dann werden wir auf ein Verständnis der Allheit des Guten hingewiesen.
Ich glaube nicht, dass wir leichtfertig über die Vielzahl der Elemente hinweggehen können, die unter dem Namen des Bösen zu uns kommen — Hass, Krieg, Plagen, all das Schlechte, das Teil der menschlichen Erfahrung ist. Wir können es uns nicht leisten, oberflächliche, einfach nur positiv Denkende zu sein, die die Herausforderung ignorieren, die die Gegenwart des Bösen in der menschlichen Erfahrung darstellt. Das Böse ist in der menschlichen Erfahrung vorhanden und deshalb müssen wir damit umgehen. Also stellt sich die Frage: „Wie gehen wir mit dem Bösen um?“
Wenn die grundlegende Eigenschaft des Bösen die Abwesenheit des Guten ist, dann werden wir auf ein Verständnis der Allheit des Guten hingewiesen. Und es wird mir zunehmend deutlicher, dass die Allheit des Guten zu verstehen — die Allheit Gottes — eines der Hauptthemen sowohl von Jesu Lehre als auch der Lehre von Mary Baker Eddy ist. Jesus wies ständig auf das Reich Gottes hin, auf das Reich des Guten, auf die Regierung, die so wertvoll und überhaupt nicht weit entfernt ist. Sie ist hier. Sie ist sogar in uns. Mary Baker Eddy spielt in ihren Schriften ständig mit verschiedenen Variationen des Themas, dass Gott Alles ist. Diese Auffassung ist so wichtig, weil in ihr unsere Fähigkeit begründet ist, Herausforderungen zu begegnen. Ich glaube, dass wir uns am besten darauf vorbereiten, Herausforderungen zu begegnen, wenn wir den Kern dessen anerkennen, was Jesus sagte, als er den Teufel oder das Böse beschrieb. Er nannte den Teufel einen Lügner: „Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ (Johannes 8)
Die grundlegende Eigenschaft des Bösen ist es, sich so darzustellen, als wäre es wahr, denn so macht es ein Lügner. Der einzige Grund eines Lügners zu lügen ist es, dass die Lüge als Wahrheit geglaubt wird. Aber wir sind durch Gebet in der Lage, durch diesen Anspruch hindurch auf die Wahrheit zu schauen und die Lüge zu erkennen. Gerade hier ist es so entscheidend, die grundlegende Natur Gottes und Seiner Allheit anzuerkennen. Wenn unser Denken darauf beruht, dass Gott tatsächlich Alles ist, dann wird unsere Fähigkeit, durch die Lüge eines jeglichen Problems hindurch zu sehen — und es als Lüge zurückzuweisen — gestärkt.
Der Christus wendet uns dem Licht zu. Der Christus wendet uns von Lügen über unsere Natur weg zu der Wahrheit hin, dass unser Sein gottähnlich ist — hier und jetzt und immer. Und dieses Licht des Christus, mit dem Jesus so eng verbunden war, heilt.
Das ist richtig. Johannes vergleicht das Erscheinen des Christus mit dem Licht. Licht, das in die Welt kommt. Und dann wird das Erscheinen des Christus, dieses geistigen Verständnisses der wahren Natur des Menschen als gottähnlich zum Licht, das ins Bewusstsein scheint und uns befähigt, mit den falschen Ansprüchen umzugehen, die behaupten, das Böse würde existieren. Das Verständnis der absoluten Wirklichkeit des Menschen als Gottes Bild und Gleichnis — das ist das Licht des Christus, das die scheinbare Dunkelheit des Missklangs überwindet. Das ist das Licht, das heilt.
Würden Sie uns noch kurz sagen, wie der Begriff Wiedergeburt zu all dem passt, worüber wir gesprochen haben?
Ich glaube, dies ist ein wunderbarer Begriff. Ich verstehe Wiedergeburt als eine Aufforderung zur Erneuerung. Mary Baker Eddy schrieb über diesen Begriff. Sie schrieb: „Die Wiedergeburt ist nicht das Werk eines Augenblicks. Sie beginnt mit Augenblicken und dauert durch die Jahre fort; ...mit Augenblicken der Selbstverleugnung und der Selbsthingabe, der himmlischen Hoffnung und der geistigen Liebe.“ (Vermischte Schriften, S. 15)
Die Einwirkung des Christus auf das menschliche Bewusstsein ist von großer Freude begleitet. Und das bedeutet für mich neu geboren zu werden. Wir könnten sagen, wir werden wieder und immer wieder neu geboren. Neu geboren zu werden ist ein Erwachen des Bewusstseins. Wissen Sie, jedes Mal, wenn ich den ersten Teil das Satzes von Mary Baker Eddy auf Seite 249 in Wissenschaft und Gesundheit lese: „Lasst uns die göttliche Energie des Geistes fühlen, die uns zu neuem Leben führt ...“, ist das, als würde eine Fontäne mich hochheben, mich in ein neues Leben führen. Das heißt neu geboren werden. Und ich glaube, darin besteht Heilung grundsätzlich. Heilung bedeutet, aus einem Traum der Begrenzung aufzuwachen, aus Dunkelheit, aus der Gegenwart und der Macht des Bösen in jeglicher Form in ein Gefühl reinen, weißen Lichtes, in dem der Christus so gegenwärtig ist, dass kein Platz mehr für irgendetwas anderes als Gott vorhanden ist — für etwas anderes als das Gute.
