Herold: Frau Hanisch, Sie reisen begeistert um die Welt, auch weil Sei Erdkundelehrerin sind, und erleben die Vielfalt der Natur, der Kultur und der Menschen in anderen Ländern und Kontinenten. Gewiss stoßen Sie dabei auch auf Herausforderungen. Können Sie uns von einer erzählen und davon, wie Sie damit umgehen?
Hanisch: Wir wollten mit unseren beiden Söhnen einen Urlaub in Sri Lanka machen. Wir hatten rechtzeitig gespart und gebucht. Ein paar Wochen vor Urlaubsbeginn berichteten die Zeitungen von Bürgerkrieg. In den Nachrichten berichteten sie über explodierende Bomben und dass es dort immer aggressiver und schlimmer wurde. Ich habe intensiv darüber gebetet. Eine Freundin versicherte mir dann, wenn wir dahin kommen würden, dann wäre es auch sicher, ansonsten würden wir rechtzeitig davon abgehalten werden. Doch die Vorstellung, ausgerechnet Urlaub zu machen in einem Land, das so groß wie Bayern ist und in dem Hunderttausende auf der Flucht sein würden, beunruhigte mich sehr! Ich hatte ein Internet-Forum verfolgt, in dem ebenfalls viele Leute davor warnten, dahin zu fahren. Ich betete mit meinen Kindern darüber. Meine Schwester sagte dann: „Solange du erwartest, dass dort etwas passiert, so lange bist du nicht geheilt.“ Das erinnerte mich an einen Satz aus Wissenschaft und Gesundheit: „Schau vom Körper weg in Wahrheit und Liebe hinein, in das Prinzip allen Glücks, aller Harmonie und Unsterblichkeit.“ (S. 261) An diesen Gedanken hielt ich mich dann. Und von da ab, es war kurz vor Reisebeginn, erschien kein einziger Eintrag mehr in dem Forum und auch in den Nachrichten wurde nichts mehr berichtet.
Also flogen wir los – und waren fast die Einzigen in dem riesigen Flugzeug. Da habe ich noch mal heftige Angst bekommen. Aber ich dachte dann gleich:, Es herrscht Harmonie und ich bin im Himmelreich. Ich bin hier, um den Menschen Frieden zu bringen und ihnen Gutes zu tun.' Meine ganze Familie betete. Und wir kamen da hin und erlebten nur Harmonisches, Schönes und Freundlichkeit! Bei einem Spaziergang hatten meine Kinder jeweils insgesamt zwanzig Kinder an der Hand! Wir erfuhren dann, dass an dem Tag, an dem wir eingereist waren, offiziell erklärt wurde, dass die Kämpfe und die Gewalt aufhören.
Wenn wir weit weg sind, ist es leicht zu denken, so etwas hätte nichts mit unserem eigenen Leben zu tun. Aber es hilft nicht, nur wegzuschauen und nicht hinzugehen. Es ist so wichtig, dann zu beten. Das war eine ganz wichtige Erfahrung. Gerade solche Länder sind doch so sehr auf Touristen angewiesen und es bedeutet einen schlimmen wirtschaftlichen Einbruch für die Einheimischen, wenn die Touristen dann wegbleiben.
Ihre Erfahrung in Sri Lanka zeigt ja auch, wie wichtig es ist, mit welchem Blick, mit welcher Einstellung wir in ein Land reisen und den Menschen begegnen.
„Wir erlebten etwas wir die Kinder Israel damals zu biblischen Zeiten auf ihrer Suche nach dem verheißenen Land. Die einen kamen wieder und sagten: „Es ist total gefährlich. “Und die anderen sagten: „Das ist das Land, in dem Milch und Honig fließen.“
Genau, wie meine Schwester mir die Blick geöffnet hat, als sie sinngemäß sagte: „Das, was wir erwarten, das erleben wir.“ So wie die Kinder Israel damals zu biblischen Zeiten auf ihrer Suche nach dem verheißenen Land. Die einen kamen wieder und sagten: „Es ist total gefährlich.“ Und die anderen sagten: „Das ist das Land, in dem Milch und Honig fließen.“ Meine Kinder sind da noch unvoreingenommener als ich. Auf einem ganz ärmlichen Markt in Sri Lanka hatte ein Junge meinem Sohn eine Bohne aus dem Haufen, den er zum Verkaufen auf dem Boden ausgeschüttet hatte, angeboten. Mein Sohn nimmt sie, sagt Danke und isst sie, wie man dort eigentlich nichts essen soll – ungewaschen und ungekocht. Also sagte ich: „Das war jetzt wohl nicht so schlau.“ Und er: „Mama, was haben wir eigentlich gelernt? Wenn dieser arme Junge mir eine Bohne anbietet, dann ist das für ihn ein Zeichen der Liebe und dann sag ich doch nicht Nein!“ Das hat mich wirklich wachgerüttelt. Wir konnten genau da sehen, dass es doch nur eine Welt gibt und dass Gott alles geschaffen hat.
Wir können also davon ausgehen, dass wir nicht nur zu Hause geschützt sind, z. B. vor irgendwelchen Infizierungen, sondern dass dieses eine schöpferische Prinzip jedes nützliche Detail auf der Welt regiert und aufrechterhält.
In Peru auf 4000 m erlebte ich einmal hautnah alle Anzeichen von Höhenkrankheit wie Kopfweh und Übelkeit. Alle rechneten regelrecht damit.
Dadurch wurde vermutlich deutlich, dass es nicht vorrangig Ihre eigenen Gedanken waren, die Sie da lähmten.
Korrekt. Man muss schnell herausfinden, wo solche Gedanken herkommen. Dann kann man auch sehr schnell eine Befreiung von störenden Symptomen erleben, wie ich damals.
Eine weitere für mich sehr wichtige Erfahrung war die bei einem Zelt- und Wanderurlaub auf Hawaii. Zwei Tage nach unserer Ankunft wurde uns der Geldbeutel mit Bargeld, Kreditkarte und unseren Führerscheinen gestohlen. Unsere Reisepässe, Flugtickets und ein schon abgelaufener Internationaler Führerschein waren zum Glück nicht mit dabei. Aber wir hatten ja noch vier Wochen Urlaub vor uns! Uns wurde dann gesagt, das passiere sehr oft. Wir beteten allesamt ganz intensiv, weil wir uns natürlich nicht damit abfinden wollten, gleich wieder abreisen zu müssen.
Da kann man sich darauf besinnen, welchen Gedanken man an dem Morgen vielleicht schon aufgenommen hatte, der einem in solch einem Moment wiederum ermöglicht, die Ruhe zu bewahren und eben nicht einfach frustriert die Reise abzubrechen.
Ich hatte mir vorgestellt, dass der Geldbeutel wiedergefunden würde. Wir haben schon ganz andere Sachen wiedergefunden und dabei die tollsten Dinge erlebt. So lief das dieses Mal aber nicht und ich fing schon an zu zweifeln. Aber Gott hatte anderes vor. Wir bekamen ganz schnell eine neue Kreditkarte und mit der gestohlenen Karte wurde kein Betrug begangen. Ein Mitglied einer Kirche der Christlichen Wissenschaft vor Ort ließ uns eine Woche lang kostenlos in seinem „Bed and Breakfast“-Zimmer wohnen und wir hatte auf andere als die geplante Weise einen wunderbaren Urlaub. Man kann Gott eben nicht vorschreiben, wie Er zu wirken hat.
Vor allem, wenn man selbst doch zu Hause schon so viel in die Planung investiert hat: Was brauche ich alles, wie soll alles ablaufen, welcher Zeitplan soll eingehalten werden? Und dann muss man plötzlich von der eigenen Planung abrücken.
Wir bekamen zwar den Geldbeutel nicht wieder, bekamen dafür aber vieles andere geschenkt und erlitten insgesamt überhaupt keinen Schaden.
Was genau treibt Sie eigentlich immer wieder zu diesen Reisen, die doch sehr abenteuerlich klingen?
Wenn ich eine schöne Landschaft sehe, dann sehe ich Gott als Seele lächeln. Mary Baker Eddy beschreibt das so schön in Wissenschaft und Gesundheit: „Der Mensch ist der Ausdruck von Seele. Die Indianer hatten einen Schimmer von der zu Grunde liegenden Wirklichkeit, als sie einen bestimmten schönen See, das Lächeln des Großen Geistes' nannten.“ (S. 477) Ich kann mich so sehr an einer schönen Landschaft erfreuen, viel mehr als an teuren Sachen. Es beglückt mich zu sehen, wie wunderbar die Schöpfung Gottes ist–Menschen wie Landschaften. So haben wir z. B. auf Hawaii in einem 3000 m hoch gelegenen Krater übernachtet. Es war so friedlich und einen solchen Nachthimmel habe ich überhaupt noch nie gesehen. Bei all der Unterschiedlichkeit auf der Erde so viel Harmonie und diese faszinierende Vielfalt zu sehen, das macht mich sehr glücklich.
Das zeigt aber auch Ihre Offenheit, sich auf Neues einzulassen. Man kann ja nicht immer seinen deutschen Haushalt und die eigenen Gepflogenheiten auf alles projizieren.
Oh ja, und man sieht, dass in anderen Ländern auch ähnliche Werte gepflegt werden und dass die Menschen oft in anderen, auch ärmlicheren Wohnungen leben und trotzdem wirklich glücklich sind. Auf dem Titicacasee in Peru gibt es ein Volk, das auf schwimmendem Schilf lebt. Diese Menschen haben fast keinen materiellen Besitz und könnten sich auch überhaupt nicht vorstellen, dort wegzugehen, weil ihnen der See so viel bedeutet. Sie strahlen so viel Friedlichkeit aus. Auch mit ihren Kindern gehen sie so liebevoll um.
In Asien habe ich ebenfalls solch eine liebevolle Art im Umgang mit den Kindern erlebt, obwohl diese Familien oft viele Kinder haben und sehr beengt wohnen. In Indien erlebte ich jedoch einmal solch eine Armut um mich herum, die mich sehr schockierte und vereinnahmte. Als ich einen Bus erreichen wollte, wurde ich von einem bettelnden Jungen regelrecht verfolgt. Dann klemmte ich meinen Finger ganz schlimm in die Bustür. Ich war so verzweifelt – keine Hilfe weit und breit. Ich betete wie nie zuvor:, Ich bin nicht in diesem Körper, ich bin nicht in der Materie! Gott, sage mir, was ich jetzt hier lernen soll!' Und die Antwort war:, Bete für diesen Jungen!' Dann setzte ich mich erst mal hin und habe ganz gründlich alle diese falschen Bilder von diesen verletzten Kindern und dem ganzen Elend folgendermaßen berichtigt: Gott hat in Wirklichkeit vollkommene Menschen geschaffen und auf diese falschen Bilder falle ich nicht weiter rein und lasse mich nicht davon beeindrucken. Ich wurde ruhig und der Schmerz hörte auf. Später rief ich einen Praktiker der Christlichen Wissenschaft an, als der Schmerz noch mal aufflammen wollte. Er sagte: „Freude kann man nicht einklemmen!“ Und das war's dann, ich war vollständig geheilt.
Es beglückt mich zu sehen, wie wunderbar die Schöpfung Gottes ist – Menschen wie Landschaften. So haben wir z. B. auf Hawaii in einem 3000 m hoch gelegenen Krater übernachtet. Es war so friedlich und einen solchen Nachthimmel habe ich überhaupt noch nie gesehen.
Das Tolle ist, dass nicht nur Sie, sondern genauso der Junge in irgendeiner Form von diesen liebevollen Gedanken gesegnet worden ist, weil Gottes Liebe unendlich ist.
Auf jeden Fall.
Vielen Dank für dieses Gespräch!
