Als ich in Nordengland auf dem Gymnasium war, begeisterte ich mich für den Weitsprung. In einem Jahr hielten mich einige familiäre Probleme vom üblichen Training ab, daher sprach ich mit meiner Mutter darüber, ein besseres geistiges Verständnis davon zu erlangen, was ich beim Weitsprung wirklich tat, und warum es kein Grund zur Sorge war, nicht zum Training zu gehen.
Wir bekräftigten, dass meine Motive für den Weitsprung nicht darin liegen sollten, für mich selbst gute Leistungen zu erbringen oder zu meiner eigenen Zufriedenheit besser zu sein als andere. Es war eine Gelegenheit, mehr über Gottes Macht und Gegenwart zu lernen, indem ich Seine geistigen Eigenschaften zum Ausdruck brachte.
Mary Baker Eddy, die die Christliche Wissenschaft entdeckt hat, fand durch ihr Bibelstudium mehrere Synonyme für Gott, die sie dann in ihren Schriften verwendete. Sie sind in der Definition von Gott in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift aufgeführt: „Prinzip; Gemüt; Seele; Geist; Leben; Wahrheit; Liebe“ (S. 587).
Ich fing an zu erkennen, dass der Weitsprung für mich eine Gelegenheit war, geistige Qualitäten auszudrücken, die mit diesen Synonymen verwandt waren – zum Beispiel die unbegrenzte Kraft und Energie von Gott als Geist, die harmonische Kontrolle von Gott als Prinzip und die spontane Freude, die Freiheit und den Auftrieb von Gott als Seele –, wenn ich ein paar Meter in der Luft schwebte.
Die Saison endete frei und froh. Ich hatte eindeutig keine Nachteile aus dem verpassten Training, da ich in meinen Wettkämpfen Rekorde brach. Und später hatte ich Gelegenheit, diese geistige Sichtweise der Tätigkeit konkreter zu betrachten.
Ich besuchte ein College für angehende Sportlehrer im Süden Englands, wo ich einem Verein in London beitreten und mehr Wettkampferfahrung sammeln konnte. Doch in dem Sommer verletzte ich mir den Rücken und konnte ihn nur unter Schmerzen beugen. Erst dachte ich, die Schmerzen würden schnell vergehen, weil ich bereits mehrere körperliche Heilungen erlebt hatte, indem ich die Lehren der Christlichen Wissenschaft anwandte. Doch nach drei Wochen waren sie immer noch da. Ich hatte Probleme in meinen Sportseminaren und dachte, dass die College-Verwaltung sicher besorgt wäre, wenn herauskam, dass ich verletzt war. Außerdem ging die Wettkampfsaison schnell vorbei.
Da ich allein und fort von zu Hause war, begriff ich, dass ich die Christliche Wissenschaft ernsthafter studieren musste als bisher. Ich fand folgende revolutionäre Aussage in Wissenschaft und Gesundheit: „Gemüt ist die Quelle aller Bewegung, und es gibt keine Trägheit, die seine unaufhörliche und harmonische Tätigkeit verzögern oder hemmen könnte“ (S. 283). Das änderte meine Denkweise in mehrerer Hinsicht.
Erstens sagte es mir, dass meine Bewegungen letztendlich von der Weisheit des unendlichen Gemüts, Gottes, kontrolliert wurden und nicht von meinem Körper. Das erhob mein Denken, sodass ich etwas von den unendlichen Möglichkeiten statt begrenzte Einschränkungen erkennen konnte. Zweitens sagte es, dass Trägheit diese harmonische Tätigkeit weder hemmen noch stoppen kann.
Ich dachte länger über das Wort Trägheit nach, denn mir schien, dass eine Verletzung und nicht Trägheit die Ursache des Problems war. Doch dann erinnerte ich mich, dass Trägheit als grundsätzliche Eigenschaft der Materie betrachtet wurde, also verstand ich den Hinweis, dass sich einer geistigen Idee nichts Materielles in den Weg stellen kann. Es schien auf der Hand zu liegen, dass nichts Physisches einen Gedanken aufhalten kann! Ich verstand, dass keine körperliche Verletzung die harmonische Kontrolle meiner Bewegungen aufhalten konnte, die Gemüt ausübte, und ich hielt beim Training konsequent an dieser Aussage fest.
Beim nächsten Wettkampf des Vereins konnte ich ohne Schmerzen springen. Doch direkt danach wurde mein Rücken ganz steif und tat wieder weh – gerade als ich für meinen Verein im Staffellauf antreten sollte. Doch ich wusste, dass ich auch das schaffen konnte. Schließlich ist die Tätigkeit des Gemüts nicht nur harmonisch, sondern auch dauerhaft und musste sich über meine eigenen Wettkämpfe hinaus auf die erstrecken, an denen ich für den Verein teilnahm. Eddy schrieb außerdem: „Was auch immer deine Pflicht ist, kannst du tun, ohne dir zu schaden“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 385). Ich wusste, dass es meine Pflicht war, für den Verein anzutreten. Es tat weh, mich aufrecht zu halten und die Schrittlänge bis zum Übergabepunkt der ankommenden Läuferin abzuschätzen, doch als ich den Stab bekam, konnte ich völlig frei laufen.
Wieder wurde mein Rücken hinterher steif, und er tat sehr weh, als ich zum College zurückfuhr. Doch ich machte mir keine Sorgen, denn ich dachte dankbar an die Freiheit, die ich in den Wettkämpfen erlebt hatte. Ich sah dies zuversichtlich als Beweis dafür, dass die Herausforderung überwunden war und das Problem hinter mir lag. Die Schmerzen verschwanden innerhalb weniger Tage, und vier Wochen später war ich in Osteuropa, wo ich bei meinem ersten internationalen Wettkampf meine persönliche Bestdistanz sprang.
Die Freiheit von Schmerzen hielt während meiner weiteren Jahre am College an, als ich England und Großbritannien in internationalen Wettkämpfen vertrat. Ein weiterer Satz aus Wissenschaft und Gesundheit wurde für mich ebenfalls wertvoll: „Gott bringt im Menschen die unendliche Idee zum Ausdruck, die sich unaufhörlich entwickelt, sich erweitert und von einer grenzenlosen Basis aus höher und höher steigt“ (S. 258). Ich betrachte diesen Satz gern humorvoll als Eddys Geschenk an Weitspringer! Doch diese Ideen haben sich noch viel umfangreicher auf mein Leben ausgewirkt und tun dies weiterhin.
Jean Whitehead
Eastbourne, East Sussex, England
