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Original im Internet

Gottes unbegrenzte Güte akzeptieren und in Anspruch nehmen

Aus der Januar 2021-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 8. Juni 2020 im Internet.


Viele sind mit Christi Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn vertraut, das im 15. Kapitel des Lukasevangeliums erzählt wird (siehe Vers 11–32). Es handelt von einem jungen Mann, der sein Erbe einfordert und auch erhält, seinen Vater und älteren Bruder zurücklässt und von dannen zieht, um ein neues, verschwenderisches Leben zu führen. Nachdem er alles verprasst hat, geht er in sich und beschließt, seinen Vater um Erlaubnis zu bitten, als Knecht zurückzukehren. Sein Vater ist ein herzensguter Mensch, der seinem Sohn erst das Erbe auszahlt und ihn dann mit offenen Armen wieder aufnimmt, nicht als Knecht, sondern als geliebten Sohn. Er veranstaltet sogar ein Willkommensfest für ihn.

Ich lernte als Kind in der Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft von diesem Gleichnis und hatte am Verhalten des Vaters einiges auszusetzen. Seine Güte und Großherzigkeit passten nicht zu meinem begrenzten Verständnis von Verantwortung und Fairness. Und auch der andere Sohn beschwert sich (zurecht, wie ich fand), dass er nie etwas Besonderes bekommen hat, obwohl er seinen Vater nicht verlassen hatte. Wieso wurde das nun seinem Bruder zuteil? Jesus gibt die Worte des älteren Sohnes so wieder: „Sieh, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten; und du hast mir nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sein könnte.“ Ich war ganz auf seiner Seite.

Mit elf benutzte ich bei einer Auseinandersetzung mit meiner Mutter einmal ein ähnliches Argument. Meine Freunde bekamen fast alle mehr Taschengeld als ich, und das fand ich unfair. Also nahm ich mir die Logik des älteren Bruders zum Vorbild und erklärte, dass ich weniger Schwierigkeiten machte als andere und trotzdem weniger Taschengeld bekam. Das beeindruckte meine Mutter kaum. Was wohlhabendere Nachbarn taten, war für eine Witwe mit drei Kindern unerheblich. In dem Wunsch, mein Argument zu kräftigen, schlug ich die Geschichte vom verlorenen Sohn nach und fand etwas Überraschendes. Der Vater antwortet sehr liebevoll auf die oben zitierte Beschwerde des älteren Sohnes: „Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.“ Mir wurde bewusst, dass ich alles hatte, was ich brauchte, und es erschien mir nie wieder richtig, dieses Argument zu verwenden.

Im Laufe der Jahre begegnete mir die Geschichte immer wieder, und eines Tages entdeckte ich etwas Neues. Ich hatte immer geglaubt, dass der Vater nur dem jüngeren Sohn etwas gegeben hat, doch der Text lautet: „Und er teilte ihnen den Besitz.“ Auch damit steht das, was ich mit elf Jahren erkannt hatte, weiter im Mittelpunkt der Geschichte: „Alles, was mein ist, das ist dein.“

Jesu Gleichnis enthält viele geistige Botschaften, die uns helfen, mit unseren menschlichen Umständen fertigzuwerden. Es scheint, als mussten seine Zuhörer verstehen, dass Liebe und Herzensgüte, die anderen entgegengebracht wurden (einschließlich sogenannten Sündern), ihnen selbst nichts wegnahmen, denn Gott verleiht allen Menschen unbegrenzt geistige, segnende Eigenschaften und Ideen.

Jesus erzählte dieses Gleichnis, nachdem Angehörige der jüdischen Obrigkeit gemurrt hatten, dass er Zeit mit Menschen verbrachte, die sie als Sünder betrachteten (siehe Lukas 15:1, 2). Als Antwort darauf zeigte er, dass Gott (der im Gleichnis als der Vater dargestellt ist) alle mit offenen Armen empfängt, die sich Ihm zuwenden (wie der verlorene Sohn), und dass uns Gottes Liebe nie ausgehen kann. Das Gute, das Gott verleiht, steht allen bereit, und somit kann das Gute, das einer entgegennimmt, das Gute aller anderen nicht vermindern. Und genau das musste der ältere Bruder lernen.

Das Gleichnis ist außerdem eine Botschaft der Barmherzigkeit, denn es bezieht sich auf beide Brüder – den jüngeren, der, nachdem er „in sich gegangen“ war, willkommen geheißen und gefeiert wird und erkennt, dass sein eigenes Tun zu seiner Armut geführt hat, und auf den älteren, dem versichert wird: „Alles, was mein ist, das ist dein.“ Gott sorgt auf mannigfache Weise für uns, und jede ist mit Großzügigkeit und Liebe ausgefüllt, die nie vergehen können. Warum nicht? Weil Gott, Seine Liebe und Seine Schöpfung unendlich sind. Gottes Liebe und Güte sind endlos, sie werden nie auch nur ein bisschen weniger, egal wie viel Gutes Er beständig auf Seine Schöpfung verteilt. Wir müssen uns in unserer menschlichen Erfahrung nur Gottes geistiger Versorgung aller bedienen.

Gott sorgt auf mannigfache Weise für uns, und jede ist mit Großzügigkeit und Liebe ausgefüllt, die nie vergehen können.

Wenn wir verstehen, dass Gott unser Vater und unsere Mutter ist, beginnen wir zu begreifen, dass Er jedem von uns ununterbrochen unsere wirkliche geistige Identität, aufrechten Qualitäten und Güte offenbart. Und doch kann solch eine beständige Güte und Fürsorge für uns Menschen manchmal schwer verständlich sein. Was wir nicht verstehen, können wir auch nicht beanspruchen. Ich habe gelegentlich Schwierigkeiten damit gehabt, meine wahre Natur und den richtigen Weg zu erkennen. Doch egal wie verwirrend die Umstände auch waren, ich habe immer einen Ausweg gefunden. Diese Lösungen flossen aus einer besseren Erkenntnis von meinem wahren Selbst, wie Gott es erschaffen hat, und der Tatsache, dass alles, was Gott bereitstellt, mir gehört. Also kann ich mich für Gottes unbegrenzte geistige Versorgung öffnen und mein Recht an Gutem für mich behaupten.

Das Erwachen des jüngeren Sohns zu der Weisheit eines wahrhaft gottähnlichen Lebens und die Versicherung für den älteren Sohn, dass Gott allen ein reichhaltiges Leben verleiht, sind Wegweiser für uns.

Eine wichtige Erkenntnis, was diese Dinge angeht, kam mir, als ich ein bestimmtes Alter erreicht hatte und mich fragte, ob ich nun etwas anders machen müsste als zuvor. Waren mein Aussehen, mein Verhalten, meine Denkweise „altersgerecht“ – erwartungsgemäß? Ich dachte mehrere Monate lang darüber nach. Zwar fühlte ich mich nicht anders als vorher, glaubte aber, dass nun etwas Neues von mir erwartet wurde – vielleicht mehr Würde oder sogar mehr Vorsicht bei dem, wie ich Dinge anpackte. Schließlich fragte ich Gott direkt: „Wie sollte ich sein?“ Die Antwort überraschte mich und zeigte mir Gottes Zärtlichkeit: „Sei Gottes Kind.“ Ich verstand, dass das hieß, so zu sein, wie ich erschaffen bin. Als ich weiter überlegte, begriff ich, dass Gottes Kind zu sein ein erfüllbarer Standard ist. Und mir wurde klar, dass es nichts mit dem Alter zu tun hat. Ich werde immer Gottes Kind sein, egal wie alt ich menschlich gemessen bin.

Es ist eigentlich ganz einfach, mich nach dieser Anleitung zum Denken und Handeln zu richten – und es verhindert, dass ich die Fehler beider Söhne in dem Gleichnis mache. Mangelt es Gottes Kind an etwas? Behandelt Gottes Kind andere respektlos? Wird Gottes Kind jemals meckern, angeben, der Umwelt schaden, andere bedrohen? Nein. Ist Gottes Kind gut behütet, liebevoll, ehrenwert, fröhlich, rücksichtsvoll? Ja! Wenn ich also genervt oder besorgt, frustriert oder ungeduldig bin, kehre ich zu diesem sehr klaren Standard zurück, bevor ich etwas tue. Ein Gefühl von Benachteiligung? Andere anschnauzen? Neidisch oder nachtragend sein? Das kommt für Gottes Kind nicht infrage.

Wenn es darum geht, ob wir wie Gottes göttliche Nachkommen leben, können wir bei Mary Baker Eddy, der Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, Rat suchen, die in ihren Schriften immer wieder erklärt hat, wie man sein Erbe als Kinder Gottes beansprucht. Sie schreibt in ihrem Lehrbuch über die Christliche Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Die Christliche Wissenschaft erhebt die Fahne der Freiheit und ruft: ‚Folgt mir! Entflieht der Knechtschaft von Krankheit, Sünde und Tod!‘ Jesus zeichnete den Weg vor. Bürger der Welt, nehmt die ‚herrliche Freiheit der Kinder Gottes‘ an und seid frei! Das ist euer göttliches Recht“ (S. 227).

Ob wir von Sünde, Krankheit und Tod, Mangel, Armut und Einsamkeit oder vielleicht etwas anderem geknechtet sind, das unseren Fortschritt zu bremsen scheint, wir können uns unseres Geburtsrechts bewusst sein und die „herrliche Freiheit der Kinder Gottes“ beanspruchen – akzeptieren! Und da jedem einzelnen Kind Gottes – jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind auf Erden – dieses Recht verliehen ist, können wir nicht auf Dauer vom Guten abweichen, und das Gute, das ein anderer erlebt, kann unser eigenes Gutes nicht verringern.

Jesu Gleichnis gibt sehr realistische Verhaltensweisen wieder. Ich habe mich gelegentlich in der Darstellung des älteren Bruders wiedererkannt, sowohl in seiner Selbstgerechtigkeit als auch seiner Treue dem Vater gegenüber. Und dass er Hilfe brauchte, um das Gute zu erkennen, das ihm bereits gehörte, war eine wichtige Erkenntnis für mich. Lied Nr. 70 im Liederbuch der Christlichen Wissenschaft drückt es schön aus: „Halt dich an Ihn, tu auf dein Herz, / und alles ist dir Gott“ (Elizabeth C. Adams, Übers. ©CSBD).

Der Reichtum, der in unser Herz einfließt, umfasst unsere wahre Identität als Sein Kind – herrliche Qualitäten, die wir zum Ausdruck bringen, sowie reichhaltiges Gutes. Als ich Gottes Reichtum in meinem Leben akzeptierte, wurde es leichter, ihn zu teilen. Ein anderes Lied von Elizabeth Adams, Nr. 58, zeigt uns, wie: „Freuen uns in Deiner Freude, spenden Freude um uns her, ...“ (Übers. ©CSBD). Das ist mir zu einem meiner Mottos geworden. Es erwächst unter anderem aus der Tatsache, dass ich Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn immer besser verstehe und für mich umsetze.

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