Als ich in jenem Sommer zum letzten Mal meine Wanderschuhe reinigte und meinen Rucksack ausleerte, wünschte ich mir, noch etwas länger in der erfrischenden Atmosphäre, entspannten Routine, dem herrlichen Ausblick und der fröhlichen Gesellschaft der Freundinnen und Freunde verweilen zu können, die meinen Urlaub in den Bergen so schön gemacht hatten. Doch zu Hause erwarteten mich Pflichten. Nicht mehr lange, und meine Arbeit und meine übliche Routine würden mich wiederhaben.
Doch ich fragte mich, ob das mit einem Rückschritt verbunden sein musste. Konnte ich nicht nach vorn in fortdauernde Erfrischung gehen? War es möglich, den Alltag weniger mühsam zu machen?
Vielleicht gab der Begriff Feiertag – ein Tag, an dem wir wie im Urlaub nicht arbeiten –ein paar hilfreiche Hinweise. Dieses zusammengesetzte Hauptwort impliziert, dass die Feier des Tages auf etwas Heiligem beruht. Ist es vielleicht möglich, jeden Tag etwas Heiliges zu erleben?
Jeden Tag nach Heiligkeit Ausschau zu halten bedeutet, nach Beweisen von Gott zu schauen. Wir wissen von Natur aus, was heilig ist, denn wir fühlen Heiligkeit mit dem Herzen. Sie verbindet uns mit etwas, das größer ist als wir – mit der unendlichen Liebe, die Gott ist.
Wir können einen Funken dieser Heiligkeit erhaschen, wenn wir ehrfürchtig auf einen atemberaubenden Ausblick voll herrlichen Wildblumen schauen. Oder sie mag uns spät abends kommen, wenn wir beten, um die Lösung eines Problems zu erkennen, und Ideen erhalten, die unsere Bedürfnisse punktgenau stillen. Oder wir erhalten genau im richtigen Augenblick eine Intuition, die uns vor Gefahr schützt. Das Gefühl von Heiligkeit ist nicht von einem bestimmten Ort abhängig, sondern erreicht uns im geistigen Sinn von Gottes Gegenwart, der uns in diesen besonderen Augenblicken durchströmt.
Augenblicke der Heiligkeit befreien uns von den beengenden Grenzen der Materie. Eine materielle Gesinnung liegt allem zugrunde, was in unserer Erfahrung trübe, drückend oder belastend ist. Eine geistige Gesinnung wiederum erfrischt und erneuert uns und bringt praktische Lösungen ans Licht.
Die Bibel zitiert Jesus folgendermaßen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11:28). In der Übersetzung von Hoffnung für alle lautet diese Stelle, die sich auf Zeiten bezieht, in denen wir müde und ausgelaugt sind oder in denen sich sogar unsere religiöse Praxis wie eine Bürde anfühlt: „Kommt alle her zu mir ... Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben ...“ (Matthäus 11:28, 29).
Das, worauf Jesus hingewiesen hat, war der Christus, die Wahrheit über Gottes geistige, vollkommene Schöpfung, die wahre Identität eines jeden Menschen. Im Mittelpunkt seiner Lehre stand, dass das Reich Gottes eine gegenwärtige Wirklichkeit ist (siehe Markus 1:15). Und er hat gelehrt, dass wir diese Wirklichkeit erleben, wenn wir unser Denken von einer materiellen Sichtweise auf die Erkenntnis der geistigen Wirklichkeit richten.
Mary Baker Eddy, die Gründerin der Christlichen Wissenschaft, schrieb: „Jesus betete; er wandte sich von den materiellen Sinnen ab, um sein Herz mit klareren, mit geistigen Ausblicken zu erfrischen“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 32). Wenn wir dem Vorbild von Jesus folgen, können wir ebenfalls ein klareres, erfrischenderes Verständnis vom Leben erlangen.
Dieser wahre Feiertag – an dem man sich von den Begrenzungen einer materiellen Denkweise zugunsten des unendlichen Geltungsbereichs der Sichtweise des göttlichen Geistes auf das Leben befreit – bewirkt Heilung.
Einmal hatte ich körperlich und seelisch zu ringen. Nichts schien mir Freude zu bereiten. Ich hatte viel Arbeit, doch mir fehlte der Antrieb, und außerdem ging es mir körperlich nicht gut.
Meine Gebete waren mehr seelische Beschwerdebriefe als inspirierte Kommunion mit Gott. In diesem Fall bedeutete Urlaub von den materiellen Sinnen, aufzuhören, über die Probleme zu brüten. Stattdessen musste ich meine Gebete damit beginnen, auf das zu schauen, was aus Gottes Sicht zutreffend war.
Jedes Problem, das aus materieller Sicht wirklich zu sein schien, wurde durch geistige Tatsachen über Gottes Wesen neutralisiert. Dort, wo eine schwierige Beziehung mich betrübte, erkannte ich, dass die göttliche Liebe das einzige Bindeglied war, das alle in einer liebevollen Beziehung zueinander hielt. Dort, wo Lethargie und ein Mangel an Motivierung meine Arbeit beeinträchtigten, erkannte ich, dass der göttliche Geist mich unendlich mit der Inspiration und Macht versorgte, angemessen aktiv zu sein. Dort, wo Krankheit und Depression mein Wohl bedrohten, erkannte ich, dass Gott, göttliches Leben, dauerhaft Gesundheit und Glück verleiht.
Als mein Denken sich auf Gottes Sichtweise verlagerte, änderte sich mein Alltag entsprechend – Gesundheit, Harmonie und Glück wurden wiederhergestellt.
Wirksames Gebet öffnet uns die Augen und bewegt unser Herz dazu, die Güte und Macht Gottes, die unser Leben untermauern, zu erkennen und zu fühlen. Aufgrund dessen stellen wir fest, dass die heilige Gegenwart Gottes in Augenblicken solch zärtlicher Gnade und wunderschöner Herrlichkeit auftritt, dass ganz normale Tage in etwas Besonderes umgewandelt werden. Tägliches Gebet ersetzt den Alltagstrott und offenbart die Schönheit und Heiligkeit des Lebens, die Heiligkeit, die im Mittelpunkt jedes einzelnen Tages steht.
Ursprünglich erschienen in der Kolumne „Christian Science Perspective“ [Aus Sicht der Christlichen Wissenschaft] im Christian Science Monitor.
