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Original im Internet

Für Junge Leute

Lampenfieber überwunden

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 9. April 2019


Ich? Allein vor aller Augen singen?

Ich liebe von klein auf Musik und habe schon immer gern gesungen. Im Chor hatte ich genau die Sicherheit, die ich brauchte. Aber allein vor einer Gruppe zu singen rief lähmendes Lampenfieber hervor: die Art, bei der man sichtbar zittert, seine Stimme verliert und Übelkeit verspürt.

In der Schule wurde ich einmal aufgefordert, einen Solopart zu singen, obwohl ich mich gar nicht dafür gemeldet hatte! Aber mein Lampenfieber war so schlimm, dass ich krank wurde. Am Tag des Konzerts hatte ich die Stimme verloren, ich lag im Bett und konnte rein physisch den Solopart nicht singen.

Das kommt manchen von euch vielleicht bekannt vor. Wenn alle Augen auf einen gerichtet sind, kann es sich anfühlen, als wären alle nur kritisch. Das war nicht meine einzige Befürchtung, sondern ich hatte auch Angst, nicht gut genug singen zu können. Doch am meisten störte mich, dass es bei so etwas um mich ging. Aus meiner Sicht guckten alle Leute auf mich. Ich sang ja schließlich. Meine Stimme sang die Musik.

Ihr könnt euch vorstellen, wie überrascht ich war, als ich entdeckte, dass ich das ganz falsch sah.

In der Zeit lernte ich gerade mehr über die Christliche Wissenschaft, die sich auf die Lehren von Christus Jesus gründet. Trotz all der beachtlichen Heilungen, die Jesus vollbrachte, sagte er bescheiden: „Ich kann nichts von mir selber tun“ (Johannes 5:30). Wie konnte er das sagen? Weil er wusste, dass seine Fähigkeiten nicht aus persönlicher Kraft entstanden, sondern aus der einen, unbegrenzten göttlichen Macht: Gott.

Die Erkenntnis, dass es einen Gott, eine Macht, ein Ego gibt, das alles regiert und alles ist, war entscheidend für Jesu Mission. Und das Verständnis, dass diese Macht gut ist und dass jeder von uns der Ausdruck dieses Guten ist, bewirkte für zahllose Menschen und in unzähligen Situationen Heilung. Das Besondere an Jesu Heilungen war, dass die Macht dahinter nicht nur für die Menschen in seiner Zeit bereitstand, sondern für alle Menschen, die seine Lehren praktizieren – auf ewig.

Mary Baker Eddy, eine Heilerin des 19. Jahrhunderts, folgte Jesu Lehren und entdeckte die göttliche Wissenschaft, die ihnen zugrunde lag. Sie fasste Jesu bescheidene Aussage anders zusammen: „Der Mensch ist die Widerspiegelung der Seele“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 249). Da Gott Seele ist – der Urheber aller Farben, Formen, Schönheit und Fähigkeiten –, sind wir die geistige Widerspiegelung von Seele, denn wir bringen Gott jeder auf ganz eigene, unverzichtbare Weise zum Ausdruck durch Eigenschaften wie Anmut, Selbstvertrauen, Freude und Schönheit.

Ich hatte ja gedacht, dass es beim Singen um mich ging, dass ich für das Gelingen verantwortlich war, fast als ob ich die Verfasserin des Klangs sei. Doch als ich anfing zu verstehen, dass ich „nichts von mir selber tun“ kann und dass ich vielmehr Gott widerspiegele, verschwand der Druck. Es half mir, den Fokus nicht so sehr auf mich zu richten, sondern auf Seele.

Meine Mutter, eine Christliche Wissenschaftlerin, die früher Gesangslehrerin war, half mir ebenfalls, eine geistigere Sichtweise vom Singen zu erlangen. „Sing zu Gott“, sagte sie mir beim Unterricht. „Das Singen findet zwischen dir und Gott statt.“ Das war mir ein großer Trost, denn ich konnte mehr über Gott, Seele, nachdenken und war weniger damit beschäftigt, was die Leute im Publikum denken mochten.

Als ich aufs College kam, bewarb ich mich gern um Soloparts und gehörte zu den jüngsten, die am College je als Solisten ausgewählt wurden. Das Lustige ist, dass es mir nie darum ging, von Lampenfieber geheilt zu werden. Ich wollte eigentlich mehr darüber lernen, was Jesus lehrte, und das führte von selbst dazu, dass ich fröhlicher und gesünder war. Das lähmende Lampenfieber verschwand einfach. Obwohl die Proben mir halfen, mich mit den praktischen Schritten als Einzelsängerin vertraut zu machen, erhielt ich Selbstvertrauen durch das Wissen, dass Seele der Urheber ist und ich der demütige Ausdruck von Seele bin. Als ich mich auf die Freude des Singens und meine Liebe zur Musik konzentrierte, löste sich meine Angst vor Publikum auf. Ich war nur da, um Gott zu ehren! Chorleiter sagten mir, dass es ganz natürlich ist, vor einem Konzert nervös zu sein, aber meine Singfähigkeit wurde nie wieder durch Nervosität oder starke Furcht beeinträchtigt.

Wenn ich heute gebeten werde, Solistin zu sein, erfüllt mich die Freude, Musik mit anderen zu teilen. Ich habe entdeckt, dass Singen keine persönliche Fähigkeit ist, sondern das Ergebnis des Verständnisses, dass alles Gute von Gott kommt, und ich bin ein benötigter, individueller Ausdruck dieses Guten.

Das ist eine heilende Idee, an die wir uns alle halten können, ob wir auf der Bühne stehen oder irgendetwas anderes tun.

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Die Mission des Herold

Mrs. Eddys göttlich inspirierte Erklärung der Mission des Herolds der Christlichen Wissenschaft, der im Jahre 1903 gegründet wurde, ist zu einem Symbol für die weltumfassenden Tätigkeiten der christlich-wissenschaftlichen Bewegung geworden. Ihre Worte erscheinen als Inschrift an der Vorderseite der Christlich-Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft. Sie lauten: „Die allumfassende Wirksamkeit und Verfügbarkeit der Wahrheit zu verkünden.“ Der Herold ist ein greifbarer Ausdruck des Wunsches unserer Führerin, die unschätzbare Kenntnis der Wissenschaft des Lebens an die ganze Menschheit weiterzugeben. Sie erkannte, dass der Tröster „zur Heilung der Völker“ gekommen war.

– Alfred F. Schneider, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, September 1977

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