Die Christliche Wissenschaft lehrt, daß unsre Arbeit darin besteht, Gott wiederzuspiegeln, d. h. das göttliche Prinzip zum Ausdruck oder in die Erscheinung zu bringen. Nur wenn wir mit Erfolg alles aus unserm Denken entfernen, was diese Wiederspiegelung hindert, strahlen wir das göttliche Gemüt wieder wie ein Spiegel, haben also in unsrer Arbeit Erfolg. Das bezieht sich auf jedes Gebiet des menschlichen Strebens, mag es sich nun um das handeln, was die Welt in der Regel Arbeit nennt oder nicht. „Auf diese Weise formt unsre Auffassung vom Göttlichen unsre menschlichen Vorbilder,” sagt Mrs. Eddy, die Entdeckerin und Begründerin der Christlichen Wissenschaft, in ihrem Werke The People’s Idea of God (S. 14). Das erste Erfordernis ist also, Gott erkennen zu lernen, das zweite, Ihn wiederzuspiegeln.
Gott ist Gemüt. Gemüt zum Ausdruck bringen heißt Einsicht, unmittelbare Erkenntnis, gutes Urteil, Reichtum an Hilfsquellen, Entschlossenheit, ja all die Eigenschaften, die zum Erfolg in der Arbeit nötig sind, an den Tag legen. Gott ist Allmacht. Gott wiederspiegeln heißt also Kraft, Herrschaft und Macht zum Ausdruck bringen. Gott ist Liebe. Rücksicht, ehrliches Handeln, Gerechtigkeit sind Eigenschaften Gottes, des Guten. Gott ist die unendliche Quelle der Versorgung. Gott wiederspiegeln heißt also, sich seiner hinlänglichen Erhaltung bewußt sein und sie zum Ausdruck bringen. Wer in allen Geldangelegenheiten ein gesundes Urteil und Weisheit walten läßt, wer über unharmonische Zustände Herrschaft und Macht beweist und mit allen seinen Mitmenschen in gutem und liebevollem Einvernehmen lebt, kann in seiner Arbeit nicht erfolglos sein und muß für alle menschlichen Bedürfnisse die Fülle haben. Durch die Lehren der Christlichen Wissenschaft wird dieser Erfolg in gewissen Grade schon Tausenden zuteil.
Die Sterblichen sind manchmal in der Annahme befangen, daß derjenige, der dem göttlichen Prinzip gemäß denkt und handelt, unter Umständen dem Betrug und der Unehrlichkeit ausgesetzt sei. Für das wahre geistige Denken besteht eine solche Gefahr nicht. Mrs. Eddy sagt in The First Church of Christ, Scientist, and Miscellany (S. 128): „Darum sei weise und harmlos, denn ohne das erstere wäre das letztere untunlich.” Nirgends finden wir so große Wachsamkeit und ein so rasches Erkennen des Irrtums und seiner Wege wie bei Jesus, nirgends so weise und unwiderlegbare Antworten, wie er sie oft denen gab, die ihm eine Falle stellen wollten. Auf diese Weise veranschaulichte er den Schutz, der darin liegt, daß man sich beständig der Gegenwart des göttlichen Gemüts bewußt ist. Ein gewisses Maß der gleichen Wachsamkeit befähigt auch uns, einen falschen Schritt sofort zu erkennen und eine gute Gelegenheit oder eine Verlegenheit schnell und richtig zu begreifen.
Die Vergegenwärtigung der Tatsache, daß nichts Gutes je verloren gehen kann, bringt die trostreiche Gewißheit mit sich, daß günstige Gelegenheiten allgegenwärtig sind, daß sie von Gott kommen, sich also beständig darbieten und daß es darum keine nicht wieder gutzumachende Vergangenheit gibt. Das hilft uns, angesichts eines scheinbaren Mißerfolges oder eines Fehlers ruhig zu bleiben, hilft uns, eine Lehre daraus zu ziehen und uns weder von dem Gefühl überwältigen zu lassen, daß sich keine Gelegenheit mehr bieten wird, noch der Versuchung zu verfallen, unsre Zeit in nutzloser Reue zu vergeuden. Wenn wir beständig an der Tatsache festhalten, daß der wahre Mensch die Wiederspiegelung des göttlichen Gemüts ist und daß er aus diesem Grunde von dem göttlichen Gemüt regiert wird, lernen wir, die Furcht mit ihrem Gefolge von Sorgen und bösen Ahnungen auszumerzen und uns vertrauensvoll darauf zu verlassen, daß uns die Allmacht führt und uns Kraft verleiht.
Erheben wir unser Denken zu der Allheit Gottes, zu der Erhabenheit und Stille des wirklichen göttlichen Weltalls, dann haben Hast und Unruhe ein Ende. Die Ewigkeit ist unermeßlich und gegenwärtig, darum brauchen wir heute nicht zu hasten. Wir müssen nur jeden Augenblick tätig ausnützen und unsre Arbeit nach bestem Können verrichten. Dann wird sie ungehindert vor sich gehen. Wir werden keine Zeit vergeuden, wenn wir bedenken, daß Gott unser Arbeitgeber ist. Wir arbeiten für Ihn. Das ist eine Tatsache, ganz gleich ob wir die Besitzer großer Geschäfte sind oder nur die bescheidenste Stellung darin einnehmen.
Mrs. Eddy spricht verschiedene Male davon, wie wünschenswert es ist, sich nicht in die Arbeit andrer einzumischen. Wenn man diese Mahnung befolgt und doch, so oft sich die Gelegenheit bietet, andern hilfreich zur Hand geht, dann werden Reibungen vermieden. Nehmen wir unser Denken reichlich in Anspruch zur Wiederspiegelung der hilfreichen, wohltätigen Eigenschaften des göttlichen Gemüts, dann kann sich unser Gemüt nicht verdunkeln. Alles Leid, das dadurch entsteht, daß wir der Verdammung, dem Groll und dem Haß Einlaß gewähren, wird vermieden, und unsre Mitmenschen werden frei gelassen, ihrer eignen Erkenntnis gemäß zu handeln. In Gottes Weltall gibt es in der Tat keinen Wettbewerb, sondern nur stetes Zusammenwirken. Wir stehen vor der dringenden Aufgabe, diese Tatsache im menschlichen Leben zu beweisen.
Die Menschen sollten den Gedanken hochhalten, daß ihre Arbeit Arbeit von Gott ist und daher eine würdige Angelegenheit, daß sie zum Wohle der Menschheit dient, also verdienstvoll und notwendig ist. Sobald wir das Gesetz Gottes auf sie anwenden lernen, können wir für jede berechtigte Arbeit die Führung und den Schutz Gottes beanspruchen. Die Christliche Wissenschaft hat vielen gezeigt, daß gewisse Beschäftigungen nicht wünschenswert, ja womöglich geradezu unrecht sind. Das braucht aber niemand zu entmutigen, im Gegenteil. Vor allem muß man nach dem Licht der Wahrheit streben, um damit die Lage beleuchten zu können, dann erst wird Gehorsam verlangt. Das bedeutet nicht immer eine plötzliche Abkehr von dem alten Wege, aber es führt unbedingt aufwärts und zu höheren Demonstrationen, bis unser richtiger Platz und unsre richtige Auffassung von Versorgung sich zeigen.
Die gewissenhafte Betätigung der Christlichen Wissenschaft nach den von Mrs. Eddy im Lehrbuch, „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift,” niedergelegten Regeln ist immer von Erfolg gekrönt. Tausende von Menschen bezeugen heute, daß sie durch den mächtigen Einfluß dieser Lehre körperliche Heilung gefunden und Förderung in geschäftlichen Angelegenheiten erfahren haben. Darum verrichte deine Arbeit täglich wie einer, durch den die Eigenschaften Gottes zum Ausdruck kommen sollen. Gott ist die Quelle deiner Versorgung. Menschen und Stellungen können deine Versorgung in Wirklichkeit weder verbessern noch vermindern, denn sie sind nur das menschliche Mittel, durch die sich die Versorgung scheinbar vergegenständlicht. Wir wollen uns täglich, ja, stündlilch freuen über die Fähigkeit, das göttliche Gemüt durch uns wirken zu lassen, uns von der unendlichen Kraft stützen und erhalten, uns von der göttlichen Liebe schützen und versorgen und uns von der einen Intelligenz führen und leiten zu lassen. Dann wird unsre Arbeit Erfolg haben. Der Psalmist sagt: „Wohl dem, der ... hat Lust zum Gesetz des Herrn,” denn: „Was er macht, das gerät wohl.”
