In „Rudimental Divine Science” (Anfangsgründe der Göttlichen Wissenschaft, S. 9) hat Mrs. Eddy geschrieben: „Die geistige Kraft eines wissenschaftlichen, rechten Gedankens ohne eine unmittelbare Absicht, ohne eine gesprochene oder sogar ohne eine mentale Begründung hat oft eingewurzelte Krankheiten geheilt”. Unsere Führerin muß das Verständnis, wodurch sie diese Erklärung machen konnte, auf Grund der vielen Beweise ihrer Wahrheit bei den eigenen reichen Beweisführungen gewonnen haben. Niemand konnte besser wissen als sie, daß jeder gute und vollkommene Gedanke „von obenherab kommt, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis”. Seit der Zeit Jesu hat niemand die Kraft, die die Annahme und das Verständnis dieser Wahrheit unwandelbar begleiten muß, so vollständig bewiesen wie sie.
Für den Christlichen Wissenschafter kann es heute kein höheres Ziel geben als dieses, das uns unsere Führerin so klar und mit solch tiefer Überzeugung dargeboten hat — diese Fähigkeit, die Kranken durch geistiges Denken augenblicklich zu heilen. Immer wieder finden wir Erklärungen, in denen sie diese Kraft nachdrücklich hervorgehoben hat. Auf Seite 252 in „Miscellaneous Writings” sagt sie z. B: „Gottes Gedanken sind mächtig; böse Gedanken sind machtlos, und sie sollten so erscheinen”. In allen ihren Büchern finden wir die beständige Versicherung, daß ein rechter Gedanke immer die Überwindung eines falschen bewirken kann; denn jeder Irrtum ist nichts anderes als ein falscher Gedanke, ein falscher Begriff. Es erhebt sich dann naturgemäß die Frage: Warum versäumen denn die Christlichen Wissenschafter überhaupt je, sich dieser allmächtigen Kraft zum Guten zu bedienen?
Der Christliche Wissenschafter ist immer bestrebt, alle Ehre Gott zu geben. In erster Linie wünscht er, Gott als das eine und einzige Gemüt anzuerkennen, und er betet beständig, daß er in allen Dingen und zu allen Zeiten sein Einssein mit diesem vollkommenen Gemüt möge beweisen können. Es ist ein sehr einfacher Gedankengang, daß auf Grund der vollkommenen Voraussetzung, daß Gott die unendliche Intelligenz, das vollkommene, allmächtige, göttliche Gemüt ist, alle wahren Gedanken von diesem Gemüt ausgehen, immer in diesem Gemüt bleiben, die ganze Kraft und Vollkommenheit des Gemüts ausdrücken und immer unter der Gewalt des Gemüts sein müssen. Infolgedessen muß jeder Gedanke des göttlichen Gemüts mit Gottes eigener Kraft, die Unwirklichkeit, die Nichtigkeit, jedes mutmaßlichen Gegenteils zu beweisen, ausgestattet sein. Daher ist die Erkenntnis, daß jeder Gedanke Gottes notwendigerweise unendliche Kraft ausdrücken muß, eine unbesiegbare Waffe, womit die Ansprüche des Bösen überwunden werden.
Ein Grund, warum wir als Christliche Wissenschafter die Kraft wissenschaftlicher rechter Gedanken nicht schneller beweisen, ist, daß wir uns noch nicht genügend des Glaubens entkleidet haben, wir hätten ein eigenes von Gott getrenntes Gemüt, das seine eigenen guten Gedanken denken könne. Auch nur einen Augenblick denken, jemand außer Gott könne einen guten Gedanken hervorbringer., heißt, jenen Gedanken offenbar aller Kraft, Schönheit, Intelligenz und Wünschenswürdigkeit entkleiden, es heißt, ihn als Nachahmung, als wertloses Nichts beweisen. Dagegen zugeben, daß ein Gedanke von Gott kommt, heißt verstehen, daß er ewig, unbesiegbar, wünschenswert, herrlich ist; daher bedürfen wir nur eines kindlicheren Glaubens, einer demütigeren Erkenntnis, daß es nur eine unendliche Quelle alles Guten geben kann und gibt, um freudig den Sinn von etwas Gutem, das vom unendlichen Gemüt, das alles gut macht, getrennt ist, aufzugeben.
Ein zweiter Grund unseres Mangels an Beweis ist, daß wir selbst dann, wenn wir erkennen, daß ein gewisser wahrer Gedanke von Gott ist, diesen Gedanken nicht immer mit genügender Beharrlichkeit und mit genügend starker Erkenntnis seiner allmächtigen Kraft festhalten. Selbst wenn wir überzeugt sind, daß ein Gedanke wissenschaftlich und recht ist, weil es ein Gedanke Gottes, des göttlichen Gemüts, ist, versäumen wir manchmal, ihn treu genug festzuhalten, um sein vermeintliches Gegenteil zu vernichten. Wir horchen auf die Einwände des Bösen, die versuchen möchten, unsern Glauben an die von Gott verliehene Kraft zum Guten zu schwächen, die uns versuchen möchten, zu glauben, daß der Gedanke, wenn er auch gut und daher von Gott ist, doch nicht gerade derjenige ist, den wir für den besonderen Fall brauchen, oder daß unser Verständnis nicht ausreicht, seine Kraft zu beweisen. Doch die Kraft ist in dem Gedanken, nicht in der über ihn gehegten menschlichen Annahme! Und der gute Gedanke ist stets von Gott verliehen!
Dies alles vermindert nun durchaus nicht die Notwendigkeit, daß wir beständig wachen, arbeiten und beten müssen. Im Gegenteil, es betont nur die Notwendigkeit, immer rascher zwischen dem Wahren und Falschen zu unterscheiden, damit wir immer eine noch augenblicklichere Erkenntnis gewinnen, daß ein böser Gedanke ohne Wesenheit, Kraft, Tätigkeit und Gesetz ist, da Gott, das Gute, unendlich, das All, ist.
Laßt uns also treuer im Gehorsam gegen die Ermahnungen unserer teuren Führerin sein! Laßt uns die erstaunlichen Beweismöglichkeiten dieser Ermahnungen auf kindlichere Art annehmen! Laßt uns hingebungsvoller in ihren Fußtapfen wandeln! Dann werden wir uns immer häufiger vergegenwärtigen, daß „die geistige Kraft eines wissenschaftlichen, rechten Gedankens ohne eine unmittelbare Absicht, ohne eine gesprochene oder sogar ohne eine mentale Begründung” in der Tat „eingewurzelte Krankheiten” augenblicklich heilt.
