Überall bilden heute Königreiche und Republiken, Verfassungen und Regierungen, Herrscher und Diktatoren die Gegenstände politischer Besprechung. Völker und Einzelpersonen entscheiden sich im allgemeinen für die Regierungsform, die ihnen am meisten zusagt; aber man kann sagen, daß in den letzten paar hundert Jahren die Neigung immer mehr zutage trat, die unumschränkte Alleinherrschaft aufzugeben und demokratische Einrichtungen einzuführen. Revolution war in der Regel das Zeichen der Auflehnung eines Volkes gegen die von einer Einzelperson ausgeübte uneingeschränkte und mißbrauchte Macht.
Sonderbarerweise wird die heute am wenigsten beliebte Staatsform, die unumschränkte Alleinherrschaft, die beliebteste, wenn im Denken geistige Begriffe die materiellen verdrängen. Demokratie auf Erden scheint der Erkenntnis der unumschränkten Alleinherrschaft im Himmel dadurch den Weg zu bahnen, daß sie die Möglichkeiten menschlichen Herrschens vermindert.
Der Christliche Wissenschafter betet täglich folgendes Gebet aus dem Handbuch Der Mutterkirche (Art. VIII, Abschn. 4): „,Dein Reich komme'; laß die Herrschaft der göttlichen Wahrheit, des göttlichen Lebens und der göttlichen Liebe in mir aufgerichtet werden und alle Sünde aus mir entfernen; und möge Dein Wort die Liebe der ganzen Menschheit bereichen und sie beherrschen!" Diese erleuchtete Erklärung verdanken die Christlichen Wissenschafter ihrer Führerin Mary Baker Eddy. Man beachte die Wahl der Worte: „Reich”, „Herrschaft”, „aufgerichtet”, „entfernen”, „bereichern” und „beherrschen”. Sie schließen höchste Machtbefugnis in sich; sie weisen auf gebietendes Handeln hin und dulden keinen Widerstand. Das Reich Gottes ist in der Tat der einzige Ort, wo vollkommene Einmütigkeit herrscht; denn Ursache und Wirkung gehören vollständig Gott an. Dort ist der Mensch lediglich die Widerspiegelung Gottes. Er nimmt alles an; er drückt alles aus. Er ist zufrieden; denn er ist sich nur der Vollkommenheit bewußt. Gottes Gesetze regieren sein ganzes Sein, und sie bringen Gesundheit, bleiben sich gleich und sind unaufhörlich tätig.
Die Mitglieder Der Mutterkirche in Boston leben in Republiken und in Königreichen, gehören Völkern an, wo keine Alleinherrscher mehr gebieten, und solchen, wo diese die Oberherrschaft haben. Es bleibt sich jedoch gleich, unter was für einer menschlichen Staatsform sie leben, da sie vereint für das durch die Christliche Wissenschaft geoffenbarte Himmelreich einstehen. Dieses Reich ist jenes von Christus Jesus so oft erwähnte geistige Reich, von dem Johannes sagt: „Und der siebente Engel posaunte: und es wurden große Stimmen im Himmel, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unsers Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit”.
Die Christlichen Wissenschafter verstehen, daß sie in dem Maße in dieses Reich kommen, wie sie die rechte Auffassung von dem Christus, der Wahrheit, erlangen; und dieses Verständnis befähigt sie, Nachfolger Christi Jesu zu werden und die Kranken und Sünder auf seine Art zu heilen. Dies bedingt die Erkenntnis, daß die unumschränkte Macht des Guten alles dem Guten Unähnliche zerstören kann. Es birgt auch die Gewißheit in sich, daß das Gute gerade dort gegenwärtig ist, wo das Böse die Oberherrschaft beansprucht. An diesem Wendepunkte weicht das menschliche Gleichmachen der unumstrittenen Regierung durch das Prinzip. Harmonie begleitet jedes Aufgeben des menschlichen Denkens zugunsten der im Erscheinen des Christus, der wahren Idee Gottes, bekundeten Herrschaft des göttlichen Gemüts. Wir lesen im Evangelium des Matthäus, wie der Meister in die Gegend der Stadt Eäsarea Philippi kam und dort seine Jünger fragte, für wen die Leute ihn hielten. Dann fragte er sie, für wen sie ihn hielten, worauf Simon Petrus augenblicklich erwiderte, daß der Meister der „Christus, des lebendigen Gottes Sohn” sei. Der Jünger wurde um dieser Antwort willen gesegnet, und Christus Jesus sagte, seine Kirche würde auf das Verständnis dieser Wahrheit geründet werden.
Da Gott überall und das Gute allumfassend ist, kann kein Stamm und kein Volk von Gottes Gegenwart oder vom Guten ausgeschlossen sein. Nur Furcht, Sünde, Krankheit, Tod, Materie Irrtum können zu Seiner Gegenwart keinen Zutritt finden. Daher erlangen die Menschen in dem Maße Einheit als ein einziges Volk, wie sie diese Unwahrheiten dadurch überwinden, daß sie sich Gott nähern.
Welche Freude, sich der ruhigen Wohnstätte des Himmelreichs zuzuwenden! In Wirklichkeit gibt es nur einen Gott, einen Herrscher, ein Gesetz des allwirkenden Guten, das alle erreicht, alle regiert, alle erhalt. In diesem Reiche gibt es keine Eifersucht, keine Zwietracht, keine Meinungsverschiedenheiten. Unser Meister bewies, daß man das Reich Gottes auf Erden finden kann, und Mrs. Eddy hat in „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift” die Wissenschaft vollständig dargelegt, durch die er seine Sendung erfüllte. Das Freiwerden von menschlichen Befürchtungen und Krankheiten durch die Wahrheit ist der Beweis, daß man würdig ist, dieser unumschränkten Alleinherrschaft, wo Christus, die Wahrheit regiert, anzugehören. Daher die Macht des oben angeführten „täglichen Gebets” aus dem Handbuch.
