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Sein wahres Selbst zum Ausdruck bringen

Aus der Oktober 1933-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Wir haben in den letzten Jahren viel über Selbstausdruck gehört. In Erzieherkreisen war viel die Rede von der sogenannten psychologischen Wirkung auf Kinder oder Erwachsene, wenn dieser Ausdruck gehemmt wird.

Die Christliche Wissenschaft gibt uneingeschränkt zu, daß es wünschenswert ist, sein wahres Selbst zum Ausdruck zu bringen. Sie lehrt, daß der Ausdruck des wahren Selbst für des Menschen Sein notwendig ist, ja, daß er tatsächlich des Menschen Sein ist, und daß der Zweck der wahren Erziehung der Menschheit ist, das Denken zu solchem Ausdruck zu entwickeln. Aber wie grundverschieden sie von sterblichen Lehren über des Menschen Selbst ist!

In „Nein und Ja” schreibt Mrs. Eddy (S. 26): „Des Menschen wirkliches Ich oder wirkliche Selbstheit ist Güte”. Und im christlich-wissenschaftlichen Lehrbuch „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift” (S. 294) schreibt sie: „Des Menschen echte Selbstheit wird nur in dem erkannt, was gut und wahr ist”. Das Verständnis dieser Wahrheit enthüllt, daß der Mensch eine Würde und Herrlichkeit besitzt, die man unmöglich verstehen kann, wenn man glaubt, daß er durch einen körperlichen Leib gebunden, darin enthalten oder ihm unterworfen sei. Der wirkliche, geistige Mensch hat kein von Gott getrenntes Sein, keine von Gott getrennte Kraft; er kennt nur das eine Streben und Handeln, seinen Schöpfer zum Ausdruck zu bringen. Für ihn gibt es auch keine menschliche Geburt, keine Vererbung, keine Umgebung und keinen Umstand, wodurch dieser Ausdruck gehindert würde.

Wahrer Selbstausdruck ist weit entfernt von Unbarmherzigkeit, Selbstsucht und Zuchtlosigkeit. Tun, was Gott widerspiegelt, und nicht, was einem Sterblichen gefällt, heißt wahre Eigenart zum Ausdruck bringen; und die Fähigkeit, dies zu tun, erlangen die Menschen nur durch Gebet, unablässige Wachsamkeit, hingebungsvolle Anstrengung und geistiges Wachstum. Der durch die Christliche Wissenschaft geoffenbarte wirkliche Mensch kennt keine Beschränkungen oder Unterdrückungen; denn er hatte sein Dasein nie im Materiellen. Er fürchtet nicht, daß seine Ziele und Hoffnungen vereitelt werden, und frühere unglückliche Erlebnisse haben in seinem Denken keine Narben hinterlassen. Er ist frei von Verwicklungen; denn er spiegelt unaufhörlich das eine ungehemmte Gemüt wider.

Die Christliche Wissenschaft lehrt uns gottähnliche Eigenschaften zum Ausdruck bringen. Sie anerkennt keine Grenzen der wahren Entwicklung des Denkens. Sie lehrt die Menschen, das Bewußtsein so über das Materielle, das Sinnliche, das Kranke und Lieblose zu erheben, daß ihre Gedanken und Handlungen nur das Edle, Fortschrittliche, Gesunde und Heilige ausdrücken. Sie versichert uns, daß jedes wahre Vorhaben auf das Gute, jeder rechte Antrieb auf das Reine gerichtet ist. Sie lehrt, daß der Mensch Idee ist, und daß Tätigkeit ein Ideenkennzeichen ist; daß Wachstum ein Gesetz Gottes ist; daß geistige Entfaltung ununterbrochen ist. Kein atheistischer Irrtum, keine materielle Theorie, keine allgemein angenommene, sich Gesetz nennende menschliche Annahme kann uns also zu Mißerfolg oder Mittelmäßigkeit verurteilen.

Auf Grund dieser Wahrheit sollte sich niemand mit einem eintönigen, vereitelten Dasein zufrieden geben oder glauben, daß ihm Freude und Erfolg versagt seien. Ein durch Umstände geknechteter einsamer, enttäuschter, verbitterter Sterblicher ist weit entfernt von Gottes Idee. Durch Widerspiegelung denken wir übereinstimmend mit dem göttlichen Gemüt; und dies führt aus Begrenzung und Selbstbedauern heraus. An Stelle von enttäuschten Hoffnungen, lang gehegten Kränkungen, falschen, vielleicht zur Gewohnheit gewordenen Gesinnungen muß die Widerspiegelung der Liebe treten. Göttlich eingegebener Ausdruck heilt Niedergedrücktheit.

Nur wenn unser Denken mit Licht und geistiger Tätigkeit erfüllt ist, kann es sich so erheben, daß der Irrtum ihm nicht folgen kann. Die düsteren Mauern einengender Begrenzung fallen vor der zuversichtlichen Demut, der lebendigen Erwartung christlich-wissenschaftlichen Denkens. Die Liebe wirkt anziehend, und infolge wahren Denkens tritt freudiges Dienen an Stelle von leeren oder mühsamen Stunden, und unsere Kirchen werden voll sein von Menschen, die nach der heilenden Wahrheit hungern und dürsten.

Wir dürfen unsere innere Entfaltung nicht genau nach dem Wachstum eines andern zu gestalten suchen. Obwohl wir jeden Ausdruck des Guten lieben und schätzen, müssen wir doch dem Prinzip und nicht einer Person folgen. Dadurch wird uns viel Enttäuschung, Verdruß und Entmutigung erspart bleiben.

Jeder muß auf die seinem Bedürfnis am besten entsprechende Art wachsen. Er muß seinen Platz ausfüllen, den eine andere Idee Gottes unmöglich ausfüllen kann. Und wie jeder seine Fähigkeit entfaltet, Gott zum Ausdruck zu bringen, erweist es sich, daß das Selbst, das Gott kennt, ein Ausdruck der Vollkommenheit und Schönheit ist, dem nichts mangelt. Auch kann es keine Eintönigkeit geben; denn jeder Mensch ist in seinem wirklichen Wesen eine Kundwerdung Gottes, des göttlichen Gemüts; daher geht die Wesenseinheit nicht verloren. Paulus gibt uns einen klaren Begriff von Individualität, wenn er sagt: „Ein Stern übertrifft den andern an Klarheit”.

Und wie mit dem wachsenden Verständnis des wahren Selbst wahres Selbstvertrauen wächst! Das auf einem falschen materiellen Sinn beruhende fesselnde Selbstbewußtsein weicht dadurch der Freiheit und der Zuversicht. Wenn wir erkennen, daß vorderhand jeder auf besondere Art und Weise mehr wirkliches Selbst zum Ausdruck bringen mag als ein anderer, und wir bedenken, wie schwer es uns allen fällt, beständig das Gute auszudrücken, sollten wir gegenüber der Entwicklung eines andern mitfühlende Geduld und Duldung üben.

Schr oft bekunden wir ein falsches Selbst. Wie weit entfernt vom vollkommenen Wesen des Menschen sind Lieblosigkeit, Krankheit, Kleinlichkeit, Haß und Trübsinn! Der wirkliche Mensch ist intelligent und frei, gerecht und freudig, furchtlos und freigebig; er kennt Harmonie und unwandelbare Gesundheit, die Widerspiegelung des unveränderlichen Lebens. Da jeder, der die Christliche Wissenschaft beweist, dies weiß, sieht er über den materiellen Augenschein hinaus auf seine, seines Bruders, seines Patienten und seines Nächsten wahre Individualität. Er unterscheidet zwischen dem Wahren und der Nachahmung, zwischen dem Echten und dem Falschen. Wenn er in seinem Denken für sich und andere an seiner Erkenntnis des wahren Selbst festhält, wird er schließlich nur Christusähnlichkeit bekunden und für sich nur den Ausdruck der Christusähnlichkeit als wirklich sehen und wissen.

In unmittelbarem Gegensatz zu den Lehren einiger neuzeitlicher Theorien offenbart also die wahre Seelen-Wissenschaft, daß der Mensch kein Leben außerhalb des Geistes gehabt hat, daß er keine seinen Leistungen von einer mutmaßlichen Macht außerhalb des göttlichen Gemüts gesetzte Grenzen kennt. Seinen Fähigkeiten kann kein Maß, seinen Leistungen keine Grenze gesetzt werden. Unbegrenzt, unermeßlich, unendlich sind die gottverliehenen Möglichkeiten des wirklichen Menschen!

Selbstverleugnung und Selbstaufopferung sind unerläßlich bei unserem Wachstums himmelwärts. Aber das zu verleugnende oder aufzuopfernde Selbst ist das Gott unbekannte falsche oder nachgeahmte Selbst. „Die dem Irrtum oder der Materie Trotz bietende Wahrheit ist Wissenschaft. Sie vertreibt die falsche Vorstellung und führt den Menschen zur wahren Auffassung der Selbstheit und Gottheit, ... worin wahre Männlichkeit und wahre Weiblichkeit im Strahlenglanze des ewigen Seins und seiner unveränderten und unveränderlichen Vollkommenheiten erscheinen” (Unity of Good, S. 42, 43).

Unser wahres Selbst finden und ausdrücken ist unser aller einzig wahres Geschäft; es betreiben hat sichere Erlösung, unfehlbares Gelingen und ewige geistige Herrschaft zur Folge!

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