Kürzlich besuchte ich eines Sonntags einen Gottesdienst, der auf das Denken der Jugend ausgerichtet war. Stühle mußten in den Gängen aufgestellt werden, um die Menge unterzubringen. Von Anfang bis zu Ende war die Gemeinde lebhaft bei der Sache. Die Lieder wurden voller Aufrichtigkeit und Überzeugung gesungen; ebenso war es bei dem liturgischen Wechselgesang. Dem Pastor wurde mehrmals während seiner kurzen Predigt applaudiert. Aber das Wort „Gott“ wurde nie erwähnt.
Dies geschah in völliger Übereinstimmung mit dem intellektuellen religiösen Gedanken, daß Gott im Menschen sei und daß, wenn sich die Menschen ehrlich und liebevoll gegen ihren Nächsten verhielten, dieses Verhalten an sich alles sei, was es von Gott gebe. Diese Ansicht scheint dem einzelnen ein Gefühl des Selbstvertrauens zu vermitteln, eine Freude am Leben und eine Begeisterung für das Leben. Im Licht der Christlichen Wissenschaft jedoch wird es klar, daß diese Philosophie zum großen Teil die Wurzel des Konflikts im heutigen Leben ist.
Der Konflikt entsteht, weil der einzelne, um mit sich selbst im reinen zu sein, in der Lage sein muß, seine eigenen Schlüsse zu rechtfertigen. Solange er sich auf Gott beziehen konnte, wenn es um eine wichtige Frage ging, konnte er immer demütig sagen: „Das ist meine Ansicht, aber ich kann es nicht wirklich sagen. Gott allein weiß es.“ Wenn der einzelne jedoch selbst die volle Verantwortung für die Entscheidung übernehmen muß, ob etwas richtig oder falsch ist, zeigt er sich weniger tolerant gegenüber den Ansichten, die seinen eigenen widersprechen.