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Metaphysische Lehrsätze: Regeln für das Heilen

Aus der März 1987-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Ein metaphysischer Lehrsatz erklärt die absolute geistige Wahrheit. Und wir können die geistige Wahrheit demonstrieren, wenn wir die irrigen Annahmen und den Augenschein, die die physischen Sinne uns liefern, überwinden. Dann wird die göttliche Augenscheinlichkeit sichtbar, die die Illusionen der physischen Sinne vertreibt.

Sogar die Naturwissenschaften und die Philosophie gehen im allgemeinen von den Eindrücken aus, die durch die fünf körperlichen Sinne gewonnen werden. Alles, was mit diesen Sinnen wahrgenommen wird und — offensichtlich durch sie — erlebt wird, bildet die Grundlage für menschliche Schlußfolgerungen und Theorien. Ja, unharmonische Erfahrungen entspringen solchen begrenzten und irrigen Ansichten der materiellen Sinne.

Das an die materiellen Sinne gebundene Wahrnehmungsvermögen sucht alle Kundwerdungen des Daseins auf materielle Weise zu erklären. Dabei wird angenommen, daß solche irdischen Kundwerdungen das letzte Wort hätten und die einzig erkennbaren Wirklichkeiten des Daseins seien. Ein Sterblicher durchschaut selten die Täuschung, der er durch solch eine begrenzte Vorstellung unterworfen ist. Die Phänomene, die durch die physischen Sinne erfaßt werden, werden auf diese Weise dazu herangezogen, um zu einer Regel zu gelangen, der sie dann angeblich unterliegen. Wer aber Leben und Sein lediglich von einem körperlichen Standpunkt aus betrachtet, bleibt für die Dinge des Geistes blind.

Die physischen Sinne können nicht die geistige Wahrheit erfassen, die allem zugrunde liegt. Paulus sagte in seinem Brief an die Korinther: „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt.“ 1. Kor 2:14, 15.

Die Christliche WissenschaftChristian Science (kr’istjən s’aiəns) weist eine materielle, an den Sinnen orientierte Betrachtungsweise zurück. Sie wendet genau die entgegengesetzte Methode an: eine geistige Beweisführung. Sie gründet alle ihre Schlüsse auf das anerkannte absolute, göttliche Prinzip, auf die absolute Wahrheit, und folgert von dieser Grundlage aus.

Um ein Verständnis der Wahrheit und aller sich daraus ergebenden Schlußfolgerungen zu erlangen, ist geistiger Sinn erforderlich, die Inspiration, die wir durch Offenbarung gewinnen.

Dies ist nun nicht ein rein intellektueller Vorgang. Es genügt nicht, die geistige Wahrheit mit dem Intellekt zu erfassen. Sie muß in unserem innersten Wesen gefühlt und erlebt werden. Dann wird die geistige Schau der Dinge von uns Besitz ergreifen und uns leiten. Wir spüren, wie der Christus in uns wirkt; wir erkennen, daß wir nichts aus uns selber tun können, sondern alles Gute durch das Wirken des Christus in uns erreichen. Paulus erklärt: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht“. Phil 4:13.

Daher ist außer Intellekt geistiger Sinn vonnöten. Ebenso müssen wir ethische Eigenschaften pflegen und zum Ausdruck bringen, um den geistigen Sinn zu erlangen. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, sagt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Den geistigen Sinn der Wahrheit müssen wir erlangen, ehe wir Wahrheit verstehen können. Diesen Sinn eignen wir uns nur dann an, wenn wir ehrlich, selbstlos, liebevoll und sanftmütig sind“. Wissenschaft und Gesundheit, S. 272.

Es ist eine geistige Wahrheit, daß Gott Alles-in-allem ist. Wenn wir aber bei unseren Schlußfolgerungen weiterhin von dem Auftreten physischer Phänomene ausgehen, kann die Erklärung, daß Gott Alles-in-allem ist, für uns nur bedeuten, daß Gott in allen physischen Erfahrungen der Erdenbürger und in allen materiellen Formen erkennbar wäre. Das ist Pantheismus und völlig falsch.

Wenn sich nun aber das Denken von der materiellen zur geistigen Methode erhebt, folgt aus dem Wissen um die Allheit Gottes, daß nichts wirklich sein kann, was nicht mit dem Charakter und Wesen Gottes übereinstimmt, der Geist, Gemüt und völlig gut ist. Betrachten wir die Dinge von einer geistigen Warte aus, dann folgern wir von dem anerkannten göttlichen Prinzip aus und decken die falschen Ansprüche materieller Phänomene auf. Das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft erklärt: „Es erhellt aus der Heiligen Schrift, daß Gott Alles-in-allem ist. Hieraus folgt, daß nichts außer dem göttlichen Gemüt und Seinen Ideen Wirklichkeit noch Dasein besitzt“. Ebd., S. 331.

Die unharmonischen Erfahrungen der Sterblichen und alle materiellen Formen sind daher eigentlich nur das trügerische Ergebnis eines auf die Materie ausgerichteten Denkens. Gewiß, Gott ist Alles-in-allem, aber das Böse und die Materie Gott zuzuschreiben hieße, den Charakter und das Wesen Gottes falsch auszulegen.

Schlußfolgerungen in der Christlichen Wissenschaft entspringen immer, wie schon gesagt, ihrer Offenbarung eines vollkommenen Schöpfers und einer vollkommenen Schöpfung. Wissenschaft und Gesundheit erläutert: „Nur durch das Verständnis, daß es nur eine Kraft gibt — nicht zwei Kräfte, Materie und Gemüt —, gelangt man zu wissenschaftlichen und logischen Schlüssen“. Ebd., S. 270.

Daher ist alles, was mit der Offenbarung der Allerhabenheit Gottes nicht in Einklang steht, eine Täuschung, also unwirklich. Die Allmacht, Allgegenwart und Allwissenheit Gottes schließt die Möglichkeit aus, daß irgend etwas neben Ihm besteht. Gott und Seine geistige Schöpfung sind die einzige Wirklichkeit des Seins. Daher ist die Aussage„ Gott ist Alles-in-allem“ ein metaphysischer Lehrsatz, der bewiesen werden kann.

Wir sagen z. B., daß Gott den Menschen erhält. Die Bibel gibt uns Gottes Verheißung: „Mein Volk soll meiner Gaben die Fülle haben“. Jer 31:14. Doch wenn wir den physischen Augenschein betrachten, sehen wir in vielen Teilen der Welt Hungersnot. Wie hilft uns Gottes Verheißung in der Bibel, Hungersnot zu lindern? Zuerst einmal müssen wir erkennen, daß es sich hier um eine metaphysische Aussage handelt, die über den physischen Augenschein hinausgeht. Sie bestätigt und erklärt keine physische Situation. Vielmehr müssen wir in unserer menschlichen Erfahrung beweisen, daß diese Aussage richtig ist.

Wir beweisen derartige Lehrsätze durch Gebet, dadurch, daß wir anerkennen, daß sie die Macht haben, die menschliche Szene zu verändern. Bei Hungersnot können wir mit dem Wissen beginnen, daß Gott keiner Seiner Ideen Seine unendliche Güte vorenthält. Wir können beten, um unser Denken für die göttliche, unendliche Quelle offen zu halten, an die sich alle wenden können, um das Gute zu empfangen. Gott hält Seine unendliche Güte nicht zurück. Das Denken muß sich aber der göttlichen, unendlichen Quelle öffnen, damit es aus ihr empfangen kann.

Ein metaphysischer Lehrsatz gründet sich folglich nicht auf die unharmonischen Situationen und Bedingungen der Welt — noch akzeptiert er sie als wirklich. Vielmehr stellt er sie als Täuschungen des auf die Materie ausgerichteten Denkens bloß.

Der Lehrsatz „Gott ist Alles-in-allem“ bedeutet also nicht, daß die irdische scheinbare Welt ihre Berechtigung vom göttlichen Universum ableitet. Umgekehrt: Wenn wir die geistige Wahrheit des metaphysischen Lehrsatzes anerkennen und geltend machen, bringt dies Heilung, weil dadurch die Täuschung der Sinne zerstört und die Gegenwart Gottes, des Guten, offenbart wird. Wie schon erwähnt, ist diese Erkenntnis viel mehr als ein intellektueller Vorgang. Die Wahrheit wird in unserem innersten Wesen erkannt. Die Wahrheit erleuchtet unser Bewußtsein, erfüllt es mit Liebe.

Der Mensch ist Gottes Idee, Seine Widerspiegelung. Das ist eine metaphysische Wahrheit. Es ist die Wahrheit über die göttliche Sohnschaft, die Jesus demonstrierte. Jesus brachte den Christus, das ideale Menschentum, in einem so hervorragenden Ausmaß zum Ausdruck, daß seine ganze irdische Mission ein Beispiel für den Beweis metaphysischer Lehrsätze war — jener geistigen Wahrheiten, die physische, begrenzte Begriffe und Täuschungen berichtigen.

Er sagte z. B.: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Joh 8:31, 32. Das Denken muß bei seinen Worten, seinen metaphysischen Lehrsätzen, bleiben, um von den Täuschungen der materiellen Illusionen frei zu werden. Es muß die Wärme der göttlichen Liebe spüren, die die Erleuchtung der Wahrheit begleitet.

Wie kann es Unzufriedenheit und Leid geben, wenn Gott Liebe ist? Diese Frage wird oft gestellt, und doch unterscheidet sie sich nicht von der Frage: „Wie kann meine Addition zu einem falschen Ergebnis führen, wenn doch die Rechenregeln unfehlbar sind?“ Sicherlich haben wir bei der Addition einen Fehler gemacht, der nicht mit den Rechenregeln in Einklang steht.

Jeder kann die in der Christlichen Wissenschaft geoffenbarte Wahrheit individuell anwenden. Dadurch wird das gesamte irrige Denken vermindert. Jede individuelle Demonstration der Wahrheit trägt zur Lösung der Weltprobleme bei. Wenn wir an der geistigen Wahrheit festhalten und unser Herz der göttlichen Liebe öffnen, beweisen wir, daß metaphysische Lehrsätze praktisch anwendbar sind, um Schwierigkeiten aller Art in der menschlichen Erfahrung zu überwinden.

Im Gebet halten wir an dem Gedanken fest, daß Gott Alles ist, und wir verneinen die Vorstellung, daß irgendein Anspruch der Disharmonie Wirklichkeit besäße. Wir bewahren dieses klare Bewußtsein dadurch, daß wir den besonderen falschen materiellen Anspruch spezifisch zurückweisen und die Wahrheit spezifisch bejahen.

Als ich in einer kleinen Stadt in den Bergen lebte, wurde ich einmal dazu bestimmt, eine Gemeindeversammlung zu leiten. Die Meinungen prallten auf dieser Versammlung aufeinander. Bald verlor ich die Kontrolle über die Versammlung. Auf dem Höhepunkt des Tumults fragte ich mich: Ist das dein Verständnis von den Anwesenden als Gottes geliebten Kindern? Plötzlich sah ich, daß die ganze Angelegenheit ein falscher Anspruch des sterblichen Gemüts war. Ich wies diesen falschen Anspruch zurück und bekräftigte die Wahrheit, daß Harmonie gegenwärtig war. Ja, die stete Gegenwart Gottes erfüllte mein Bewußtsein mit Liebe.

Sofort änderte sich die Lage. Es trat Ruhe ein, und es wurden vernünftige Vorschläge gemacht, die zu einer für alle befriedigenden Lösung führten.

Wir zerstören den materiellen Augenschein eines falschen Anspruchs, wenn wir erkennen, daß der Mensch vom Standpunkt der Wirklichkeit aus niemals einem derartigen Anspruch unterworfen war noch unterworfen ist. Der materielle Anspruch ist falsch; er beruht daher nicht auf der Tatsache.

Die Christliche Wissenschaft ignoriert das menschliche Leben nicht, sondern heilt und erhebt es dadurch, daß sie das Verständnis der wahren Beziehung des Menschen zu Gott als Sein geistiges Bild und Gleichnis wiederherstellt.

Das Ausmaß an Harmonie, das auf der menschlichen Ebene kund wird, kann den Grad des Fortschritts zur geistigen Vollkommenheit und Wirklichkeit anzeigen. Licht, das durch eine Sonnenbrille gefiltert wird, bleibt Licht; selbst wenn es schwächer geworden ist, kann es doch noch wahrgenommen werden. Der göttliche Funke, der im menschlichen Bereich erscheint, bleibt göttlich und hebt alles, mit dem er in Berührung kommt, auf eine höhere Ebene.

Die Wahrheit, daß Gott Alles-in-allem ist, ändert sich nicht; sie ist ewig. Die menschliche Erkenntnis dieser Wahrheit wird durch unsere Demonstration metaphysischer Lehrsätze erweitert und vergeistigt.

Ein metaphysischer Lehrsatz erklärt die Erlösung, den vollkommenen Zustand des Seins. Der Beweis eines metaphysischen Lehrsatzes bringt Heilung.


Schaffet, daß ihr selig werdet,
mit Furcht und Zittern.
Denn Gott ist’s,
der in euch wirkt beides,
das Wollen und das Vollbringen,
nach seinem Wohlgefallen.

Philipper 2:12, 13

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