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Der Reichtum hilft nur den Reichen

Afrikas begehrte Rohstoffe

Aus der Februar 2007-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft

©2007 Stuttgarter Zeitung


Warum braucht Afrika Hilfe von den G-8-Staaten bei der gerechten Verteilung seiner Rohstoffe? Weil der Druck internationaler Konzerne und Finanzhäuser so groß ist wie die Gier der meisten Beteiligten. Das Volk trägt allein die Lasten, ohne vom Reichtum profitieren zu können

Auf den ersten Blick scheint es größere Probleme zu geben als den Reichtum an Bodenschätzen. Auf den zweiten freilich erkennt man, daß mit den Rohstoffen oft nur die Probleme wachsen, vor allem in Afrika. "Die Unfähigkeit, Rohstoffe und Entwicklung zusammenzubringen, ist ein Phänomen, das die ganze Welt berührt", sagt Abu Brima, Geschäftsführer des Networks Movement for Justice and Development in Sierra Leone. Die Ursache: mangelnde Kontrolle.

Die junge Nichtregierungsorganisation will diesen Missstand bekämpfen, vor allem im eigenen Land. Internationale Firmen und Finanzhäuser übten Druck auf rohstoffreiche Länder aus, um unbehelligt Bodenschätze ausbeuten zu können, sagt Brima. "Die Staatsgewalt bis hinunter auf die lokale Ebene übt in der Regel keine Kontrolle aus." Die Regierungen praktizierten unter dem Druck internationaler Finanzinstitutionen eine bizarre Art von Freihandel. "Portfoliofirmen" brächten alles Nötige in Lastwagen und Containern mit Arbeiter und Ausrüstung. Seien die Rohstoffe erschöpft, zögen die Firmen weiter. Für die Menschen vor Ort bliebe nichts hängen. Nur wenige partizipierten. Oft vergrößere sich die Armut an Orten industrieller Rohstoffförderung durch steigende Lebenshaltungskosten und geringere Landwirtschaftserträge auf Grund von Umweltverschmutzung.

Inzwischen haben Ökonomen einige Gesetzmäßigkeiten im Zusammenhang von Rohstoffreichtum und Entwicklung erarbeitet. Rohstoffreiche Staaten verzeichnen meist ein geringeres Wirtschaftswachstum als Länder mit weniger Bodenschätzen. Die "holländische Krankheit" bezeichnet das Phänomen, wonach unterentwickelte Staaten sich mit Rohstoffen fast ausschließlich auf deren Abbau konzentrieren und die übrige Infrastruktur und Wirtschaftsentwicklung völlig vernachlässigen. Außenhandelsüberschüsse werten die Landeswährung über Gebühr auf und verteuern somit andere Exportgüter. Billigimporte ruinieren die einheimischen Märkte. Menschen, die nicht am Rohstoffreichtum partizipieren, verarmen.

Im Kongo, Sierra Leone und anderen afrikanischen Staaten, die vom Bergbau abhängig sind, schrumpfte die Wirtschaft je Einwohner laut Weltbank in den neunziger Jahren um fast elf Prozent, während sie weltweit um 17 Prozent wuchs. Rohstoffreiche Länder Afrikas rangieren im internationalen Korruptionsindex an vorderster Stelle. Nigeria ist für diese Phänomene ein beredtes Beispiel. Austin Onuoha arbeitet für die nigerianische Nichtregierungsorganisation Centre for Social Corporate Responsibility und kämpft seit Jahren um eine Änderung der Verhältnisse im Land. "Das Ölgeschäft hat alle anderen Geschäfte, die Landwirtschaft, das Handwerk, zerstört.”

Die Menschen rund um die Förderstätten sollten respektiert werden, findet Onuoha. Stattdessen würden sie von allen direkt am Geschäft Beteiligten ignoriert: “Da werden Stromleitungen über Dörfer hinweggezogen und niemand denkt daran, die Menschen am Boden mit Energie zu versorgen." Am Anfang einer Entwicklung steht für Onuoha die Information, die Menschen vor Ort müssten wissen, was vor sich gehe. Der zweite, entscheidende Schritt sei eine Beteiligung der Bürger am Wirtschaftsprozess. Ohne Hilfe von außen sei das allerdings nicht zu schaffen. ...

John O'Reilly sieht zu staatlicher Einmischung keine Alternative. Der ehemalige BP-Mitarbeiter arbeitet heute für Amnesty International. Er ist überzeugt, daß im Spannungsfeld Rohstoffabbau und Entwicklung „der Staat für die Menschenrechte verantwortlich bleibt. Firmen können sie üben, aber nicht garantieren”. Konzerne wie Exxon, Total oder Chevron seien mittlerweile sensibilisiert für die Themen. Sie fürchteten den Imageschaden, Risikoabwägungen würden getroffen. Doch in der Konkurrenz mit Afrika, China und Indien, die skrupellos auf dem Markt agierten, und mit Geschäftspartnern, die auf weiche Investitionskriterien wenig Wert legten, seien Veränderungen schwierig. “BP hat versucht, im Geschäft mit Angola mehr Transparenz einzuführen. Doch die Regierung reagierte eher feindselig, und BP wäre beinahe rausgeflogen. Also haben sie es gelassen.”

©2007 Stuttgarter Zeitung / Uhr Mit freundlicher Genehmigung

Nachdrucke auf dieser Seite geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion des Herold der Christlichen Wissenschaft wieder.

Die Serie ist komplett unter
http://www.stuttgarter-zeitung.de/berlin-im-fokus abrufbar

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