Eine junge College Studentin, die aus ihren Kursen rausfliegt, Drogen nimmt, deren Ehe zerbricht und die an Selbstmord denkt — das klingt nicht nach einer rosigen Zukunft. Aber Deborah Huebsch, die vor vielen Jahren diese junge Studentin war, fand mitten auf diesem Weg nach unten die Christliche Wissenschaft (Christian Science). Sie beschloss, von der Schule zu gehen, und verließ die Universität von Kalifornien, Berkeley, und studierte ein Jahr lang das Buch Wissenschaft und Gesundheit. Am Ende dieses Jahres ging sie zurück auf die Universität und machte ihren Abschluss. Dann studierte sie an der Universität von Oregon weiter, um ihren Mastertitel im fächerübergreifenden Studium in den Hauptfächern Philosophie, Theater und Tanz zu machen.
Während sie an der Universität von Oregon Tanz unterrichtete, fühlte sich Mrs. Huebsch dazu aufgerufen, dieser Kirche zu dienen, bei der sie so viel Liebe und Unterstützung erfahren hatte. Sie zog nach Boston und arbeitete zehn Jahre lang für die Mutterkirche. Einige Jahre, nachdem sie Oregon verlassen hatte, begann sie im Christian Science Journal als Praktikerin der Christlichen Wissenschaft zu inserieren und wurde 1982 Lehrerin der Christlichen Wissenschaft. Sie hielt außerdem sieben Jahre lang in den USA Vorträge über die Christliche Wissenschaft.
Heute finden Sie Mrs. Huebsch in San Juan Capistrano, Kalifornien. Dort ist sie mit ihrer Praxis beschäftigt und genießt ihr Leben. Sie und ihr Mann Herb, der auch Praktiker der Christlichen Wissenschaft ist, leben in einem Haus im Stil einer Ranch (mit zwei Pferden im Stall), auf einem Hektar Land, eingebettet zwischen einer tiefen Schlucht und einer Reihe von Eukalyptusbäumen. „Von meinem Küchenfenster aus kann ich sogar einen Streifen des Ozeans sehen“, sagt sie.
Mrs. Huebsch ist eine Gesamtstrecke von 6400 kilometern geritten. Sie ritt 80 km Ausdauerrennen und vergangenes Jahr nahm sie an ihrer ersten Dressurschau teil — ein Wettbewerb, bei dem Pferd und Reiter verschiedene Reitkünste vorführen. Mrs. Huebsch kam auf den dritten Platz. Sie sagt: „Wir erweitern ständig unseren Horizont. Für mich geht es im Leben hauptsächlich um die Kunst des Seins. Gott hat uns das Talent gegeben und wir müssen die Möglichkeit finden, es auszudrücken. Wir sollten es nie begrenzen.“ Ich sprach vor kurzem mit Mrs. Huebsch über die Kunst des Seins und über unzählige andere Ideen, die unsere Heilpraxis stärken und sie unterstützen.
Mrs. Huebsch, Ihr Leben ist sehr aktiv. Trotzdem widmen Sie sich der Heilpraxis der Christlichen Wissenschaft. Die Klischeevorstellung dieser Arbeit ist, daß man dabei sehr zurückgezogen lebt. Wie verflechten Sie dieser beiden Enden des Spektrums miteinander?
Ich gehe zurück auf Jesus als unser Beispiel. Sicher ging Jesus in die Berge, um zu beten, aber die meiste Zeit verbrachte er in der Welt. Er ist mein Vorbild als Praktiker. Natürlich verbringe ich reichlich Zeit mit Studieren und Beten und damit, am Telefon mit Patienten zu sprechen. Aber ich habe auch das Gefühl, daß die wichtigste Arbeit, die wir tun, nicht nur die Heilarbeit ist, sondern die Kunst des Seins auszuüben. Wenn wir das sein können, wozu Gott uns geschaffen hat, 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche, dann wird Heilung die natürliche Folge sein.
Die Leute können mich während der Woche von 7.30 bis 11.30 Uhr anrufen. Die Zeit bis mein Telefon klingelt, verbringe ich damit mich vorzubereiten — mich auf die Höhe zu bringen, wie man so schön sagt. Und wenn ich an dem Punkt bin, an dem ich anfange so zu sehen, wie Gott sieht, bin ich bereit für Anrufe. Ich kann nur davon ausgehen, daß Jesus auf den Berg ging, um seine Gedanken zu erheben, um Inspiration zu erlangen, bis er an dem Punkt war, an dem er genau aus seines Vaters Wirkungsweise heraus handeln konnte. Und dieses vergeistigte Sein führte zu Heilung.
Ich möchte auch christlichwissenchaftliches Heilen für mich selbst praktizieren. Und mein Übungsraum ist meine Verbindung zur Welt. Z. B. liebe und besitze ich Pferde. Ich habe die großartigsten Erlebnisse mit ihnen, wenn ich ihre Verletzungen heile — oder meine eigenen Verletzungen! Wir müssen uns nicht einschließen — wir können unser Sein auf jede geeignete Art und Weise zum Ausdruck bringen.
Ich möchte noch einmal auf etwas zurückgehen, was Sie sagten: „...wenn wir das sein können, wozu Gott uns geschaffen hat.“ Wozu hat Gott uns geschaffen?
Zu Seinem Bild und Gleichnis. Er schafft in uns Liebe in Tätigkeit, beständiges Leben, lebendiges Wesen. Und das ist nichts, was man in einzelne Teile aufspalten kann. Ich kann nicht sagen, ich arbeite für meine Praxis von 9.00 bis 17.00 Uhr, und dann gehe ich und mache meine Wäsche oder gehe einkaufen. Das würde für mich bedeuten, meine Praxis zu zerteilen. Ich versuche, durch mein ständiges Einssein mit meinem Vater-Mutter Gott zu praktizieren. Und wenn ich dieses Einssein bewusst wahrnehme, dann geschieht Heilung.
Wie gelangen Sie zu diesem Stand des Bewusstseins?
Zuerst muss ich erkennen, wer ich geistig gesehen bin, wer oder was mich regiert, was ist meine Substanz, wofür bin ich da? Aber ich habe kein Rezept dafür. Ich versuche jeden Tag, einen neuen Weg zu finden, dies zu tun und nicht aus Routine zu handeln. Ausstrahlung ist mein Lieblingswort, um unsere Beziehung zu Gott zu beschreiben — wir sind Seine Ausstrahlung. Ich komme jeden Tag auf diesen Gedanken zurück, um mich zu vergewissern, daß ich untrennbar mit Gott verbunden bin. Wenn ich geistig, gebetvoll, diesen Stand erreiche, dann bin ich bereit.
Sie haben also feste Zeiten, um Anrufe entgegenzunehmen. Wie ist Ihr restlicher Tagesablauf?
Ich nehme die Anrufe entgegen und manchmal bete ich sofort; manchmal bete ich später. Ich glaube, wenn ich eine Pause mache, kann ich später mit einem frischen Geist zurückkommen. Es kann sein, daß ich rausgehe und im Garten ein bisschen Unkraut jäte, aber meistens mache ich etwas mit den Pferden. Und dann kehre ich später, nachmittags und abends, zu meiner Arbeit zurück.
Die Christliche Wissenschaft ist praktisch, nicht wahr?
Das ist sie. Ganz egal ob ich am Telefon bin, im Lebensmittelladen, bei meinen Pferden — oder irgendwo anders — der Christus zeigt mir den ganzen Tag lang den vollkommenen Menschen, „den unzerstörbaren Menschen, den Geist erschafft, gestaltet und regiert.“ (Wissenschaft und Gesundheit S. 316) Das bedeutet, daß wir unsere Praxis aus unserem Studierzimmer heraus in die Welt hinein tragen. Jesus trug seine Praxis ganz bestimmt in die Welt. Mary Baker Eddy trug ihre Praxis in die Welt. Das ist für mich die eigentliche Bedeutung der heilenden geistigen Arbeit.
Wenn Sie den Menschen sagen, daß Sie eine Praktikerin der Christlichen Wissenschaft sind, wie erklären Sie Ihre Tätigkeit?
Ich erzähle ihnen von Gottes Liebe. Gottes Liebe für Seine Schöpfung augenblicklich zu fühlen ist für mich das Gebet, das am besten heilt und am wirkungsvollsten ist. Unsere Arbeit besteht darin, unsere Gedanken mit dieser Liebe in Verbindung zu bringen, diese Liebe geistig zu erfassen, uns mit dem Gefühl dieser Liebe erfüllen zu lassen. Und wenn das geschieht, werden wir plötzlich entdecken, daß der Schmerz, das Unbehagen, die Krankheit, der Hass, womit auch immer wir gerade kämpfen, verschwunden ist. Es wurde durch Liebe ersetzt. Es ist ein bisschen wie das Licht. Dunkelheit ist kein Gegenstand. Man kann sie nicht messen. Es ist das Licht, das Substanz hat. Aber das Licht schiebt die Dunkelheit nicht zur Seite, es untergräbt sie nicht, es wirft sie nicht zum Fenster hinaus. Allein durch seine Eigenschaft löst Licht die Dunkelheit in nichts auf. Und damit vergleiche ich die Wirkung der Heilung durch die Christliche Wissenschaft.
Als Christliche Wissenschaftler sprechen wir viel darüber, Gottes Gesetz auf jede Gelegenheit anzuwenden. Mrs. Huebsch, können Sie ein wenig über Ihre Sicht der Gesetze Gottes reden?
Für mich ist das Gesetz Gottes jede absolute Aussage über die Wahrheit. Gottes Gesetze sind vollkommen geistig und völlig harmonisch. Sie sind allmächtig. Sie sind immergegenwärtig. Sie sind die Gesetze des Guten. Und sie sind ständig wirksam. Unsere Aufgabe ist es, unser Bewusstsein anzuheben, um in Einklang mit der Wirksamkeit dieser Gesetze zu stehen. Wenn wir das können, werden wir ständig Heilung erleben.
Wenn diese Gesetze absolut sind, warum wird dann nicht jeder Fall sofort geheilt?
Gottes Universum ist die absolute Wirklichkeit des Seins. Und es besteht unabhängig von all den negativen Dingen, die hier passieren. Jedoch wir sehen Dinge, die nicht schön sind, nicht gut. Aber diese Dinge sind vergänglich. Wenn Sie das Leben aus einer tiefer gehenden Realität der Allheit der Güte Gottes betrachten, halten die negativen Dinge der Betrachtung nicht stand. Sie sind wie die Dunkelheit, die etwas zu sein scheint. Aber Dunkelheit ist nur die Abwesenheit von Licht.
Jemandem, der viel erlitten hat, z. B. jemand der missbraucht worden ist und die Erinnerungen nicht abschütteln kann, könnte diese Erklärung sehr theoretisch erscheinen. Wie würden Sie so jemandem helfen?
Ich würde menschliches Leiden nie missachten. Aber ich beziehe mich oft auf das Gleichnis Jesu über das Unkraut und den Weizen, um zu helfen, solche Situationen zu heilen, die Sie beschrieben haben. (Siehe Mt. 13:24-30) In diesem Gleichnis spricht Jesus über das Feld, in das guter Same gesät wurde. Für mich steht dieser gute Same für uns alle. Wir sind alle geistig. Wir sind alle die geliebten Kinder Gottes.
Das Gleichnis beschreibt, daß ein Feind kam und Unkrautsamen säte, während der Besitzer des Feldes schlief. (Das Unkraut könnte die schlechten Erfahrungen beschreiben, die uns in unserem Leben begegnen.) So wuchsen also die Weizensamen und die Unkrautsamen zusammen auf und man konnte sie bis zur Erntezeit nicht unterscheiden.
Aber das Unkraut hat nie die Eigenschaften des Weizens verändert. Zur Erntezeit wurde dieses Unkraut sichtbar und es wurde weggeworfen. Und nur der Weizen wurde geerntet. Der gute Same wurde nie verändert. Er wurde nie zum schlechten Samen.
Und der Weizen wuchs ständig, Seite an Seite mit dem Unkraut. Aber er wurde nicht durch das Unkraut verdorben oder zerstört.
So ist es. Ein Teil des Heilungsprozesses besteht also darin zu erkennen, daß das Unkraut den Weizen niemals berührt.
Ich glaube, damit wir das Unkraut in unserem Leben mit einiger Sicherheit aufgeben können, müssen wir verstehen, warum wir es aufgeben können.
Die Christliche Wissenschaft gibt uns das Werkzeug dazu, damit können wir von hässlichen menschlichen Erfahrungen zur geistigen Realität aufsteigen. In der absoluten Wirklichkeit des Seins können wir nie verletzt sein, nie zerstört werden, weil wir geistige Wesen sind, keine materiellen. Ich kenne keine andere Methode, die so heilt wie die Christliche Wissenschaft.
In der absoluten Wirklichkeit des Seins können wir nie verletzt sein, nie zerstört werden, weil wir geistige Wesen sind, keine materiellen. Ich kenne keine andere Methode, die so heilt wie die Christliche Wissenschaft.
Wenn wir auf die absoluten Gesetze zurückgehen — warum wird dann nicht jeder Fall geheilt? Wenn man gebetet hat, wenn man mit einem Praktiker zusammen betet, aber es zeigt sich kein Erfolg, was ist da los?
Vielleicht kann man sagen, es zeigen sich noch keine Erfolge. Ich weiß, daß Gottes Gesetze absolut und verlässlich sind. Und ich weiß, daß die Erfolge bereits da sind. Ich weiß, daß es keine andere Option gibt als Heilung. Das Einzige, was ich nicht weiß, ist, wann wir die Heilung erkennen werden. Aber ich weiß, daß Heilung die Wirklichkeit ist. Sie steht bereits fest. „Er (Gott) spricht, so geschieht's“. (Psalm 33:9) Er spricht nicht und spricht und spricht. In der Bibel steht: „Herr, Dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht.“ (Ps. 119:89) Ewiglich. Das ist die Wahrheit. Das ist das Gesetz. Aber ich kann mich auch daran erinnern, daß selbst Jesus nicht immer bei der ersten Behandlung geheilt hat. Da brauchte z. B. ein blinder Mann Heilung und nachdem Jesus ihm die erste Behandlung gab, sagte der Mann: „Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen.“ Beim zweiten Mal heilte Jesus ihn vollständig. (siehe Mk. 8:22-26) Ich behalte also die vollkommene Vorstellung in meinem Denken und ich zähle nicht meine Schritte bis zum Ziel.
Das ist sehr ermutigend, Mrs. Huebsch. Aber ich habe noch eine Frage: Was ist mit jemandem, der gestorben ist, ohne daß er geheilt wurde.
Darüber kann ich aus erster Hand berichten. Ich habe einen Ehemann verloren. Erwar 27 alt und ich 25. Er hatte christlich-wissenschaftliche Behandlung in Anspruch genommen. Wir waren quer durch das Land geflogen und sobald er aus dem Flugzeug gestiegen war, wurde er krank. Zuerst gingen wir in ein Hotel und dann in ein christlich-wissenschaftliches Pflegeheim. Vier Tage nach unserer Landung ist er weitergegangen. Und er war sein ganzes Leben lang Christlicher Wissenschaftler gewesen.
Also musste ich den schlimmsten Anspruch des sterblichen Gemütes durchschauen: den Tod. Und ich musste hinter die Tatsache schauen, daß er christlich-wissenschaftliche Behandlung hatte und trotzdem gestorben war. Und so habe ich es gemacht: Nachdem wir ein paar Tage in dem Pflegeheim waren, kam die Pflegerin zu mir ins Zimmer. Sie sagte: „Es tut mir leid, aber Ihr Mann ist weitergegangen.“ Dann fügte sie hinzu: „Ich glaube, Jesu Geschichte von Lazarus ist von großer Bedeutung.“ (siehe Joh. 11:1-44)
Ich lag einfach da, war erschöpft durch den Schlafmangel und dachte: Warum hat sie das gesagt? Er ist weitergegangen. Und mir kam folgender danke: Jesus hat Lazarus nicht auferweckt, weil Lazarus wissen musste, daß Leben unendlich ist. Ich wusste, mein Mann hatte einen Fortschritt gemacht. Ich glaubte daran, daß Leben unendlich ist, ebenso wie die Menschen im Pflegeheim daran glaubten. Es schien nicht notwendig, ihn zurückzuholen. Er wusste das bereits. Und Jesus musste Lazarus nicht wegen seiner selbst auferwecken, denn Jesus wusste auch, daß Leben unendlich ist. Er musste Lazarus für die Menschen in seinem Umfeld auferwecken, damit sie sehen konnten, daß Leben unendlich ist.
Ich dachte daran, wie Lazarus an Händen und Füßen mit seinen Grabtüchern gebunden war, als Jesus ihn herausrief. Jesus sagte zu den Menschen: „Löst die Binden und lasst ihn gehen.“ Es war als spräche eine Stimme zu mir, die sagte: „Löse Dave und lass ihn gehen.“ Und das tat ich. Ich wusste, er würde vorwärts gehen. Ich wusste, daß Leben unendlich ist. Wenn wir also sehen können, daß Leben unendlich ist, erkennen wir, daß der Tod kein Ende ist — er ist kein Ende des Lebens. Er bedeutet nur, daß man sich an einen anderen Ort begibt.
Das ist eine sehr tiefgreifende Erklärung, und es ist für viele Menschen schwer, diese Auffassung zu begreifen. Aber wenn wir diese Erfahrung, die wir Tod nennen, von oben her betrachten, anstatt von unten nach oben zu schauen — aus materieller Sicht heraus — dann können wir diese materielle Sicht beiseitelegen und mit der Erkenntnis voran schreiten, daß Leben unendlich ist. Göttliches Leben drückt sich selbst aus. Aber ich kann nicht entscheiden, wo dieses Leben sich selbst ausdrücken wird.
Leben ist nicht im Körper — wir leben im Bewusstsein. Jesus sagte: „Wer mein Wort hält, der wird den Tod nicht sehen in Ewigkeit.“ (Joh. 8:51) Und was bedeutet das? Das bedeutet, daß wir ihn nicht sehen werden.
Wir sehen ihn nicht bei uns selbst — und auch bei niemand anderem.
Wenn wir ihn bei anderen sehen, dann erkennen wir die Allheit des Lebens nicht richtig. Und diese Allheit des Lebens zu sehen führt zur Heilung, zu wunderbarer Heilung.
Hatten Sie noch andere Erfahrungen, die das bekräftigen, was Sie durch den Tod ihres Mannes gelernt haben?
Ich hatte den Fall einer Frau, sie hatte zwei kleine Kinder und sie hatte irgendein Herzproblem. Sie bat mich um Hilfe und wir beteten. Bis mich eines Tages ihr Mann anrief und sagte: „Sie geht weiter. Sie stirbt.“ Ich sagte: „Halten Sie den Hörer an ihr Ohr.“ Er sagte, „Sie kann Sie nicht hören. sie kann mich nicht hören.“ Ich sagte: „Das ist egal. Halten Sie den Hörer an ihr Ohr.“
Er hielt den Hörer an ihr Ohr. Ich sagte dreimal ihren Namen, beharrlich und laut. Und schließlich sagte ich: „Antworten Sie mir! Ich möchte, daß Sie mir antworten.“ Und sie murmelte schließlich: „Hhmm.“ Ich sagte zu ihr: „Gut. Jetzt möchte ich, daß Sie mit mir das Gebet des Herrn sprechen. Beten Sie mit mir. Unser Vater ...“ Ich sagte: „Ich möchte es hören. Unser Vater.“ Und rief noch mal ihren Namen. „Bitte wiederholen Sie es mit mir.“ Ich hörte schließlich ein schwaches „Unser Vater ...“. Wir schafften es durch das ganze Gebet des Herrn. Und es war, als ob sie sehr weit weg wäre. Aber dann konnte ich sie deutlicher hören. Nachdem wir das Gebet des Herrn gebetet hatten, beteten wir, indem wir die „wissenschaftliche Erklärung des Seins“ aus Wissenschaft und Gesundheit sprachen (S. 468). Wir beteten den 91. Psalm. Und nach einer Stunde war sie wieder vollkommen da.
Später erzählte sie mir: „Ich war auf dem Weg. Ich war auf einer Reise. Ich wusste, daß ich mich weit fort bewegte.“ Ihr Körper war kalt gewesen, sie hatte nicht sehen können, sie hatte nicht hören können. „Ich wusste, ich würde gehen. Aber Sie haben so sehr darauf bestanden, daß ich die Wahrheit mit Ihnen wiederhole. Ich hatte nicht erkannt, daß die Wahrheit genau an diesem Ort war. Und die Wahrheit war so unwiderstehlich für mich.“ Diese Wahrheiten über ihr geistiges Sein leuchteten so deutlich in ihr auf, daß sie wieder zurückfand. Das Herzproblem tauchte nie wieder auf und das war vor ungefähr 20 Jahren.
Es ist dies beharrliche Gebet, nicht war? Nichts anderes zu akzeptieren als Gottes Gegenwart und Seine heilende Kraft. Können Sie ein wenig darüber sagen, wie Sie beten?
Etwas, das wirklich sehr wichtig in der Praxis ist, ist zulauschen — das ist das kraftvollste Gebet, das wir anwenden können. Manchmal, wenn wir beten, beginnen wir damit unsere eigenen Gedanken zu sammeln. Und wir beten, indem wir beständig die Wahrheit bekräftigen, was sehr wichtig ist. Aber wenn wir nicht locker lassen, kommen wir an einen Punkt, an dem wir aufhören, die Vorstellungen zu formen, und beginnen auf die geistige Botschaft des Gemüts, Gottes, zu lauschen.
Also gehen wir die Schritte, die uns zu dem Punkt des Zusammenhalts, der Übereinstimmung, der Einheit mit Gott führen. In Wissenschaft und Gesundheit steht: „Die Lippen müssen stumm sein und der Materialismus muss schweigen, damit der Mensch beim Geist Gehör finde ...“ (S. 15) Eines Tages habe ich mich gefragt: „Wenn ich eine Audienz bei der Königin Elizabeth hätte, wer würde dort sprechen? Ich? Ich glaube nicht.“ Für erfolgreiches heilendes Gebet müssen wir in unserem Gebet an den Punkt kommen, an dem wir nur noch lauschen, was Gott uns über Sein Universum mitteilt. Anders ausgedrückt, Heilung erfolgt nicht dadurch, daß wir gutklingende Formulierungen aneinanderreihen. Heilung erfolgt, wenn wir unser Denken so erheben, daß wir tatsächlich die Gegenwart und die Kraft und die Mitteilungen Gottes bezeugen.
Was stärkt noch Ihr Wachstum in der Praxis?
Ich sage Ihnen, wodurch mir das Werkzeug gegeben wurde, eine bessere Praktikerin zu sein: durch den Begriff der Selbsterkenntnis. Und so denke ich darüber: Wir müssen die reinste Transparenz werden, um Gott sorgfältig zu bezeugen. Und so muss unser eigener Wille, der uns im Weg steht, entfallen. Wir müssen unser eigenes Ego überwinden. Mary Baker Eddy bezeichnet Eigenwillen, Eigenliebe und Selbstrechtfertigung als das „harte Gestein des Irrtums ..., das gegen die Geistigkeit ankämpft und das Gesetz von Sünde und Tod ist.“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 242) Starke Worte! Also habe ich festgestellt, daß das, was sich einer guten Praxis in den Weg stellt, unser Ego ist. Eine eigene, von Gott getrennte Persönlichkeit. Jedes Mal, wenn ich denke: „Oh, ich leiste gute Arbeit ...“ Boing! Hochmut! Jede Art von Selbst, die uns in die Quere kommt, wird unsere Fähigkeit, wissenschaftlich zu praktizieren behindern.
Mrs. Eddy sagt: „Erkenne dich selbst und GOTT wird dir Weisheit und Gelegenheit für einen Sieg über Böse geben.“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 571) Sie können das von zwei Seiten sehen. “Erkenne dich” als Gotteskind — und das ist so wesentlich. Aber wir müssen auch auf die andere Seite achten. Jesus z. B. war der selbstloseste Mensch, der je auf Erden wandelte. Was hat er dreißig Jahre lang gemacht? Hat er nur gezimmert und getischlert und versucht, seine Tische und dessen Ecken ordentlich herzustellen? Ich glaube, er muss geübt haben, jeden falschen Sinn vom Selbst zu überwinden, um die Transparenz für Gottes Güte zu sein, die er wurde.
Ich glaube nicht, daß Sie ohne Demut die Christliche Wissenschaft erfolgreich praktizieren können. Ich übe Selbsterkenntnis durch Lauschen. Und wenn ich merke, daß etwas an die Tür meines Bewusstseins klopft, sage ich: „O. k., Vater, was muss ich erkennen?“ Und das Problem, das falsche Denken, wird sich selbst zu erkennen geben. Dann nehme ich den negativen Gedanken oder das Problem, was auch immer es ist, und ich vernichte es mit Wahrheit. Das ist alles Teil des Vorgangs der Selbsterkenntnis. Lassen Sie nicht das kleine Ego — das Verlangen, Macht oder eine bestimmte Stellung zu erlangen — dem Sein als klare Transparenz für Heilung im Weg stehen.
Ich liebe, daß in Wissenschaft und Gesundheit steht: „Verlangen ist Gebet ...“ (S. 1). Wer hätte je gedacht, daß man Verlangen als Gebet definieren kann! Für mich ist das Verlangen gut zu sein, — zu wachsen, der beste Ausdruck Gottes zu sein, der wir nur sein können — die Untermauerung der Selbsterkenntnis, die uns geradewegs zu dem Punkt führen wird, an dem wir klarer, stärker und besser sind bei dem, was wir tun: besser beim Heilen.
