Wer sind wir in unserem wahren geistigen Wesen, das wir jederzeit erkennen und demonstrieren können?
Wenn ich ernstlich darüber nachdenke, wer und was wir wirklich sind, bin ich jedesmal aufs Neue beeindruckt. (Und mir ist diese Denkweise nicht gerade neu!) Meine Gefühle müssen dem Staunen und der Ehrfurcht ähnlich sein, die der Psalmist verspürte, als er sich dieselbe einfache Frage stellte und dann die Antwort darauf erhielt:
„Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit über die Himmel gesetzt hast! ... Wenn ich die Himmel betrachte, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du gemacht hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und das Menschenkind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als die Engel, und mit Herrlichkeit und Ehre hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrscher gemacht über das Werk deiner Hände; alles hast du unter seine Füße getan“ (Psalm 8:2, 4–7).
Stellen Sie sich das einmal vor: Wir wurden zum Herrscher gemacht über das Werk Seiner Hände. Unser wahres Wesen und unser Daseinszweck liegen darin, die Existenz und Gegenwart des allmächtigen Gottes zu manifestieren. Als Gottes Ebenbild sind wir genauso wenig Gott wie unser Spiegelbild uns ausmacht, doch als Gottes Widerspiegelung dienen wir als Beweis für Seine erhabene Kontrolle und Vollmacht über die Schöpfung.
Dieses wissenschaftliche Verständnis von unserer Beziehung zu Gott ist weit von einer materialistischen Sichtweise der Dinge entfernt, die sich uns täglich aufdrängt. Doch wenn wir Christus Jesus im Verständnis unseres geistigen Wesens nachfolgen, können wir anfangen, die Macht und Herrschaft zu erkennen, die wir in Wahrheit haben.
Ich wertschätzte und pries die göttliche Erhabenheit und Allmacht hinter der christlich-wissenschaftlichen Behandlung, die ich bereits gegeben hatte.
Vor einigen Jahren war meine Mutter schwer krank. Mein Vater bat mich eines Abends, für sie zu beten. Das tat ich, doch am frühen Morgen fiel sie ins Koma. Einige Zeit gab es kein Lebenszeichen. Mein Vater war nicht bereit, auch nicht vor sich selbst, zuzugeben, dass sie weitergegangen war, und rief seinen Chef an, um Bescheid zu sagen, dass er nicht kommen werde, weil seine Frau bewusstlos sei.
Obwohl mir absolut klar war, dass wir alle als Gottes Widerspiegelung die unendliche Natur Gottes manifestieren, stellte ich mir vor, dass somit jeder von uns jeweils einen Bruchteil von Seinem Wesen ausdrückt, sodass wir alle zusammen Gottes vollständiges Wesen widerspiegeln. Mit anderen Worten, ich dachte, dass jeder von uns zwar einen Aspekt von Gottes Herrschaft ausdrückt, doch dass wir alle vonnöten sind, damit Gottes göttliche Herrschaft vollumfänglich zum Ausdruck gebracht wird.
An jenem Morgen jedoch wurde dieses Missverständnis über Gottes Wirklichkeit aufgeklärt. Während ich mental die Wahrheit über das ewige Leben in Bezug auf meine Mutter erklärte, hatte ich eine Offenbarung, die weit über alles hinausging, was ich je erlebt hatte.
Ich begriff plötzlich, dass eine Widerspiegelung die ganze Natur des Originals enthält, nicht nur einen Teil. Daher spiegelte ich als die einzigartige, individuelle Widerspiegelung Gottes nicht nur einen Teil der göttlichen Herrschaft wider, um beispielsweise wissenschaftlich über das Leben als geistig zu argumentieren, sondern ich spiegelte Gottes gesamte Herrschaft wider – auf meine ganz eigene, von Gott festgelegte Weise. Und diese erhabene Herrschaft Gottes gab mir kraft Widerspiegelung die Macht, die Existenz von Krankheit und Tod zu leugnen und beide zu überwinden.
Mit einer noch nie verspürten Ehrfurcht wertschätzte und pries ich die göttliche Erhabenheit und Allmacht hinter der christlich-wissenschaftlichen Behandlung, die ich die Nacht über gegeben hatte, und ich hatte die uneingeschränkte Erwartung einer heilenden Auswirkung. Ich sagte sogar: „Vater, als Dein Ebenbild unterscheide ich mich von Dir nicht mehr als eine Wirkung sich von der Ursache unterscheidet.“
Kurz darauf rief mein Vater bei seinem Arbeitgeber an und teilte ihm mit, dass er doch zur Arbeit kommen werde. Sein Chef fragte: „Aber was ist mit Ihrer Frau?“
Mein Vater sagte nur: „Der geht‘s gut. Sie ist in der Küche und macht Frühstück.“ Und so war es! Es ging ihr sofort wieder gut; sie musste sich nicht erst erholen.
Gottes Herrschaft hat weder einen begrenzten noch einen wechselhaften Ausdruck im einzelnen Menschen. Jeder von uns stellt das gesamte Wesen Gottes auf individuelle Weise dar. Und wenn wir eine geistige Wahrheit wissen, dann wissen wir, dass sie für Gottes gesamte Schöpfung wahr ist und sich auf Gottes Herrschaft stützen kann. Obwohl Gott uns alle braucht, damit Er umfassend ausgedrückt wird, spiegelt jeder von uns Seine unendliche Macht wider.
Betrachten Sie einmal die folgende Antwort auf die Frage: „Was ist der Mensch?“ im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy: „Der Mensch ist Idee, das Bild der Liebe; er ist kein physischer Organismus. Er ist die zusammengesetzte Idee Gottes, die alle richtigen Ideen einschließt; der Gattungsbegriff für alles, was Gottes Bild und Gleichnis widerspiegelt; die bewusste Identität des Seins, wie wir sie in der Wissenschaft finden, in der der Mensch die Widerspiegelung von Gott oder Gemüt und somit ewig ist; das, was kein von Gott getrenntes Gemüt hat; das, was nicht eine einzige Eigenschaft hat, die nicht von der Gottheit stammt; das, was kein Leben, keine Intelligenz noch schöpferische Kraft aus sich selbst besitzt, sondern alles geistig widerspiegelt, was zu seinem Schöpfer gehört“ (S. 475).
Und an anderer Stelle in Mrs. Eddys Schriften lesen wir: „Ein jeder der Geringsten Christi spiegelt den unendlichen Einen wider, und daher ist die Erklärung des Sehers wahr, dass ‚einer mit Gott eine Mehrheit ist‘ “ (Kanzel und Presse, S. 4).
Wenn wir für uns selbst und für einander beten, können wir erkennen, dass jeder von uns auf seine Weise nicht nur einen kleinen Teil der Herrschaft Gottes widerspiegelt, sondern die gesamte. Diese Erkenntnis kann uns dazu bringen, die unangefochtene göttliche Autorität wahrzunehmen, die unsere echte geistige Natur manifestiert, eine Herrschaft, die wir beim Heilen demonstrieren können.
Übersetzt aus dem Christian Science Journal, Ausgabe April 2017
