Ein Nachbar fragte mich mal: „Wieso praktizierst du die Christliche Wissenschaft?“ Ich sagte ihm, aus vielerlei Gründen, insbesondere wegen der Fähigkeit, Hilfe für Heilung durch Gebet zu erhalten.
Die Christliche Wissenschaft nimmt Gebet sehr ernst. Es geht tiefer als schön klingende Worte, hübsch zusammengestellte geistige Wahrheiten, positives Denken, Hoffnung auf das Beste oder ein Anflehen Gottes um Hilfe. Das Ziel ist, die geistige Realität zu entdecken, die uns befähigt, die Macht Gottes, der göttlichen Liebe, zu demonstrieren, um Krankheit zu heilen, Sünde zu bezwingen und Konflikte zu lösen. Gebet zeigt uns, dass Gott eine allgegenwärtige Hilfe ist und dass Heilung durch geistige Mittel wie von Jesus Christus gelehrt und bewiesen möglich ist.
Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, schreibt im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Heilen war der erste Grundsatz des Glaubens, den unser Meister seinen Jüngern vorlegte, und er bewies seinen Glauben durch seine Werke. Die ersten Christen waren Heiler“ (S. 145–146).
Die Christliche Wissenschaft erklärt die Wissenschaft, der Christi Jesu Worte und Taten zugrunde lagen, und lehrt ihre Anhänger, Heiler zu sein, wie es Jesus von seinen Nachfolgern erwartete. Daraus ist ersichtlich, dass geistige Wahrheit für den menschlichen Bedarf relevant ist und zur Überwindung von Bösem und Disharmonie jeder Art herangezogen werden kann.
Wie Jesus sagte, werden alle, die seiner Lehre und seinem Vorbild folgen, „die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8:32). Das ist eine Regel für geistiges Heilen, die in der Christlichen Wissenschaft als Lebensart praktiziert wird und nicht nur zu moralischer Umwandlung, sondern auch zu körperlicher Heilung führt.
Im Laufe meines Lebens habe ich Dutzende körperliche Heilungen erlebt, ohne Medikamente einzunehmen, indem ich die in der Christlichen Wissenschaft gelehrte Wahrheit umsetzte. Diese Heilungen entstanden durch bessere Einblicke in die geistige Wirklichkeit Gottes als Liebe und des Menschen als Seine harmonische und vollständige geistige Schöpfung.
Als ich beispielsweise vor Jahren anfing, Tennis zu spielen, hatte ich schon bald Schmerzen im Ellbogen, die mit der Zeit schlimmer wurden. Obwohl ich gehört hatte, dass es Medikamente gibt, die Leuten mit dieser Sache hilft, wusste ich aus meinem Studium der Christlichen Wissenschaft, dass ich rein durch Gebet geheilt werden konnte. Also setzte ich das um, was ich in meinem Studium der Christlichen Wissenschaft über Heilung gelernt hatte, die auf Gebet basiert.
Eine der grundlegenden Wahrheiten in der Bibel ist, dass der Mensch zum Ebenbild Gottes geschaffen wurde (siehe 1. Mose 1:26, 27). Dieses Ebenbild ist kein zeitlicher physischer Körper, der aus einem Ei entsteht und später ins Grab gelegt wird. Es ist eine ewige geistige Individualität, die im göttlichen Geist auf immer vollständig und perfekt ist. Diese Individualität existierte, bevor die Zeit begann, und wird lange nach der letzten Grabrede bestehen. Wir sind auf immer eins mit dem Christus und werden auf ewig von Gott erhalten.
Ich wusste aus Erfahrung, dass wir mehr Frieden und Harmonie in allem erleben, was wir tun, wenn wir unsere geistige Individualität als friedvoller und schmerzloser Ausdruck von Gottes Gegenwart erkennen. Geistige Individualität leidet nie. Leid wird durch einen falschen Glauben über unsere wahre Individualität hervorgerufen. Ich betete innig, um alle falschen Überzeugungen loszuwerden, dass der Mensch verletzt werden könnte, und sie durch ein Verständnis von der gegenteiligen geistigen Wahrheit zu ersetzen.
Während ich eines Morgens ein Match spielte und furchtbar unter Schmerzen litt, wurde mir zwischen zwei Spielpunkten bewusst, dass ich hinsichtlich meines Spiels gedanklich angespannt war. Das war mir vorher nie aufgefallen. Mein Gegner wollte unbedingt gewinnen und ich fühlte mich unter Druck; da er ein viel besserer Spieler war, konnte ich kaum mithalten. Mir fiel auch auf, dass meine Schmerzen im Ellbogen etwa dann begonnen hatten, als ich angefangen hatte, regelmäßig gegen diesen Mann zu spielen. Ich hatte es von Anfang an als stressig empfunden.
Ich betete um das Verständnis, dass wir beide Gotteskinder sind und die göttliche Gegenwart auf ganz eigene Weise zum Ausdruck bringen − und dass ich auf dem Tennisplatz und anderswo nie mit der Individualität einer anderen Person konkurrieren muss. Gott liebt und schätzt uns beide, und Er kennt unsere wahre, geistige Identität, die nichts mit dem Ergebnis eines Tennisspiels zu tun hat.
Die Anwendung der Christlichen Wissenschaft öffnet unser Denken für die korrekte, geistige Sichtweise der Wirklichkeit.
Sofort zeigte sich eine erhebliche Veränderung. Wie ein Druckventil, das Überdruck von einem Gaskanister ablässt, entwich die Spannung aus meinem Denken und meinem Körper. Der nagende Stress, diesen Spieler schlagen zu wollen, verschwand, und ich konnte viel freier gottähnliche Eigenschaften ausdrücken mit dem Ziel, einfach besser zu spielen. Die Schmerzen im Ellbogen verschwanden. Ich war rasch vollständig geheilt, und in den mehr als zwölf Jahren, die ich jetzt aktiv Tennis spiele, sind die Schmerzen nicht zurückgekehrt. Ich durfte noch einige Wochen länger gegen diesen Mann spielen und war schmerzfrei und mit Vergnügen bei der Sache. Später gewann ich sogar hin und wieder.
Die Praxis der Christlichen Wissenschaft ist etwas Besonderes, denn ihre Heilmethode dringt bis zur Wurzel des Problems im Bewusstsein vor, öffnet unser Denken für die korrekte, geistige Sichtweise der Wirklichkeit, statt nur einfach Symptome oberflächlich zu behandeln. Wenn wir eine Heilung in der Christlichen Wissenschaft erleben, stellen wir fest, dass wir nicht nur von physischen Leiden befreit, sondern mental und moralisch umgewandelt werden, was uns zu einem besseren Menschen macht. Die Christliche Wissenschaft arbeitet von innen nach außen, sie heilt das Leben als Ganzes.
Mary Baker Eddy schrieb: „Unser Meister trieb die Teufel (die Übel) aus und heilte die Kranken. Auch von seinen Nachfolgern sollte gesagt werden können, dass sie Furcht und alle Übel aus sich und anderen austreiben und die Kranken heilen“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 494).
Ich empfinde die Fähigkeit, diesen christlichen Standard der Herrschaft über körperliche und mentale Leiden zu erfüllen, als überzeugenden Grund, die Christliche Wissenschaft zu studieren und anzuwenden. Sie lehrt uns, Heiler zu sein, wie Jesus dies von uns erwartete. Sie praktiziert keine Riten, leiert keine Formelgebete herunter, macht keine falsche Hoffnung und fordert keine unausgefüllten Ideale. Sie zeigt uns, wie man geistige Wahrheit praktisch umsetzt und die heilende Macht Gottes erlebt. Als praktisches Christentum ist sie für uns alle da.
Übersetzt aus dem Christian Science Sentinel, Ausgabe 5. Dezember 2016
Dieser Artikel erschien ursprünglich am 19. Juni 2017 im Internet.
