Der Apostel Paulus erklärte: Wenn wir „in Christus“ sind, dann sind wir eine neue Schöpfung; „das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden“ (2. Korinther 5:17). Einige Bibelkommentare äußern, dass „in Christus zu sein“ bedeutet, mit Christus vereint zu sein. Christus Jesus, dessen wahres, geistiges Selbst der Christus war, bewies durch seine Mission, dass Gottes geistige, ewige Natur und Macht allgegenwärtig ist, um den Menschen von Sünde, Krankheit und Tod zu erretten. Wenn wir uns mit Christus, der Wahrheit, vereinen, schauen wir auf Gott, Geist, statt auf eine materielle Vergangenheit, um die Wirklichkeit zu verstehen. Dadurch entdecken wir ein neues, klareres Verständnis unserer Identität, wie sie von Gott und nicht von unserer menschlichen Geschichte definiert wird.
Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, schreibt in Rückblick und Einblick: „Es ist gut zu wissen, lieber Leser, dass unsere materielle, sterbliche Geschichte nur ein Bericht über Träume ist, nicht über das wirkliche Sein des Menschen; und für den Traum ist kein Platz in der Wissenschaft des Seins“ (S. 21). Und später: „Die menschliche Geschichte bedarf einer Überprüfung, und der materielle Bericht muss daraus gestrichen werden“ (S. 22).
War es das, was Paulus meinte? Ist es wirklich möglich, den materiellen Bericht unserer Identität zu streichen und neu zu werden?
Bevor ich als junge Erwachsene zur Christlichen Wissenschaft kam, glaubte ich das nicht. Ich dachte, dass unsere Identität dauerhaft durch eine materielle Vergangenheit aus Vererbung, Familienstand, Bildung, Gesundheit, Fehlern, schlechten Entscheidungen usw. definiert ist.
Doch durch die Lehren der Christlichen Wissenschaft kam ich zu der Erkenntnis, dass ein Verständnis unserer wahren Identität auch ein tieferes Verständnis von Gott mit sich bringt. Das fängt damit an, dass wir dem gehorchen, was Christus Jesus als „das erste von allen Geboten“ bezeichnete: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“ (Markus 12:29, 30).
Das Verständnis, dass Gott ein Gott ist, bedeutet zu verstehen, dass Er unendlich ist. Er ist der Einzige, alles Gute, alle Macht, alle Gegenwart und alle Intelligenz. Daher ist alles, was Gott, das göttliche Prinzip, erschafft – Mensch und Universum –, gut, vollständig und vollkommen erschaffen, und das ist ganz klar im ersten Kapitel der Genesis so erklärt.
Gott zu lieben bedeutet also auch, das zu lieben, was Er erschafft. Einfach ausgedrückt ist es natürlich, uns und unseren Nächsten so zu lieben, wie Gott uns gemacht hat – als das Ebenbild Gottes, der göttlichen Liebe. Damit erfüllen wir das zweite große Gebot (siehe Markus 12:31), und das ist ein wichtiger Teil unseres Vereint-Seins mit dem Christus im Verständnis unserer wahren Natur.
Wenn wir uns von einem materiellen Selbstverständnis abwenden, können wir uns und andere als Gottes Bild und Gleichnis erkennen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen menschlicher Eigenliebe und Liebe zu sich selbst als das Kind des einen Vater-Mutter Gottes. Eigenliebe fußt auf einer materiellen Selbst-Identifizierung und steht im Mittelpunkt von Eigenwillen, Selbstrechtfertigung und Selbstgerechtigkeit, die das genaue Gegenteil der Demut sind, die Christus Jesus lebte und lehrte. Sein demütiges Verständnis von seinem wahren Selbst und seiner wahren Identität als der Sohn Gottes wurde deutlich, als er seine Einheit mit dem Vater erklärte (siehe Johannes 10:30) und sagte, dass er nichts aus sich selbst tun könne (siehe Johannes 5:30). Er bewies, dass er nicht zur Selbstverwirklichung lebte, sondern um den Willen des Vaters zu tun. Und er lehrte, dass wir als Gottes Söhne und Töchter das demonstrieren sollten, indem wir nicht zum eigenen Vergnügen leben, sondern um den Willen des Vaters zu tun.
Mary Baker Eddy erinnert uns ständig in ihren Schriften daran, dass wir Christus Jesus nur demütig nachfolgen – uns mit ihm vereinen – können, wenn wir Eigenschaften wie Selbstvergessenheit und Selbsthingabe ausdrücken. Wenn wir uns von einem materiellen Selbstverständnis abwenden, können wir uns und andere als Gottes Bild und Gleichnis erkennen.
Diese Freiheit lässt uns neu beginnen! Wenn wir unsere wahre, geistige Natur verstehen, werden wir von Lasten befreit, die durch vergangene Schwächen und Sünden entstanden sind, und erleben eine Umwandlung, die zu Heilung führt.
Uns wurde das unveräußerliche Recht verliehen, die Wissenschaft unseres Seins zu erkennen – unser wahres, geistiges Wesen und das der anderen –, die uns ganz natürlich von einer betrügerischen, verzerrten, falschen Sichtweise vom Menschen als sündig und unvollkommen abwendet bzw. diese ausmerzt. Das bedeutet nicht, dass wir Fehlverhalten ignorieren, sondern es gibt uns eine Grundlage für eine Umkehr und Besserung. Durch Gebet und das Studium der Christlichen Wissenschaft lernen wir mehr von der Wissenschaft des Christus, dem verheißenen Tröster. Auf diese Weise können wir geistig die Art und Weise untersuchen, wie wir über uns und unsere Mitmenschen der Gegenwart oder Vergangenheit denken. Bezeugen wir die Wirklichkeit von Gottes göttlichen Gesetzen? Sehen wir das, was Gott sieht? Wissen wir das, was das göttliche Gemüt weiß? Leben wir in Übereinstimmung mit der Tatsache unseres wahren Seins im Himmelreich?
Kurz gesagt: Es ist der Christus, die geistige Idee der göttlichen Liebe, die uns beständig dazu führt, uns von einer materiellen menschlichen Geschichte unserer Identität ab- und der Tatsache unserer wahren geistigen Identität und Existenz zuzuwenden. Empfänglichkeit für den Christus segnet uns auf fühlbare Weise.
Ein gutes Beispiel für dieses christliche Vorgehen ist Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn im Lukasevangelium (siehe 15:11–32). Wir kennen die Geschichte von dem unbesonnenen jungen Mann, der sein Erbteil vom Vater einfordert. Er zieht weit von zu Hause weg, ist wegen seines disziplinlosen und unvernünftigen Verhaltens aber schon bald verarmt. Hunger setzt ein, sodass selbst Schweinefutter attraktiv erscheint.
In genau dieser so demütigenden Situation geht er in sich und erkennt seine Identität als Sohn seines Vaters. Er ist voll Reue für sein sündiges Verhalten und beschließt demütig, dass er nicht mehr das Recht hat, sich als Sohn eines reichen Grundbesitzers zu betrachten. Er beschließt heimzugehen, jedoch nicht als Sohn, sondern als demütiger Tagelöhner. Sein Vater heißt ihn allerdings sofort als Sohn willkommen, und diese Reaktion spiegelt eine uneingeschränkte, vergebende Liebe wider, die die wahre Natur des Sohnes anerkennt.
Der Christus kommt zu jedem demütigen, reuevollen Herzen und offenbart unsere wahre geistige Identität – er ermöglicht es jedem von uns, in sich zu gehen und seine wahre Identität anzunehmen. Wir erkennen, dass Gott uns geistig jederzeit mit offenen Armen annimmt, und zwar als Bürger des Reiches unseres Vaters, wo eine materielle Vergangenheit uns nicht definiert.
Wenn wir den Lehren Christi Jesu gehorsam folgen, vereinen wir uns mit dem Christus. Und wenn wir erkennen, dass unsere wahre Identität vom Gesetz Gottes regiert wird, spiegeln unsere Erfahrungen mehr von der universalen Harmonie und dem Frieden des Himmelreichs wider – und „alles ist neu geworden“.
Übersetzt aus dem Christian Science Journal, Ausgabe August 2016
Dieser Artikel erschien ursprünglich am 12. Juni 2017 im Internet.
Da ist weder Jude noch Grieche,
weder Knecht noch Freier,
weder Mann noch Frau;
denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.
– Galater 3:28
