Als Christlicher Wissenschaftler der dritten Generation mit vielen wundervollen Vorbildern und etlichen Heilungen war ich nicht darauf gefasst, plötzlich starke Zweifel an meiner Religion zu haben. Doch vor ca. 10 Jahren wurde während einer schweren Zeit mein Vertrauen, dass Mary Baker Eddys Entdeckung die Wahrheit ist, brüchig – und fiel praktisch in sich zusammen.
Im Laufe einiger Jahre trafen jedoch verschiedene Engel – geistige Gedanken von Gott – bei mir ein. Erst brachten sie mir Trost. Sie halfen mir zu erkennen, wie ich Gottes Verheißung der gegenwärtigen Erlösung, die die Christliche Wissenschaft so einzigartig offenbart, vorbehaltlos annehmen konnte. Bald war mein Glaube so stark wie zuvor – nein, sogar stärker. Auf dem Weg dahin lernte ich fünf wichtige Punkte, die ich hier in der Hoffnung weitergebe, dass sie anderen helfen mögen.
1. Ich bin wohl kaum der einzige, der je Zweifel gehegt hat.
Denken wir mal an die zwölf Jünger. Drei Jahre lang sahen sie, wie Jesus Tag für Tag die Kranken heilte, die Toten zum Leben erweckte und weltverändernde Predigten hielt. Doch bei etlichen blieb nicht viel hängen – jedenfalls nicht sofort. Petrus verleugnete ihn drei Mal. Im Lukasevangelium lesen wir, dass keiner von ihnen Maria Magdalena glaubte, als sie berichtete, dass Jesus vom Grab auferstanden war. Und selbst nachdem sie ihn nach der Auferstehung gesehen hatten, gingen viele zunächst wieder ihrem alten Beruf nach. Die meisten erlangten dann aber doch das nötige Verständnis. Wenn selbst diese Augenzeugen von Jesu Auftrag Zweifel hatten, waren meine Schwierigkeiten vielleicht nicht ganz so alarmierend.
Das war zwar nicht das Ende meiner Zweifel, aber es tröstete mich.
2. Jesu Erbarmen bekehrte Thomas.
Kurz nach der Auferstehung traf Jesus mit den Jüngern zusammen. Thomas, der nur von den anderen gehört hatte, dass Jesus auferstanden war, sagte davor mit dem Skeptizismus seiner materiellen Gesinnung: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich es nicht glauben.“
Ein anderer außer Jesus hätte vielleicht unfreundlich reagiert: „Was soll das? Du warst immer bei mir und hast mir zugehört und glaubst den anderen, die mich gesehen haben, immer noch nicht?“ Jesu Erwiderung an Thomas richtete sich gegen dessen Unglauben, zeigte aber auch eine Menge Erbarmen. Er sagte im Prinzip: „Wenn du das brauchst, um zu glauben, dann fass mich ruhig an.“
Die unvoreingenommene Liebe des Meisters setzte sich durch, wie wir in Thomas‘ glaubensstarker Antwort sehen: „Mein Herr und mein Gott“ (siehe Johannes 20:24–29).
Wenn die Christus-Liebe stark genug war, um den Unglauben des Thomas zu zerstreuen, so dachte ich, dann konnte sie das mit meinen Zweifeln erst recht tun.
3. Geistiges Wachstum erfordert Einsatz und Demut.
Ehrlich gesagt hatte ich bis dahin Mrs. Eddys Aufforderung: „Arbeitet – arbeitet – arbeitet – wachet und betet“ nie völlig erfüllt (Botschaft an die Mutterkirche für 1900, S. 2). Ja, ich studierte in der Bibel und Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, las häufig die wöchentliche Bibellektion der Christlichen Wissenschaft und besuchte regelmäßig die Gottesdienste. Aber ich war mental nicht völlig bei der Sache. Eine unverblümte Engelsbotschaft machte mich schonungslos darauf aufmerksam: „Willst du bei der Christlichen Wissenschaft das Handtuch werfen, ohne Wissenschaft und Gesundheit gelesen zu haben?“
Es stimmte, ich hatte das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft noch nie ganz gelesen. Nachdem ich etwas mehr Demut fand, tat ich das. Auf den 700 Seiten unterstrich ich jede Stelle mit dem Wort Geist, ein Synonym für Gott. Für mich ist Geist ein Hinweis auf Gottes Tätigkeit, z. B. wenn der Christus das menschliche Bewusstsein erleuchtet. Ich entschied mich wegen der Verbindung zu 1. Mose 1:2 für Geist: „Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ Ich wollte, dass Geist über meinem Bewusstsein „schwebt“ und es erleuchtet. Während ich das Buch las, konnte ich wirklich spüren, wie Geist die Dunkelheit meiner Zweifel vertrieb.
Und eine Heilung half mir. Eines Tages hatte ich starke Grippesymptome, daher rief ich eine Praktikerin der Christlichen Wissenschaft an. Doch vorher beschloss ich, den Aufforderungen der Praktikerin demütig Folge zu leisten – das hatte ich bis dahin immer vermieden. Sie hörte sich meine Bitte an und sagte: „Das erste Gebot ist Ihre Medizin. Nehmen Sie Ihre Medizin.“
Das erste Gebot zu befolgen bedeutet, Gott an erste Stelle zu setzen. Um besser zu verstehen, wie genau Gott, das Gute, alles unter Seiner Kontrolle hat, las ich die „wissenschaftliche Erklärung des Seins“ in Wissenschaft und Gesundheit, die mit den Worten beginnt: „Es ist kein Leben, keine Wahrheit, keine Intelligenz und keine Substanz in der Materie.“ Und etwas weiter heißt es: „Alles ist unendliches Gemüt und seine unendliche Manifestation, denn Gott ist Alles-in-allem“ (S. 468). Ich folgerte: Wenn das stimmt, dann haben materielle Gesetze, die Krankheit und Leiden anordnen, keine Macht – auch nicht über mich. Ich fing an, das zu akzeptieren, und war innerhalb weniger Stunden völlig geheilt.
Einsatz, Demut und eine Heilung waren Stufen zur Überwindung meiner Zweifel.
4. Gott hält Sein Versprechen, also kann ich Ihm vertrauen.
Wenn jemand ein Versprechen hält, gewinnt er unser Vertrauen. Hält er jedes Versprechen, dann werden wir wohl nicht an ihm zweifeln.
Ich erkannte in zwei Bereichen klarer, dass Gott jedes Versprechen hält, der Menschheit – und uns individuell – Erlösung zu bringen.
Erstens erkannte ich, welch wundervolles Vertrauen Martas Schwester Maria aus Betanien in das Kommen des Messias hatte. Sie salbte Jesus mit Öl und verdeutlichte so ihre Überzeugung, dass Jesus von Gott gesandt worden war, um uns den Weg zur Erlösung zu weisen (siehe Johannes 12:1–8). Sie verwendete echte Narde, ein wertvolles Lavendelöl. Das griechische Wort für echt ist von einer Wurzel mit folgender Bedeutung abgeleitet: „Moralische Überzeugung (der religiösen Wahrheit oder Wahrhaftigkeit Gottes oder eines religiösen Lehrers), besonders Vertrauen auf Christus, um Erlösung zu erlangen“ (übersetzt aus Strong‘s Exhaustive Concordance of the Bible). Das war eindeutig ein Symbol ihres tiefen Vertrauens in Jesus und ihrer Ehrfurcht vor ihm.
Maria Magdalena, eine andere Gläubige, inspirierte mich ebenfalls. Petrus und Johannes verließen Jesu Grabstätte, bevor sie den auferstandenen Jesus zu Gesicht bekamen. „Sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsse.“ Doch Maria Magdalena kannte die Stellen aus dem Alten Testament vielleicht, die Jesu Auferstehung als Teil von Gottes großem Versprechen der Erlösung der Menschheit verhießen (siehe z. B. Hiob 19:25–27, Psalm 16:10, Jesaja 53:10–12 und Sacharja 12:10). Da sie ausharrte, war sie die erste, die Jesu Rückkehr miterlebte und bestätigte. Maria bewies ihr Gottvertrauen, als sie Jesu Wiedererscheinen und bevorstehende Himmelfahrt bereitwillig annahm. Für Zweifel war da kein Platz (siehe Johannes 20:1–18).
Zweitens fing ich an zu erkennen, wie Jesu Verheißung dadurch erfüllt war, dass Gott den Tröster, die göttliche Wissenschaft oder Wissenschaft des Christus, ausgesandt hatte (siehe Johannes 14:16). Im 16. Kapitel des Johannesevangeliums beschreibt Jesus mehrere ausschlaggebende Bestandteile des Erscheinens des Trösters, damit er klar zu erkennen ist, zum Beispiel: „Ich habe euch noch viel zu sagen; aber es würde euch jetzt überfordern. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, dann wird er euch in alle Wahrheit leiten“ (Vers 12, 13). Das ist mit Mrs. Eddys Aussage verbunden: „Unser Meister heilte die Kranken, praktizierte das christliche Heilen und lehrte seine Schüler die allgemeinen Grundregeln seines göttlichen Prinzips; aber er hinterließ keine definitive Regel für die Demonstration dieses Prinzips, das Krankheit heilt und verhütet. Diese Regel zu entdecken, blieb der Christlichen Wissenschaft vorbehalten“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 147).
Und Jesus sagte ferner, wenn der Tröster kommt, dann „werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb“ (Johannes 16:26, 27). Mit anderen Worten, er versprach, dass wir direkten und beständigen Zugang zur Göttlichkeit haben werden. Ja, der zwiefache und unpersönliche Pastor der Christlichen Wissenschaft (siehe Mary Baker Eddy, Vermischte Schriften 1883–1896, S. 322), die Bibel und Wissenschaft und Gesundheit, bestätigt auf einzigartige Weise unsere ungebrochene – und ewige – Verbindung zur Wahrheit.
Wenn wir das Christentum und die Christliche Wissenschaft als Repräsentanten von zwei wichtigen erfüllten Verheißungen – vom Messias und vom Tröster – erkennen, dann können wir sie annehmen, ohne zu zweifeln. Ihr Wert ist in unseren Herzen verankert, und er verankerte sich immer tiefer in meinem.
5. Nicht Zweifel, sondern Glauben und Verständnis sind natürlich.
Mrs. Eddy hat dem Kapitel mit dem Titel „Tierischer Magnetismus demaskiert“ in Wissenschaft und Gesundheit folgendes Zitat von Jesus vorangesetzt: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken... Das sind die Dinge, die den Menschen verunreinigen“ (Matthäus 15:19, 20). Im griechischen Original umfasst Gedanken auch die Bedeutung von „Debattieren“ und wird manchmal als „Zweifel, Bedenken“ übersetzt (Rudolph Kassühlke, Kleines Wörterbuch zum Neuen Testament). Mir wurde klar, dass Bedenken uns (manchmal scheinbar in unserer eigenen Stimme) einflüstern wollen: „Ich bin nicht stark und sicher genug.“ Oder: „Andere haben mehr Gottvertrauen als ich.“ Oder: „Vielleicht habe ich irgendwann mehr Glauben.“
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das nichts als Suggestionen von dem sind, was Paulus die „Gesinnung des Fleisches“ nennt (Römer 8:7) und Mrs. Eddy wissenschaftlich als „sterbliches Gemüt“ definiert (Wissenschaft und Gesundheit, S. 311). Und hier ist der befreiende Punkt: Das sind nicht unsere Gedanken. Sie haben weder Substanz noch Realität. Mrs. Eddy identifiziert sie als tierischen Magnetismus, „der falsche Glaube, dass Gemüt in Materie und sowohl böse als auch gut sei; dass das Böse ebenso wirklich sei wie das Gute und sogar machtvoller. Dieser Glaube besitzt nicht eine einzige Eigenschaft der Wahrheit“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 103). Ich habe erkannt, dass ich nicht zu einem endlosen innerlichen Dialog verleitet werden kann, der etwas Wahres falsch darstellt und mich „verunreinigen“ würde, wie Jesus es ausdrückt.
Stattdessen ist es für mich als geistiges Kind Gottes natürlich, von der Wahrheit angezogen zu werden und sie anzunehmen.
Nach dieser Erkenntnis bin ich nun auf einem Weg zu dem, was ich als das Vertrauen von Maria Magdalena betrachte. Unterwegs lausche ich auf die Liebe des Christus, die Unglauben und Zweifel in Gnade hüllt. Ich bleibe demütig, wache und lausche intensiver und denke daran, dass Gott jedes Versprechen hält und deshalb vertrauenswürdig ist. Und ich halte daran fest, dass wir alle ganz natürlich die Klarheit und Sicherheit besitzen, die es uns ermöglicht, die Christliche Wissenschaft ganz im Lichte der verlässlichen, demonstrierbaren Wahrheit zu erkennen.
Übersetzt aus dem Christian Science Journal, Ausgabe Juni 2017
Dieser Artikel erschien ursprünglich am 6. Juni 2017 im Internet.
