Es ist eine bedeutungsvolle Tatsache, daß ein beträchtlicher Teil des Neuen Testaments von dem Heilungswerk unsres Meisters handelt. Und doch verwerfen viele Menschen die Christliche Wissenschaft, weil ihre Anhänger die Kranken nach demselben Verfahren zu heilen behaupten, das Christus Jesus anwandte. Wäre es nicht wegen dieses Heilens, würden sie sich offenbar nicht weigern, der Christlichen Wissenschaft einen Platz unter den christlichen Religionen einzuräumen und die Christlichen Wissenschafter als Christen anzuerkennen. Um diesen Irrtum aufzuklären, dürfte es angebracht sein, aus einem unsrer maßgebenden Wörterbücher die Bestimmung des Wortes Christ anzuführen. Sie lautet:
„Einer, der an Jesus Christus und die von ihm gelehrte Wahrheit glaubt, oder der behauptet sie zu glauben, oder einer, dessen inneres und äußeres Leben mit den Lehren Christi im Einklang steht.”
Wer angesichts dieser Bestimmung das Christentum der Nachfolger Mrs. Eddys angreift, leugnet entweder die Gesetzmäßigkeit der Werke unsres Meisters, oder er nimmt den Standpunkt ein, daß diese Werke nur von einer beschränkten Zahl Menschen und während eines beschränkten Zeitraumes getan werden sollten. Hinsichtlich der Gesetzmäßigkeit der Werke des Meisters sagte er selber: „Denn ich bin ... kommen, nicht daß ich meinen Willen tue, sondern des, der mich gesandt hat.” Hinsichtlich der allen Christen obliegenden Pflicht, diese Werke zu tun, erklärte er: „Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen vertreiben; und so sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird’s besser mit ihnen werden.” Dieses Heilungswerk schloß er ferner in seinen Befehl ein, der für die ganze Christenheit maßgebend ist: „Machet die Kranken gesund, reiniget die Aussätzigen, wecket die Toten auf, treibet die Teufel aus.”
Der große Lehrer sagte von denen, die ihm nachfolgen und sich nach ihm nennen würden: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.” Weil die Christlichen Wissenschafter diese Früchte aufweisen können, fühlen sich so viele, die anderswo umsonst Hilfe gesucht haben, von der Religion angezogen, die Mrs. Eddy gegründet hat. Ihr Leben und ihre Werke haben es den Christlichen Wissenschaftern klar gemacht, daß der eigentliche Zweck ihrer Lehren darin besteht, die Menschheit zum richtigen Verständnis von Gott und von des Menschen Beziehung zu Ihm emporzuheben — zu dem Verständnis, welches alle Sünde vernichtet und allen Irrtum austreibt, möge sich dieser Irrtum in moralischer oder Physischer Weise kundtun. Diese Lehre bringt sie in ihren Schriften wiederholt und wiederholt zum Ausdruck, aber vielleicht nirgends so vollständig wie auf Seite xi der Vorrede zu Wissenschaft und Gesundheit, wo sie schreibt: „Das Physische Heilen durch die Christliche Wissenschaft ist jetzt, wie zu Jesu Zeiten, das Ergebnis der Wirksamkeit des göttlichen Prinzips, vor dem Sünde und Krankheit ihre Wirklichkeit im menschlichen Bewußtsein verlieren und ebenso natürlich und unvermeidlich verschwinden, wie Dunkelheit dem Licht, und Sünde der Umwandlung Raum gibt. Heute, wie damals sind diese mächtigen Werke nicht übernatürlich, sondern im höchsten Grade natürlich. Sie sind das Zeichen des Immanuel oder ‚Gott mit uns‘— sie sind ein göttlicher Einfluß, der im menschlichen Bewußtsein immer gegenwärtig ist, sich wiederholt und heute kommt, wie vor alters verheißen ward:
Zu predigen den Gefangenen [des Sinnes], daß sie los sein sollen
Und den Blinden das Gesicht
Und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen.”
Mrs. Eddy strebte in Lehre und Wandel dem großen Meister nach. Einstmals schrieb sie an die Mitglieder ihrer Kirche: „Folget eurer Führerin nur insoweit sie Christus folgt” („Messages to The Mother Church“, S. 78). Dies ist das Bestreben all ihrer treugesinnten Nachfolger. In dem Grade ihres Verständnisses der Christus-Lehre und ihrer Treue im Anwenden derselben bringen sie die Früchte hervor, die das Zeichen des Einsseins mit dem bilden, der uns gelehrt hat, „Unser Vater” zu sagen.
