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Dankbarkeit

Aus der Oktober 1917-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Auf Seite 3 des Lehrbuchs der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, sagt Mrs. Eddy: „Sind wir wirklich dankbar für das schon empfangene Gute? Dann werden wir uns die Segnungen, die wir haben, zunutze machen, und dadurch geschickt werden, mehr zu empfangen.” Bedenken wir dies, wenn es scheinbar lange dauert, ehe wir ein gewünschtes Ziel erreichen oder einen bestimmten Plan verwirklicht sehen, oder wenn sich die ersehnte Heilung verzögert? Vielleicht werden wir ungeduldig und murren ein wenig, weil andern schnelle Heilung zuteil zu werden scheint, weil sie ohne Verzug viel Segen empfangen, während bei uns anscheinend alles stillsteht. Dann ist es Zeit, daß wir bei uns Einkehr halten und unsre Gedanken prüfen. Vielleicht finden wir, daß wir für geringere Segnungen nicht dankbar genug gewesen sind, daß wir sie als etwas Selbstverständliches hingenommen haben, statt für das Empfangene dem Geber alles Guten zu danken. Mit andern Worten, wir haben von dem Guten, das wir empfangen haben, keinen Gebrauch gemacht und sind daher nicht „geschickt ... mehr zu empfangen.”

Ehe ich mit der Christlichen Wissenschaft bekannt wurde, schien es mir, als gebe es nur sehr wenig, wofür ich Dank schuldete, da ich so viele Dinge entbehren mußte, zu welcher meiner Meinung nach jedes Kind Gottes berechtigt ist, und da mich die Umstände nötigten, in die Welt hinauszugehen und die mir entgegentretenden Schwierigkeiten zu überwinden, von denen mir viele überaus groß erschienen. Später, als noch schlechte Gesundheit hinzukam, erlebte ich nur sehr wenig Freudiges und empfand das Leben als eine Last. Damals wurde ich in liebevoller Weise der Christlichen Wissenschaft zugeführt, und meine körperliche Heilung erfolgte in überraschend kurzer Zeit, wofür ich dankbar war. Es boten sich mir aber so viele andre Schwierigkeiten, daß ich des großen Segens der körperlichen Heilung zuweilen vergaß, bis mir eines Tages die oben angeführten Worte aus Wissenschaft und Gesundheit lebendig ins Gedächtns kamen und ich wie nie zuvor die Notwendigkeit einer dankbaren Gesinnung erkannte.

Ich begann, für jeden noch so geringen Segen, den ich empfing, dankbar zu sein. War es auch nur eine kleine Gefälligkeit oder ein kleiner Ausdruck der Liebe von befreundeter Seite, oder der Umstand, daß ich in einem andern etwas Gutes sah — für alles war ich dankbar, dankbar gegen den Menschen, durch den das Gute zum Ausdruck kam, aber noch dankbarer gegen die göttliche Liebe, von der alles Gute kommt. Wenn ich dem dankte, der das Zwischenmittel für diese Bekundung der Liebe gewesen war, versäumte ich nicht, ein kleines Dankgebet zum himmlischen Vater für die Liebe und Güte gegen die Seinen emporzusenden. Als ich mir der Segnungen bewußt wurde, die bereits mein eigen waren, fand ich, daß ihrer bald mehr kamen, bis die Ärgernisse und Schwierigkeiten nach einander dahinschwanden, wie die Nebel vor dem strahlenden Sonnenlicht, und ich freudig mit dem Psalmisten ausrufen konnte: „Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.”

Wir vergessen so leicht die empfangenen Segnungen, wenn wir uns vor eine schwierige Aufgabe gestellt sehen. Sie ist anders als alle andern Aufgaben, die sich uns bisher geboten haben. Vielleicht vergessen wir, daß schon früher in unsrer Erfahrung Schwierigkeiten entstanden sind, die ebenso ernst und bedrohlich aussahen. Wenn wir dann zurückblicken, können wir uns unzähliger Fälle erinnern, wo durch die Wahrheit die Schwierigkeit für uns aufs schönste gelöst wurde — bisweilen sehr schnell und in einer Weise, von der wir uns nicht träumen ließen. Die göttliche Liebe ist unwandelbar, bei ihr gilt kein Ansehen der Person, sie ist stets bereit zu helfen, zu trösten und zu heilen, wenn wir nur der freundlichen Aufforderung des Meisters nachkommen: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; Ich will euch erquicken.”

Durch bloße Worte kommt Dankbarkeit nicht zum Ausdruck; dies kann nur durch Taten geschehen. Viele von uns sind ohne Zweifel seit früher Kindheit gelehrt worden, zum himmlischen Vater zu beten und Ihm für den empfangenen Segen zu danken. Vielleicht kam aber unsre Dankbarkeit nur in Worten zum Ausdruck. Jetzt, wo uns dieses Licht erschienen ist, bietet jeder Tag mannigfache Gelegenheit, Dankbarkeit auszudrücken, und zwar durch Liebe gegen unsre Mitmenschen. Vielleicht ist es nur ein Wort der Ermutigung oder ein freundliches Lächeln, aber schon dadurch wird einem Menschen geholfen, der mit Entmutigung zu kämpfen hat. Wenn unser Herz mit Liebe und Dankbarkeit gegen Gott erfüllt ist, bietet sich uns jederzeit Gelegenheit, dies durch gütiges Handeln andern gegenüber auszudrücken. Es ist nicht immer nötig, daß es sich um etwas Großes handle; kleinere Beweise einer freundlichen Gesinnung genügen, mögen sie uns auch geringfügig erscheinen. Wenn wir von dem, was wir besitzen, den rechten Gebrauch machen, wird uns der Segensspruch zuteil: „Du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen.”

Durch nichts wird eine Horde irriger Gedanken, die sich in unserm geistigen Heim festzusetzen suchen, schneller verscheucht als durch ein echtes Gefühl der Liebe und Dankbarkeit. Wenn wir an einer Aufgabe arbeiten und der aufwärts-führende Pfad sehr beschwerlich erscheint, so sollten wir auf den weiten Weg zurückblicken, den wir zurückgelegt haben, seit wir den ersten Schimmer der in der Christlichen Wissenschaft geoffenbarten Wahrheit sahen, und sollten der bereits empfangenen Segnungen gedenken. Dann werden wir bald finden, daß der Pfad weniger beschwerlich wird, bis wir allmählich einen Punkt erreichen, der weit über dem Nebel des Tals liegt, und in das Sonnenlicht der Wahrheit treten, wo die Schwierigkeit sich in ihr Nichts auflöst.

Unser Meister gab uns ein herrliches Beispiel der Dankbarkeit, als er den Lazarus von den Toten erweckte. Er wartete nicht, bis die Demonstration dem menschlichen Sinn nach vollbracht war, sondern während Lazarus im Grabe lag und die Umstehenden den Freund tot glaubten, sagte er: „Vater, ich danke dir, daß du mich erhöret hast. Doch Ich weiß, daß du mich allezeit hörest.” Er wußte, daß die göttliche Liebe einem gerechten Gebet gegenüber nicht harthörig ist; er war sich der Wahrheit bewußt, der Jesaja mit den Worten Ausdruck verlieh: „Ehe sie rufen, will Ich antworten; wenn sie noch reden, will Ich hören.” Er kannte und verstand die Wahrheit über Gott und den Menschen und konnte daher noch ehe die Demonstration den Umstehenden offenbar wurde seiner Dankbarkeit mit der bestimmten Erklärung Ausdruck geben: „Ich weiß, daß du mich allezeit hörest.”

Auch wir können Gott unsern Vater nennen; auch wir sind Empfänger Seiner Segnungen und Seiner Fülle und können in jeder Stunde der Not zuversichtlich Seine Hilfe suchen. Gottes Wille ist stets gut; Er sendet nur Glück und Freude, weil ein alliebender, allgütiger Vater nur Gutes zu geben hat. Wenn wir uns bestreben, so gesinnet zu sein wie Christus Jesus, diese Gesinnung im täglichen Leben zum Ausdruck bringen und in unserm Herzen stets ein Loblied ertönen lassen, dann werden wir gewiß beweisen können, daß jeder Tag „reich an Segnungen” ist, wie uns unsre Führerin auf Seite vii des Vorworts von Wissenschaft und Gesundheit sagt.

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