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Heiligung durch die Wahrheit

Aus der Oktober 1917-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Alle erklärten Christen, seien sie Christliche Wissenschafter oder Mitglieder andrer Kirchen, erkennen Christus Jesus als den Erlöser der Welt an. Über das Wesen dieser Erlösung herrscht jedoch große Meinungsverschiedenheit. Es handelt sich um die Frage: Wie hat uns Christus erlöst und wovon hat er uns erlöst? Die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, Mary Baker Eddy, beantwortet diese Frage in einer Weise, die die Vernunft befriedigt und unsre Liebe und Dankbarkeit gegen den Meister nur noch erhöht.

Jedermann wird zugeben, daß ein Botschafter, der von seiner Regierung in einer wichtigen Angelegenheit nach einem andern Lande gesandt wird, wie sonst keiner in diesem Lande befähigt ist, den Zweck seines Kommens zu erklären. Dürfen wir somit nicht den Worten Christi Jesu, des großen Botschafters an die Menschheit, das größte Gewicht beilegen, wenn er sein Erscheinen auf Erden erklärt? In jener ernsten Stunde im Gerichtssaal, wo er gewiß seine Äußerungen genau abwog, sagte er zu Pilatus: „Ich bin dazu geboren und in die Welt kommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll.”

Ist der Zweck einer Sendung je klarer und bestimmter angegeben worden? „Daß ich für die Wahrheit zeugen soll.” Auch war dies nicht das einzige Mal, daß er erklärte, warum er auf dieser Stufe des Bewußtseins erschienen war. So sagte er z. B. zu den Pharisäern: „Nun aber suchet ihr mich zu töten, einen solchen Menschen, der ich euch die Wahrheit gesagt habe. ... Weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht.” Bei jeder Gelegenheit hob er die Notwendigkeit hervor, die Erkenntnis der Wahrheit zu erlangen, für die er zeugte, so z. B. mit den oft angeführten Worten: „Und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.” Und bewies er nicht fortwährend die befreiende Macht der Wahrheit dadurch, daß er die Kranken heilte, die Toten erweckte und die Sünder zur Buße rief?

Wenn nun die Wahrheit, für welche Jesus zeugte, frei macht, was hält uns dann in Banden? Ist es nicht das Gegenteil der Wahrheit, die Unwahrheit oder die Lüge? Welche Lüge? Die Lüge über Gott und Seine Schöpfung oder Kundwerdung. Diese Lüge stellt den himmlischen Vater dar als ein in bezug auf Gestalt und Macht in hohem Grade vergrößertes menschenähnliches Wesen, dem allerhand menschliche Fehler anhaften, wie z. B. Zorn, Eifersucht und Veränderlichkeit; als einen Gott, der Seinen Kindern Krankheit, Mangel und Elend sendet oder zum mindesten solche Heimsuchungen zuläßt, und der diejenigen, die nicht vor dem als Tod bezeichneten Wechsel Buße getan haben, der ewigen Qual überliefert. Angesichts einer solchen Anschauung von Gott ist die Vorschrift Jesu: „Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist,” so manchem ernsten Christen wie ein Hohn auf das Wesen des Allmächtigen vorgekommen. Und liegt es nicht klar auf der Hand, daß „des Menschen Unmenschlichkeit gegen den Menschen” zum großen Teil auf eine falsche Anschauung von Gott zurückzuführen ist?

Wie ganz anders ist doch der Gott, den der Meister kannte! Mit Wort und Tat verkündigte er ihn als den allweisen und alliebenden Vater, der keine Eigenschaften hat, die ein guter Christ nicht in seinem Leben zum Ausdruck bringen darf. „Liebet eure Feinde; ... auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel,” lautete sein Befehl. Und Johannes, der die tiefere Bedeutung der Lehren des Meisters besser erfaßt zu haben scheint als irgendeiner der andern Jünger, erklärte: „Gott ist Liebe.” Können wir dieses Wort nicht sozusagen als Leitmotiv durch die ganze Bergpredigt hindurch hören?

Jesus stellte jedoch Gott nicht dar als einen Vater, der seinen Kindern alle Fehler nachsieht — und das betont Mrs. Eddy fortwährend. Er lehrte, daß ein Mensch ernten wird wie er gesät hat; nur bedeutete Strafe für ihn nicht einen Akt der Wiedervergeltung, sondern ein Mittel zur Besserung. Er wußte, daß Strafe die Liebe zur Sünde vernichten soll, und daß mit der Erfüllung dieses Zweckes das Leiden aufhört. Zu einem Menschen, den er geheilt hatte, sprach er: „Sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre,” womit deutlich gesagt wurde, daß Leiden durch Sündigen bewirkt wird und nur durch das Überwinden der Sünde aufgehoben werden kann.

Mrs. Eddy hat in ihrer Erklärung des Lebenszwecks Jesu keineswegs die Worte des Johannes beiseite geschoben: „Das Blut Jesu Christi ... machet uns rein von aller Sünde.” In ihrem Werk No and Yes sagt sie auf Seite 35: „Dieses Blut Jesu bedeutet das Höchste für das menschliche Hoffen und Glauben.” Ihre Auslegung der Worte des Apostels weicht jedoch von der allgemein anerkannten insofern ab, als sie gänzlich frei ist von Materialismus, Mystizismus und Gefühlsschwelgerei. Die Erklärung, daß man durch das Blut Jesu Christi rein geworden sei von Sünden, kann nur zweierlei bedeuten. Entweder heißt es, daß man deshalb Vergebung der Sünde und Erneuerung des Sinnes erlangt hat, weil man bestimmt glaubt und inbrünstig anerkennt, daß Jesus wegen seiner Sündlosigkeit erkoren war, durch das Vergießen seines Blutes den Zorn Gottes gegen Seine übrigen Kinder zu beschwichtigen, oder es heißt, daß man durch das ernste Streben, die Wahrheit zu erkennen und dieser Erkenntnis gemäß zu leben, die befreiende Macht der Wahrheit erfahren hat und die große Liebe des Meisters anerkennt, die ihn nicht davor zurückschrecken ließ, bei der Erfüllung seiner Aufgabe sein Blut zu vergießen. Welche von diesen beiden Erklärungen ist die vernunftgemäßere? Welche kommt Jesu eigner Deutung des Zwecks seines Kommens in die Welt näher?

Mrs. Eddy hat diesen Gegenstand in ihren Schriften so klar und logisch behandelt, daß sich der Christliche Wissenschafter oft wundert, warum er ihre Anschauung nicht schon immer gehabt hat. In No and Yes sagt sie: „Das Vergießen von menschlichem Blut brachte die Wirksamkeit des göttlichen Lebens und der göttlichen Liebe sowie ihrer Macht über den Tod ans Licht.” „Nicht um den Zorn Gottes zu stillen litt Jesus, sondern um die Allheit der Liebe und die Nichtsheit von Haß, Krankheit, Sünde und Tod darzutun. Er lebte, damit auch wir leben könnten. Er litt, um den Sterblichen zu zeigen, welch schrecklichen Preis die Sünde zahlt und wie man diese Zahlung vermeiden kann. Er büßte für die schreckliche Unwirklichkeit eines vermeintlich von Gott getrennten Daseins” (SS. 33, 35).

Als Philippus den Meister bat: „Herr, zeige uns den Vater,” ward ihm die Antwort: „Solange bin ich bei euch, und du kennest mich nicht, Philippus? Wer mich siehet, der siehet den Vater.” Hatte er nicht das wahre Wesen Gottes durch jeden Gedanken, jedes Wort und jede Tat wiedergespiegelt? Und hatte er nicht dadurch den wahren Menschen ans Licht gebracht, „der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit”? Die treue Arbeit des Meisters ist aber ohne Wert für uns, wenn wir seinem Beispiel nicht folgen.

In jenem wunderbaren Gebet, wie es im siebzehnten Kapitel des Johannes-Evangeliums aufgezeichnet ist, sagte Jesus: „Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.” Aus diesem wie aus vielen andern seiner Aussprüche ist deutlich zu ersehen, daß er sich für den Wegweiser aus falschen Zuständen heraus hielt, aus Zuständen, die dadurch entstanden sind, daß die Menschheit Unwahrheiten als wahr angenommen hat. Die Christlichen Wissenschafter sind sich daher über ihre Aufgabe im klaren. Sie haben einsehen gelernt, daß sie die Wahrheit erkennen, sich täglich mehr mit ihr vertraut machen müssen, um ihre Segnungen zu genießen. Je mehr die Wahrheit ihr Bewußtsein erfüllt, desto mehr wird es ihnen offenbar, daß, weil Gott Geist ist, der wahre Mensch und das wahre Weltall geistig sein müssen, und daß sie daher die Vollkommenheit und Harmonie ihres göttlichen Ursprungs wiederspiegeln. Sie erkennen das allmähliche Erfassen und Demonstrieren dieser großen Wahrheiten des Seins als das Werk der Heiligung durch die Wahrheit — als die Reinigung von dem, was die materiellen Sinne bezeugen, nämlich Sünde, Krankheit, Mangel und Not. Die hartnäckigste Unwahrheit, die der Meister widerlegte, ist der Tod; und dadurch, daß wir, wie er, zuerst alle geringeren Unwahrheiten widerlegen, werden wir zuletzt auch die größte widerlegen — den letzten Feind überwinden.

Copyright, 1917, by The Christian Science Publishing Society
Verlagsrecht, 1917, von The Christian Science Publishing Society

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