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Das Prinzip und seine Idee

Aus der Oktober 1917-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


In unserm Lehrbuch lesen wir: „Das christusgleiche Verständnis vom wissenschaftlichen Sein und vom göttlichen Heilen umfaßt als Basis des Gedankens und der Demonstration ein vollkommenes Prinzip und eine vollkommene Idee — einen vollkommenen Gott und einen vollkommenen Menschen” (Wissenschaft und Gesundheit. S. 259). Durch dieses Verständnis werden alle christlich-wissenschaftliche Heilungen bewirkt. Ein gewisses Maß des Verständnisses vom vollkommenen Gott und vollkommenen Menschen als Prinzip und Idee ist erforderlich, damit das wissenschaftliche Sein und göttliche Heilen, welches der Welt so sehr not tut, dem menschlichen Bewußtsein offenbar werde. Und Heilung kommt im Verhältnis der Anwendung dieser Kenntnis auf menschliche Probleme zustande.

Gott ist der Ursprung des Menschen und des Weltalls. Er schließt alle Macht in sich, alles Wissen und Sein; und da Er das Prinzip ist, so muß Er auf alle Zeiten, in alle Ewigkeit unveränderlich sein. Daher haben der Mensch und das Weltall kein Dasein aus sich selbst, sondern sie sind der Ausdruck dieses vollkommenen Prinzips. Jesus sagte: „Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.” Er erkannte Gott oder das göttliche Prinzip als die einzig bestehende Macht, als das alleinige Sein an, und zwar in solchem Maße, daß er seinen menschlichen Leib zur Kreuzigung hinzugeben vermochte, in dem Bewußtsein, daß der vollkommene Vater es nicht „zugeben” würde, daß sein „Heiliger verwese.” Die Anhänger der christlichen Lehre können sich des Meisters Beweis von der Vollkommenheit Gottes und von des Menschen Fähigkeit, dieses Verständnis zu erlangen, sehr wohl zur Richtschnur bei geringeren Demonstrationen nehmen.

Jesus lehrte die Untrennbarkeit Gottes und des Menschen, des Prinzips und dessen Ausdruck, als er sagte: „Ich und der Vater sind eines,” und wiederum: „Denn der Vater ist größer denn ich.” Gott ist das Prinzip, und der Mensch besteht als Idee. Diese Idee kommt durch die Individualität zum Ausdruck. Die Einheit und Untrennbarkeit eines Stromes und seiner Quelle, oder eines Lichtstrahls und der Sonne ist einem jeden klar. Wie in diesem Fall eine Trennung unmöglich ist, so ist auch die Trennung zwischen Prinzip und Idee unmöglich.

Fast jeder Mensch — Mann, Frau oder Kind — macht mehr oder weniger Gebrauch von der Mathematik, wird sich aber dabei des Prinzips der Zahlen kaum bewußt. Dennoch ist dieses Prinzip stets wirksam, sonst könnten mathematische Aufgaben nicht durch Zahlen richtig zum Ausdruck kommen. Der Christlichen Wissenschaft zufolge lebt, webt und ist der Mensch in und durch das Prinzip — eine Wahrheit, die gegenwärtig nur von einem sehr geringen Teil der Menschheit erkannt und anerkannt wird. Diese Erkenntnis ist jedoch von grundlegender Bedeutung. Jeder Versuch, Gott und den Menschen von einander zu trennen, bringt uns auf den wankenden Boden der materialistischen Erziehung und schulmäßigen Theologie.

Seit Jahrhunderten haben die Lehrsysteme der Welt den Standpunkt vertreten, daß der Mensch ein von Gott unabhängiges Wesen besitze, und daß ihm ein Geist innewohne, durch den er geleitet werde. Ferner sind wir gelehrt worden, daß der Mensch im Einklang mit dem Willen Gottes und mit Seiner Genehmigung den Menschen durch das Mittel der Materie schafft, und daß dieser Materien-Mensch, dem ein Geist innewohne, das Bild Gottes sei. Der schulmäßigen Theologie zufolge gab Gott diesem Menschen das Recht der Wahl zwischen dem Guten und dem Bösen und belohnte oder strafte ihn dann seiner Wahl entsprechend. Wenn er das Gute wählte, erhielt er einen Paß zum Himmel, und es boten sich dann nie wieder Schwierigkeiten; wählte er aber das Böse, so kam er in die Hölle, wo die ewige Strafe seiner harrte. Ferner wurde gelehrt, daß Krankheit und Leiden von unserm himmlischen Vater bestimmt seien, und wenn wir diese Dinge nicht auf materiellem Wege loswerden könnten, so trete der Tod in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ein. Da aber der sterbliche Mensch von Gott kaum erwarten konnte, daß Er alles tue, so schuf er selber Gesetze zur allgemeinen Regelung der Dinge und setzte Strafen auf die Vergehen gegen diese angeblichen Gesetze. Ferner herrschte der Glaube, daß selbst wenn dieser Mensch das Glück haben sollte, diesen Gesetzen zu entgehen und ein hohes Alter zu erreichen, er dann sicher einem andern Diener Gottes begegnen müsse, dem grimmigen Schnitter, vor dem es kein Entrinnen gebe.

Wer in der Welt ist, ohne von der Welt zu sein, sieht allerorten das Ergebnis dieser irrigen Lehre. Unzählige Sünden, Befürchtungen und Krankheiten befallen die Menschen. Krieg und Zerstörung, Not und Armut, Kummer und Leid, Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit, Haß und Streit und viele andre Übel scheinen die Menschen und Völker in Knechtschaft und Banden zu halten. Die schrecklichen Wirkungen dieser Irrtümer gewahrt man überall, und sie werden von allen Menschen empfunden, ohne Unterschied des Standes oder der Person. Wir hören den Ruf nach Verhütung auf allen Seiten und erkennen die endlosen und harten Kämpfe des sterblichen Gemüts, um seinen Menschen aus der Knechtschaft zu befreien, in die es ihn gebracht hat. Es macht Gesetze, um alles zu regulieren, mit der Absicht, die bösen Wirkungen der falschen Vorstellung wenigstens einigermaßen zu beseitigen. Gesundsheitsregeln werden zu Beherrschern von Gesundheit und Glück gemacht, und zwar mit Zuhilfenahme von Luft, Diät, Medizinen, Hygiene, Bewegung usw. Krankheit ist aber ebenso verbreitet wie je, und den neuen Gesundheitsregeln folgen stets neue Krankheiten. Der Gesundheit und des Glückes kann man sich unter solchen Umständen gewiß nicht erfreuen, denn Furcht — die hauptsächlichste Ursache von Krankheit — ist vom sterblichen Gemüt nicht richtig erkannt worden und ergeht sich frei unter den Sterblichen, wo dann Krankheit und Leiden als Zeichen ihres Aufenthaltes zurückbleiben, Jesu Worte: „Und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen,” bedeuten, im Sinne der Christlichen Wissenschaft verstanden, Freisein von allem, was der Gesundheit, dem Glück und der Heiligkeit entgegengesetzt ist.

Die Menschen haben sich schon lange nach einem dauernden Frieden unter den Völkern der Erde gesehnt und erwartungsvoll der Erfüllung der Prophezeiung des Jesaja entgegengesehen: „Denn es wird kein Volk wider das andre ein Schwert aufheben, und werden hinfort nicht mehr kriegen lernen.” So oft aber dieser herrliche Tag des Friedens anzubrechen scheint, fängt dieses sogenannte Gemüt mit seinem Gesetzemachen an, ohne zu erkennen, daß seine eignen falschen Annahmen, seine Eroberungsgelüste, sein Streben nach Macht und Ansehen, seine Herrschsucht die Ursachen alles Streites und Haders sind. Gesetze mögen scheinbar leiten und lenken, eine Kraftentfaltung mag dem Gegner Schrecken einflößen, die Diplomatie mag beschwichtigend wirken, aber das sterbliche Gemüt kann nicht dauernd Frieden aufrecht erhalten. Das unsterbliche göttliche Gesetz, das Gesetz der Liebe, der Wahrheit und des Lebens wird, wenn die Menschen und Völker es befolgen, das völlige Schwinden des Übels von der Erde herbeiführen.

Die Menschen glauben der Armut und dem Mangel entgegenzuwirken, indem sie das sterbliche Gemüt durch soziale und wohltätige Einrichtungen zu beruhigen suchen, doch ist dadurch diesen Übeln nicht abgeholfen worden. Jesus sagte: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.” In dem Maße wie die Menschheit durch das Studium der Christlichen Wissenschaft diese Worte in ihrer metaphysischen Bedeutung erfaßt, werden Armut und Mangel verschwinden. Die Theologie hat die Schmerzgebeugten und Trauernden mit der Versicherung getröstet, Gott wisse am besten, wie alles kommen müsse, und das Leiden sei von Ihm auferlegt und diene einem guten Zweck. Viele haben ihre Tränen unterdrückt, aber ihr Herz wollte sich nicht trösten lassen.

Hiob hatte wohl recht, als er sagte: „Ich habe solches oft gehöret. Ihr seid allzumal leidige Tröster!” Auf Seite 271 von Wissenschaft und Gesundheit schreibt Mrs. Eddy: „Die Bergpredigt ist das Wesen dieser Wissenschaft.” Die zweite Seligpreisung: „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden,” wird durch die Christliche Wissenschaft erfüllt. Diese Lehre wirkt wahrhaft tröstend, indem sie dem menschlichen Bewußtsein die Macht der göttlichen Liebe nahebringt und ihm zeigt, daß das Verhältnis des Menschen zu Gott als einer Idee des Prinzips sich nie verändert hat, wennschon für die sterblichen Sinne die menschliche Individualität entschwunden ist.

Man hat zahlreiche menschliche Gesetze verordnet, um Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit in Schranken zu halten — die eigentlichen Ursachen von Streit und Haß. Solche Gesetze haben aber dem Übel nicht abgeholfen. Sie haben dieselben nur eingeschränkt und dadurch oft die sterbliche Vorstellung zur Anwendung von noch listigeren Methoden verleitet. Das menschliche Gesetz ist jedoch nötig, bis das göttliche Gesetz, das darin besteht, Gott über alles zu lieben und unsern Nächsten wie uns selbst, zur Grundlage des Denkens und Handelns geworden ist.

Dies sind einige der falschen Vorstellungen der Welt, die die Christliche Wissenschaft heilt, denn sie ist, wie Moses vor alters, auf Gottes Befehl gekommen, um die Kinder Israel aus der Knechtschaft des sterblichen Gemüts herauszuführen „zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.” Sie weist zielbewußt auf die Worte und Werke Christi Jesu hin und sagt: „Dies ist der Weg; denselbigen gehet.” Wir wollen also die Bibel, die durch die inspirierten Darlegungen in den Schriften unsrer Führerin erklärt wird, zu unserm Wegweiser nehmen. Und wenn wir so gesinnet sind, wie Christus Jesus gesinnet war, wird sich das heilende Wirken der Christlichen Wissenschaft kundtun.

Jesus wußte, daß Gott Leben, Wahrheit und Liebe ist. Seine Erkenntnis von Ihm als stetsgegenwärtiges Leben war so vollkommen, daß die Toten wieder lebendig wurden; sein Verständnis der Wahrheit befähigte ihn, jeden Gedanken zu sehen, sei er falsch oder wahr, sei er ausgedrückt oder unausgedrückt. Sein Begriff von Liebe war so lebendig, daß er für seine Verfolger beten konnte: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.” Die Christliche Wissenschaft erklärt Jesu Worte und Werke. Sie lehrt uns, daß das sterbliche Gemüt ein unwirklicher und zeitlicher Bewußtseinszustand ist, welcher falsche Vorstellungen oder Lügen in sich schließt, und daß dieser Bewußtseinszustand die Ursache aller Krankheit und Disharmonie in der Welt bildet, gleichviel in welcher Form sie sich bekundet. Durch das Studium der Christlichen Wissenschaft erlangen wir ein Verständnis vom unsterblichen Gemüt, von Leben, Wahrheit und Liebe, vom wirklichen und ewigen und daher göttlichen Prinzip. Im Verhältnis wie wir das Prinzip verstehen und dieses Verständnis in unsern menschlichen Angelegenheiten anwenden, verschwinden die falschen Vorstellungen und mit ihnen jedes sterbliche Gesetz, jede Strafe, jede Krankheit und Sünde.

In dem Maße wie sich die Ausübung der Christlichen Wissenschaft über die Welt verbreitet, werden die sterblichen Vorstellungen von Krieg und Zerstörung verschwinden und es wird sich das Bewußtsein des ewigwährenden Friedens einstellen. Armut und Mangel bestehen nicht in der Gegenwart Gottes und Seines Menschen; Friede und Trost wird denen zuteil, die früher Krankheit, Kummer und Leid erfahren haben. Wenn die göttliche Wissenschaft verstanden und ausgeübt wird, wie sie Jesus verstand und ausübte, wird ihrer Anwendung auf jedes menschliche Problem sofortige Heilung folgen.

Bei ihrem Heilungswerk sehen die Christlichen Wissenschafter den Zustand eines kranken oder leidenden Menschen nie als eine Wirklichkeit an. Sie betrachten Krieg, Vernichtung, Armut, Leiden oder irgendeine der sterblichen Disharmonien, gleichviel ob sie durch einen einzelnen oder durch ein Volk zum Ausdruck kommen, nur als Erfahrungen des sterblichen Gemüts. Der wahre Christliche Wissenschafter wird stets sein Denken zur Erkenntnis des Prinzips des Menschen und des Weltalls erheben, und dieses Verständnis stellt jede falsche Vorstellung oder jede Lüge über Gott und Seine vollkommene Schöpfung bloß. Ferner läutert die also zum Ausdruck gebrachte Wahrheit des Seins die Gänge und Bahnen des menschlichen Bewußtseins, zu denen ihr Einlaß gewährt wird. Sie bringt geistige Erleuchtung und ermöglicht es dem einzelnen, das Geistige und Ewige zum Ausdruck zu bringen und den Menschen als die Idee oder das Bild Gottes zu erkennen. Auf Seite 565 von Wissenschaft und Gesundheit schreibt Mrs. Eddy: „Christus, die Idee Gottes, wird schließlich alle Nationen und Völker — gebieterisch, absolut, endgültig — mit der göttlichen Wissenschaft regieren.”

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