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„Der unendliche Unsichtbare”

Aus der Juni 1930-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Im 2. Briefe an die Korinther verweist Paulus auf die Tatsache, daß „was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig”. Dieser große Vertreter des Christentums Christi, dessen Werke seinen Glauben und sein Verständnis bewiesen, ließ nichts anderes gelten, als daß nur die Dinge des Geistes, Gottes, bleibenden, wahren Wert zum Ausdruck bringen. Von jenem ersten Strahl göttlichen Lichtes an, das ihm die scheinbar blinden Augen öffnete und seinen Lebensweg auswärts und zu Gott hin lenkte, und weiterhin in seiner großen Heilerund Lehrerlaufbahn stand der Glaube an die Vollkommenheit und an die Allmacht Gottes und das Verständnis dieser Eigenschaften stets im Vordergrund seines Denkens. Kein Wunder, daß er die Anfechtungen und Verfolgungen des Bösen mit der Erklärung: „Ich achte der keines” unerschrocken beiseite schieben konnte. Paulus erkannte nicht nur die Vergänglichkeit. Endlichkeit und Unwirklichkeit des Bösen, sondern er verstand auch klar die Wirklichkeit und die Wesenheit dessen, was Gott schuf, und was die körperlichen Sinne nicht erkennen. Diese Haltung stimmt mit der oft angeführten und immer schönen Erklärung im 11. Kapitel des Briefs an die Hebräer überein: „Der Glaube ist die Wesenheit der Dinge, die man erhofft, die Augenscheinlichkeit der Dinge, die man nicht sieht” (engl. Bibel). Es ist beachtenswert, daß das in diesem Verse mit „Augenscheinlichkeit” übersetzte ursprüngliche griechische Wort „Elenchos” gleichbedeutend mit „Überzeugung” ist. Glauben haben heißt mit andern Worten, von der göttlichen Wirklichkeit überzeugt sein, selbst wenn der körperliche Gesichtssinn sie nicht sieht.

In „Unity of Good” (S. 7) schreibt Mary Baker Eddy: „Das Anerkennen der Vollkommenheit des unendlichen Unsichtbaren verleiht eine Kraft, wie nichts anderes es kann”. Das Wort „Unsichtbarer” bezieht sich hier auf Gott, und Mrs. Eddy gebraucht diesen Namen für Gott nur an dieser einen Stelle in allen ihren Schriften. Dies ist sehr bedeutsam für den Christlichen Wissenschafter, der gelehrt worden ist, an der Wirklichkeit dieses unendlichen und vollkommenen Gottes festzuhalten, mag Er den körperlichen Sinnen auch noch so unsichtbar sein. Unsere Führerin hat ihre Worte stets zweckentsprechend gewählt. Die sinnverwandten Ausdrücke, die sie anwendet, um Gott zu erklären, sind immer so gebraucht, daß sie eine genaue und wissenschaftliche Bedeutung zum Ausdruck bringen. Es ist daher nicht nebensächlich, daß sie in diesem Abschnitt das Wort „Unsichtbarer” gebraucht.

Beim Beweisen der Macht der Wahrheit über die Ansprüche des Bösen stößt man auf die Herausforderung des sterblichen Gemüts, das für die Wirklichkeit des Bösen eintritt und einen verleiten will zu glauben, daß das Böse Macht habe zu schädigen. Es scheint so sichtbar, so wirklich! Manchmal werden wir versucht zu glauben, daß wir glücklich und zufrieden sein könnten, wenn dieser oder jener sogenannte körperliche Zustand beseitigt wäre. Aber das hieße, um ein altes Sprichwort zu gebrauchen, die Pferde hinter den Wagen spannen; denn Freudigkeit muß zuerst in unserem Denken sein. In dem unsichtbaren Reiche der göttlichen Wirklichkeit ist es uns vergönnt, die wahre Lage oder den wahren Zustand zu erkennen. Haben wir dann unsere Denkarbeit recht getan, so können wir zuversichtlich erwarten, daß der irrige Zustand oder die irrige Umgebung verschwindet. Das klare Erfassen dieser Tatsache ist der Schlüssel zur rechten Lösung jeder Aufgabe.

Folgende Begebenheit möge diesen Punkt veranschaulichen. Ein Christlicher Wissenschafter mietete ein Sprechzimmer in einem gewissen Gebäude. Es schien in der ganzen Stadt der einzige verfügbare Raum zu sein, da infolge von Kriegszuständen damals große Nachfrage nach Geschäftsräumen war. Im Raume nebenan wurde getrunken, und es herrschte viel Lärm und weltliches Treiben — eine äußerst widerliche Umgebung. Der Christliche Wissenschafter war eine Weile über die Lage beunruhigt. Beschwerden bei der Hausverwaltung waren ergebnislos, und es stellte sich heraus, daß die Mieter nebenan einen Vertrag auf lange Zeit hatten. Als die Lage ganz unerträglich schien, fand der Christliche Wissenschafter darin eine Lösung der Aufgabe, daß er sich die Wahrheit über rechten Ort und rechte Umgebung klar machte und sich bemühte, „den Gedanken beständig auf das Dauernde, das Gute und das Wahre gerichtet” zu halten, wozu uns Mrs. Eddy in „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift” (S. 261) ermahnt. Dies war zugleich „das Anerkennen der Vollkommenheit des unendlichen Unsichtbaren”. Den Christlichen Wissenschafter überkam ein innerer Friede, ein Bewußtsein der Harmonie, als ob sich wirklich die Tore des Himmels geöffnet hätten. In dieser wunderbaren Flut göttlichen Lichts erkannte er klar die Wahrheit; und es kam ihm sozusagen die feste Überzeugung, daß die Unruhe und der Lärm sein Denken nie mehr würden stören können. Und ohne daß er etwas plante oder sich ausdachte, erfuhr er am Tage darauf, daß auf einem andern Stock desselben Gebäudes ein Geschäftsraum frei werde. Diesen Raum, der ganz seinem Wunsche entsprach, sicherte er sich unverzüglich, und es zeigte sich, daß die äußere Umgebung den Frieden und die Ruhe zum Ausdruck brachte, die zuerst sein Denken erfüllt hatten.

Auf ähnliche Art läßt sich derselbe einfache Vorgang ausnahmslos auf alle Aufgaben anwenden. Nehmen wir z.B. die Einflüsterung von Mangel, sei es nun Mangel an Gesundheit oder Mangel an Versorgung. Stehen wir dieser falschen Annahme, die zu verdüstern und niederzudrücken sucht, gegenüber? Wenn wir uns nur an die Christliche Wissenschaft wendeten und uns im Lichte ihrer Lehren in die Laufbahn dessen vertieften, der in keinem einzigen Falle Mißerfolg hatte, so würden wir in der Tat beweisen, daß der Mensch wie am Anfang auch hier und jetzt Herrschaft hat. Laßt uns ernstlich trachten, dem Beispiel und dem Leben des Meisters Christus Jesus nachzueifern, der nicht an die Macht oder die Wirklichkeit von Sünde und Krankheit glaubte und die eine so leicht austrieb wie die andere, und ebenso den Glauben an Mangel! Hätte Jesus je an eine Begrenzung der stets überreichen Fürsorge der göttlichen Liebe geglaubt, so hätte er die Fünftausend in der Wüste nicht speisen können.

Wenn Leid uns wirklich scheint, dann wollen wir uns vergegenwärtigen, daß wir nur in dem Maße Kummer leiden, wie wir träumen; denn in dem erweckten und von dem Morgenlichte geistigen Verständnisses erleuchteten Denken können wir kein Leid, keine Traurigkeit, keine Tränen kennen. Selbst wenn die Annahme des Todes an uns herantritt, müssen wir wissen, daß unsere Lieben auf ewig geborgen sind. Sie leben wie wir in dem göttlichen Leben, das Gott ist. Auch sie leben, weben und sind wie wir in dem immer erhaltenden und immerwährenden Leben und „unter den ewigen Armen”. Hätte Jesus dies nicht gewußt, so wäre er hilflos vor dem Grabe des Lazarus gestanden. In Erkenntnis der Unwirklichkeit dessen, was Tod genannt wird, wandte er sich voller Dankbarkeit, daß Gott ihn immer erhörte, an das scheinbar unsichtbare, aber immer gegenwärtige Leben, das Gott ist.

Laßt uns als Christliche Wissenschafter, wann und wo immer die Versuchungen und Bedrängnisse des Bösen an uns herantreten, uns ernstlich und unerschütterlich an unsern liebenden Vater-Mutter Gott wenden! Laßt uns die Allgegenwart der göttlichen Liebe fühlen! Laßt uns hervortreten und die große Wahrheit beweisen, daß „das Anerkennen der Vollkommenheit des unendlichen Unsichtbaren eine Kraft verleiht, wie nichts anderes es kann”!


Laßt uns aufzählen, was er für uns getan hat! Laßt uns seine Güte und unsere Dankespflicht bekennen! Laßt uns jeden Tag mit neuer Danksagung beginnen und die Zukunft in Begriffen seiner bleibenden Gegenwart und Hilfsbereitschaft ansehen. Und in dieser engen natürlichen Freundschaft mit Jesus Christus werden auch wir wie der Blinde finden, daß Gott von unserem Leben Besitz ergreift.—

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