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Das Gebot, dankbar zu sein

Aus der Juli 1936-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Viele Bibelleser sind sich anscheinend nicht bewußt, daß die Heilige Schrift ein Gebot enthält, das man sehr gut als elftes Gebot bezeichnen könnte — das Gebot, dankbar zu sein. Wie ein herrliches Leitmotiv, das in einer Symphonie immer wiederkehrt, so wird das menschliche Herz durch die ganze Heilige Schrift hindurch aufgefordert, dankbar zu sein und Dankbarkeit widerzuspiegeln.

Die Kinder Israel wurden nach ihrer Befreiung von der ägyptischen Knechtschaft beständig vor der Sünde Undankbarkeit gewarnt. „So hüte dich nun, daß du des Herrn, deines Gottes, nicht vergessest ...” sagte Mose, „daß, wenn du nun gegessen hast und satt bist, ... und alles, was du hast, sich mehrt, daß dann dein Herz sich nicht überhebe. ... Du möchtest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir dies Vermögen ausgerichtet. Sondern gedenke an den Herrn, deinen Gott”. Und er fügt die Warnung hinzu, daß diejenigen, die Gott, die Quelle alles Guten, vergessen und die Bekundung göttlicher Befreiung nicht durch dankbaren Gehorsam anerkennen, „umkommen werden”. Das undankbare Herz schließt sich selber von der Freude und dem Verständnis wirklichen Lebens aus.

Immer wieder wurde das Volk Israel durch eine mächtige Befreiung errettet, und dennoch beherzigten sie, so traurig es klingt, nicht das Gebot, dankbar zu sein, und gerieten daher in noch größere Knechtschaft. Als König Josaphat und seine Heere einmal von einem an Zahl weit überlegenen Feinde bedroht waren und Vernichtung unvermeidlich schien, bestellte er Sänger, daß sie vor dem Heer herzögen „mit Danken und Loben”. Und in Gegenwart dieses Danklieds vernichtete der Irrtum sich selber. Die dieser Geschichte in der Bibel folgende Stelle ist bedeutungsvoll: „Also kehrte jedermann wieder um, ... daß sie gen Jerusalem zögen mit Freuden; denn der Herr hatte ihnen eine Freude gegeben an ihren Feinden”. Hier haben wir eine hervorragende Veranschaulichung der erfreulichen Folgen des Gehorsams gegen das Gebot, dankbar zu sein.

Dann haben wir das herrliche Bild, das der Psalmist David von einem von Dankbarkeit durchdrungenen Denken bietet. Dem Sohn Isais ging es nicht immer gut; aber immer wieder finden wir, daß er gerade bei einem verwickelten Problem Gott pries und Seinen heiligen Namen lobte. Ein Beispiel dafür ist der bemerkenswerte Psalm aufrichtiger Reue und Dankbarkeit für Gottes ewige Gnade, der 51. Psalm, den er nach seinem Erwachen aus einer sündigen Erfahrung schrieb. David wußte offenbar gut, daß nur Gehorsam gegen die Gebote Gottes das Heilmittel für Leid, Sünde, Niederlage und Haß ist; und so bestimmt bewies er die Verfügbarkeit der Dankbarkeit für Gottes Gesetz und die sicheren Ergebnisse von dessen Anwendung, daß er die ganze Menschheit aufforderte, Gott zu danken — Ihm unaufhörlich zu danken. Er bewies wahrhaftig, daß es „ein köstlich Ding ist, dem Herrn danken”.

Und was für ein Beispiel unablässiger, dankbarer Anerkennung der Macht und Gegenwart des Vaters wir im Leben des Meisterchristen finden! Ehe er jenen gewaltigsten Beweis der Fähigkeit des Menschen, sich über Begrenzung zu erheben, erbrachte, als er eine Volksmenge mit ein paar Broten und Fischen speiste, sah er auf gen Himmel — hinweg vom engen, begrenzenden Sinnenzeugnis — und dankte. Wofür dankte Christus Jesus? Sicher nicht für den Augenschein hungriger Menschen und eines ungenügenden Nahrungsvorrats. Muß es nicht für die Erkenntnis der Tatsache gewesen sein, daß Mangel an etwas Gutem wegen der Allgegenwart der göttlichen Liebe einfach undenkbar ist? Hätte der Meister diesen herrlichen Beweis erbringen können, wenn er die Fülle der Liebe nicht freudig anerkannt hätte, wie er es in seinen Danksagungen tat?

Ein anderer beachtenswerter Fall, wo er dankte, ehe eine Heilung offenkundig wurde, war, als er am Grabe des Lazarus stand. Auf allen Seiten war die mesmerische Einflüsterung Leid zu erkennen. Sogar die geistig gesinnte Maria war ihr erlegen. Sie, die zu Jesu Füßen gesessen war und die geistigen Wahrheiten des unsterblichen Seins in sich aufgenommen hatte, mußte doch sicher genug wissen, um sich im Denken über Kummer und Trostlosigkeit zu erheben! Aber nein, auch Maria weinte. Ist es daher ein Wunder, daß der große Lehrer „im Geist ergrimmte” über diesen zur Schau gestellten Entschluß des menschlichen Gemüts, die Wahrheit durch Festhalten am hoffnungslosen, finsteren Sinnenzeugnis auszuschließen? Und ist es ein Wunder, daß er selber über das Versagen seiner Schüler, den sie beeinflussenden Irrtum aufzudecken, weinte? Das ganze Bild, das der Meistermetaphysiker vor sich hatte, war eine Erscheinung des Mesmerismus, die nur duch entschlossendstes Einstehen für die Tatsachen des Seins vertrieben werden konnte; und mit der Erhabenheit und der Zuversicht des Sohnes Gottes tat Christus Jesus etwas überaus Erstaunliches. Lassen wir das Evangelium des Johannes die Geschichte erzählen: „Jesus aber hob seine Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, daß du mich erhöret hast. Doch ich weiß, daß du mich allezeit hörest”. Scheinbar angesichts des Todes, umgeben von Menschen, die das kummervolle Urteil hinnahmen, gehorchte dieser mächtige Nazarener, der vielleicht selber kämpfte, um nicht dadurch mesmerisiert zu werden, dem Gebot, dankbar zu sein, und verbannte mit einem Danklied das Bild „des letzten Feindes”. Hätte etwas Geringeres als die Überzeugung vom todlosen Leben des Gottesmenschen und das unerschütterliche Verständnis der Tatsache, daß das unharmonische Sinnenzeugnis eine Sinnestäuschung war, den Erlöser dazu bewegen können, zu sagen: „Vater, ich danke dir”? So hat also Christus Jesus der Menschheit für alle Zeiten das schnell wirkende, mächtige, wahre Mittel zur Überwindung von Leid, Krankheit, Sünde und Mißklang gezeigt. Es ist Gehorsam gegen das Gebot, dankbar zu sein, in so genauer Übereinstimmung mit dem göttlichen Prinzip, der Liebe, zu wandeln, mit den harmonischen Tatsachen der Seele so innig vertraut zu sein, daß angesichts unschöner Einwendungen des sterblichen Sinnes unwillkürlich Danksagung im Bewußtsein auflodert,— Danksagung dafür, daß Mißklang unwirklich ist, nicht besteht, nicht vorkommt, und daß nur der Himmel, Harmonie, gegenwärtig ist.

In christlich-wissenschaftlichen Kirchen genießen die Gemeindemitglieder das Vorrecht, ihre Dankbarkeit für den Segen dieser erlösenden Wahrheit sowohl jeden Mittwochabend als auch alljährlich im Danksagungsgottesdienst auszudrücken. Denkt aber jeder Schüler der Christlichen Wissenschaft immer daran, daß das Kirchenhandbuch das Gebot enthält, täglich dankbar zu sein? Mrs. Eddy schreibt: „Dankbarkeit und Liebe sollten jeden Tag durch alle Jahre in allen Herzen wohnen” (Handbuch, Art. XVII, Abschn. 2). Was für eine frohe Leuchte damit dem müden Wanderer gegeben ist! Wie schnell doch Gehorsam gegen ihren leitenden Strahl die irrenden Schritte auf den geraden und schmalen, aber immer himmelwärts aufsteigenden Pfad zurückführt!

In einem christlich-wissenschaftlichen Haushalt lehrte eine Mutter ihre Kinder, jeden Morgen beim Frühstück einige Minuten dem Danksagen für irgend einen Segen zu widmen. Könnte es eine schönere Vorbereitung des Denkens für die Erfahrungen des Tages geben? Wie wichtig es also ist, daß unsere „wachen Gedanken”, wie es in einem bekannten Liede heißt, „von Deinem Lob erfüllt” sind! Und wie dankbar Christliche Wissenschafter stets für das Vorbild sein sollten, das sie in dem liebevollen, dankbaren Leben ihrer geliebten Führerin haben! Unaufhörlich dankte sie dem Vater für die herrliche Wahrheit, die ihr geoffenbart worden war. Wenn Haß und Widerstand auf sie einstürmten, schrieb sie, wie David vor alters, Psalmen des Dankes für Gottes Güte und Schutz, wodurch sie, diesem Gesetz der Dankbarkeit gehorsam, über die Nebel in den Sonnenschein der Wahrheit emporgehoben wurde. Nur jemand, der dieses Gesetz bewiesen hatte, konnte die wunderbare Auslegung wahrer Dankbarkeit geben, die wir in ihren Worten in „The First Church of Christ, Sicentist, and Miscellany” (S. 164) finden: „Was ist Dankbarkeit anders als eine mächtige Camera obscura, etwas, das Licht in dem Brennpunkt vereinigt, wo Liebe, Erinnerung und alles im Menschenherzen gegenwärtig ist, Licht zu bekunden?”

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