Ein Geschäftsmann kam zu einer christlich-wissenschaftlichen Ausüberin und sagte: „Ich habe einen Herzfehler. Können Sie etwas dagegen tun?“
„Einen Herzfehler?“ erwiderte sie, „ich kenne nichts Derartiges.“
„Sie kennen nichts Derartiges.“ entgegnete der Mann. „Wie können Sie das sagen, wenn die Zeitungen jeden Tag berichten, daß Leute an Herzleiden gestorben sind?“
Die Ausüberin erwiderte, sie habe, nachdem sie mehrere solche Berichte gesehen hatte, bei einer maßgebenden Quelle, der Bibel, weiteren Aufschluß über das Herz gesucht. Und sie habe die fesselnde Wahrheitserklärung gefunden, die auf jeden Menschen zutrifft (Spr. 23, 7): „Wie er in seinem Herzen denkt, so ist er“ (engl. Bibel).
Sie erklärte ihm: „Die Christliche Wissenschaft lehrt, daß der einzig wahre Mensch rechtschaffen, rein, frei, die vollkommene Widerspiegelung des vollkommenen Vater-Mutter Gottes ist. Und in der Bibel sind zur näheren Beschreibung im Zusammenhang mit dem Wort Herz die Worte gebraucht: verständig, fromm, unsträflich, gütig, rechtschaffen, unverzagt, treu, ehrlich und rein. Der Mensch ist also die Widerspiegelung aller herrlichen Eigenschaften Gottes; er ist rechtschaffen, verständig, unverzagt, treu, rein und ehrlich, ja, er ist geistig und vollkommen.“
Die Ausüberin ersuchte den Geschäftsmann, die Bedeutung der angeführten Eigenschaften in einem Wörterbuch nachzuschlagen, sowie mit Hilfe der Konkordanzen nachzusehen, was Mary Baker Eddy über das Herz zu sagen hat. Der Mann kam diesem Ersuchen nach, und in seinem Bewußtsein begann eine herrliche Entfaltung. Als er sich bemühte, die geistigen Eigenschaften Gottes auszudrücken, wich die Furcht aus seinem Denken und er fing an, einigermaßen die Wahrheit des Seins zu verstehen, daß Gott der einzige Schöpfer ist, und daß der zu Gottes Bild und Gleichnis geschaffene Mensch vollkommen, rechtschaffen, gesund und frei ist.
Hocherfreut und dankbar kam er wieder zu der Ausüberin und erklärte, er wisse, daß er geheilt sei; denn er sei vollständig frei. Jetzt verstand er einigermaßen, was der Verfasser der Sprüche meinte, als er sagte (Spr. 4, 23): „Behüte dein Herz mit allem Fleiß; denn daraus geht das Leben.“ Der Mensch kann tatsächlich nicht anders als gottähnlich sein und das Leben und harmonische Tätigkeit ausdrücken.
Es wurde nichts an dem körperlichen Herz getan; aber die wissenschaftlichen Tatsachen hinsichtlich der Vollkommenheit Gottes und des Menschen hatten sich dem Denken des Geschäftsmannes so eingeprägt, daß die Furcht verschwand und er augenscheinlich geheilt war. Mrs. Eddy schreibt in „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift“ (S. 181): „ ‚Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.‘ Wenn du mehr Vertrauen zu Arzneien als zur Wahrheit hast, so wird dieses Vertrauen dich auf die Seite der Materie und des Irrtums lenken.“
Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß unser wirkliches Sein in Gott, dem Guten, ist, kommen wir nicht unter das sogenannte materielle Gesetz der Disharmonie, Herzleiden genannt, sondern wir beweisen in fortschreitendem Maße, daß der Mensch von dem Gesetz Gottes, des Lebens und der Liebe, dem Gesetz des harmonischen Seins, und von nichts anderem regiert wird. In der Bibel (Apg. 17, 25. 28) wird uns versichert, daß Gott „jedermann Leben und Odem allenthalben gibt“, und daß wir „in ihm leben, weben und sind.“ Wir können also mit Machtbefugnis erklären, daß das Leben, das Gott gibt, nicht beeinträchtigt noch uns genommen werden kann.
Es ist gut, gelegentlich innezuhalten und gründlich in unser Herz, in unser Bewußtsein, hineinzuschauen, um zu sehen, was wir als Wirklichkeit betrachten. Finden wir Furcht, Zweifel, Besorgnis, Vereitelung, Einsamkeit, Entmutigung oder abfälliges Urteilen? In diesem Falle können und sollten wir diese unschönen sterblichen Eigenschaften durch die geistigen Eigenschaften Friede, Sicherheit, Zuversicht, Mut, Ehrlichkeit und Dankbarkeit ersetzen.
Das sterbliche Gemüt sagt manchmal mit Bezug auf menschliche Gefühle: „Mir ist heute das Herz schwer“, oder: „Wie kann ich mich freuen, wenn mein Herz traurig ist?“ Schwermut und Traurigkeit sind keine Eigenschaften des Gemüts, und der Mensch kann unmöglich etwas widerspiegeln, was Gott unähnlich ist. Ebensowenig kann ein vermeintlicher Klumpen Materie, Herz genannt, harmonische Tätigkeit in kranke Tätigkeit, oder Leben und Wohlbefinden in die Annahme Tod verwandeln. Wir müssen auf unser Denken achtgeben, und wenn wir irrigerweise glauben, daß das körperliche Herz den Menschen beherrsche, können wir in der Tat dankbar sein, erweckt zu werden aus dem Traum, daß belebte Materie dem Menschen Leiden auferlegen könne, und die Wahrheit zu erkennen, daß unser Sein der vom einzelnen verwirklichte Ausdruck Gottes ist.
Gott ist das Leben des Menschen, und das Leben ist unaufhörlich harmonisch. Nichts kann beeinträchtigen, hemmen, verhindern oder verzögern, daß der Mensch das Leben und seine harmonische Auswirkung widerspiegelt. Gott, das Gute, ist hier und jetzt die einzige Macht, so daß wir nichts zu fürchten haben. Wie ermutigend es ist, daß wir immer wählen können, über uns selber und andere recht zu denken; denn dadurch stellen wir im Bewußtsein die Wahrheit über den Menschen in seiner ganzen Lieblichkeit und Vollkommenheit fest.
In der folgenden Darlegung gebraucht unsere Führerin das Wort „Herz“ in einer aufklärenden Bedeutung (Miscellaneous Writings, S. 127): „Wenn ein hungriges Herz den göttlichen Vater-Mutter Gott um Brot bittet, wird ihm kein Stein, sondern mehr Gnade, Gehorsam und Liebe zuteil. Wenn dieses demütige und vertrauensvolle Herz die göttliche Liebe aufrichtig bittet, mit dem Brot des Himmels, Gesundheit und Heiligkeit, gespeist zu werden, kommt es dahin, daß es tauglich wird, die Erhörung seines Verlangens zu empfangen. Dann wird der ‚Strom Seiner Wonne‘, der Zufluß der göttlichen Liebe, in dieses Herz einströmen, und großes Wachstum in der Christlichen Wissenschaft, — jene Freude, die das eigene Gute in dem eines andern findet — folgen.“
