Die Christlichen Wissenschafter möchten Gott in ihrem Leben verherrlicht sehen, und sie wissen, welche grenzenlose Möglichkeit für die Demonstration des Guten ihnen eine Kenntnis von Gott, Wahrheit, verleiht. Die Kraft, Gott in den scheinbar größeren Dingen zu verherrlichen, wird jedoch nicht plötzlich erlangt, nicht bevor Sein Wille in den sogenannten kleineren Dingen geschehen ist.
Durch die Führungen des Christus, der Wahrheit, lernt der Christliche Wissenschafter nicht nur besser erkennen, welcher Art das Universum Gottes ist, sondern er lernt auch, alles aufzudecken, was in seinem eigenen Denken irrig ist. In dem Maße, wie er die Wahrheit aufrichtig sucht, kann und sollte das Aufdecken des Irrtums auf natürliche Weise vor sich gehen.
Der Anhänger der Christlichen Wissenschaft [Christian Science] kommt allmählich dahin, dieses Aufdecken als ein Anzeichen für seinen eigenen Fortschritt zu betrachten, und ist dankbar, daß das, was er früher als geringfügigen oder unbedeutenden Irrtum übergangen haben mag, nun als etwas erkannt wird, was in seiner Erfahrung keinen Platz haben kann. Ein solcher Christlicher Wissenschafter wird von denselben Gedanken bewegt, wie sie in folgenden Versen aus den Psalmen zum Ausdruck kommen (Ps. 139:23, 24): „Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz; prüfe mich und erfahre, wie ich's meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“
Mrs. Eddy schreibt auf Seite 201 in ihrem Buch „Wissenschaft und Gesundheit“: „Auf falschen Grundlagen können wir nicht sicher bauen. Wahrheit schafft eine neue Kreatur, in der das Alte vergeht und, alles neu geworden‘ ist. Leidenschaften, Selbstsucht, falsche Begierden, Haß, Furcht, alle Sinnlichkeit weichen der Geistigkeit, und die Überfülle des Seins ist auf seiten Gottes, des Guten.“ Und sie fährt fort: „Gefäße, die schon voll sind, können wir nicht füllen. Sie müssen erst geleert werden. Laßt uns den Irrtum entblößen.“
Gelegentlich scheint die Neigung zu bestehen, den Irrtum auszuschmücken, ihn gesellschaftsfähig oder zumindest achtbar zu machen, anstatt ihn zu entblößen. Aber die Wahrheit kann nicht völlig erfaßt und demonstriert werden, ehe der Irrtum aus dem Denken entfernt ist. Beim Erkennen und darauf folgenden Überwinden alles dessen, was in unserem Denken irrig ist, ist es nötig, daß absolut kein Irrtum geduldet wird. Die Entschuldigung: „Mein Temperament verletzt ja keinen andern“, oder: „Dieser falsche Charakterzug ist nicht wirklich ernst zu nehmen“, ist nur ein Versuch, den Irrtum zu verdecken, anstatt ihn zu entblößen und abzulegen.
Tatsache ist, daß das, was in unserem Denken oder unserem Wesen irrig ist, für uns in jenem Augenblick den großen Irrtum darstellt. Und ohne Rücksicht auf das scheinbare Ausmaß des Irrtums werden die gleichen geistigen Wahrheiten angewandt, mit denen aller Irrtum überwunden wird. Die Heilung jedweder Krankheit oder das Ausmerzen jedweder unschönen Charaktereigenschaft ist das Ergebnis eines besseren Verständnisses von Gottes Allgewalt, von der steten Gegenwart Seiner Attribute und ihrer Widerspiegelung durch den Menschen. Dann ist der Weg offen für weiteren geistigen Fortschritt.
Jemand, der viele Heilungen erlebt hatte, weil er sich auf die Christliche Wissenschaft [Christian Science] verließ, und der glaubte das Studium der Wissenschaft ernsthaft zu betreiben, erkannte, daß sein Fortschritt eine Zeitlang verzögert wurde, weil er nicht willens war, einen Irrtum als solchen zu erkennen. Nachdem er eine Weile in einem Lande gelebt hatte, in dem sich Wein und Bier einer allgemeinen Beliebtheit erfreuten und wo in bezug auf ihre Herstellung und Verwendung eine große Tradition bestand, begann er sich sehr für die verschiedenartigen Weine zu interessieren, die zu den verschiedenen Gerichten genossen wurden. Er überging die Tatsache, daß Wein ein alkoholisches Getränk ist, mit der Ausrede, daß es kein sehr starkes Getränk sei. Allmählich empfand er den Wein als zum guten Leben gehörend. Niemals kam er auf den Gedanken, ihn zur Anregung oder Erheiterung zu trinken.
Es verging eine geraume Zeit, bevor dieser Mann willens war, sein irriges Denken zu berichtigen. Ja, erst als verschiedene kleinere Unpäßlichkeiten einer metaphysischen Behandlung nicht so schnell wichen, wie dies in der Vergangenheit bei ähnlichen Schwierigkeiten der Fall gewesen war, wurde er genügend wachgerüttelt, um sein Denken ehrlich zu überprüfen. Als erstes mußte er zugeben, daß das eine berauschende Getränk nicht entschuldbarer ist als das andere. Tatsächlich hatte in seinem Fall das weniger berauschende Getränk ihm den größeren Schaden zugefügt, weil er es nicht als das erkannt hatte, was es war.
Zweitens erkannte er, daß der größte Schaden, der ihm aus dieser Gewohnheit erwuchs, nicht auf den Alkohol selbst zurückzuführen war, sondern in der Unehrlichkeit und dem menschlichen Eigenwillen lag, die er an den Tag gelegt hatte. Es ist nicht besonders schwierig, ein alkoholisches Getränk unter anderen herauszukennen, aber es bedurfte einer verstärkten Anwendung menschlichen Willens und eines Mangels an Ehrlichkeit gegenüber den bekannten Forderungen der Christlichen Wissenschaft [Christian Science], um diese falsche Begierde vor sich selbst gutzuheißen. Diese Erfahrung zeigte, wie hartnäckig falsche mentale Charaktereigenschaften zu sein scheinen — hartnäckiger als ein Krankheitsanspruch.
Schließlich erwachte der Christliche Wissenschafter zu einer neuen Wertschätzung der Vollständigkeit von Mrs. Eddys Offenbarung, die das Aufstellen aller derjenigen Regeln einschließt, die nötig sind, um das menschliche Denken bei seinem Fortschritt aus der Materie herauszuleiten. Die Christliche Wissenschaft [Christian Science] kann nicht verfälscht werden. Welche Anforderungen auch immer an die Christlichen Wissenschafter gestellt werden, sei es in „Wissenschaft und Gesundheit“ oder im Kirchenhandbuch von Mary Baker Eddy, sie sind keine willkürlichen Forderungen, sondern nützliche und notwendige Anleitungen für den einzelnen, um sein Denken auf die Stufe des göttlich Wirklichen zu heben und es dort zu bewahren.
Im Zusammenhang mit dem soeben berichteten Vorfall ist es auch hilfreich, daran zu denken, daß es in der göttlichen Wissenschaft kein Ritual gibt. Sich irgendeiner Speise oder irgendeines Getränks in bloßer Befolgung einer irtualistischen Vorschrift zu enthalten, wäre nicht wissenschaftlich. Nur eine irrige Suggestion könnte uns verleiten zu denken, daß Abstinenz eine Art Ritual sei, das von uns gefordert wird. Wenn man nicht völlig versteht, warum man Enthaltsamkeit übt, mag man nicht weit davon entfernt sein, sich dem Genuß des Alkohols hinzugeben.
In „Wissenschaft und Gesundheit“ schreibt unsere Führerin: „Den physischen Sinnen kommen die strengen Forderungen der Christlichen Wissenschaft peremptorisch vor“ (S. 327). Wenn jemand, der schon einige Schritte in der Wissenschaft getan hat, nicht willens ist, diese Forderungen zu befolgen, so zeigt dies Unehrlichkeit, Stolz oder Halsstarrigkeit an. Solche Irrtümer haben nicht mehr Herrschaft über den Menschen als irgendwelche anderen Irrtümer, aber man muß bereit sein, sich berichtigen zu lassen und einen falschen Gedanken oder ein falsches Verlangen als falsch zu erkennen. Man muß daran arbeiten, jede Neigung, von den Forderungen der Wissenschaft abzuweichen, zu überwinden.
Der Lohn für Gehorsam in Gestalt einer erhöhten Fähigkeit, die Herrschaft des Guten über das Böse zu demonstrieren, ist immer groß. Die abwegigen Ansprüche der materiellen Sinne können nicht mit der bleibenden Freude wetteifern, die der christusgemäßen Fähigkeit zu heilen entspringt.
