Jeder von uns hat das gleiche Maß an Zeit zur Verfügung, mit dem er rechnen kann. Wichtig jedoch ist, was wir mit unserer Zeit tun. In einem kurzen Artikel unter der Überschrift „Nutze deine Zeit“ erklärt Mrs. Eddy in ihrem Buch „Vermischte Schriften“ (S. 230): „Der Erfolg im Leben hängt von beharrlicher Anstrengung ab, von der Ausnutzung des Augenblicks mehr als von irgend etwas anderem.“ Und in ihrem Buch „Rückblick und Einblick“ schreibt sie (S. 70): „Jeder einzelne muß in Zeit und Ewigkeit seine eigene Nische ausfüllen.“
Jemand, der sich ein bestimmtes Ziel im Leben gesetz hat, hat keine andere Wahl, als den bestmöglichen Gebrauch von seiner Zeit zu machen. Ein hohes Ziel, der feste Vorsatz, etwas Erstrebenswertes zu erlangen, steht in Einklang mit dem Gesetz Gottes; und, wie der Prediger Salomo erklärte (Spr. 10:22 — n. der engl. Bibel): „Der Segen des Herrn macht reich, und er fügt keinen Kummer hinzu.“
Um unseren Vorsatz definieren zu können, ist es zunächst wichtig anzuerkennen, daß es solch einen Vorsatz gibt. Zuerst mag das Ziel auf eine menschliche Daseinsauffassung mit einer begrenzten Anzahl von Jahren beschränkt sein, die zu seiner Erlangung zur Verfügung stehen. Wahrscheinlich wird es uns jedoch schneller gelingen, etwas Erstrebenswertes zu erreichen, wenn wir das, worauf wir unser Augenmerk gerichtet haben, im Lichte eines höheren Vorsatzes sehen — des Vorsatzes nämlich, die Forderungen unserer Gotteskindschaft zu erfüllen, die unser Leben höher heben. Wenn der geringere Vorsatz dem höheren Raum gibt, wird er mit Sicherheit zum Erfolg führen.
Dieses Aufgeben des Menschlichen für das Göttliche wurde am besten im Leben Christi Jesu veranschaulicht, wie dies in der Christlichen Wissenschaft [Christian Science] so klar dargelegt wird. Aufgrund seiner klaren Wahrnehmung von dem ewigen Jetzt, in dem er lebte, gab er den Menschen im Verlauf von drei kurzen Jahren ein Beispiel für eine Leistung, die zu vollbringen ihm nur eine Erkenntnis der Ewigkeit gestattet haben kann.
In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, daß die Ewigkeit nicht etwa eine endlose Fortdauer der Zeit darstellt; sie stellt überhaupt keine Zeit dar. Richtig verstanden hat das Jetzt, in dem wir leben, niemals begonnen noch wird es jemals enden. Es ist ewig. Alles, was wirklich existiert, existiert jetzt in seiner Vollkommenheit und Vollständigkeit. Unserem wahren Stand als Kinder Gottes entsprechend existieren wir jetzt als geistige Identitäten. In dem Verhältnis, wie wir dies als wissenschaftliche Tatsache erkennen, werden wir nicht auf einen zukünftigen Zeitpunkt warten, um geistig zu werden. Und wir werden erkennen, daß die wirkliche Bestimmung unseres Lebens die ist, jetzt das zu sein, was wir sind, und aufhören als das zu erscheinen, was wir nicht sind, das heißt sündige Sterbliche.
Wie schon gesagt: Das ewige Jetzt ist vollständig. Es kann ihm nichts hinzugefügt werden, und es kann nichts von ihm genommen werden. Wenn wir diesem „Jetzt“ die gebührende Aufmerksamkeit schenken, werden wir nicht unglücklich sein über die Vergangenheit und nicht besorgt über die Zukunft. Vielleicht hatte der Verfasser des Buches „Der Prediger Salomo“ von der Bedeutung dieses „Jetzt“ einen Lichtblick erhascht, als er erklärte (3:15): „Was geschieht, das ist zuvor geschehen, und was geschehen wird, ist auch zuvor geschehen; und Gott sucht wieder auf, was vergangen ist.“ Die Gewißheit, daß wir sowohl die Vergangenheit wie die Zukunft getrost in Gottes Händen lassen können, befähigt uns, dem „Jetzt“, das vollständig gut ist, unsere ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.
Bei weiser Einteilung unserer Zeit können wir uns in solcher Weise für die Arbeit eines jeden Tages geistig vorbereiten, daß unsere menschlichen Bemühungen über alle Maßen bereichert werden. Die frühen Morgenstunden geben uns ungestörte Gelegenheit für diese notwendige Vorbereitung. Wenn sich die Zeit während des Tages dahinschleppt und das Leben monoton und langweilig wird, können wir gewiß sein, daß wir etwas zu tun versäumen; wir verschwenden kostbare Augenblicke und unterwerfen uns so in gewisser Weise einem Gefühl geistiger Verarmung.
Eine Art, Zeit zu verschwenden, besteht darin, über der Vergangenheit zu brüten. Dies ist ganz entschieden unklug, denn es führt dazu, daß die Gegenwart nachteilig beeinflußt und die Zukunft verzerrt wird. Wenn uns aus der Vergangenheit ein Vorwurf erwächst, weil wir nicht genug geleistet haben, so ist das keine Entschuldigung dafür, daß wir Augenblicke oder Stunden in Selbstverdammung verbringen. Wenn wir Arbeit unerledigt gelassen haben, so können wir das durch eine rechte Wertschätzung der Gegenwart berichtigen. Dann werden wir der Zukunft voller Vertrauen entgegensehen.
In Wirklichkeit kommt das Morgen niemals. Wenn es zu kommen scheint, wird es das Heute sein. Daher tun wir auch gut daran zu erkennen, daß es unmöglich ist, außerhalb des Hier und Jetzt zu leben. Daher lassen Sie uns das Beste aus der Gegenwart machen, indem wir ihr das Beste geben, dessen wir fähig sind. Das ist das mindeste, was wir tun können.
Eine richtige Einstellung zu dem Hier und Jetzt macht das Himmelreich für uns erreichbar. Jesus erklärte (Luk. 17:20, 21): „Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier! oder: da! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ Mrs. Eddy schreibt über die Wissenschaft des Seins (Wissenschaft und Gesundheit, S. 285): „Diese Wissenschaft des Seins herrscht nicht nur im Jenseits, in dem, was die Menschen Paradies nennen, sondern hier und jetzt; sie ist die große Tatsache des Seins in Zeit und Ewigkeit.“
Der Übergang vom alten zum neuen Jahr braucht nicht durch laute Lustbarkeit und Trunkenheit, durch Ausgelassenheit und Hingabe an den Sinnengenuß gekennzeichnet zu sein. Er sollte vielmehr von einer echten Wertschätzung des Guten begleitet sein, verbunden mit einer tiefen Hingabe an das, was aufbauend und erhebend ist. Wenn wir die uns zur Verfügung stehende Zeit nutzten, als wäre jeder Augenblick eine Gabe Gottes, reich an Gelegenheiten, Ihn zu verherrlichen und zu verehren — und es wäre Sünde, diese Augenblicke im Nichtstun oder mit etwas zu verbringen, was wir nicht tun sollten —, dann wird unser Verantwortungsgefühl neu belebt, und wir werden zu echten Entschlüssen geführt.
