Der menschliche Körper ist der Gegenstand endloser Sezierungen und Untersuchungen. Mit außerordentlichem Zeit- und Energieaufwand werden die verschiedenen Reaktionen des Körpers und die komplizierte Struktur des physischen Systems geprüft. Es sollte logischerweise anzunehmen sein, daß an einem gewissen Punkt dieser Forschungen der materielle Wissenschaftler den Sättigungspunkt erreicht, das heißt, daß er alles wüßte, was es über den Körper zu wissen gibt. Und doch scheint dieses Forschen ohne Ende weiterzugehen.
Die Christliche Wissenschaft nähert sich diesem Gegenstand in einem gänzlich neuen Licht und lenkt das Forschen vom Körper zum Bewußtsein. Mrs. Eddy sagt: „Geistig aufgefaßt ist Anatomie mentale Selbsterkenntnis und besteht in der Zergliederung der Gedanken, um deren Qualität, Quantität und Ursprung zu entdecken." Wissenschaft und Gesundheit, S. 462; Und nach dem Heilmittel für die Übel der Menschen suchend, fährt sie fort: „Die Anatomie der Christlichen Wissenschaft lehrt, wann und wie die selbstbeigebrachten Wunden der Selbstsucht, der Bosheit, des Neides und des Hasses sondiert werden müssen."
Es ist von entscheidender Bedeutung zu wissen, daß Ursache mental ist und daß die mentalen Ursachen der Schwierigkeiten ausgelöscht werden müssen, um zu den richtigen Heilmitteln und Gegenmitteln für Leiden zu gelangen. Jesus war der größte Heiler aller Zeiten, und seine Anweisungen besagen, daß wir uns nicht um unseren Körper sorgen sollen. Seine der Bergpredigt zugrundeliegende Lehre ist eine klare und ins einzelne gehende Sezierung des menschlichen Bewußtseins und betont die Notwendigkeit für eine Läuterung dieses Bewußtseins. Er wies ständig darauf hin, daß das Denken des einzelnen Menschen das Gebiet ist, in dem seine Erfahrung ihren Ursprung hat.
Allgemein wird viel davon gesprochen, regelmäßig körperliche Untersuchungen vornehmen zu lassen. Die Absicht dabei ist, Störungen herauszufinden und ihre Weiterentwicklung bei uns zu verhindern. In der Christlichen Wissenschaft werden wir gelehrt, unser Denken täglich und stündlich zu überprüfen. Diese gesunde Selbstprüfung geht unaufhörlich vor sich. Wenn wir das Wesen Gottes als göttliche Liebe, göttliche Wahrheit und göttliches Leben verstehen und uns die Tatsache vergegenwärtigen, daß der wirkliche Mensch als das Gleichnis Gottes dieses göttliche Wesen zum Ausdruck bringt, dann haben wir einen genauen Wertmesser, mit dem wir unser Denken und Leben prüfen können. Wir können sehen, wo wir unser Ideal nicht erreichen, und können uns Mühe geben, diesen Mangel auszugleichen.
Wir können feststellen, wenn unser Denken schlaff und ungesund wird. Wir können unsere Motive prüfen und sehen, ob sie mit unserem göttlichen Prinzip übereinstimmen. Wir können unsere Treue und Reinheit des Denkens kontrollieren. Wir können den Grad unseres Verständnisses und unserer Anwendung dieser Wissenschaft prüfen. Wir können die Bergpredigt als einen Prüfstein verwenden und sehen, ob wir den von Christus Jesus aufgestellten Wertmaßstab erreichen.
Das ist nicht immer leicht. Nicht immer will das menschliche Gemüt mit dem Ideal verglichen werden. Oft schneidet es bei solch einer Überprüfung schlecht ab, und die Übel der Selbstgerechtigkeit und der Rechtfertigung setzen ein. Jesus deckte die Heuchelei der Pharisäer auf, und sie suchten ihn zu kreuzigen. Mrs. Eddy sagt: „Unwissenheit über das eigene Selbst ist von den zu überwindenden Annahmen die hartnäckigste, denn sie hat Apathie, Unehrlichkeit und Sünde im Gefolge." The First Church of Christ, Scientist, and Miscellany, S. 233; Wenn aber das Herz ehrlich ist, kann diese Selbstprüfung großen Segen und Fortschritt nach sich ziehen.
Jesus stellte das Böse als eine Lüge bloß, und die Christliche Wissenschaft lehrt, daß die falschen Annahmen, die eine irrige Auffassung vom Menschen darstellen, nicht wirklich sind. Sie sind von Gott, oder dem Guten, nicht geschaffen worden, und sie sind kein Teil des zu Gottes Bild und Gleichnis geschaffenen Menschen. Daher können sie mit Verständnis verneint und zerstört werden, wodurch der einzelne von ihrem Einfluß frei wird. Aber der Irrtum muß als Irrtum aufgedeckt werden, bevor man bereit ist, ihn zu beseitigen. Daher der Wert der Selbstprüfung. Schon gleich am Anfang seiner Laufbahn wies Jesus auf diese Notwendigkeit hin. Er sagte: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!" Matth. 4:17;
Es ist wesentlich, daran zu denken, daß wir nur aus einem Grunde den Irrtum aufdecken, und zwar, um seine Nichtsheit herauszufinden. Das Böse beeindruckt uns nicht, auch fürchten wir uns nicht vor ihm. Und wir sind auch nicht in einer Hexenjagd begriffen, bei der der Irrtum seinem vermeintlichen Opfer aufgeheftet würde. Andererseits trägt eine demütige Bereitschaft, das Denken der Zergliederung der Wahrheit zu unterwerfen, sehr positiv dazu bei, die Reue aufzubringen, die für eine Umwandlung notwendig ist.
Manchmal, wenn das menschliche Gemüt sich in der Materie wohl fühlt und von seiner eigenen Wichtigkeit beeindruckt ist, wird es großspurig und engstirnig. Dann ist es Zeit, daß unerbittlich gehandelt und unbarmherzig zergliedert wird. Wenn jemand engstirnig wird, ist er gewiß nicht in einer guten mentalen Verfassung. Wenn alles seinen gewohnten Gang geht und man glaubt, man könnte auf seinen Lorbeeren ausruhen, tut es oft gut, die Anstrengung zu machen, sich einer gründlichen Selbstprüfung und einer Gedankenläuterung zu unterziehen. Der Teufel liebt nichts mehr, als uns gerade dann Steine in den Weg zu legen, wenn wir selbstgefällig sind und es uns bequem machen wollen.
Mrs. Eddy sagt: „Wie ein Federbett muß das menschliche Herz oft gewendet und manchmal unsanft aufgeschüttelt werden, sonst wird es hart und unsanft." Vermischte Schriften, S. 127. Das von Gebet begleitete Studium des Lehrbuchs der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit, wird das menschliche Denken aufrütteln, so daß es sich nach höheren Maßstäben ausrichte, und dieses Studium wird uns befähigen, gegenwärtige Übel zu heilen, und wird den Irrtum daran hindern, in unserer Erfahrung Gestalt anzunehmen.
