Vom menschlichen Standpunkt aus gesehen mag es so scheinen, als entgehe uns oder verpaßten wir eine Gelegenheit und als sei sie für immer verloren. Aber dies trifft nicht auf unsere geistigen Gelegenheiten zu. Die Christliche WissenschaftChristian Science; sprich: kr´istjən s´aiəns. offenbart, daß diese höheren Gelegenheiten immer gegeben und unparteiisch für jeden verfügbar sind. Die Gelegenheit, in des Vaters Haus zurückzukehren, wartet ständig auf uns, wie das Gleichnis vom verlorenen Sohn lehrt. Und wir können immer die Wahrheit der ewigen Gottessohnschaft anerkennen, wie Christus Jesus uns in folgenden Worten des Vaters an den älteren Sohn in dieses Gleichnis lehrte: „Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.“ Luk. 15:31;
In dem Rätse; des menschlichen Daseins mag es scheinen, als sei es unmöglich, Ungleichheiten zu überwinden, aber die Christliche Wissenschaft demonstriert die Fähigkeit des Vaters, der göttlichen Liebe, die geistige Vollkommenheit jedes einzelnen, so wie er im wirklichen Sein besteht, zu offenbaren. Gott — nicht die menschliche Annahme von Zufall, Erblichkeit, Umgebung oder Erziehung — Schafft wirkliche Gesetze. Was die Liebe erschafft, ist für alle vorhanden, und die Liebe gibt uns unaufhörlich Gelegenheit, Gottes Güte widerzuspiegeln. Es mag jemand das Gefühl haben, daß es ihm im menschlichen Leben an Gelegenheiten mangele, aber niemand kann das Gefühl haben, daß es ihm an der Gelegenheit fehle, Christusgemäßheit auszudrücken.
Der Christus, die wahre Idee der Gottessohnschaft, kommt allen zu Hilfe, die einer Gelegenheit bedürfen oder das Gefühl haben, sie hätten eine Gelegenheit zum Fortschritt verpaßt. Die Frage ist: Sind wir bereit, den Preis zu zahlen, der von uns dafür gefordert wird, daß wir uns zunutze machen, was Gott uns zu bieten hat? Das wirkliche Selbst ist gegenwärtig; das Himmelreich mit all seiner Gerechtigkeit und Freiheit und Harmonie ist in uns, aber der Preis, den wir dafür zahlen müssen, ist, daß wir jede materielle Annahme aufgeben, die uns hindern möchte, uns unserer Gottessohnschaft bewußt zu sein. Wandern wir eigenwillig in dem Land des Materialismus, wie es der jüngere Sohn in dem Gleichnis tat? Oder mißachten wir verdrossen die Gelegenheit, in des Vaters Haus zu weilen, wie es bei dem älteren Sohn der Fall war?
Es ist wichtig, Gelegenheiten zu erkennen und sie zu nutzen. Die Bibel berichtet von einer ganzen Reihe von Menschen, die schnell dabei waren, dies zu tun. Abraham, Jakob, Joseph, Moses, die Propheten — sie alle zeigten, daß Gott uns ständig die Gelegenheit gibt, Ihn zu erkennen und Ihm zu gehorchen. Bei jedem dieser Männer war das Erkennen der Gelegenheit von Verantwortungsbewußtsein begleitet. Jeder von ihnen war von der Aufgabe erfüllt, der Menschheit eine kenntnis von dem unsichtbaren Reich des Geistes zu vermitteln. Gott stützte sie auf dem ansteigenden Pfad.
Niemand erkannte eine Gelegenheit klarer und nahm die damit zusammenhängende Verantwortung uneingeschränkter auf sich als Christus Jesus. Er vergeudete keinen Augenblick seines fruchtbaren Lebens. Er blickte über das Materielle hinaus direkt in das Himmelreich hinein, und er widmete seine ganze Kraft der Aufgabe, diesen Ausblick allen Menschen zu ermöglichen. Er machte vollen Gebrauch von der Gelegenheit, das göttliche Wesen auszudrücken, und dies machte ihn zum Messias, zum Erlöser der Menschheit von einer sterblichen Lebensauffassung.
Diejenigen, die die geistige Wirklichkeit am klarsten erkennen, sind am meisten bereit, sich hingebungsvoll zu bemühen, die Menschheit von ihren Sünden, ihren Krankheiten und ihren Begrenzungen zu befreien. So war es mit unserer Führerin, Mary Baker Eddy. Durch ihre Demut und ihre Liebe zur Wahrheit von Gott geweiht und erwählt, nahm sie die Verantwortung auf sich, die ihr durch die Offenbarung der Wahrheit auferlegt wurde.
Mrs. Eddy entdeckte die wissenschaftliche Methode, die Jesus beim Heilen angewandt hatte, und sie bediente sich nicht nur ihrer Offenbarung, indem sie unzählige Fälle von Sünde und Krankheit heilte, sondern sie benutzte auch die übrige Zeit ihres irdischen Lebens dazu, der Welt die Möglichkeit zu geben, zu verstehen, was sie entdeckt hatte, und die Gelegenheit zu ergreifen, die diese Entdeckung mit sich brachte.
Wenn auch die Nachfolger Mrs. Eddys das Gefühl haben mögen, daß sie gegenwärtig nur in geringem Maße fähig sind, die ungeheuren Möglichkeiten der göttlichen Macht auszuwerten, die uns durch die Christliche Wissenschaft offenbart ist, so kann doch keiner von ihnen leugnen, daß er Gelegenheit hat, die Eigenschaften Wahrheitstreue, Liebe, Weisheit und Reinheit auszudrücken, die ihn dazu ausrüsten, barmherzige Heilarbeit zu tun. Und er sollte auch darauf achten, daß er die Gelegenheiten praktisch ausnutzt.
Ein wundervolles Beispiel dafür, wie man sich über scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten erheben kann, ist das des Neger-Chemikers und landwirtschaftlichen Experimentators George Washington Carver. Er wurde in den Vereinigten Staaten von Eltern geboren, die Sklaven waren, und machte von der Intelligenz und selbstlosen Liebe Gebrauch, mit denen Gott Seine Kinder ausrüstet; er ergriff die Gelegenheit, dem Süden und seinem Volk dort durch landwirtschaftliche Forschungsarbeit zu helfen.
Er bediente sich des Gebets, um die Ideen und die Kenntnisse zu erlangen, die er brauchte, um neue Verwendungsmöglichkeiten für Abfallmaterial und für die Hülsenfrüchte zu finden, die als Nahrungsmittel in zu großem Umfang angebaut wurden. Mit äußerster Hingabe an seine Aufgabe öffnete er den Weg für neue Industrien und schuf so für viele Menschen bessere Lebensumstände. Er war ein großer Wohltäter, und ihm wird ein ehrendes Gedenken bewahrt.
Ein grundlegendes Ziel der menschlichen Gesellschaft sollte sein, sich in einer Weise zu organisieren, daß jeder einzelne reichlich Gelegenheit hat, seine angeborenen Fähigkeiten zu entwickeln und die gottgegebenen Eigenschaften uneingeschränkt anzuwenden, um zu beweisen, daß er der Sohn des unparteiischen Vaters aller ist.
Mrs. Eddy fragt: „Sind wir uns unserer eigenen großen Möglichkeiten und Verantwortungen gebührend bewußt? Sind wir bereit, uns ihnen zu stellen, sie zu nutzen und zu handeln in Übereinstimmung mit der Fülle göttlicher Kraft, mit der wir ausgerüstet sind?“ Vermischte Schriften, S. 176.
