Das Buch des Propheten Jesaja ist von größtem Interesse und tiefster Bedeutung. Die meisten Bibelgelehrten verfechten heute die Meinung, daß es sich mit einem weiten Ausschnitt aus der Geschichte und dem geistigen Fortschritt des hebräischen Volkes befaßt, der sich über etwa drei ereignisreiche Jahrhunderte erstreckt. Aus diesem Grunde nimmt man an, daß es das Werk von mindestens drei außergewöhnlichen Verfassern darstellt.
Es besteht kaum ein Zweifel über die Identität, die Daten und die Herkunft des ursprünglichen Verfassers, dessen Name schließlich dem vollständigen Buch gegeben wurde, nämlich „Jesaja, der Sohn des Amoz“ (Jes. 1:1). Er ist im Königreich Juda geboren und aufgewachsen und übte den größeren Teil seiner literarischen und prophetischen Tätigkeit in der Nähe Jerusalems aus. Daher wird er auch als Jesaja von Jerusalem, oder der Erste Jesaja, bezeichnet, der Verfasser fast aller Kapitel von 1—39.
Jesaja, der Sohn des Amoz, war ein Zeitgenosse von Amos, Hosea und Micha. Alle vier lebten im achten Jahrhundert v. Chr. in Palästina, etwa zwei Jahrhunderte vor dem Zeitpunkt, als das jüdische Volk von Palästina nach Babylon ins Exil geschickt wurde. Dies war eine Zeit der Versuchungen und Prüfungen, die Jesaja voraussah und voraussagte, obwohl weder er noch seine Mit-Propheten sie persönlich erlebten.