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Den Status wahrer Weiblichkeit erkennen

Aus der Juni 1988-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Wir leben in einer Zeit von Freiheitsbewegungen. Für die, die um Anerkennung ihrer Rechte kämpfen, kann die Frage der Strategie von entscheidender Bedeutung sein. Was wird ihnen die Türen öffnen: politischer Einfluß? wirtschaftlicher Druck? Gewalttätigkeit? Wir sprachen über diese Frage mit einer Christlichen Wissenschafterin, die seit acht Jahren beruflich vollzeitig auf dem Gebiet der Frauenrechte tätig ist. Sie arbeitet z. Z. für den Nordischen Ministerrat, ein gemeinsames Organ der skandinavischen Staaten, und seit 1981 leitet sie die Abteilung, die mit Fragen der Gleichberechtigung von Männern und Frauen zu tun hat. Sie lebt mit ihrem Mann, der auch Christlicher Wissenschafter ist, und ihren zwei Kindern in Hørsholm, Dänemark.

Frau Tamm-Buckle begann ihre Ausführungen damit, daß sie uns erzählte, wie sich ihre eigenen Ansichten in bezug auf die Basis, von der aus echte Gleichheit und Freiheit zu erzielen ist, änderten

Während ich für eine Kommunalbehörde in Schweden arbeitete, war ich Abgeordnete einer Gewerkschaft — einer Gewerkschaft, die hauptsächlich weibliche Mitglieder hatte. Ich setzte mich sehr für die Beförderung von Frauen ein, aber so viele Hindernisse schienen den Weg zu versperren. Außerdem arbeitete ich meist mit Männern, und über ihre Ansichten ärgerte ich mich sehr.

Ich kam zu einem Besuch Der Mutterkirche nach Boston. Ich ging an einem Leseraum der Christlichen Wissenschaft vorbei und schaute ins Fenster. Dort war die Bibel aufgeschlagen, und zwar die Stelle über die tüchtige Frau Siehe Spr 31:10–31. aus den Sprüchen. Ich las sie und dachte: „Wie kann meine Kirche etwas so Konservatives im Fenster haben?“ Sehr verstört ging ich weiter und dachte: „Das ist nicht meine Kirche.“

Ich war kaum zehn Schritte gegangen, da war mir, als ob jemand mich anhielte. Ich dachte: „Was tust du denn? Du versuchst, die Bibel mit den Gedanken der Welt zu durchtränken, anstatt die Bibel und die Worte der Bibel dein Leben durchdringen zu lassen.“ Ich ging zurück und las dieselben Verse noch einmal ganz sorgfältig, und da wurde mir klar, daß sie überhaupt nicht konservativ sind. Sie zeigen die Frau nicht nur als gute Mutter, Frau und Hausfrau; sie zeigen sie u. a. auch als respektiertes Mitglied der Geschäftswelt. Ich mußte meine Ansichten über die Eigenschaften der Frau ändern.

Als ich nach Schweden zurückkam, war es mir möglich, die Situation an meinem Arbeitsplatz zu ändern, weil ich mich geändert hatte. Mein Vorgesetzter fühlte das. Wir hatten auf Kriegsfuß gestanden, und nun begann eine Freundschaft, die auch heute noch andauert, obwohl ich nicht mehr für ihn arbeite.

Seitdem engagiere ich mich für Frauenfragen und arbeite auf diesem Gebiet. Ich weiß, daß Gebet ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist.

Könnten Sie uns einige Beispiele geben? Waren Sie nicht auf der Konferenz für Frauen, die die Vereinten Nationen 1985 in Kenia gehalten haben? Boten sich Ihnen dort Gelegenheiten zum Beten?

Ich besuchte die Konferenz in Nairobi als Beobachterin für die Organisation der nordischen Staaten. Es war der Zweck der Konferenz, die Arbeit für Gleichheit während des Jahrzehnts der Frau, das von den Vereinten Nationen erklärt worden war, zu überprüfen und zu bewerten und eine weitblickende Strategie bis zum Jahr 2000 zu entwickeln.

Als ich mich auf die Konferenz vorbereitete, las ich folgende Erklärung über Gott, die in der Bibellektion Die Bibellektionen erscheinen im Vierteljahrsheft der Christlichen Wissenschaft. für jene Woche enthalten war. In Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift schreibt Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft: „Gemüt ist die Quelle aller Bewegung, und es gibt keine Untätigkeit, die das immerwährende und harmonische Wirken des Gemüts verzögern oder hemmen könnte.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 283. Diese Erklärung hatte eine ganz neue Bedeutung für mich: Die wahre Bewegung oder Manifestation der Frau wird vom Gemüt regiert und geleitet. Nichts kann diesen Fortschritt „verzögern oder hemmen“. Ja, die wahre Natur der Frau ist geistig und tritt schon jetzt durch den Antrieb des göttlichen Gemüts in Erscheinung.

Kurz vor meiner geplanten Abreise zu der Konferenz wurde mein Mann krank. Er schien ein Gewächs im Hals zu haben, das ihm großes Unbehagen verursachte; er konnte weder essen noch sprechen. Er war fest entschlossen, sich allein auf christlich-wissenschaftliche Behandlung zu verlassen, um geheilt zu werden. Sein Mut beeindruckte mich sehr. An dem Tag jedoch, an dem ich nach Nairobi fliegen sollte, hatte mein Mann morgens solche Beschwerden, daß er nicht einmal mehr trinken konnte. Ich rief [eine Ausüberin] der Christlichen Wissenschaft an, die mir bei der Vorbereitung auf die Konferenz beigestanden hatte, und bat sie um zusätzliche Hilfe durch Gebet. Die reinen Wahrheiten, die während unserer Unterhaltung enthüllt wurden, zerstreuten meine Furcht. Dann gab ich meinem Mann den Hörer. Während sie mit ihm sprach, konnte er etwas Milch trinken, und im Laufe des Tages trank er noch etwas mehr. [Die Ausüberin] bat mich, sie wieder anzurufen und Bericht zu erstatten, bevor ich zum Flughafen fuhr.

In den nächsten Stunden kämpfte ich schwer mit mir, um zu wissen, was ich tun sollte. Obwohl eine Freundin, eine Christliche Wissenschafterin, sich bereit erklärt hatte, während meiner Abwesenheit die Kinder zu versorgen und zu kochen, plagten mich doch Zweifel, ob ich als Frau und Mutter richtig und weise handelte, wenn ich meine Familie unter den gegebenen Umständen verließ, anstatt zu Hause zu bleiben. Entschloß ich mich zu bleiben, so würde ich die Konferenz nicht besuchen können, weil mein Flugschein nicht geändert werden konnte; ferner müßten wir durch einen Arzt die Krankheit meines Mannes bestätigen lassen, damit meinen Arbeitgebern die Kosten für meine Touristenkarte rückerstattet würden. Ich war überzeugt, daß ich damit meinen Mann enttäuschen würde, da er bereits ärztliche Behandlung entschlossen abgelehnt hatte.

Ich packte meine Koffer, und kurz bevor ich gehen mußte, kam mir der Gedanke, daß mein Mann immer von unserer wahren Mutter, von Gott, der göttlichen Liebe, umsorgt wurde, ob ich nun nach Nairobi flog oder bei ihm blieb, und daß der heilende Christus immer näher bei ihm war als meine menschliche Gegenwart.

Als ich zwei Tage später aus Nairobi zu Hause anrief, erfuhr ich, daß mein Mann in unserer Zweigkirche Christi, Wissenschafter, als Zweiter Leser gelesen hatte und daß seine Stimme wieder fast ganz normal war. Ich war äußerst dankbar und beruhigt.

Auf der Konferenz war ich sehr beeindruckt von der Ausdauer und der Hingabe, mit der die Frauen aller Delegationen daran arbeiteten, jedes Hindernis zu überwinden, das beim Entwurf des endgültigen Dokuments, das von allen angenommen werden sollte, auftauchte. In der zweiten Woche sah es jedoch so aus, als ob die Arbeit überhaupt nicht voranginge. Die Voraussagen waren sehr düster.

Am Nachmittag der letzten Vollversammlung der Konferenz wurde der Dokumentvorlage Absatz für Absatz zugestimmt. Ich beschloß, den Saal nicht zu verlassen, bis die Konferenz beendet war, obwohl ich kein Recht hatte, in dieser Angelegenheit mitzusprechen oder mitzubestimmen.

Ein Hindernis nach dem andern wurde überwunden. Ich schaute voll Ehrfurcht zu, wie die Probleme gelöst wurden. Dann kam die Diskussion des Absatzes, bei dem man den Zusammenbruch der Konferenz befürchtete. Nachdem eine Zeitlang diskutiert worden war, wurde die Konferenz für zehn Minuten unterbrochen — es wurden schließlich mehrere Stunden daraus —, um den Delegationen die letzte Gelegenheit zu geben, über diesen Punkt zu einer Kompromißlösung zu kommen. Entmutigung hing in der Luft.

Der Konferenzsaal leerte sich; doch ich entschloß mich, dort zu bleiben, weil es wohl der ruhigste Platz zum Beten sein würde. Zunächst dachte ich noch einmal über die Lektion für jene Woche nach. Einige Verse aus den Psalmen kamen mir in den Sinn: „Es werden gedenken und sich zum Herrn bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden. Denn des Herrn ist das Reich, und er herrscht unter den Heiden.“ Ps 22:28, 29. Welch ein Gedanke, daß Christliche Wissenschafter hier und in der ganzen Welt in jener Woche mit diesen Ideen arbeiteten! Auch die folgenden Worte aus Wissenschaft und Gesundheit über das Erste Gebot standen mir klar vor Augen: „Der eine unendliche Gott, das Gute, vereinigt Menschen und Völker, ... stellt die Geschlechter gleich ...“ [Die vollständige Erklärung lautet: „Der eine unendliche Gott, das Gute, vereinigt Menschen und Völker; richtet die Brüderschaft der Menschen auf; beendet die Kriege; erfüllt die Schriftstelle:, Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst'; vernichtet heidnische und christliche Abgötterei — alles, was in sozialen, bürgerlichen, kriminalen, politischen und religiösen Gesetzen verkehrt ist; stellt die Geschlechter gleich; hebt den Fluch auf, der auf dem Menschen liegt, und läßt nichts übrig, was sündigen, leiden, was bestraft oder zerstört werden könnte.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 340.]

Als ich im Saal auf und ab ging, dachte ich an eine Geschichte aus dem Lukasevangelium. Die Menschen in der Synagoge in Nazareth „wurden von Zorn erfüllt“, nachdem Jesus u. a. gesagt hatte: „Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland.“ „Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus und führten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen. Aber er ging mitten durch sie hinweg.“ Siehe Lk 4:14–30.

Zunächst verstand ich nicht, wie sich diese Geschichte auf die augenblickliche Lage anwenden ließ. Sie enthielt keine geistigen Erklärungen, keine Aussprüche Jesu, die ich anwenden konnte. Bald wurde mir jedoch klar, daß der Haß der Menschen in der Synagoge nicht nur auf Jesus gerichtet war. Es war der Christus, die Wahrheit, den sie hinabstürzen wollten. Und der Christus war es, der es Jesus ermöglichte, mitten durch sie hinwegzugehen und seinen Weg unversehrt und ungehindert fortzusetzen. Nichts konnte „das immerwährende und harmonische Wirken des Gemüts verzögern oder hemmen“. Und in diesem Falle versuchte die Welt, die wahre, geistige Weiblichkeit hinabzustürzen — ein Versuch, der nicht gelingen kann. Die Auseinandersetzungen in der Welt mögen weiter anhalten, doch das wahre Frauentum kann mitten durch sie hinweggehen, ungehindert und unversehrt.

Gleich nachdem die Konferenz wieder zusammengetreten war, schlug das Gastland einen Kompromiß vor, und was dann geschah, war sehr interessant. Obwohl die Länder noch über die Interpretation des neuen Vorschlags diskutierten, wurde er ohne Vorbehalte akzeptiert. Mehrere Stunden später, um fünf Uhr morgens, wurde das Dokument durch Mehrheitsbeschluß angenommen. Alle Frauen erhoben sich von ihren Plätzen und klatschten Beifall, und die afrikanischen Frauen sangen vor Freude.

In dem Dokument der Vereinten Nationen Kommen natürlich die menschlichen Vorstellungen der Welt zum Ausdruck hinsichtlich der Frage, wie die Gleichberechtigung der Geschlechter am besten zu fördern ist. Das Bedeutendste an der Konferenz war in meinen Augen der Geist, der das Dokument zum Entstehen brachte; in einer Schlagzeile wurde dieser Geist als „Der triumphierende Geist von Nairobi“ Susan Tifft, „The Triumphant Spirit of Nairobi; In the end, the United Nations Decade for Women avoids extremes“, Time, 5. August 1985. bezeichnet.

Wie packen Sie in Ihrer eigenen Arbeit die ganze Frage der Förderung der Gleichberechtigung an, ohne die notwendige Unterstützung und Liebe zwischen Mann und Frau zu zerstören?

Ich glaube, wir würden einen Fehler machen, wenn wir das nicht mit Liebe täten. In Wissenschaft und Gesundheit lesen wir: „Liebe ist die Priesterin am Altar der Wahrheit.“ Wissenschaft und Gesundheit, S. 454. Für mich bedeutet das die geistige Einheit des Maskulinen und Femininen. Das ist doch schließlich unser Ziel.

Wie sehen Sie diese geistige Einheit? Was ist das Ideal?

Es ist die harmonische Vereinigung der männlichen und weiblichen Eigenschaften — keine stärker oder schwächer als die andere, keine beherrscht die andere. Es ist wie Bäume, die zusammen wachsen und deren Zweige sich miteinander verästeln und den nötigen Schatten spenden.

Für die Frauen und die Befreiung der Frau zu arbeiten bedeutet für mich, für den Status der weiblichen Eigenschaften zu arbeiten. Ich meine damit, daß die weiblichen Eigenschaften anerkannt und geschätzt werden müssen. Sie tragen doch Früchte und bringen Versorgung. Die Frauen haben jahrelang geglaubt, daß sie keine direkte Versorgung hätten. Wir haben gedacht, daß wir in unserem Unterhalt von jemand anders abhängig seien. Wenn wir aber die weiblichen Eigenschaften, die geistigen Eigenschaften der Frau, nutzen, können wir Gottes Versorgung in Anspruch nehmen.

Mrs. Eddy sagt: „Gott gibt euch Seine geistigen Ideen, und sie wiederum geben euch, was ihr täglich braucht.“ Vermischte Schriften, S. 307. Wir haben nicht das Recht zu sagen, daß wir in Armut oder Sklaverei leben müssen. Wahre Weiblichkeit drückt sich in keiner Weise durch Armut aus.

Wir sollten uns ferner bewußt sein, daß wir keine Bedrohung darstellen. Unsere Absicht ist nicht, den Mann zu bedrohen. Meines Erachtens ist das Militante und Drohende der falsche Begriff von der Befreiung der Frau. Der richtige Begriff sollte sich aus der Erkenntnis entfalten, daß Männer und Frauen zusammenarbeiten, und nicht miteinander konkurrieren.

Ich glaube, wir müssen soweit kommen, daß wir die christliche Mission eines jeden Familienmitglieds sehen, ganz gleich, was die Mission des einzelnen sein mag, und wir müssen Platz lassen für die Talente, die jeder hat.

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