Es War Ende Mai, und Christian hatte immer noch keinen Job. „Ich kann nichts dafür", dachte er. „Ich hab's versucht."
Den Sommer zuvor hatte er in einem Ferienlager der Audubon Society, einem Naturschutzbund, gearbeitet und war ein guter Kenner der Natur geworden. Er hatte sogar eine Urkunde als Beweis. Während der Weihnachtsferien glaubte er, für den Sommer einen guten Job als Betreuer erwischt zu haben, aber eine Veränderung im Aufbau des Ferienlagers im letzten Augenblick machte plötzlich seine Pläne zunichte. Die anderen Jobs in dem Ferienlager waren längst vergeben. Und weil er keine Transportmöglichkeit hatte, konnte er keinen anderen Job bekommen.
„Es ist hoffnungslos, Mutti!" sagte Christian. „Ich kann kein Auto kaufen, wenn ich keinen Job habe, um das Geld dafür zu verdienen. Und ohne Auto kann ich keinen Job kriegen."
Seine Mutter versuchte, ihm Mut zu machen. „Du weißt doch, wie wichtig es ist, Gutes zu erwarten, Christian, selbst wenn die Lage hoffnungslos erscheint. Die Bibel sagt, daß bei Gott alle Dinge möglich sind." Siehe Mk 14:36. Christian runzelte die Stirn.
Die Mutter nahm das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit von Mary Baker Eddy, zur Hand und las folgende Stelle: „Halte das Denken beständig auf das Dauernde, das Gute und das Wahre gerichtet, dann wirst du das Dauernde, das Gute und das Wahre in dem Verhältnis erleben, wie es deine Gedanken beschäftigt." Wissenschaft und Gesundheit, S. 261.
„Ich werd' mich bemühen, Gutes zu erwarten", sagte Christian.
Sie beschlossen gemeinsam, noch mehr zu beten. Im Gebet baten sie Gott nicht, ihnen etwas zu geben, sondern sie öffneten ihr Denken der Tatsache, daß Er Seinen Kindern schon in reicher Fülle alles gegeben hat, was sie brauchen.
Tief im Innern wußte Christian, daß keine Lage je wirklich hoffnungslos ist. Er hatte in der christlich-wissenschaftlichen Sonntagsschule gelernt, daß der Mensch geistig ist, Gottes Widerspiegelung. Unsere wahre Aufgabe, unsere wirkliche Arbeit, besteht darin, Gott auszudrücken. Als Christian darüber nachdachte, begann sich seine düstere Stimmung zu heben.
Er erkannte, daß Gottes Schöpfung — der Mensch — Intelligenz, Weisheit und Vernunft zum Ausdruck bringen muß, weil Gott göttliches Gemüt ist. Da Gott Wahrheit ist, drückt der Mensch Rechtschaffenheit aus. Im ersten Johannesbrief in der Bibel steht, daß Gott die Liebe ist. Als Sein Kind muß deshalb jeder von uns in Wirklichkeit liebevoll, freundlich und großzügig sein. Christian erkannte, daß dies auf ihn zutraf, und zwar in diesem Augenblick. Er konnte sich vorstellen, daß er ein recht brauchbarer Angestellter sein würde!
Im Gebet des Herrn gab Christus Jesus uns die folgenden Worte: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden." Mt 6:10. Christian sah ein, daß seine Gebete bis dahin voller mentaler Vorbehalte gewesen waren. Er hatte Gott zu verstehen gegeben, daß er bei gewissen Arbeitgebern nicht arbeiten wollte und bestimmte Dinge nicht tun würde. Das bedeutete bestimmt nicht, Gottes Willen geschehen zu lassen!
„Von jetzt an", beschloß Christian, „werde ich nicht mehr zweifeln, sondern wissen, daß ich das Gute erwarten und erkennen kann, weil ja Gottes Wille gut ist." Er mußte daran denken, wie Jesus beim letzten Abendmahl vor seiner Kreuzigung den Jüngern die Füße wusch, und beschloß, bereitwillig jeden Job anzunehmen, der ihm angeboten wurde.
Plötzlich kam ihm der Gedanke, die Stellenangebote bei der staatlichen Arbeitsvermittlungsstelle im Nachbarort zu prüfen. Er lieh sich von seiner Mutter das Auto und fuhr hin. Während der Fahrt betete er weiter.
Eine Stelle war offen. Es stellte sich heraus, daß es eine sehr einfache Arbeit war, aber sie war nicht weit von zu Hause entfernt. Er wurde als Hilfskraft in einem Ferienlager eingestellt, das tagsüber für Jungs in der Nachbarschaft abgehalten wurde. In diesem kleinen Lager erhielten die Jungen Nachhilfeunterricht in Fächern, in denen sie im vorangegangenen Schuljahr schlecht abgeschnitten hatten. Christian verbrachte den ersten Tag mit Fensterputzen und half seinem Chef, alles für die Eröffnung in der folgenden Woche vorzubereiten. Während Christian und sein neuer Chef zusammen arbeiteten, erwähnte er, daß er eine Urkunde von einem Ferienlager der Audubon Society hatte. Daraufhin wurde er sofort zum Betreuer befördert. Christian hatte diesen Job drei Sommer nacheinander, und die Jungs, sein Chef und er waren mit dieser Regelung sehr zufrieden.
Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn es hat eurem Vater wohlgefallen,
euch das Reich zu geben.
Lukas 12:32
