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Indem ich alles gebe werde ich alles empfangen

Aus der Januar 2008-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft

Psychologie Heute Compact


Kann der Mensch nur glücklich werden, wenn er einen Sinn im Leben sieht? Oder umgekehrt: Können Menschen auch glücklich sein, ohne den Sinn des Lebens gefunden zu haben?

Das hängt davon ab, was man unter „Sinn” versteht. Aus dem Selbstentwurf von „Sinn” ergeben sich dann auch die Dimensionen von Glück. Wir leben in einer verdinglichten Kultur, einer haben-orientierten Kultur, in der das „kleine Ich” noch eine große Rolle spielt. Das „kleine Ich” sucht Befriedigung durch das Erreichen von Status, will Dinge und Menschen besitzen. Dann ist Glück daran gebunden, genau diese Dinge auch zu bekommen. Diese Sichtweise geht davon aus, dass durch die Anhäufung von Endlichem Befriedigung gefunden und tiefe Sehnsucht gestillt werden kann. Sehnsucht ist für mich ein entscheidender Zugang, denn sie ist die stärkste Kraft in unserem Leben. Hinter jeder Sehnsucht, auch der kleinsten, nach einem Produkt, nach einem Automobil, nach Mode — aber auch nach anderen Menschen — schwingt eine Grundsehnsucht mit. Das ist die nach dem Absoluten, die nach dem Letzten, man könnte auch sagen: die nach dem Göttlichen. Von daher kann Sehnsucht, ausgerichtet auf die selbstbezogenen Formen des kleinen Glücks, nie ankommen, nie befriedigt werden, weil die Jagd immer weitergeht, zeitlebens. Deshalb würde ich in diesem Zusammenhang auch nicht von Glück sprechen wollen. Glück ist für mich grundsätzlicher. Es hat nicht mehr mit den Bedürfnissen des „kleinen Ich” zu tun, sondern ist beheimatet in einem größeren Selbst. ...

Also, alles ist eins?

Alles ist eins würde ich nicht sagen, alles gehört zusammen in der Unterschiedlichkeit. Es mag sein, dass Menschen sich zum Beispiel in einer Partnerschaft glücklich fühlen, wenn sie das bekommen, was sie für sich haben wollen: einen Partner, der den ästhetischen Kriterien entspricht, ein befriedigendes Sexualleben. Aber auch hier gilt, dass ein tieferes Glück eigentlich erst dann entstehen kann, wenn ich leme, mich mit dem Du in Respekt und Unterschiedlichkeit eins zu sehen. ... Es gilt also, die Dinge nicht immer nur auf sich selbst zu beziehen. ... Auf dieser Basis — in mir zu ruhen, aber in mir als Teil des großen Ganzen — kann Glück entstehen.

Und sich dessen auch bewusst zu sein?

Erkenntnis ist für mich die Voraussetzung für jede Form des bewussten Lebens. ... Es geht nicht darum, meine „kleinen” persönlichen Bedürfnisse zu befriedigen, sondern Glückseligkeit findet man nur durch das Ruhen in sich selbst und in dem Bewusstsein, Teil des Ganzen zu sein. Unsere Existenz ist ein fortwährender Austausch in Resonanz, ein ständiges Geben und Nehmen. ... Indem ich alles gebe, werde ich gleichzeitig alles empfangen.

Kann es sein, dass sich in einer Krise, in einer Krankheit ... der Sinn im Leben doch noch sozusagen durch die Hintertür einschleicht?

... es gibt viele Krankheiten, die tauchen sicherlich nicht zufällig an signifikanten Übergangsphasen im Leben auf. Das ist gleichsam ein Weg des Geistes und ein Weg des Körpers, um uns jenes bewusst zu machen, was wir abgetötet haben oder wo wir gerade im Begriff sind, es gedankenlos zu übergehen. Dann kann Krankheit und jede Form von Lebenskrise als die ganz notwendige Chance gesehen werden, mir dessen bewusst zu werden, es zu durchleben und dabei das Vertrauen zu haben, dass ich mich in einem Transformationsprozess befinde, der mich in ein neues Bewusstsein führt. Ich kann dann mein Leben nicht einfach weiterführen wie bisher. Eine Begleitung halte ich in solchen Lebensphasen für notwending.

Gekürzte Fassung, vollständiger Text siehe: Psychologie Heute Compact, Heft Nr. 17 („Glücksmomente"). Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Psychologie Heute.

Nachdrucke auf dieser Seite geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion des Herold der Christlichen Wissenschaft wieder.

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