Egal wie mein Tag verlief, ob gut oder schlecht, es war normal, dass ich viel zu viel aß. Das begann als Teenager, als ich so etwa 14 war. Ich hatte viele persönliche und familiäre Streitigkeiten und Essen war der einzige Weg, den ich kannte, um mit Einsamkeit, Verlassensein, Schuldgefühlen und Furcht klarzukommen.
Als ich aufwuchs, fühlte ich mich sehr allein. Ich hatte nicht einmal eine Beziehung zu Gott, zu dem ich mich als einer Quelle des Trostes hätte wenden können. Ich war dazu gekommen zu glauben, dass Gott Seine Kinder strafte und schlechte Dinge veranlasste. Darum ist wohl auch klar, warum ich mich nicht an Gott wandte, als ich Ihn am meisten gebraucht hätte.
Später fing ich mit Diäten an. Ich pendelte ständig zwischen Abnehmen und wieder Zunehmen hin und her. Als ich nicht länger Diät halten konnte und der emotionale Schmerz sehr stark wurde, stürzte ich mich in Fressorgien, griff missbräuchlich zu Abführemitteln und betrieb zwanghafte Gymnastik, um mein Gewicht zu kontrollieren. Aber der eigentliche Grund war, dass ich Nahrung als Mittel benutzte, um mich noch mehr zu verletzen, weil ich mich so sehr schämte und mich nicht leiden konnte. Als ich um die dreißig war, hatte ich die Kontrolle über meine Ernährung völlig verloren. Der Wendepunkt trat ein, als mein Verlobter mich eines Tages zu Hause besuchte und alles, was ich denken konnte, der Gedanke war:, Er kommt meiner Fresslust in die Quere.' Ich erkannte, dass ich etwas ändern musste.
Ich schloss mich einer Selbsthilfegruppe von Menschen an, die zwanghaft aßen. Ich nahm jedes Vitaminpräparat ein, das es auf dem Markt gab, und las nur Zeitschriften über Ernährung. Auch wenn ich das neun Jahre lang tat und mich des Übergewichts entledigte, fühlte ich mich dennoch in der Knechtschaft des Essens und meiner schmerzhaften Kindheit. Ja, ich war dünn, aber das Essen kontrollierte immer noch mein Leben 24 Stunden am Tag. Ich hatte Angst, dass ich völlig die Kontrolle verlieren würde, wenn ich von der strengen Ernährungsweise abweichen würde.
Aber so fühle ich mich heute nicht mehr.
Was hat sich geändert? In den letzten neun Jahren begann ich auch, versuchsweise meine Beziehung zu Gott zu erkunden. Eine Selbsthilfegruppe gab mir diesen Impuls mit dem Konzept, sich an eine höhere Macht zu wenden, um Stärke zu finden. Es brauchte diese neun Jahre, aber allmählich begann ich ein tieferes und realeres Verständnis von Gottes Gegenwart zu bekommen, wenn ich betete. Schließlich kam die Botschaft so stark, dass, wenn Gott mich so sehr liebte, Er nie wollen würde, dass ich den Rest meines Lebens an einer Ess-Sucht oder an Erinnerungen an eine schmerzliche Kindheit litt.
Ich hätte nie gedacht, dass Nahrung in der Bibel in einer Art erwähnt werden würde, die mir mit meinem zwanghaften Essen helfen würde, aber so war es.
Vor etwa zwei Jahren fand ich das Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift durch eine neue Freundin. Das, was sie mir aus diesem Buch mitteilte, ließ mich alles schärfer sehen, was ich über Gott dachte. Ich wusste, dass Gott mir zeigte, dass ich nicht länger in der Knechtschaft von irgendetwas sein müsste, Essen und die Vergangenheit eingeschlossen. Ich begann zu lernen, wie sehr Gott mich und all Seine Kinder liebt. Er würde nie schlechte Umstände schaffen, um mich zu strafen oder mich geistige Lektionen lernen zu lassen.
Als ein Ergebnis des Lesens von Wissenschaft und Gesundheit fing ich auch an, die Bibel zu studieren. Ich muss zugeben, dass ich bis dahin noch nie in der Bibel gelesen hatte. Das ganze Konzept der Bibel überwältigte mich. Ich begann nicht gleich, die ganze Bibel zu lesen, sondern nur Abschnitte, von denen ich empfand, dass sie von Gottes Botschaften der Liebe, des Trostes und des Schutzes für all Seine Kinder sprachen. Durch diese Abschnitte und durch das Lesen von Wissenschaft und Gesundheit fand ich den Gott, nach dem ich mein ganzes Leben lang gesucht hatte.
Ich hätte nie gedacht, dass Nahrung in der Bibel in einer Art erwähnt werden würde, die mir mit meinem zwanghaften Essen helfen würde, aber so war es. Es heißt bei Matthäus: „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.” (Matthäus 6) Das sagte mir, dass ich damit aufhören musste, so viel Wert darauf zu legen, was ich aß und wie viel ich wog, und dass ich statt dessen stärker meine geistige Natur betonen konnte. In Wissenschaft und Gesundheit gibt es einen Bericht über eine Heilung von Magenproblemen mit der Schlussfolgerung: „Die Nahrung hatte weniger Macht ihm zu nützen oder zu schaden, nachdem er sich die Tatsache zu Nutze gemacht hatte, dass Gemüt den Menschen regiert, und er hatte weniger Vertrauen in die so genannten Freuden und Leiden der Materie.” (S. 222) Dieser Abschnitt half mir zu erkennen, dass ich dieses Problem an Gott abgeben und aufhören sollte, selbst zu versuchen, damit fertig zu werden. Ich musste Gott die Idee, dass Nahrung eine Quelle von irgendeinem realen Schmerz oder realer Lust wäre, dadurch ersetzen lassen, dass jegliche Freude durch meine Beziehung mit Gott kam. Es war an der Zeit, dass das Essen nicht mehr so etwas wie ein Gott für mich war und mich regierte. Ich lernte, dass meine wahre Natur immer die eines vollkommenen, reinen und gesunden Kindes Gottes gewesen war.
Ich wollte zwar glauben, dass ich vollständig frei sein könnte, aber trotzdem mühte ich mich mit der Vorstellung ab, dass es mir wirklich je widerfahren könnte. Ich glaubte ehrlich, dass meine Identität die war, vom Essen abhängig zu sein. So sah ich mich selbst. Eines Tages, als dieses Problem übermächtig zu sein schien, erwähnte ich meine Bedenken jemandem gegenüber, von dem ich wusste, dass er Wissenschaft und Gesundheit las. Er erzählte mir, wie er von einer Drei-Schachteln-Zigaretten-pro-Tag-Sucht geheilt worden war. Mit ihm zu sprechen, gab mir enorme Hoffnung. Von dem Moment an wusste ich, dass ich genauso wie er geheilt werden konnte.
Ich klammerte mich monatelang an diese Ideen. Ich unternahm winzige Schritte, wenn es um das Essen von normaler Nahrung ging. Ich hatte so lange Angst davor gehabt, dass Essen wieder zu Gewichtszunahme führen würde. Ich musste mich wieder an Nahrung gewöhnen, die ich neun Jahre nicht gegessen hatte. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie glücklich mein lieber Mann war, als ich spontan vorschlug, zum Essen auszugehen!
Heute ist es mir möglich, jegliches Essen ohne Beschwerden und in normalen Portionen zu mir zu nehmen, und ich behalte mein normales Gewicht. Anstelle von Nahrung is Gott meine Quelle des Trostes in allen Bereichen meines Lebens geworden.
Innerhald dieser wenigen kurzen Monate vor nunmehr über zwei Jahren war ich von der Ess-Sucht geheilt. Heute ist es mir möglich, jegliches Essen ohne Beschwerden und in normalen Portionen zu mir zu nehmen und ich behalte mein normales Gewicht.
Anstelle von Nahrung ist Gott meine Quelle des Trostes in allen Bereichen meines Lebens geworden. Ich lebe nicht länger in der Furcht vor Essen und vor Gewichtszunahme. Und das Beste ist, dass ich dadurch, dass ich mehr von Gottes Liebe für mich verstehe, auch meine Verletzung in meiner Kindheit abschütteln konnte. Es gibt keine Wut, Furcht, keinen Groll mehr über die Menschen, die mich verletzt haben. Gott war immer an meiner Seite gewesen, liebend, tröstend und beschützend, auch wenn ich es nicht wusste.
Diese Wahrheiten sind das, wonach ich gesucht hatte. Meine Gebete sind beantwortet.
