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Das erlöste Edom

Aus der September 1917-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


In der Prophezeiung des Obadja lesen wir: „So spricht der Herr, Herr von Edom: ... Der Hochmut deines Herzens hat dich betrogen, weil du in der Felsen Klüften wohnest, in deinen hohen Schlössern, und sprichst in deinem Herzen: Wer will mich zu Boden stoßen? Wenn du gleich in die Höhe führest wie ein Adler und machtest dein Nest zwischen den Sternen, dennoch will ich dich von dannen herunterstürzen, spricht der Herr.”

Es ist wichtig, das Wort Edom in dem Satz: „So spricht der Herr, Herr von Edom,” in seiner eigentlichen Bedeutung zu erfassen, weil uns dadurch die Schätze der Wahrheit, die in dieser Stelle liegen, erschlossen werden. Wir lesen in Wissenschaft und Gesundheit, daß die Bibel voll von bildlichen Ausdrücken ist, und daß Namen oftmals geistige Ideen ausdrücken (siehe S. 320). So finden wir im ersten Buch Mose, daß der Name Edom dem Esau gegeben wurde, als er seinem Zwillingsbruder Jakob seine Erstgeburt für ein Linsengericht verkaufte. Der Name Edom wird sowohl als Bezeichnung für das Volk gebraucht, das von Esau abstammte, wie für das Land, wo dieses Volk wohnte. Früher hieß dieses Land das Gebirge Seir. Die Edomiter wohnten in Höhlen, daher die Worte Obadjas: „Weil du in der Felsen Klüften wohnest” und „in deinen hohen Schlössern,” nämlich in den hochgelegenen Höhlen des Berges Seir.

Dem biblischen Bericht zufolge waren Esau und Jakob von Geburt an ihrem Charakter nach verschieden, und ihre Mutter Rebekka empfing in bezug auf sie die Prophezeiung: „Ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.” So wie Isaak, der Vater Esaus und Jakobs, ein Kind der Verheißung war, so wurde auch Jakob vom Herrn verheißen, als Isaak zu Ihm für sein Weib betete, weil sie unfruchtbar war. Esau war typisch für das schwächere Volk oder die Kinder des Fleisches, die vom körperlichen Sinn regiert werden, während Jakob typisch war für das stärkere Volk oder die Kinder der Seele, die sich vom geistigen Verständnis leiten lassen. Wir sehen also, daß sich Esau, der sterbliche Begriff, und Jakob, die geistige Idee, als Charaktertypen immer noch im menschlichen Bewußtsein bekämpfen, wie schon, dem Bericht zufolge, vor ihrer Geburt im Bewußtsein der Rebekka. Ja das tierische Wesen, des fleischliche Gemüt, das eine Feindschaft ist wider das Gute, kam in Esau so stark zum Ausdruck, daß er rauh behaart war und seine Nachkommen in Höhlen wohnten — also, bildlich gesprochen, in der Materie begraben waren.

Das Geburtsrecht des im Bilde Gottes geschaffenen Menschen ist Herrschaft über die Erde, über die materielle Vorstellungswelt. Jakob, als Vertreter der geistigen Idee, hatte diese Herrschaft; Esau aber, als Vertreter des sterblichen Gemüts, wurde vom materiellen Sinn in Knechtschaft gehalten; daher diente der Ältere dem Jüngeren. Esau kehrte sich nicht an den Wunsch seines Vaters Isaak und heiratete eine Tochter Ismaels, der ein Sohn Abrahams und Hagars war, der ägyptischen Magd. Die Nachkommen Esaus waren also auch Nachkommen der Hagar, der Magd, und waren nach dem Fleisch geboren; die Nachkommen Jakobs aber waren in gewissem Sinn die Söhne der Sarah, der Freien, des Weibes Abrahams, und darum Kinder der Verheißung. Paulus erklärte: „Denn es stehet geschrieben, daß Abraham zween Söhne hatte: einen von der Magd, den andern von der Freien. Aber der von der Magd war, ist nach dem Fleisch geboren; der aber von der Freien ist durch die Verheißung geboren.” Und hierzu sagt Paulus: „Die Worte bedeuten etwas; ... denn Hagar ... kommt überein mit Jerusalem, das zu dieser Zeit ist und ist dienstbar mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; die ist unser aller Mutter.”

Daher entspricht Sarah, die Freie, das Weib Abrahams, dem neuen Jerusalem oder der göttlichen Wissenschaft, und die Kinder der Verheißung dem geistigen Menschen, wie er in der Wahrheit besteht, während Hagar das sterbliche Bewußtsein darstellt, und ihre Kinder die falschen Vorstellungen dieses Bewußtseins sind, die sich in der Knechtschaft des körperlichen Sinnes befinden. Paulus sagt ferner: „Wir aber, lieben Brüder, sind, Isaak nach, der Verheißung Kinder. Aber gleich wie zu der Zeit, der nach dem Fleisch [Esau] geboren war, verfolgete den, der nach dem Geist [Jakob] geboren war, also gehet es jetzt auch. Aber was spricht die Schrift? ‚Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Magd Sohn soll nicht erben mit dem Sohn der Freien‘.”

Esau haßte Jakob, und da er ihm mit dem Tod drohte, floh dieser zu seinem Onkel Laban, um bei ihm Schutz zu finden. So verfolgte der nach dem Fleisch Geborene den nach dem Geist Geborenen, wie der rote Drache das Weib verfolgte und danach trachtete, ihr Kind, die geistige Idee, zu verschlingen. So liegt der tierische Magnetismus stets im Streit mit jeder Idee der Wahrheit, die im menschlichen Bewußtsein geboren wird, und trachtet, sie zu vernichten. Gerade dies zwingt uns aber, erkennen zu lernen, was mit der Ermahnung gemeint ist, daß wir die Magd und ihren Sohn austreiben sollen.

Wir müssen das sterbliche Bewußtsein und seine falschen Vorstellungen durch die richtige Idee von Gott und vom Menschen als Seinem Bilde zum Schwinden bringen. Wir müssen Stolz, Arglist, Rachsucht und alle Eigenschaften des sogenannten sterblichen Gemüts, die dem Guten entgegengesetzt sind, ablegen; dann wird sich die Prophezeiung des Obadja an uns erfüllen: „Aber auf dem Berge Zion wird eine Errettung sein, und er soll heilig sein, ... Und das Haus Jakob soll ein Feuer werden und das Haus Joseph eine Flamme, aber das Haus Esau Stroh; das werden sie anzünden und verzehren, daß dem Hause Esau nichts überbleibe; denn der Herr hats geredet. ... Und werden Heilande heraufkommen auf den Berg Zion, das Gebirge Esau zu richten; und wird das Königreich des Herrn sein.”

Das Feuer des „Hauses Jakob,” das Licht der Offenbarung der Wissenschaft der Wahrheit, und die Flamme des „Hauses Joseph,” das Licht der Liebe, die ihre Feinde segnet (siehe Wissenschaft und Gesundheit, S. 589) wird das Haus Esau, das sterbliche Bewußtsein mit seinem Gestrüpp von Hochmut und Haß, mit seinen bösen Trieben und verderbten Gelüsten völlig zerstören, und „das Königreich [wird] des Herrn sein”— das Himmelreich oder das Reich der Harmonie wird hier und jetzt aufgerichtet sein.

Esau gleicht sehr dem Kam, von dem Mrs. Eddy sagt, er sei ein „Typus des sterblichen und materiellen Menschen, der in Sünde empfangen und aus ‚sündlichem Wesen geboren‘ ist” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 540). Sie weist ferner darauf hin, daß die irrige Annahme, als ob Leben, Substanz und Intelligenz materiell seien, das Leben und die Brüderschaft des Menschen gleich von Anfang an bricht. (Siehe S. 541). Joseph hingegen war ein Vertreter der Liebe und Wahrheit. Statt seine Brüder, die ihn gefangen nach Ägypten verkauft hatten, zu hassen, statt sich an ihnen zu rächen, als sie in seiner Gewalt waren, bewog ihn seine reine Liebe, ihnen zu vergeben, und er führte somit der Menschheit das ideale Menschentum vor Augen, die geistige Idee der göttlichen Liebe, die ihre Feinde segnet.

Wir erfahren jedoch aus der Schrift, daß Esau schließlich den Haß gegen seinen Bruder überwand. Als sie, so heißt es, nach langen Jahren der Trennung zusammenkamen, lief ihm Esau entgegen, fiel ihm um den Hals, herzte und küßte ihn, und „sie weineten.” Hieraus geht hervor, daß Esau den geistigen Sinn von Brüderschaft erkannt hatte. Wie schön kommt dies doch in den Worten unsrer Führerin zum Ausdruck: „Mit einem Vater, d.h. Gott, würde die ganze Familie der Menschen Brüder werden; und mit einem Gemüt, und zwar Gott oder dem Guten, würde die Brüderschaft der Menschen aus Liebe und Wahrheit bestehen” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 470).

Wie der ältere Sohn des Isaak, so scheint auch jeder von uns ein „Haus Esau” oder ein sterbliches Bewußtsein zu haben, das wir durch den geistigen Sinn der Wahrheit und Liebe auf sein ursprüngliches Nichts zurückführen müssen und können. In der Christlichen Wissenschaft lernen wir einsehen, daß die Strafe für die Sünde nur so lange dauert wie die Sünde. Um dieser Strafe sowie allem sterblichen Elend zu entgehen, müssen wir aufhören zu sündigen, indem wir durch die Christus-Idee den Glauben vernichten, daß es unabhängig von Gott Leben und Intelligenz in der Materie gebe. Dieser Glaube beruht auf Irrtum, denn Gott ist ewig, das einzige Gemüt und das alleinige Leben.


Ich fühle es, Gott gibt Regen und Sonnenschein nicht unseren ungestümen Bitten.

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