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Die Bergson-Theorie von Leben im Lichte der Christian Science

Aus der Januar 1921-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Von jeher, seit die Menschen denken konnten, haben sie über das große Subjekt des Lebens spekuliert. Das Gemüt, das Hirn, die Seele, der Körper — sie alle haben die Gedanken beschäftigt, und haben seit der griechischen Zeit, und vor den Griechen, bis auf den heutigen Tag zu einer langen Reihe philosophischer Schulen geführt, die alle ziemlich erstaunenswert sind in ihren Schlußfolgerungen. Diogenes, zum Beispiel, definierte die Seele als Luft, während Heraklitas sie sich als Feuer vorstellte. Jahrhunderte später behauptete der Franzose Descartes, daß ihr Hauptsitz im Hirn sei; und noch später erklärte Locke sie sei von einer denkfähigen Substanz, und habe die Macht den Körper, durch Schrift oder Gedanken, in Bewegung zu versetzen; während für die Hebräer die Seele ursprünglich der Lebensfunke und das Empfindungsvermögen in einem belebten Organismus bedeutete, von wo aus die natürliche Übertragung zu dem Organismus selbst folgte; gerade wie die Naturanbeter anfänglich den Baum als das Symbol der Gottheit anbeteten und mit der Anbetung des Abgottes endigten.

Durch dieses ganze, merkwürdige, philosophische Argument hindurch, geht eine unterliegende Strömung der Suggestion, daß Seele gleichbedeutend sei mit Gemüt. Die morgenländischen Völker, z.B., stellten die Seele als einen Vogel dar, und in ihren unwissenden Versuchen den Tod zu porträtieren, zeigten sie sie im Augenblick der Auflösung über dem menschlichen Körper flatternd, ehe sie ihren endgültigen Flug nach Scheol, Hades oder sogar dem Paradies machte. Auf diese Weise wurden die Seele, das Gemüt und der Körper miteinander zu einer merkwürdigen Einheit verbunden, die in vielen Punkten auseinander ging und viele Punkte gemein hatte, aber im allgemeinen danach strebte das menschliche Hirn das Zentrum menschlichen Denkens zu machen, eine Theorie, welche von Theologie zu Medizin und Philosophie und wiederum zur Scholastik und der modernen Naturwissenschaft führte. Berkeley, in seiner Diskussion über die Metaphysik der Empfindung, und Huxley, in seinem Aufsatz über „Empfindung und empfindende Organe,“ bereiteten den Weg, durch eine deutliche Erklärung von den Unterschieden welche den Idealismus vom Materialismus trennen, vor, für die Schlußfolgerungen von Männern wie Lord Kelvin, und für eine ganze Reihe philosophischer Gedanken, die heute in den Theorien von Professor Bergson ihren Höhepunkt erreicht haben.

Was nun Herr Bergson behauptet, ist, kurz zusammengefaßt, daß das Gemüt des menschlichen Wesens nicht nur über sein physisches Hirn erhaben ist, sondern auch davon unabhängig. Wenn dem so ist, und dies, wie er hervorhebt, wissenschaftlich demonstriert worden ist, sind Gedächtnis und jede andere Tätigkeit des menschlichen Denkens ganz getrennt von irgendwelcher Tätigkeit des Hirns; infolgedessen würde das, was als Tod oder Auflösung des materiellen Körpers bekannt ist, die menschliche Macht des Denkens und der Rede nicht berühren. Die Seele des Menschen, so folgert er, bleibt unberührt durch den Tod des Körpers, von welchem sie beim Tode entflieht um in dem anderen Lebenszustand die Stellung, für die ihr Benehmen in der vorherigen materiellen Umgebung sie vorbereitet hat, einzunehmen. Leben ist also ewig und der einzige Grund den ein Mensch hat, das zukünftige Leben zu bezweifeln, ist das Argument seines eigenen Körpers, ein Argument das in dem Moment verschwindet als ein menschliches Wesen erkennt, daß Gemüt nicht im Hirn ist, und Gedanken auch nicht von einem physischen fleischlichen Körper unterdrückt werden können.

Wenn man all dies überlegt kann man den Christian Scientisten die Wiederholung, der etwas abgenutzten Redensart: „Ein Daniel kommt zu richten“ vergeben. Vor fünfundvierzig Jahren veröffentlichte Mary Baker Eddy die erste Ausgabe von „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift.“ In jenem Bande kann eine jede von Professor Bergsons Folgerungen über die Unabhängigkeit von Gemüt und Hirn, der Ewigkeit des Lebens und der Unwirklichkeit der Materie, gefunden werden. Mrs. Eddy fand diese Ergebnisse durch ein Studium der Bibel; dessen ungeachtet wurden sie von der Welt nicht angenommen als sie sie der Welt gab. Selbst heute, während die große Welt über Theorien von Professor Bergson nachgrübelt wie sie, als Mrs. Eddy Wissenschaft und Gesundheit schrieb, die Theorien von Spencer und Huxley durchforscht hat, sieht sie mit Augen die nicht sehen, zu Wissenschaft und Gesundheit, und hört mit Ohren die nicht hören auf die Lehren der Christian Science. Tatsächlich hat Mrs. Eddy schon vor fünfundvierzig Jahren alles wesentliche in Herrn Bergsons Lehren gesehen wie sie auch alles was unlogisch und unwissenschaftlich ist darin, ausgeschaltet hat. Denn, wenn das Gemüt wirklich erhaben und vom Hirn unabhängig ist und das Fleisch nur ein Probezustand für die Seele ist, was für eine Rolle spielt dann Physik im System des Heilens; was ist der Wert aller Bemühungen der Hirnspezialisten, und was wird aus der Theorie eines materiellen Menschen der im Bild und Gleichnis des Geistes geschaffen ist?

Während Herr Bergson die idealistische Theorie von der Unwirklichkeit der Materie zugibt, eine Theorie die seit Platos bis zu seinem eigenen Tag intelligenten Ausdruck suchte, was nur mit Erfolg und in logischer Weise getan werden kann durch die Seiten des Neuen Testamentes und von Wissenschaft und Gesundheit, klammert er sich an die alte hebräische, mittelalterliche und theologische Theorie von der Seele. In Materie eingehüllt soll die Seele, während einer Probezeit im Fleisch, in die neue Welt hineingehen, in deren Geheimnisse Herr Bergson nicht eindringt. Darin ist nichts besonders Neues; die morgenländischen Philosophien sind voll solcher Ableitungen; das heißt, wenn die Seele, wie hebräische Philosophie lehrt, als ein bloßer Lebensfunke angesehen wird, der die lebendige von der leblosen Materie trennt. Tatsächlich aber, hat der moderne Idealismus schon vor langem die Existenz lebloser Materie geleugnet, und behauptet es sei ebensoviel Leben in einer Eisenstange als im menschlichen Körper, da doch beide dem Gemütszustand unterstehen oder der Kundgebung von Energie. Auf Seite 114 von Wissenschaft und Gesundheit schreibt Mrs. Eddy: „Die Wissenschaft zeigt, daß das, was Materie genannt wird, nur der subjektive Zustand von dem ist, was von der Verfasserin sterbliches Gemüt genannt wird.“ Dieses sterbliche Gemüt, welches nach hebräischer Psychologie der Same des materiellen Lebens ist, ist in anderen Worten die „Seele“ von der Herr Bergson spricht und die Ursache von diesen Veränderungen, die, nach seiner Beschreibung, die Seele vom Körper befreien bei der Auflösung des Körpers, ohne daß die Seele stirbt. Genau dasselbe hat Jahrhunderte vorher Christus Jesus gesagt als er, mit den Worten Jesajas, erklärte, daß der Wurm nicht sterben und das Feuer nicht verlöschen werde; auch der Schreiber der Offenbarung sah dieses Ergebnis voraus als er betonte, daß für solche die ihre Kleider weiß gewaschen während ihrer Probezeit im Fleisch, der zweite Tod keine Schrecken habe. Auf Seite 46 von Wissenschaft und Gesundheit bringt Mrs. Eddy die Lehre der Evangelien und der Offenbarung zum Bewußtsein mit den Worten: „Dem unveränderten körperlichen Zustand Jesu nach dem, was Tod zu sein schien, folgte seine Erhöhung über alle materiellen Zustände; und diese Erhöhung erklärte seine Himmelfahrt und zeigte unverkennbar einen Zustand der Prüfung und des Fortschritts jenseits des Grabes an.“

Es ist also nichts in Herrn Bergsons Philosophie über diesen Punkt, das die Bibel nicht gelehrt und das Mrs. Eddy nicht erkannt hat, als sie Wissenschaft und Gesundheit schrieb. Aber es gibt viele Dinge von denen in seiner Philosophie nicht geträumt wird und welche, gerade weil seine Augen von einer unterliegenden Annahme von der Wirklichkeit der Materie getrübt sind, ihn hindern, wie sie seine Vorgänger verhindert haben, vorwärts zu streben zu dem Ergebnis das Christus Jesus gab auf dem Bergabhang von Galiläa und das Mrs. Eddy der Welt wiedergegeben hat in Wissenschaft und Gesundheit. Kurzum, Professor Bergson ist wie jeder andere materialistische Idealist, wenn die Antithese erlaubt wird, hoffnungslos unlogisch; und er ist unlogisch weil, während er auf der Unwirklichkeit der Materie als ein Phänomen des Gemütes beharrt, er die Wirklichkeit des sie erzeugenden Noumenon behauptet. Doch hat Christus Jesus erklärt, daß es unmöglich ist, daß Trauben auf Dornen wachsen können, und Jakobus, daß es unmöglich ist, daß süßes Wasser aus einer bitteren Quelle komme und Mrs. Eddy beharrte auf dieser wissenschaftlichen Wahrheit, daß Gleiches immer Gleiches erzeugt. Geist kann nicht Materie erzeugen; das was vom Fleisch geboren ist bleibt Fleisch und das was aus Geist geboren ist, war nie und wird nie anders als geistig sein. Wenn also Herr Bergson die Seele in das Fleisch einschließt, hat er eine Seele die ebenso materiell ist wie der Körper in den sie eingeschlossen wird. Nein, mehr als das, er hat eine Behauptung aufgestellt welche hoffnungslos unwissenschaftlich ist, insofern daß es eine rein dogmatische Geltendmachung ist, die von keinem Atom von Tatsache unterstützt wird. Vor langem hat Mrs. Eddy diese Behauptung herausgefordert und eine Begründung dafür verlangt. Diese Begründung ist nie hervorgebracht worden, und was noch mehr ist, sie wird nie gegeben werden aus dem einfachen Grunde, daß, um sie zu geben, man auf einen Zustand der Dinge stoßen würde, wo Geist und Materie sich vermischen, und ein göttlicher Geist einen materiellen Menschen in seinem eigenen Bild und Gleichnis erzeugen würde.

Nun hat Herr Bergson ein Gemüt entdeckt das vom Hirn und Körper unabhängig ist und welches, in irgendeiner geheimnisvollen Weise, in einer im Körper eingeschlossenen Seele funktioniert. Die Einfachheit der christlichen Philosophie, welche das, was vom Fleische geboren ist, vollständig trennt von dem was im Geiste geboren ist, wird, wie gewöhnlich, geopfert in der Bemühung, den scheinbaren Widerspruch der zwei Schöpfungen dadurch zu erklären, daß diese Widersprüche in einer Behauptung vereinigt werden. Die Welt ist während so vielen Jahrhunderten gelehrt worden zu glauben, daß das Bild und Gleichnis des Geistes ein physischer Körper sein könne, daß sie einen solchen Widerspruch annimmt, während sie sich empört über die Idee, daß, wenn Geist unendlich ist, die Materie nicht existiert. Es ist natürlich wahr, daß für ein endliches Gemüt eine Behauptung so gut ein Widerspruch ist wie die andere, und nur die Erziehung kann einen befähigen die eine anzunehmen und die andere zu lassen. Der Weckruf muß, wie es Christus Jesus tat, von der endlichen menschlichen Intelligenz an die unendliche Intelligenz des göttlichen Gemütes gemacht werden; und erst wenn das getan wird, ist es möglich genau zu verstehen was Jesus meinte, als er sagte die physische Natur sei nicht mehr und nicht weniger als eine Lüge über die geistigen Tatsachen. Im Morgenland lebend und in der Sprache des Morgenlandes zu den Leuten des Morgenlandes sprechend, hüllte Jesus seine Rede natürlich in Symbole. Doch ist in dem Symbol in Frage gar keine Schwierigkeit. „Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und ist nicht bestanden in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eigenen; denn er ist ein Lügner und ein Vater derselben.“ Der Teufel ist nur das personifizierte Böse und das Böse ist eine bloße Verneinung, ungeachtet der Bemühungen Spinozas einer unmöglichen Lage zu entgehen dadurch, daß er das Böse als einen Teil des unendlich Guten darstellte. Der Vater des menschlichen Wesens ist somit eine Unwirklichkeit, das Böse, und dieses Übel war der Mörder und Lügner von Anfang an. Das will heißen, daß von Anfang an eine jede seiner Behauptungen eine Lüge über Wahrheit gewesen ist, immer in solchem Maße bestrebt Wahrheit zu vernichten und zu zerstören, daß das einzige logische Gesetz in seiner Kategorie von angenommenen Gesetzen, das sogenannte Gesetz des Todes ist, welches schließlich alles überfällt, von der Pflanze bis zum Menschen und vom Kontinent bis zum Planet. Und dann am Ende kommt die Erledigung der Sache. Der Teufel war immer ein Lügner und da er ein Lügner ist, ist er nicht in der Wahrheit gewesen, oder um in der Sprache des zwanzigsten Jahrhunderts zu sprechen, die Lüge hat in Wirklichkeit nie existert weil keine Wirklichkeit in einer Lüge ist. So zeigte Jesus, daß Leben geistig und nicht materiell, und daß die materielle Existenz nur das Gegenstück des geistigen Daseins ist.

Da Mrs. Eddy die Philosophie von Jesus buchstäblich annahm, war sie logischerweise gezwungen die Wissenschaft des Neuen Testamentes anzunehmen. Daher verlangte sie von ihren Nachfolgern die Demonstration dieser Wissenschaft die Christus Jesus selbst verlangt hatte. Die Wunder die Jesus tat waren nur die Beweise der absoluten Wissenschaft seiner Pholosophie, und eins und alle derselben, von dem Heilen der Kranken bis zu der Auferweckung der Toten, und von der Speisung der Menge bis zu dem Wandeln auf dem Wasser, waren offensichtliche Beweise von der Unwirklichkeit der Materie. Wenn nun, wie Professor Bergson behauptet, Gemüt über das Hirn erhaben, und der menschliche Gedanke von jeder Funktion des Hirns getrennt ist, muß er, wenn er logisch sein will, die Lehre eines gewissen Königs von Schottland annehmen und Physik den Hunden vorwerfen. Gemüt regiert den Körper, und das einzige wahre Heilen das es gibt, muß das Heilen des Heilers von Genezareth sein. Die Pharmakopöe dieses Heilens hat nur eine, und eine einzige Verordnung, nämlich: „So ihr bleiben werdet an meiner Rede ... werdet [ihr] die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.“

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