Die lobenswerten Anstrengungen, die fast überall in der Welt gemacht werden, um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Maschine wieder mit ihrer früheren Geschwindigkeit laufen zu lassen, scheinen nicht die rechte Wirkung gehabt zu haben. In den meisten Ländern klagen die Menschen immer noch über Geschäftsflauheit, Arbeitslosigkeit, Mangel, Begrenzung und wirtschaftlichen Druck.
Inmitten solcher Not von Fülle zu reden, scheint geradezu widersinnig. Aber für diejenigen, die die Wahrheiten der Christlichen Wissenschaft kennen, verhält es sich ganz anders; denn für sie ist Fülle ein normaler Zustand und immer ein angebrachter Gegenstand.
Mit Hilfe der Linse des geistigen Sinnes nehmen sie durch die Christliche Wissenschaft die wahre Substanz wahr und erkennen, wo Fülle liegt. Durch ihre köstlichen Führer, die Bibel und „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift” von Mrs. Eddy, verstehen sie die wahre Art von Substanz und Fülle — zweier Dinge, die der Menschheit zu allen Zeiten sehr not tun.
„In der Christlichen Wissenschaft versteht man unter Substanz Geist, während die Gegner der Christlichen Wissenschaft glauben, Substanz sei Materie” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 349, 350); und dieser Erklärung fügt unsere Führerin hinzu (Wissenschaft und Gesundheit, S. 468): „Geist, das Synonym für Gemüt, Seele oder Gott, ist die einzig wirkliche Substanz”. Kann angesichts solcher Bestimmtheit in unserem Denken überhaupt noch ein Zweifel oder eine Ungewißheit in Betreff der Geistigkeit und Ewigkeit der Substanz herrschen? Ganz gewiß nicht! Letzten Endes sehen wir klar, daß Gottes Gedanken oder geistige Ideen die einzige Substanz sind, und daß diese Substanz ihrem ganzen Wesen nach unendlich, unerschöpflich und immer gegenwärtig ist.
Nach einer Wörterbucherklärung bedeutet „Fülle” „große Menge, reichliche Versorgung”. Wenn es im Weltall eine Substanz gibt, die die Beschreibung „Fülle” völlig rechtfertigt, ist es dann nicht die Substanz des Geistes oder die göttliche Substanz? Die Unerschöpflichkeit dieser Substanz geht schon aus dieser Begriffsbestimmung hervor. Was unerschöpflich ist, kann nur in Fülle vorhanden sein. In der Wissenschaft sind die Ausdrücke „Substanz” und „Fülle” untrennbar; das eine ist ohne das andere undenkbar. Von welcher Seite wir auch den göttlichen Plan betrachten, nehmen wir Fülle wahr. Wir sehen sie in den zahllosen Ideen des göttlichen Gemüts, in dem unbegrenzten Ausdruck geistiger Eigenschaften, im unerschöpflich Guten, in der unendlichen Liebe Gottes zu Seiner Schöpfung.
In „Miscellaneous Writings” (S. 307) schreibt Mrs. Eddy: „Gott gibt dir Seine geistigen Ideen und diese wiederum geben dir, was du täglich brauchst”. Dies ist eine unzweideutige Erklärung, eine ermutigende Versicherung der göttlichen Fülle. Ja, Gott gibt uns Seine Ideen nicht teilweise, sondern ganz und unaufhörlich.
Wenn wir dies begreifen, nehmen wir die Segnungen wahr, die wir durch Festhalten an dem geistigen oder rechten Begriff von Fülle beim Lösen gewisser Probleme ernten können. Wir sehen klar, daß die Tatsache geistiger Fülle jedem Anspruch von Begrenzung oder Mangel entgegengesetzt ist. Unsere Führerin gibt uns auf Seite 129 und 233 in Wissenschaft und Gesundheit weitere Unterweisung, wenn sie schreibt: „Willst du die geistige Tatsache erkennen, so kannst du sie dadurch entdecken, daß du die materielle Fabel umkehrst”, und: „Die Gegentatsache in bezug auf eine jede Krankheit ist nötig, um die Krankheit zu heilen”. Die zweite dieser Regeln kann ebensogut auf Begrenzung und Mangel wie auf jede andere Art Mißklang angewandt werden. Wir können leicht einsehen, daß das Gegenteil oder die Umkehrung von Mangel Fülle ist. Wir müssen von der Kraft der geistigen Idee Fülle Gebrauch machen, um jeden irrigen Sinn von Begrenzung im menschlichen Bewußtsein zu vernichten; denn auf dieser rechten Idee beruht unsere ganze metaphysische Arbeit.
Der Widerspiegelung Gottes kann nichts mangeln. Was der wirkliche Mensch braucht, wird durch das befriedigt, was Paulus „die Frucht des Geistes” nennt: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit” usw. Diese Eigenschaften sind wesenhaft und drücken die unerschöpfliche geistige Fürsorge oder göttliche Fülle aus. Unser menschliches Bedürfnis ist in dem Maße befriedigt, wie wir diesen Vorrat von Ideen und geistigen Eigenschaften erkennen und benützen.
Die Liebe als das göttliche Prinzip ist die Quelle wahrer Substanz und Fülle. Als die Idee Gottes, der Liebe, spiegelt der Mensch die Fülle der Liebe wider und zwar aus dem einzigen Grunde, weil Gott, sein Vater, die Merkmale der Liebe durch Seine geistige Idee, den Menschen, ununterbrochen ausdrückt. Das folgerichtige Ergebnis des Verständnisses geistiger Fülle ist, daß man nie Mangel an Intelligenz, Weisheit, Gesundheit, Liebe — an geistigen Ideen — haben kann, wenn wir uns jeden Augenblick wahrhaft bewußt sind, daß „wir in ihm leben, weben und sind”,— in dem unendlichen Gott oder dem göttlichen Gemüt, der reichen und einzigen Quelle aller wirklichen Substanz. Diese Erkenntnis zwingt uns, von dem geistigen Vorrat, mit dem wir reichlich versorgt sind, mehr zu geben. Tun wir es, so finden wir, daß unser Herz von Liebe zu unserem Nächsten überfließt, daß wir ihm zu helfen und ihn durch Widerspiegelung der göttlichen Liebe mit immer mehr Freundlichkeit, Wohlwollen und Liebe zu erfreuen wünschen. Durch unaufhörliches Geben beweisen wir Fülle.
Wenn Jesus für das menschliche Unterhaltsbedürfnis sorgte, bewies er immer Fülle. Er tat dies auf der Hochzeit zu Kana, wo er das Wasser in Wein verwandelte, am Ufer des Galiläischen Meeres, wo die Jünger auf seine Anweisung einen reichen Fischzug taten, und bei der Speisung des Volks in der Wüste. Unser Meister war sich, wie immer, der geistigen Wirklichkeit und der göttlichen Gegenwart bewußt, als er sagte: „Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen”.
