„Der Traum der Krankheit wird durch das Verständnis beendet, daß Krankheit von dem menschlichen Gemüt gebildet wird, nicht von der Materie, noch von dem göttlichen Gemüt”, schreibt Mary Baker Eddy auf Seite 396 im christlich-wissenschaftlichen Lehrbuch „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift”.
Diese Erklärung steht in auffallendem Gegensatz zu dem allgemein herrschenden Glauben der Sterblichen; denn leider hat die irregeleitete Menschheit Krankheit und ähnliche körperliche Schwierigkeiten von jeher für Zustände der Materie gehalten, die auf viele und mancherlei materielle Ursachen zurückzuführen seien.
Bis zur Entdeckung der Christlichen Wissenschaft, die Mrs. Eddy im Jahre 1866 machte und der Welt durch ihre veröffentlichten Schriften und die von ihr gegründete über die ganze Welt ausgebreitete Bewegung gab, wurde Krankheit nicht als ein Traumzustand, sondern als ein tatsächlicher körperlicher Zustand angesehen. Infolge falscher religiöser Lehren haben fromme Christen geglaubt, daß Gott Seinen Kindern in manchen Fällen Krankheit und andere Disharmonien geschickt habe, damit sie eine nötige Lehre daraus ziehen könnten.
Wohl jedermann weiß, was Nachtträume sind. Manchmal ist der Traum angenehm, manchmal erscheint er unangenehm. Aber er ist immer eine Trugvorstellung, nie eine Wirklichkeit. Wacht man aus einem Nachttraum auf, so kümmert man sich nicht darum, woher er kam. Man hält keinen Traumzustand für wirklich, noch erwartet man gute oder schlimme Folgen davon.
Jemand könnte fragen: Wie kann ich Krankheit für einen Traum halten, wenn ich vollständig wach bin und in diesem Augenblick die Krankheit nicht nur sehe, sondern am Körper spüre? Ihre Art und ihre Anzeichen, ihr offenkundiger Verlauf und ihre Heftigkeit schrecken mich. Ich habe meine frühere Rührigkeit, meine Kraft, meinen Frieden und mein Wohlbefinden nicht mehr. Können diese Disharmonien nur ein Traum sein?
Auf alle solche Fragen gibt die Christliche Wissenschaft eine beruhigende und ermutigende Antwort, eine vernünftige, verständige und wissenschaftliche Erklärung der Wahrheit über die Lage. Sie erklärt unumwunden, daß das geistige Verständnis des Echten nicht durch Erforschung und Beobachtung einer Fälschung erlangt werden kann. Nur durch das richtige Verständnis des unbedingt Wirklichen können wir wirkliche geistige Tatsachen erkennen.
Was ist Wirklichkeit? Alles Vollkommene, Harmonische, Geistige, Ewige, vollständig Gute — ja, nur der unendliche Gott und Seine unsterbliche Schöpfung bilden die Wirklichkeit. Gott ist das höchste Wesen, und Sein erhabenstes Werk ist der Mensch Dieser ist die vollkommene Kundwerdung des Wesens Gottes. Gott ist das Gemüt, der Geist, die Seele, die Liebe. Der Mensch, das vollkommene Bild Gottes, ist ewig gottähnlich, d.h. von gleicher Art wie das Gemüt, der Geist, die Liebe. In Gott ist ganz gewiß keine Materialität; keine Materie. Daher ist Gottes Bild, der Mensch, gänzlich geistig, göttlich mental, ewig vollkommen.
Auf Grund der Bibel sind wir ermächtigt zu erklären, daß Gott alles machte, was ist, und daß Seine ganze Schöpfung „sehr gut” ist. Mehr als alles kann es nicht geben. Die Behauptung, daß etwas, was von Gott und Seiner gänzlich guten Schöpfung getrennt ist, bestehe oder gegenwärtig sei und Macht habe, ist ein Irrtum, eine Unwahrheit, ein Unding, eine trügerische Annahme. Was also Siechtum, Schmerz oder Krankheit genannt wird, muß, da es Gott unbekannt ist und nicht zu Seiner Schöpfung gehört, als Unwirklichkeit erkannt werden, weil es tatsächlich keinen Ursprung, kein Dasein hat. Wie der Nachttraum scheinen die Disharmonien, die Krankheiten und die Leiden der Menschen dem mutmaßlichen materiellen Sinn wirklich; aber sie sind Gott und Seinem Menschen unbekannt. Der sogenannte materielle Sinn steht in keiner Beziehung zu dem Gemüt, und sein Zeugnis ist weder im Schlaftraum noch im wachen Traum wahr. Das Gemüt ist Gott, und von Gott kommt alles wirkliche Denken zum Menschen. So sehen wir, daß der Glaube an ein anderes Gemüt, von dem böse, furchtsame, sündige und kranke Gedanken zu uns kommen, eine unwirkliche Annahme, eine Lüge ist, die fälschlich behauptet, daß Gott nicht das einzige Gemüt sei.
Durch ihre Erklärung, daß Krankheit ein vorübergehender Traum ist, bietet die Christliche Wissenschaft allen, die zu leiden scheinen, nicht nur liebevolle Ermutigung, sondern enthüllt auch die praktische, gegenwärtige und dauernde Hilfe unseres allmächtigen Vater-Mutter-Gottes. Wenn ein Christlicher Wissenschafter jemand helfen will, aus einem Krankheitstraum aufzuwachen, muß er verstehen, daß Krankheit unwirklich ist, und muß durch Liebe dem Patienten helfen, diese Tatsache zu verstehen. Sobald die völlige Unwirklichkeit einer Sache erkannt wird, ist die Furcht davor verschwunden; denn jedermann weiß, daß eine Unwirklichkeit machtlos ist. Unsere verehrte Führerin erklärt (Wissenschaft und Gesundheit, S. 417): „Für den christlich-wissenschaftlichen Heiler ist Krankheit ein Traum, aus dem der Patient erweckt werden muß. Krankheit sollte dem Arzt nicht wirklich erscheinen; denn es ist demonstrierbar, daß die Art und Weise, den Patienten zu heilen, darin besteht, ihm die Krankheit unwirklich zu machen. Um dies tun zu können, muß der Arzt die Unwirklichkeit von Krankheit in der Wissenschaft verstehen”.
Daß Krankheit und Tod nur zeitliche Träume des sterblichen Gemüts sind, verstand Christus Jesus klar. Als er benachrichtigt wurde, daß sein Freund Lazarus krank sei, sagte er: „Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, daß ich ihn aufwecke”. Als der Oberste der Schule ihn bat, in sein Haus zu kommen, weil seine einzige Tochter im Sterben liege, brachte ein Bote dem Obersten die Nachricht, daß das Kind gestorben sei. Ganz unerschrocken sagte Jesus zu Jairus: „Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gesund!” Und als er in das Haus gekommen war, sagte er zu denen, die weinten: „Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft”. Durch sein geistiges Verständnis Gottes, des Lebens, konnte Jesus sehen, daß Krankheit und Tod so unwirklich sind wie ein Nachttraum. Und da er sie richtig als Trugvorstellungen erkannte, vergingen sie sofort im Lichte der göttlichen Wahrheit.
Als Mrs. Eddy die Tatsache verkündigte, daß Krankheit nicht durch die Materie sondern durch das sogenannte sterbliche Gemüt hervorgerufen wird, begegnete man ihrer Behauptung mit Unglauben, Hohn und Ablehnung. Heute erklären jedoch sogar hervorragende Ärzte, daß Gefühlsbewegungen wie Furcht, Haß, Eifersucht, Rache usw., die sämtlich Erscheinungsformen des sterblichen Gemüts sind, Gifte im menschlichen Körper erzeugen und diesen krank machen. Nur die Christliche Wissenschaft bietet das wissenschaftliche Verständnis, das jeder aufrichtige, ehrliche Sucher der Wahrheit zum Überwinden und Ausrotten der Sünde und ihrer Scheinwirkungen anwenden kann.
Eine christlich-wissenschaftliche Behandlung oder Gebet ist keine Formel. Es ist mehr als das hörbare oder stille Wiederholen von Worten, selbst wenn es Worte sind, die von Jesus, dem Apostel Paulus oder von Mrs. Eddy stammen. Unaufhörliches Erklären abgedroschener Redensarten oder leerer Phrasen kann nie dem Gebet geistigen Wissens gleichkommen, das Christus Jesus, seine Jünger und Mrs. Eddy liebten und anwandten. Gut sein, das Gute lieben, die Liebe verstehen, die Gott ist, und diese Liebe in Liebe zu der ganzen Menschheit bekunden, ist wahres Gebet. Dieses von Liebe zu Gott und dem Menschen eingegebene und durch die göttliche Wissenschaft regierte Gebet weckt den einzelnen aus dem zeitlichen Sünden- oder Krankheitstraum auf.
Mrs. Eddy bewies, was sie lehrte. Auf Seite 69 und 70 in „Miscellaneous Writings” berichtet sie über die Heilung eines schwer leidenden Mannes, der dem Tode nahe zu sein schien. Die Ärzte hatten den Leidenden nicht heilen, ja nicht einmal seine Schmerzen lindern können. Nach der ärztlichen Feststellung war die Speise, die der Mann gegessen hatte, die Ursache seiner Krankheit, und eines der angewandten Heilmittel war ein giftiges Öl. Mrs. Eddy gab diesem Manne eine christlich-wissenschaftliche Behandlung, wodurch er nach einer Stunde gesund war. Sie wußte, daß der körperliche Anschein die Wirkung des sterblichen Denkens oder falscher Annahme war, und ihre metaphysische, wissenschaftliche, geistige Behandlung vernichtete die irrige Annahme, rottete sie aus und gab dem Manne seine normale Gesundheit wieder.
Gott, die Liebe, ist das göttliche Prinzip der Christlichen Wissenschaft und ist die einzige Macht. Unsere Führerin schreibt (The First Church of Christ, Scientist, and Miscellany, S. 132, 133): „Die göttliche Liebe wird auch Krankheit zurechtweisen und vernichten, und den Glauben an Leben in der Materie vernichten. Sie wird den Träumer — den Sünder, der von Freude an der Sünde träumt; den Kranken, der von leidender Materie träumt; den Trägen, der im Schlafen und Träumen Befriedigung findet — aufwecken”; und: „Sie verbindet, die gebrochenen Herzens sind; heilt den armen Körper, dessen ganzer Kopf krank und dessen ganzes Herz matt ist; tröstet die Leidtragenden, wischt die nutzlosen, müden Tränen ab, bringt den Wanderer ins Vaterhaus zurück, in dem es viele Wohnungen, viel Willkommen, viel Vergebung für die Reumütigen gibt”.
Diese erweckende Kraft und Gegenwart der Wahrheit steht allen zu Gebote, und alle, die sie sich zunutze machen, verlieren nichts Gutes, sondern werden unermeßlich gesegnet.
