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Offenbarung und Offenbarer

Aus der Januar 1939-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Es ist möglich, daß Johannes glaubte, das zweite Kommen Christi werde sich in der allernächsten Zukunft ereignen, als er die Erscheinungen, die er auf der Insel Patmos hatte, in morgenländischer Bildersprache berichtete. In seiner sinnbildlichen Beschreibung im 12. Kapitel und in anderen Teilen der Offenbarung mag es sich daher um Ereignisse gehandelt haben, von denen er glaubte, daß sie unmittelbar bevorstünden. Daß die vorausgesagten Veränderungen nicht zu Lebzeiten des Johannes oder in den nächstfolgenden Jahrhunderten eintrafen, beweist jedoch nicht, daß seine Weissagung trügerisch war. Tatsache ist, daß seine prophetische Vision gegenwärtig in Erfüllung geht, und dies ist Grund zur Freude.

Als Jesus die Zerstörung der Materie und das zweite Kommen Christi weissagte und seine Jünger ihn fragten: „Meister, wann soll das werden?”, nannte er in seiner Antwort keine bestimmte Zeit; dagegen sprach er von gewissen Zeichen, die zuvor geschehen würden. „Alsdann”, sagte er, „werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit”.

Daß Jesus ein andermal sagte: „Und ich will den Vater bitten, und er soll euch einen andern Tröster geben, daß er bei euch bleibe ewiglich”, beweist, daß er wußte, daß das Denken der Welt noch nicht reif war für die volle und endgültige Offenbarung des Christus, der Wahrheit — der Wissenschaft des Seins. Er wußte, daß der verheißene Tröster zur rechten Zeit kommen würde. Viele Jahre lang warteten mühselige und beladene Sterbliche auf diesen Tröster — den „Geist der Wahrheit”— der zu ihnen kommen sollte. Im finstern Mittelalter trübten Materialismus und Schulweisheit das Licht der geistigen Wahrheit in solchem Maße, daß es fast ganz aus den Augen verloren ging. Mit der Reformation begannen sich die Wolken zu lichten, und nachdem die Menschheit erheblichen Fortschritt in größerer Gedankenfreiheit gemacht hatte, war sie mehr als zuvor für das Kommen des Trösters bereit.

Als schließlich die Pilger aus der alten Welt auswanderten, um in der neuen Welt größere Religionsfreiheit zu sichern, bahnten sie den Weg zu Mary Baker Eddys Entdeckung, daß der von Jesus verheißene Tröster in der Tat heute bei den Menschen gegenwärtig ist und mit den Worten des Meisters wieder zu ihnen sagt: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken”.

Daß das zeitgenössische Denken den weitreichenden Blick erlangt hatte, wodurch es sich mit einer gewissen Erwartung einer neuen Offenbarung der Wahrheit zuwenden konnte, und daß es vielleicht unklar erkannt hatte, daß diese Offenbarung durch eine Frau kommen muß, geht daraus hervor, daß Nathaniel Hawthorne mehrere Jahre vor der Entdeckung der Christlichen Wissenschaft schrieb, daß „in des Himmels eigener Zeit eine neue Wahrheit geoffenbart werden würde” Und er fuhr fort: „Der Engel und Apostel der kommenden Offenbarung muß in der Tat eine Frau sein; aber eine hochstehende, reine und schöne Frau, die außerdem weise ist, und zwar nicht durch Trübseligkeit, sondern durch das himmlische Medium der Freude”.

Mrs. Eddy schreibt in „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift” (S. 109): „Nach meiner Entdeckung suchte ich drei Jahre lang nach der Lösung dieses Problems des Gemüts-Heilens, forschte in der Heiligen Schrift, las wenig anderes, hielt mich von der Gesellschaft fern und widmete Zeit und Energie der Entdeckung einer positiven Regel. Das Forschen war lieblich, ruhevoll und von Hoffnung getragen, weder selbstisch noch niederdrückend”. Dies scheint mit Hawthornes Erklärung übereinzustimmen, daß die „neue Wahrheit”, wie er sie nennt, durch „das himmlische Medium der Freude” geoffenbart werden soll.

Aus vielen Stellen der veröffentlichten Werke Mrs. Eddys geht hervor, daß sie sich als die von Gott Erwählte erkannte, die in unserer Zeit der Menschheit den von Jesus verheißenen Tröster bringen sollte. Sie schreibt z.B. im Vorwort zu Wissenschaft und Gesundheit (S. xi): „Als Gott die Verfasserin dazu berief, diesem Zeitalter Sein Evangelium zu verkünden, erhielt sie zugleich den Befehl, Seinen Weinberg zu bepflanzen und zu bewässern”. Es kann gesagt werden, daß diejenigen, die „berufen” sind, eigentlich diejenigen sind, die antworten. Und zu allen Zeiten waren diejenigen, die von dem göttlichen Gemüt, dem Geist, Gott, „berufen” wurden, Sein Wort zu verkündigen, diejenigen, die bereit waren, wie der Knabe Samuel zu antworten: „Rede, Herr, denn dein Knecht hört”.

Daß Mrs. Eddy glaubte, daß das „Weib, mit der Sonne bekleidet” (Offenb. 12, 1) die geistige Idee Gottes versinnbildlicht, geht aus einer Stelle auf Seite 561 in Wissenschaft und Gesundheit hervor, wo sie schreibt: „Das Weib in der Apokalypse versinnbildlicht die Gattung Mensch, die geistige Idee Gottes; sie veranschaulicht die Übereinstimmung von Gott und Mensch als dem göttlichen Prinzip und der göttlichen Idee”. Aber es ist aus dieser und aus anderen Stellen im Lehrbuch und in ihren anderen Schriften auch ersichtlich, daß sie wußte, daß sie von Gott beauftragt war, unserem Zeitalter und künftigen Zeiten die geistige Idee oder das Christusideal zu offenbaren, das durch das Weib in der Offenbarung des Johannes dargestellt ist (vgl. Wissenschaft und Gesundheit, S. 565:15–25).

Daher sehen die Christlichen Wissenschafter ihre geliebte Führerin nicht nur als die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft an, sondern auch als die von Gott berufene Offenbarerin des Christus, der Wahrheit. Indem die Christlichen Wissenschafter so die wahre Stellung ihrer Führerin anerkennen und ihr die ihr gebührende Ehre, Liebe und Dankbarkeit erweisen, vergöttern sie sie aber nicht, sondern sie lassen sich durch ihre eigenen Worte auf Seite 308 in „Miscellaneous Writings” leiten: „Die Heilige Schrift und die Christliche Wissenschaft offenbaren den Weg, und persönliche Offenbarer werden ihren rechten Platz in der Geschichte einnehmen, aber nicht vergöttert werden”.

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