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Des Paulus „Lied von der Liebe”

Aus der Juli 1940-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft


Das 13. Kapitel des 1. Briefs an die Korinther ist schon „des Paulus Lied von der Liebe” genannt worden, und es ist auch schon als „eine dichterische Wiedergabe der Bergpredigt—die Seligpreisungen in Musik gesetzt”—bezeichnet worden. Dieses wunderbare Kapitel wird von Bibelforschern allgemein als eine der erleuchtendsten und hilfreichsten Bibelstellen betrachtet. Es entsprang der reichen Erfahrung des großen Apostels im Predigen und Anwenden der Wahrheit, wie Christus Jesus sie lehrte und bewies.

Bekanntlich wird das Wort „charity“ in der englischen Bibelübersetzung von fast allen neuzeitlichen Übersetzern mit „Liebe” wiedergegeben, wodurch das Wort mehr als Almosengeben oder bloße menschliche Freundlichkeit bedeutet und zur Widerspiegelung der göttlichen Liebe emporgehoben wird. So ist leicht zu sehen, warum die Liebe, die die Liebe widerspiegelt, als unentbehrlich für den Christen in seinem Kampfe mit dem Bösen angesehen werden sollte. Paulus zeigt, daß die Liebe alles Wissen und allen Glauben überragt, wenn er schreibt: „Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts” (1. Kor. 13, 2). Und Mary Baker Eddy schreibt in „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift” (S. 113): „Das Lebenselement, das Herz und die Seele der Christlichen Wissenschaft ist Liebe. Ohne diese ist der Buchstabe nichts als der tote Körper der Wissenschaft—ohne Pulsschlag, kalt, leblos”.

Die Kenntnis des Buchstabens der Christlichen Wissenschaft ist wertlos ohne jene Eigenschaft Liebe, die die unendlich barmherzige, gütige Art Gottes, der göttlichen Liebe, ausdrückt. Nur durch Erkennen und Beweisen dieser Tatsache wird echte Heilung und Erneuerung vollbracht. Wenn die Liebe, die die Liebe widerspiegelt, bewußt gegenwärtig ist, kann nichts ihrer heilenden und erlösenden Kraft widerstehen. Haß, Furcht, Neid, Groll, Sünde, Schmerzen, Krankheit und Tod können nicht in der Gegenwart der verstandenen Liebe bleiben. Mrs. Eddy schreibt (Wissenschaft und Gesundheit, S. 365): „Wenn der Wissenschafter seinen Patienten durch die göttliche Liebe erreicht, wird das Heilungswerk in einem Besuch vollbracht werden, und die Krankheit wird wie der Tau vor der Morgensonne in ihr natürliches Nichts vergehen”.

„Die Liebe ist langmütig und freundlich”, fährt Paulus in seinem Liede fort. Wer von dem wahren Sinn der Liebe beseelt ist, neigt in seinen Beziehungen zu anderen ganz natürlich und unvermeidlich zu Duldsamkeit, Geduld und Freundlichkeit. Er kann und sollte jedoch das Böse nicht dulden, weil er versteht, daß das Böse in jeder Hinsicht Gott, dem unendlich Guten, ganz unähnlich ist und daher nicht zu entschuldigen ist, sondern als unwirklich und machtlos bewiesen werden muß. Wenn der Christliche Wissenschafter das Böse verdammt, ist er vorsichtig, daß er nicht den verdammt, der vorübergehend das Opfer des Bösen zu sein scheint. Er versteht, daß wahres Vergeben der Sünde im Beweisen ihrer Unwirklichkeit besteht.

„Die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht”. Daher läßt sich einer, der wirkliche Liebe widerspiegelt oder ausdrückt, nicht täuschen, daß er glaubt, er könne von sich selber, ohne die göttliche Hilfe, etwas tun, obgleich er versteht, daß „bei Gott alle Dinge möglich sind”. Unsere Führerin schreibt (Miscellaneous Writings, S. 183): „Alles, was Gott möglich ist, ist dem Menschen als Gottes Widerspiegelung möglich”. Dies erzeugt jedoch nicht Stolz oder Dünkel, sondern im Gegenteil Demut und Dankbarkeit für die allmächtige, immergegenwärtige Art der göttlichen Liebe. Der wahrhaft liebende Mensch ist nicht lässig oder unterwürfig, obgleich er jene Sanftmut ausdrückt, die das Gegenteil von Anmaßung und Selbstüberhebung ist. Im Leben eines wahren Christlichen Wissenschafters hat Machtstolz, Stolz auf Verstand oder auf Leistung keinen Raum.

„Die Liebe höret nimmer auf”. Wirkliche Liebe kann nicht fehlen, weil sie ein Ausdruck des Prinzips ist, und das Prinzip ist unfehlbar. Die Art Liebe, die die göttliche Liebe, das Prinzip, widerspiegelt, strauchelt nicht vor Hindernissen oder Schwierigkeiten, selbst wenn sie dem menschlichen Sinn unüberwindlich scheinen. Geistige Liebe ist dauernd, unveränderlich, beständig. Der menschliche falsche Begriff von Liebe vergeht und versagt. Dieser persönliche Sinn von Liebe kann in Haß, das Gegenteil wirklicher Liebe, umschlagen. Er kann mit Selbstsucht, Neid und Eifersucht befleckt sein. Er kann von Furcht beeinflußt oder sogar beherrscht sein; aber die Art Liebe, die das Prinzip widerspiegelt, unterliegt keinem widrigen Einfluß.

Paulus weist auf die Tatsache hin, daß Weissagungen versagen können, daß Sprachen aufhören können, daß menschliches Wissen vergehen kann; und die Erfahrung beweist, daß dies wahr ist. Er zeigt, daß menschliches Lernen nur einen schwachen Schimmer der Wirklichkeit oder der geistigen Vollkommenheit gewährt; denn er sagt: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich’s stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin”. Er verstand offenbar, daß die Erkenntnis der Vollkommenheit durch die Materialität verdunkelt wird, daß aber in dem Verhältnis, wie göttliche Erleuchtung den Nebel zerteilt, geistige Wahrnehmung einen befähigt, sich so zu erkennen, wie Gott einen kennt—als vollkommen und ewig.

Am Schlüsse seines großen Lieds von der Liebe sagt Paulus: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen”. Der Verfasser des Hebräerbriefs nennt den Glauben „eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht”. Die Christliche Wissenschaft lehrt, daß der Glaube eine wünschenswerte, für den christlichen Kampf sehr nötige Eigenschaft ist. Jesus forderte oft Glauben von denen, die ihn um Hilfe baten. Doch muß der Glaube, um von dauerndem Wert zu sein, auf dem wissenschaftlichen, beweisbaren Verständnis der Liebe als dem Prinzip beruhen. Es ist schon gesagt worden, daß Hoffnung „immerdar in der menschlichen Brust entspringe”, und die Menschen wären ohne Hoffnung wahrlich in einer bedauerlichen Lage. Aber die größte und nötigste Eigenschaft ist Liebe, weil sie das ist, was bleibt, da sie die Art, das Wesen Gottes, der das Prinzip, die allumfassende, unwandelbare, ewige göttliche Liebe ist, am besten ausdrückt.

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