Die Christliche Wissenschaft gibt für Gott u.a. die zwei sinnverwandten Ausdrücke Wahrheit und Liebe; ja, diese sind die Hauptstützen ihrer Lehre. Die reine und genaue Wahrheit ist in Gottes Schöpfung dargeboten; und die Liebe, das belebende Prinzip oder das Leben, das durch das Gesetz immerwährender und harmonischer Tätigkeit wirkt, regiert und erhält das ganze Weltall einschließlich des einzelnen Menschen.
Was einem manchmal zuerst auffällt, wenn man in eine christlich-wissenschaftliche Kirche kommt, sind zwei Wandinschriften, meist die Worte des Johannes: „Gott ist Liebe”, und Mary Baker Eddys Worte: „Die göttliche Liebe hat immer jede menschliche Notdurft gestillt und wird sie immer stillen” (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 494).
Dem empfänglichen Fremden sind diese Inschriften fast eine Offenbarung, die sein Bewußtsein aufwecken und zum Nachdenken einladen. Die Versicherung der göttlichen Liebe ist an ihn wie an alle gerichtet. Vielleicht hat er ein menschliches Bedürfnis zu befriedigen, ein Problem zu lösen, eine Heilung zu erlangen, einen Kummer zu lindern, eine Sünde zu überwinden, einem Mangel abzuhelfen.
Die Verheißung, die die Christliche Wissenschaft im Namen der göttlichen Liebe allen gibt, bringt bekümmerten, geängstigten Herzen die Ruhe, die Hoffnung und die Zuversicht, die sie brauchen. Die Christliche Wissenschaft, die auf der göttlich eingegebenen Erklärung der Bibel beruht, anerkennt Gott als die Liebe, als das unwandelbare göttliche Prinzip, das alles regiert. In der Lehre und der Ausübung der Christlichen Wissenschaft legt unsere verehrte Führerin Mary Baker Eddy die Liebe als das göttliche Prinzip aus. Sie erklärt ausdrücklich, die „Liebe gibt uns die klarste Idee von der Gottheit” (Wissenschaft und Gesundheit, S. 517). Und sie schreibt auch (Wissenschaft und Gesundheit, S. 113): „Das Lebenselement, das Herz und die Seele der Christlichen Wissenschaft ist Liebe. Ohne sie ist der Buchstabe nichts als der tote Körper der Wissenschaft—ohne Pulsschlag, kalt, leblos”.
Der Wissenschafter, der die Tatsache erfaßt, daß die Liebe das unveränderliche Prinzip ist, das die eine geistige Schöpfung regiert, erhält, stützt und schützt, kommt unvermeidlich zu dem Schluß, daß das Widerspiegeln der Liebe das Entscheidende, der Beweggrund und der Antrieb beim Heilen ist. Der Christliche Wissenschafter muß wachsam sein, damit er den wahren Sinn der Liebe zu seinem Nächsten nicht aus den Augen verliert und die Art und den Wert einer hilfreichen Handlung, eines freundlichen Wortes nicht übersieht, wenn er einem Notleidenden Heilung bringt. Die einfachste Wahrheit bringt oft Heilung. Diese Einfachheit beruht auf der Allheit der Liebe. Was könnte denn einfacher sein, als seinen Nächsten wie sich selber zu lieben? Solches Lieben bedarf nicht der Anführung von Beweisgründen.
Wenn unsere Probleme schwierig zu lösen oder unsere Heilungen sich in die Länge zu ziehen scheinen, braucht es nicht daran zu liegen, daß unser Verständnis der Wahrheit unzureichend ist, sondern es kann sein, daß unsere Liebe und unser Glaube an das Gute ungenügend ist. Bloßes Wiederholen wahrer Erklärungen heilt nicht. Es genügt nicht zu erklären, daß Gott die Liebe ist, und daß Er für alle unsere Bedürfnisse sorgt, und dann untätig zu warten, ohne uns die Wahrheit unserer Erklärung zu vergegenwärtigen. Wir müssen die Liebe so widerspiegeln, daß es unsere Aufrichtigkeit beweist. Die göttliche Liebe, die in liebevollen Eigenschaften wie Gütigkeit, Freundlichkeit, Sanftmut, Erbarmen usw. widergespiegelt wird, löscht den menschlichen Glauben an Mißklang aus, gleichviel, ob er als Krankheit, als Mangel oder in irgend einer andern Form erscheint.
Gott, das Gute, hat kein Gegenteil. Wie können wir die göttliche Liebe anrufen, uns zu heilen und zu erretten, wenn wir zu gleicher Zeit die sterblichen Annahmen Unfreundlichkeit oder Groll gegen unsern Nächsten im Herzen hegen? In seinen verschiedenen Briefen und besonders in seinem ersten Briefe an die Korinther mißt der Apostel Paulus der christlichen Liebe einen so hervorragenden Wert bei, daß er sie sozusagen zum Eckstein des Christentums macht. Aus seiner erleuchteten Erklärung lernen wir, daß wir ohne Liebe nichts sind und nichts tun können; daß Liebe mehr als nur ein Mittel oder ein Weg ist—sie ist die Widerspiegelung der göttlichen Liebe; und dies zu beweisen, ist unser Ziel. Was für wunderbare Beweise wir im Familienleben, im Geschäft und in unseren Kirchen haben, wenn wir gewissenhaft Liebe üben! Laßt uns also der Liebe keine Grenzen setzen, und laßt uns eingedenk sein, daß sie allumfassend und unparteiisch ist (vgl. Wissenschaft und Gesundheit, S. 13).
Wenn sich uns Gelegenheit bietet, einem Mitmenschen zu helfen, laßt es uns mit einem von Liebe und Dankbarkeit überströmenden Herzen tun! Laßt uns sehen, daß sein wirkliches Selbst geistig ist, laßt uns das Kind Gottes sehen, das geistig und gut, mit göttlicher Vollkommenheit angetan ist! Das Problem ist gelöst, wenn wir uns bewußt werden, daß das Werk und die Kraft der göttlichen Liebe durch dieses wahre Zeugen kund werden.
Unsere Führerin gibt uns auf Seite 496 in Wissenschaft und Gesundheit u.a. den Rat, den wir nicht vergessen sollten: „Halte beständig folgenden Gedanken fest—daß es die geistige Idee, der Heilige Geist und Christus ist, der dich befähigt, die Regel des Heilens mit wissenschaftlicher Gewißheit zu demonstrieren, die Regel, die sich auf ihr göttliches Prinzip, Liebe, gründet, die allem wahren Sein zu Grunde liegt, es bedeckt und es umschließt”.
