Jesaja richtet in der Bibel die gütig einladenden Worte an uns (42:10, 11): „Singet dem Herrn ein neues Lied, seinen Ruhm an der Welt Ende ... es sollen jauchzen, die in Felsen wohnen, und rufen von den Höhen der Berge.“ Zahlreiche hervorragende Erfahrungen beweisen, daß die Bedeutung dieser Worte von vielen der großen Bibelgestalten erfaßt und in ihrem Leben demonstriert wurde; ebenso wie im Leben derer, die sich aufrichtig bemühen, in den Fußtapfen der großen Vorbilder zu wandeln.
Matthäus, zum Beispiel, erzählt uns, daß Jesus, nachdem er das Passahmahl mit seinen Jüngern eingenommen hatte, bevor er den Garten von Gethsemane betrat, einen Lobgesang mit seinen Jüngern anstimmte. Es war in der Tat seine Mitternachtsstunde, denn bald sollte er von dem Jünger, den er geliebt und mit aller Sorgfalt gelehrt hatte, verraten, von einem andern verleugnet werden; er selbst stand dicht vor seiner härtesten Prüfung, der Kreuzigung. Ist es nicht bezeichnend, daß er in dieser ernsten, folgenschweren Stunde sein Denken einem geistlichen Lied zuwandte?
Auch für Paulus und Silas schien die Mitternachtsstunde dunkel, als sie gebunden im Gefängnis lagen; doch auch sie erhoben ihr Denken und gaben ihrer Überzeugung von der Wahrheit in geistlichen Gesängen Ausdruck. So wurden nicht allein Paulus und Silas befreit, sondern auch alle, die dieser frohen Heilsbotschaft lauschten, wurden gesegnet.
Paulus bewies sich selber die trostspendende, heilende Kraft des geistlichen Liedes, und er ermahnte Christi Nachfolger zu Einigkeit, Heiligkeit und Liebe mit den Worten (Eph. 5:18, 19): „Werdet voll Geistes: redet untereinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in euren Herzen.“ Zu jener Zeit widmete sich Paulus der großen und schwierigen Aufgabe, Eintracht in den christlichen Kirchen herzustellen und er ermahnte jene ersten Christen immer wieder zu Standhaftigkeit, Demut und Barmherzigkeit. Er wußte aus Erfahrung, daß Uneinigkeit, die aus menschlichen Gefühlen des Zwistes und Neides, der Eifersucht und Habgier entsteht, nicht in dem Herzen gedeihen kann, das von der all-harmonischen Melodie geistlicher Gesänge erfüllt ist. Heute wie damals werden alle gesegnet, die sich dem Verkünden solcher Heilsbotschaft widmen und ihr wirklich lauschen; es wird ihren Gang beschleunigen dem endgültigen Sieg entgegen, über alle Phasen des uneinigen sterblichen Denkens hinweg.
Die bahnbrechende Entdeckung der unerschrockenen Gründerin der Christlichen Wissenschaft Mary Baker Eddy war gewiß mühevoll. Und doch, wenn sie in „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift“ (S. 109) von dieser schwierigen Aufgabe spricht, sagt sie: „Das Forschen war lieblich, ruhevoll und von Hoffnung getragen, weder selbstisch noch niederdrückend.“ Späterhin, als mutige Führerin der christlich-wissenschaftlichen Bewegung, bewies sie unzählige Male, daß sie dem Christus freudig folgen konnte, auch wenn der Pfad rauh und steinig war. Müssen wir als aufrichtige Nachfolger Christi, der Wahrheit, und daher nicht der Notwendigkeit bewußt bleiben, das Gute freudig anzunehmen, und uns dem Heilungswerk der Christlichen Wissenschaft mit seinen mannigfachen, reichen Segnungen zu widmen und treu daran festzuhalten?
Eine Anhängerin dieser Wissenschaft empfing eines Tages solch reichen Segen. Alle Symptome einer Influenza traten plötzlich auf, und ihr Hals war schmerzhaft entzündet und geschwollen. Als sie aufrichtig um die Klarheit betete, die sie hindurch und zum Sieg führen würde, kamen ihr plötzlich die Worte aus „Wissenschaft und Gesundheit“ (S. 234) in den Sinn: „Alles, was Weisheit, Wahrheit oder Liebe einflößt — sei es nun Gesang, Predigt oder Wissenschaft — segnet die menschliche Familie mit Brosamen des Trostes von dem Tische Christi, speist die Hungrigen und gibt den Durstigen lebendiges Wasser.“ Darauf vernahm sie, wie eine Engelbotschaft, die Worte: „Warum singst Du nicht einen Lobgesang?“ Der Irrtum entgegnete: „Singen? Wenn ich kaum sprechen kann? Lächerlich!“ Trotzdem gehorchte sie dieser Eingebung, wenn auch unter großen Schwierigkeiten. Ungeachtet des Zeugnisses der physischen Sinne fuhr sie fort zu singen, bis ihr freudiger Lob- und Dankgesang an ihren Vater-Mutter Gott sie allmählich geheilt hatte.
Wir können die Bedeutung verstehen, die Mrs. Eddy dem fröhlichen, geistlichen Liede gibt, wenn wir sehen, daß sie es gleichstellt mit Predigt und Wissenschaft als ein Mittel, dem menschlichen Bewußtsein den heilenden Christus zu bringen. Warum sollte unser geistwärts gerichteter Fortschritt nicht eine freudevolle Erfahrung sein? Wie eins unserer Lieder sagt (engl. Liederbuch der Christlichen Wissenschaft, Nr. 65):
Von einer Herrlichkeit zur andern
Sei dieses unser frohes Lied.
Wir können nicht unsere Stimme fröhlich im Lied erklingen lassen und dabei unglücklich bleiben. Wenn unser Lied aufsteigt, erleichtert sich unser Herz, und wir werden frei von der Bürde sterblichen Denkens, ob es sich in Sünde, Krankheit, in Trennung oder irgendeiner anderen Form mangelnder Zufriedenheit ausdrückt.
Die Regeln der Christlichen Wissenschaft im täglichen Leben anwenden und beweisen ist der höchste Dienst, zu dem wir berufen sind und den wir uns selbst und der Menschheit zu leisten haben. Sollten wir deshalb nicht von einer hohen Warte aus an diese Dienstleistung herangehen, freudig, mit der Unmittelbarkeit, die der festen Überzeugung entspringt, daß der Sieg unser ist?
Als aufrichtige Nachfolger Christi, der Wahrheit, ist es unser Vorrecht und unsere Pflicht, die kummervollen Klagelieder des sterblichen Gemüts ungesungen zu lassen; statt dessen haben wir die beglückende Möglichkeit, den falschen Ankläger aus unserem Denken zu verbannen und das zu sein, was Gott schuf — Seine geliebten, all-harmonischen Kinder. Ist das nicht Anlaß genug zu einem Lobgesang? So laßt uns mit dem Triumphgesang der Christlichen Wissenschaft unseren Lauf fortsetzen, dem freudigen geistigen Sieg entgegen. Unter der Randüberschrift: „Das Triumphlied des Jubelfestes“ auf Seite 568 in „Wissenschaft und Gesundheit“ schreibt Mrs. Eddy: „Ein lauterer Gesang, süßer als je zuvor zum hohen Himmel emporgedrungen ist, steigt nun klarer und näher zu dem großen Herzen Christi auf, denn der Ankläger ist nicht da, und Liebe läßt ihre ureigene und ewige Weise erklingen.“
